Falsche Inflationsmessung

15.5.2015 – von Mark Thornton.

Mark Thornton

Die „Austrians“ stellen sich gegen den Versuch, man müsse die „Inflation“, die von Mainstream-Ökonomen als allgemeiner Anstieg der Preise verstanden wird, genau messen. (Die „Austrians“ betrachten Inflation als eine politisch herbeigeführte Ausweitung der Geldmenge.)

Vor einigen Jahren haben Mainstream-Ökonomen wie Paul Krugman die „Austrians“ gescholten, da derzeit in der Wirtschaft keine Preisinflation zu erwarten sei. Der Fehler dabei war jedoch, dass man sich dabei auf den Konsumentenpreisindex (CPI) konzentrierte. Betrachtet man die Wirtschaft aber mit eigenen Augen, erkennt man in so ziemlich jedem Markt steigende Preise, so wie bei Rohstoffen, Öl, Gold, Produktionsgütern, Immobilien, und Aktien.

Jüngst befürchteten die Mainstream-Ökonomen erneut, es gäbe nicht genug Inflation. Wieder haben sie eine übergroße Furcht vor der Deflation. Für sie ist die Angst eine Rechtfertigung für die Nullzins-Politik und quantitative Lockerung (QE), aber ihnen gelingt es nicht, zu erklären, warum genau wir steigende Preise brauchen. Wenn es um die Lebenskosten geht, bevorzugen die meisten Menschen fallende Preise – das charakterisiert typischerweise eine wirklich freie Marktwirtschaft.

Die Nutzlosigkeit des Messens der Preisinflation

In der Praxis gibt es Probleme mit Preisindizes wie dem CPI, zum Beispiel, welche Preise gemessen werden und welche Güter wie „gewichtet“ werden. Ein weiteres Problem ist der Umgang mit Qualitätsänderungen. Was tut man beispielsweise, wenn Apple ein neues und besseres iPhone zum Preis des Vorgängermodells auf den Markt bringt?

Um dieses Problem zu „lösen“, erhöhen die Statistiker der Regierung die Gewichtung der Güter, deren Preise fallen, und reduzieren die Gewichtung der Güter, deren Preise steigen. Steigt die Qualität eines Gutes, reduzieren die Statistiker das Preis des Gutes „hedonisch“.

Die meisten normalen Menschen werden die Art solcher Korrekturen als unfair betrachten. Isst man eher mehr Fertignudelgerichte und weniger Lammkeulen, ist man nicht besonders glücklich darüber, dass sich der CPI im festgelegten Zielbereich der Zentralbank befindet. Zusätzlich wird in diesem System hedonischer Korrekturen die Zentralbank jedes Mal, wenn Unternehmer und Ingenieure bessere Produkte zu niedrigeren Preisen auf den Markt bringen, dafür gelobt, die Inflation unter Kontrolle zu haben.

Eine Debatte über alternative Messungen

Ein Ökonom, der sich von diesen Berechnungsmethoden distanziert, ist John Williams, Herausgeber von ShadowStats.com. Williams zeigt alternative Messungen von Regierungsstatistiken, basierend auf älteren Methodologien, in denen die Güter, Gewichtungen und Qualitätskorrekturen eine geringere Rolle spielen. Seine CPI-Messungen zeigen beispielsweise sehr viel höhere Werte als die offiziellen Zahlen. Ob Williams‘ Berechnungen genauer als die offiziellen Zahlen sind, ist schwer zu sagen, da beide auf dem selben, von Grund auf mangelhaften Fundament gebaut sind.

Eine kürzlich erschiene Kritik von Williams‘ Statistiken kommt von Ed Dolan. Er kritisiert Williams nicht für seinen Glauben, dass der CPI die Auswirkungen einer Zentralbank auf die Lebenskosten herunterspielt, sondern wegen der Art und Weise, in welcher er sein alternatives Maß berechnet:

Niemand zweifelt wirklich daran, dass der CPI, so wie er jetzt berechnet wird, im Vergleich zu einem Maß mit einem fixierten Warenkorb ein untertriebenes Bild der Inflationsrate aufwirft. Was aber viele Ökonomen, mich eingeschlossen, so stutzig macht, ist das Ausmaß von Williams‘ Schätzungen.

Diese freundliche Meinungsverschiedenheit löst nicht die Probleme mit der Berechnung der Lebenskosten oder der Preisinflation, sondern betont nur die Sinnlosigkeit eines solchen Vorhabens – eine Ansicht, die erstmals von Ludwig von Mises formuliert wurde.

Weiterhin lenkt die ganze Diskussion von den wahren Wirkungen der „Geldpolitik“ der Zentralbank ab. Es ist zu vermuten, dass die Geldmenge ohne eine Zentralbank höchstens langsam wächst, da es einen realen Ressourcenaufwand benötigt, um Gold und/oder Silber (oder irgendetwas anderes, einschließlich Bitcoin) herzustellen, was dann als Basisgeld dient.

In einer wachsenden Marktwirtschaft führen technologische Verbesserungen und Produktivitätssteigerungen dazu, dass man ein reales Wirtschaftswachstum von mindestens 2-4 Prozent pro Kopf pro Jahr erwarten könnte. Erhöht sich die Geldmenge langsamer als die Produktion, erlebt die Wirtschaft eine Preisdeflation und die Währung gewinnt an Kaufkraft.

Was wäre der CPI mit einer fixierten Geldmenge?

Das wahre Ausmaß der Auswirkungen der Geldpolitik der Zentralbank wird besser sichtbar, wenn man die Konsumentenpreisinflation (höhere Preise) und die ausgebliebene Preisdeflation zusammennimmt. Diese Zahl zeigt dann ein genaueres Bild der negativen Auswirkungen, die die Geldpolitik einer Zentralbank auf den typischen Gehaltsempfänger hat. Der Ökonom Mark Brandly zeigt eine Schätzung dieses Schadens in der Wirtschaft, der größtenteils zu Lasten derjenigen mit einem fixierten Gehalt geht.

Er berechnet, wie der CPI der Vereinigten Staaten zwischen 1959 und 2005 mit einer fixierten Geldmenge ausgesehen hätte. Er verwendet die tatsächliche Geldmenge und den tatsächlichen CPI und kommt zum Schluss, dass der tatsächliche CPI im Jahr 2005 6,7 mal höher war als der CPI imn Jahr 1959. Ohne eine Ausweitung der Geldmenge, so seine Berechnungen, wäre er sogar um 80 Prozent gefallen, sodass der tatsächliche CPI vierunddreißig mal höher war als der CPI ohne Fed-Einfluss.

Was bedeutet das für Otto Normalverbraucher? Brandly gibt ein paar Schätzungen, wie die Welt, bezüglich der Preise, die Konsumenten zahlen würden, heute aussehen würde:

Lassen Sie uns das in allgemeiner Sprache ausdrücken. Nehmen wir an, dass diese Schätzungen die Preisänderungen bei Gütern wie Hamburgern, Autos und Immobilien repräsentieren. Laut diesen Zahlen würde ein Hamburger, der 1959 60 Cent gekostet hätte, in 2005 4 Dollar kosten. Wäre die Geldmenge jedoch fixiert, würde dieser Hamburger heute nur 12 Cent kosten. Ein 20.000 Dollar teures Auto hätte 1959 weniger als 3.000 Dollar gekostet. Ohne die monetären Auswirkungen auf die Preise würde dieses Auto heute nur 600 Dollar kosten. Der Preis eines 45.000-Dollar-Hauses in 1959 hätte sich bis 2005 auf 300.000 Dollar erhöht. Mit einer fixierten Geldmenge würde dieses Haus heute nur 9.000 Dollar kosten.

Wie auch immer, schlussendlich würde es nur wenig bewirken, den CPI zu „korrigieren“. Zentralbanken würden weiterhin den arbeitenden Bevölkerungsschichten schaden und die Wohlhabenden und die politische Kaste begünstigen. Zentralbanken haben die Anreize zum Sparen zerstört und Finanzmärkte in Kasinos verwandelt. Währenddessen ist die wirtschaftliche Ungleichheit die schlimmste in der amerikanischen Geschichte. Die Zentralbanken haben sich auf einen Nullzinskurs festgelegt, enorme wirtschaftliche Blasen kreiert, und sie haben zu viel Angst, die Richtung zu ändern, da sie dabei möglicherweise die Weltwirtschaft in die Luft sprengen. An dem Konsumentenpreisindex herumzudoktern wird diese Probleme nicht lösen.

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Aus dem Englischen übersetzt von Vincent Steinberg. Der Originalbeitrag mit dem Titel The Many Failures of the CPI ist am 29.4.2015 auf der website des Mises-Institute, Auburn, US Alabama erschienen.

Fotos: Ludwig von Mises Institute, Auburn, US Alabama

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Mark Thornton ist Senior Resident Fellow des Ludwig von Mises Institute in Auburn, Alabama und Redakteur des Quarterly Journal of Austrian Economics. Er ist Autor von “The Economics of Prohibition”, Koautor von “Tariffs, Blockades, and Inflation: The Economics of the Civil War“ sowie Herausgeber von “The Quotable Mises”, “The Bastiat Collection” und “An Essay on Economic Theory”.

 

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