Lasst uns aus der amerikanischen Währungsunion austreten

2.2.2015 – von Ryan McMaken.

Ryan McMaken

Die Schweizer Zentralbank hat vor kurzem die Bindung des Schweizer Franken an den Euro aufgegeben. Dieser Schritt erinnert uns an die Wichtigkeit von Wahlmöglichkeiten bei Währungen. Durch die Bindung des Schweizer Franken an den Euro hatte die Schweizer Zentralbank den Euro praktisch subventioniert, in dem sie sich weigerte, mit ihm zu konkurrieren. Bei langfristiger Fortführung wäre dies einer Währungsunion zwischen dem Euro und dem Franken gleichgekommen. Zum Glück für die meisten Leute hat die Schweizer Zentralbank jedoch ihre rechtliche Unabhängigkeit vom Euro bewahrt und die Bindung schließlich beendet. So hat sie die Halter von Schweizer Franken vor der neuen Runde der Geldmengenausweitung, die von der Europäischen Zentralbank erwartet wurde, geschützt.

All jene mit Euro-Ersparnissen haben allerdings nicht so viel Glück. Die  Menschen in der Eurozone, die hart arbeiten, um zu sparen und zu investieren, werden den Wert ihrer Euros dahin schmelzen sehen, um politisch gutvernetzte Investoren zu subventionieren und zu retten, die die südeuropäischen Regierungen finanziert haben. Währenddessen werden die Regierungen der Europäischen Union sich und ihre Freunde durch den Mechanismus der Geldschöpfung bereichern. Dies sind die zu erwartenden Ergebnisse der Ausdehnung des staatlichen Geldmonopols in der Eurozone.

Das staatliche Geldmonopol

Das europäische Währungsexperiment zeigt uns abermals, warum das Geldmonopol ein unverzichtbares Mittel beim Erreichen des Ziels einer politischen Union und einer mächtigeren Regierung ist. Wie schon Philipp Bagus schrieb, ist die Währung namens Euro genauso sehr ein politisches wie ein ökonomisches Werkzeug. Sie stärkt enorm die Monopolmacht des entstehenden Staates namens Europäische Union, ohne dass zuerst eine echte de jure politische Union nötig wäre. Die Zentralbanker eines vereinigten Europas haben weit mehr Macht, als die Zentralbanker jedes einzelnen europäischen Staates sich jemals erhoffen könnten.

Die Währungsunion der Vereinigten Staaten ist in vielerlei Hinsicht mit der der Europäischen Union vergleichbar, obwohl sie natürlich schon sehr viel weiter fortgeschritten ist. Im achtzehnten Jahrhundert wurden mit dem Sieg der neuen amerikanischen Verfassung 1788 die Währungen der Einzelstaaten abgeschafft, und kurz darauf wurde die First Bank of the United States geschaffen. An diesem Punkt war jedoch die Kontrolle der Zentralregierung über die Geldproduktion noch längst nicht vollständig. Ein echtes funktionierendes Monopol über die Geldproduktion wurde erst im zwanzigsten Jahrhundert durch das Federal Reserve System erreicht, welches den Vereinigten Staaten durch seine Regulierungsmacht ein de facto Geldmonopol aufzwingen konnte.

Heute ist es fast unmöglich, in den Vereinigten Staaten Geschäfte zu tätigen, ohne den US-Dollar zu benutzen. Die Bundesregierung macht durch ihre strenge Regulierung des Finanzsystems den Menschen eine Verwendung privat produzierter oder fremder Währungen im US-Alltagsgebrauch praktisch unmöglich.

Warum Währungswettbewerb wichtig ist

Aus der Sicht eines Zentralplaners ist die ideale Währungssituation eine einzige Weltwährung unter der Kontrolle einer einzigen Zentralbank. Bei nur einer Währung könnte eine Regierung hemmungslos inflationieren, ohne Gefahr durch irgendwelche konkurrierenden Währungen, abgesehen von einem Schwarzmarkt mit Warengeldern, der natürlich illegal wäre. In anderen Worten, je weniger Wettbewerb eine Zentralbank durch andere Währungen zu fürchten hat, desto besser für sie.

Am anderen Ende dieses Spektrums steht eine Weltwirtschaft mit dutzenden konkurrierenden Währungen. Manche wären stabiler und angesehener als andere, aber alle wären zumindest einigermaßen eingeschränkt durch das Wissen, dass jede Währung bei zu starker Entwertung ab einem bestimmten Punkt zugunsten einer verlässlicheren und stabileren Währung aufgegeben würde.

Deshalb muss sich jeder, der die Macht der Staaten einschränken und die persönliche und wirtschaftliche Freiheit stärken möchte, als ersten wichtigen Schritt gegen die staatliche Kontrolle über die Geldproduktion stellen und zudem das staatliche Monopol durch Wettbewerb und Sezession aufweichen.

Kleine Schritte zur monetären Freiheit

Trotz eines Jahrhunderts der vollständig zentralisierten Geldproduktion und eines verfassungsmäßigen Verbots einzelstaatlicher Währungen sehen einige amerikanische Bundesstaaten interessanterweise immer noch eine Rolle für sich im Geldsystem. Im Zuge der Finanzkrise 2008 haben zum Beispiel Gesetzgeber von dreizehn Bundesstaaten vorgeschlagen, von einem (zweifelhaften) Schlupfloch in der Verfassung Gebrauch zu machen und Gold- und Silbermünzen in ihren Staaten zum gesetzlichen Zahlungsmittel zu erklären, zum Schutz vor wirtschaftlichen Katastrophen. Utah ging noch ein bisschen weiter:

Utah führte als erster Bundesstaat eine eigene Alternativwährung ein, als Gouverneur Gary Herbert 2011 ein Gesetz unterzeichnete, das Gold- und Silbermünzen der U.S.-Mint als Zahlungsmittel anerkannte. Nach diesem Gesetz werden die Münzen – einschließlich American Gold- und Silver Eagles – zu Steuerzwecken genau so behandelt wie der US-Dollar, so dass für sie die Kapitalertragssteuer wegfällt.

Da der aufgeprägte Wert einiger Gold- und Silbermünzen der U.S. Mint, wie zum Beispiel die eine Unze $50 American Gold Eagle Münze, sehr viel geringer ist als ihr Metallwert, … erlaubt das neue Gesetz den Handel mit diesen Münzen zum Marktwert, auf der Grundlage von Gewicht und Reinheit.

Dies ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung, aber offensichtlich noch weit davon entfernt, ernsthafter Währungswettbewerb für den US-Dollar zu sein.

Utah und „the Ute“

Lassen Sie uns trotzdem zu Diskussionszwecken annehmen, dass Utah (welches zweifelsohne seine ganz spezielle Sezessionsgeschichte hat) noch einen Schritt weiter geht und seine eigene Währung namens „the Ute“ herausgibt und in Utah zum gesetzlichen Zahlungsmittel parallel zum US-Dollar erklärt. Nach dem Vorbild des alten Schweizer Franken wird die Zentralbank von Utah in diesem Szenario zudem gesetzlich verpflichtet, den Ute zu 20 Prozent mit Gold zu decken.

Würde nun jeder sofort den Ute benutzen? Wahrscheinlich nicht. Der US-Dollar wäre durch seine riesigen Netzwerkeffekte immer noch im Vorteil. Die Menschen in den USA würden genau so wenig mit dem Horten von Utes beginnen, wie die Europäer heute Schweizer Franken horten. Trotzdem könnte die Wirkung auf die monetäre Freiheit vieler Amerikaner mit der Zeit erheblich sein. Amerikaner auf der Suche nach Sicherheit könnten Utes kaufen – Reisen nach Utah, um Konten in Utes anzulegen, wären für die meisten Menschen nicht praktikabel. Andere Bundesstaaten könnten ebenfalls Utes als gesetzliches Zahlungsmittel einführen oder einfach Geschäfte in Utes erlauben.

Die ganze Zeit könnte jeder natürlich immer noch den US-Dollar benutzen. Diejenigen, die am Ute zweifelten oder ihn in den Fängen finsterer Utah-Inflationisten sähen, könnten sich selbstverständlich dazu entscheiden, ihn einfach nicht zu benutzen.

Aber selbst dieses kleine bisschen Konkurrenz für den Dollar würde die Monopolmacht schmälern, die die FED zur Zeit besitzt. Obwohl dies nur eine unbedeutende Überlegung im Vergleich zur riesigen Weltwirtschaft ist, würde die Existenz des Ute diejenigen, die den Dollar hemmungslos inflationieren möchten, zumindest teilweise einschränken. Alle, die die Auswirkungen der Geldausweitung der FED auf die eigenen Dollarbestände verstehen würden, könnten den Dollar zugunsten des Ute aufgeben. Utah, nun als „Schweiz von Nordamerika“ bezeichnet, könnte auch Vorbild für andere Bundesstaaten sein. Das Geldmonopol der FED würde noch stärker beeinträchtigt, würden auch sie nun ihre eigenen Währungen oder die Währungen anderer Bundesstaaten einführen.

Ein sehr bescheidener Vorschlag

Selbst eine nur geringe Anzahl monetärer Wahlmöglichkeiten ist besser als praktisch überhaupt keine Wahl. Aber offensichtlich ist solch ein Vorschlag extrem bescheiden und ähnelt kaum dem, was wir als „freien Bankenmarkt“ bezeichnen würden. Das „Ute“-Szenario geht von der Existenz von Zentralbanken (wenn auch im Wettbewerb miteinander) und Währungen mit bestenfalls Teildeckung durch Warengeld aus. Andererseits zeigt die Tatsache, dass dieses Szenario für viele so radikal und politisch unwahrscheinlich scheinen wird, wie weit wir uns von solidem Geld und monetärer Freiheit entfernt haben.

Aus dem Englischen übersetzt von Florian Senne. Der Originalbeitrag mit dem Titel Let’s Secede from the American Monetary Union ist am 21.1.2015 auf der website des Mises-Institute, Auburn, US Alabama erschienen.

Foto-Startseite: © crimson – Fotolia.com

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Ryan McMaken ist Editor von Mises Daily und The Free Man.

 

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