DAVOS 2026: Die Wiedergeburt des Westens
6. Februar 2026 – von Javier Milei (Übersetzung: Philipp Bagus)
Sie lesen im Folgenden eine Übersetzung ins Deutsche des Redemanuskriptes des Präsidenten der Republik Argentinien, Javier Milei, zu seiner Rede, die er am 21. Januar 2026 beim World Economic Forum (WEF) in Davos (Schweiz) hielt. Präsident Javier Milei hat das spanische Original seines Redemanuskriptes dankenswerterweise zur Verfügung gestellt, welches von Philipp Bagus ins Deutsche übersetzt wurde.
1. Einleitung
Guten Abend an alle!
Ich stehe heute vor Ihnen, um Ihnen unmissverständlich zu sagen: Machiavelli ist tot.
Über Jahre hinweg wurde unser Denken verzerrt, indem man uns bei der Gestaltung staatlicher Politik ein falsches Dilemma präsentierte, bei dem man sich zwischen politischer Effizienz einerseits und der Achtung der ethischen und moralischen Werte des Westens andererseits entscheiden müsse.
Wie Professor Jesús Huerta de Soto in seiner Arbeit über die dynamische Effizienz darlegt, ist Effizienz aus dieser Perspektive nicht mit verschiedenen Konzepten von Gleichheit oder Gerechtigkeit vereinbar, sondern entspringt einzig und allein einem bestimmten Ordnungsrahmen – nämlich jenem, der auf dem Respekt vor dem Privateigentum und der unternehmerischen Funktion beruht.
Deshalb ist der Gegensatz zwischen Effizienz und Gerechtigkeit falsch und irreführend. Das Gerechte kann nicht ineffizient sein, und das Effiziente kann nicht ungerecht sein. Aus der Perspektive der dynamischen Analyse sind Gerechtigkeit und Effizienz zwei Seiten derselben Medaille.
Zweifellos war es Murray Rothbard, der diese Situation am klarsten vorweggenommen hat, indem er den Zusammenhang zwischen der dynamischen Konzeption wirtschaftlicher Effizienz und dem Bereich der Ethik herausarbeitete. Rothbard hielt es für unerlässlich, zuvor den angemessenen ethischen Rahmen festzulegen, der die dynamische Effizienz vorantreibt, angesichts unseres Nichtwissens über die Ziele, Mittel und Nutzenfunktionen, die in der Realität existieren.
In diesem Sinne besteht dieser Rahmen aus der Gesamtheit der Normen, die das Eigentumsrecht umreißen und den freiwilligen Austausch ermöglichen, bei dem die verschiedenen Individuen stets ihre Präferenzen offenlegen.
So gilt für Rothbard – und dieser Auffassung schließe ich mich an, selbst in meiner Rolle als Präsident der großen Nation Argentinien –, dass allein die ethischen Prinzipien, die der westlichen Kultur zugrunde liegen, als Effizienzkriterium bei politischen Entscheidungen dienen können.
In aller Klarheit formuliert: Bei der Gestaltung staatlicher Politik ist es aus ethischer und moralischer Sicht unzulässig, die Gerechtigkeit auf dem Altar der Effizienz zu opfern. Dieses Bekenntnis zu den Werten steht nicht nur über der wirtschaftlichen Effizienz, sondern weit über dem politischen Utilitarismus.
Indem man ethische und moralische Werte beiseitelässt, entsteht eine Politik, die nicht nur ungerecht ist, sondern zudem zum Zusammenbruch führt – nicht nur auf wirtschaftlicher Ebene, sondern auch im sozialen Bereich –, bis hin zu dem Punkt, an dem sie die westliche Zivilisation selbst zerstören könnte.
Aus diesem Grund habe ich 2024 an diesem Ort erklärt, dass der Westen in Gefahr sei. In meiner Rede von 2025 habe ich gezeigt, dass die Agenden und Politiken, die von den verschiedenen internationalen Organisationen und Foren vorangetrieben wurden, nichts anderes waren als ein Set sozialistischer Maßnahmen, elegant verpackt, um gutmeinende Menschen mit edlen Absichten zu täuschen – jedoch mit denselben katastrophalen Ergebnissen wie immer.
Deshalb dürfen wir niemals die Worte von Thomas Sowell über den Sozialismus vergessen, dem er zugestand, dass er sehr gut klinge, dessen Kehrseite jedoch darin bestehe, dass er immer schlecht ende – schrecklich schlecht. Ohne weiter zurückzugehen und jenseits der fortwährenden Katastrophen, die der Sozialismus im 20. Jahrhundert verursacht hat, genügt ein Blick auf Venezuela: Nicht nur wegen eines Rückgangs des Bruttoinlandsprodukts um 80 Prozent, sondern – noch viel schlimmer – wegen der Errichtung einer blutigen Narco-Diktatur, deren terroristische Tentakel sich über unseren gesamten Kontinent ausgebreitet haben.
Deshalb ist es heute mehr denn je, angesichts der ethischen und moralischen Degradation, die der Westen infolge der Übernahme der neuen sozialistischen Agenda durchlebt, notwendig, die Ideen der Freiheit neu zu beleben.
Allerdings muss sich die Verteidigung des kapitalistischen Systems der freien Marktwirtschaft – anders als in der Vergangenheit, in der sie vor allem utilitaristisch begründet wurde – heute auf seine ethische und moralische Fundierung stützen.
Wie Israel Kirzner feststellt, leugnen die Sozialisten von heute nicht die produktive Überlegenheit des Kapitalismus, sondern stellen ihn als ungerecht infrage. Daher genügt es nicht, dass das System produktiver ist; wäre seine Grundlage ungerecht, verdiente der Kapitalismus keine Verteidigung.
Daher werde ich Ihnen heute zeigen, dass der Kapitalismus der freien Marktwirtschaft nicht nur produktiver ist, sondern darüber hinaus das einzig gerechte System darstellt.
2. Naturrecht, positives Recht, Gerechtigkeit, Privateigentum, Nichtaggressionsprinzip und Liberalismus
Ein großer Teil menschlicher Konflikte entspringt einem fehlerhaften Verhältnis zwischen Naturrecht und positivem Recht. Das Naturrecht ist jenes Recht, das den Menschen leiten soll, weil es seiner Natur entspricht und daher im universellen Sinne gerecht ist. Es ist allen Menschen gemeinsam, da es ihrer Essenz innewohnt und folglich unveränderlich ist.
Demgegenüber ist das positive Recht [Anm.: von Lateinisch ius positivum = gesetztes Recht] jenes Recht, das von Menschen gesetzt wird, um gesellschaftliche Verhältnisse nach Maßgabe der Zweckmäßigkeit zu ordnen. Insofern gilt: Wenn das positive Recht mit dem Naturrecht in Einklang steht, herrscht Gerechtigkeit. Andernfalls ist das Gesetz zwar legal, aber nicht legitim.
Auf dieser Grundlage werden zwei grundlegende Rechte anerkannt: das Recht auf Leben und das Recht auf Freiheit. Der Mensch wird lebendig geboren und wird frei geboren und hat das Recht, diese natürlichen Eigenschaften zu bewahren. Darüber hinaus hat er das Recht, dass seine Mitmenschen diese respektieren, um sein eigenes Glück zu verfolgen, was das Ziel ist, dem jeder Mensch zustrebt.
Parallel dazu existieren die erworbenen Rechte, die weder natürlich noch dem Menschen inhärent sind, sondern durch Verdienst erlangt oder durch Schenkung erhalten werden. Auf diese Weise leitet sich aus dem grundlegenden Recht auf Freiheit das erworbene Recht auf Privateigentum ab, was sich darin manifestiert, dass wir frei ein Gut mit dem Ertrag unserer Arbeit erwerben oder ein Gut erhalten können, das uns freiwillig geschenkt oder vererbt wird.
Gleichzeitig ist das Eigentumsrecht – insbesondere aufgrund seiner dynamischen Konsequenzen – mit Lockes [Anm.: John Locke] Prinzip der ursprünglichen Aneignung verknüpft, sodass Eigentum nicht nur aus Schenkung, Erbschaft oder Austausch entstehen kann, sondern auch aus der Aneignung durch Entdeckung und Schöpfung.
Schließlich werden diese Rechte durch das Nichtaggressionsprinzip ergänzt, das festlegt, dass kein Mensch das Recht hat, irgendeine Form von Aggression gegen einen anderen Menschen auszuüben, was nicht nur physische Gewalt umfasst, sondern auch jede Form von Zwang, Nötigung oder Durchsetzung unter Androhung von Gewalt.
Daraus ergibt sich unsere Definition des Liberalismus – in Anlehnung an Alberto Benegas Lynch (h.) [Anm.: (h.) von Spanisch hijo = junior] – als
der uneingeschränkte Respekt vor dem Lebensprojekt des Nächsten, basierend auf dem Nichtaggressionsprinzip und der Verteidigung des Rechts auf Leben, Freiheit und Eigentum, dessen fundamentale Institutionen das Privateigentum, Märkte ohne Staatseingriffe, Wettbewerb verstanden als freier Markteintritt und -austritt, Arbeitsteilung und soziale Kooperation sind.
3. Ethik des Privateigentums und Effizienz
Angesichts des entstandenen institutionellen Gefüges, von dem wir zudem gezeigt haben, dass es gerecht ist, ist es nun an der Zeit zu beweisen, dass es darüber hinaus auch effizient ist.
Der erste Ansatz hierzu stammt von Adam Smith, der mithilfe des Arguments der unsichtbaren Hand postulierte, dass jeder Einzelne, indem er sein eigenes Interesse verfolgt, das maximale gesellschaftliche Wohlergehen herbeiführt.
Später gelang es den Neoklassikern, geleitet von einer auf dem Pareto-Optimum beruhenden Vorstellung der unsichtbaren Hand, das erste Theorem der Wohlfahrtsökonomik abzuleiten, nämlich: Jedes wettbewerbliche Gleichgewicht ist Pareto-optimal. Dies erforderte jedoch die Übernahme einer mathematischen Struktur, die der staatlichen Intervention Tür und Tor öffnete, unter der wohlmeinenden Absicht, sogenannte Marktversagen zu korrigieren – die es aus meiner Sicht nicht gibt.
Hierzu ist der von Hans-Hermann Hoppe entwickelte Beweis, der auf den Eigentumsrechten in Übereinstimmung mit Lockes Prinzip der ursprünglichen Aneignung sowie dem Nichtaggressionsprinzip basiert, nicht nur hinreichend, um Optimalität zu belegen, sondern lässt darüber hinaus keinerlei Raum für staatliche Intervention. Hoppe führt dazu aus:
Jede Abweichung von diesem Regelwerk impliziert definitionsgemäß eine Umverteilung von Eigentumstiteln und damit von Einkommen von produktiven, vertragsschließenden Nutzern von Gütern hin zu nicht-produktiven, nicht-vertragsschließenden Nutzern. Folglich führt jede solche Abweichung dazu, dass es relativ weniger ursprüngliche Aneignung von knappen Ressourcen gibt und somit weniger Produktion neuer Güter, weniger Erhaltung bestehender Güter sowie weniger Verträge und Tauschakte, die für beide Seiten vorteilhaft sind. Dies impliziert naturgemäß einen niedrigeren Lebensstandard in Bezug auf die Güter und Dienstleistungen, die den Besitzer wechseln.
Darüber hinaus stellt das Postulat, dass allein der erste Nutzer eines Gutes – und nicht der letzte – das Eigentumsrecht daran erwirbt, sicher, dass produktive Anstrengungen jederzeit so hoch wie möglich ausfallen. Zugleich gewährleistet die Vorstellung, dass allein die physische Integrität des Eigentums – nicht jedoch dessen Wert – geschützt werden muss, dass jeder Eigentümer maximale produktive Anstrengungen unternimmt, also Anstrengungen zur Förderung günstiger Wertveränderungen seines Eigentums sowie zur Verhinderung oder Gegensteuerung ungünstiger Wertveränderungen. Folglich impliziert jede Abweichung von diesen Regeln eine Verringerung der produktiven Anstrengungen zu jedem Zeitpunkt.
Es ist hervorzuheben, dass durch die Fokussierung auf das Privateigentum und nicht auf aus Optimierungsübungen abgeleitete Nachfragefunktionen ein Optimum erreicht werden kann, ohne auf esoterische Annahmen zurückzugreifen, die später staatliche Interventionen rechtfertigen.
Gleichzeitig wird so vermieden, in die empirische Absurdität des zweiten Wohlfahrtstheorems zu verfallen, das eine Unabhängigkeit zwischen Produktion und Verteilung postuliert, als ob die Wahl zwischen Kapitalismus und Kommunismus in ihren Ergebnissen neutral wäre.
4. Ethik, dynamische Effizienz und Wachstum
Nachdem wir gezeigt haben, dass die Institutionen des Kapitalismus der freien Marktwirtschaft, gestützt auf das Naturrecht, Lockes Prinzip der ursprünglichen Aneignung und das Nichtaggressionsprinzip, nicht nur gerecht, sondern zumindest in statischer Hinsicht auch effizient sind, ist es nun an der Zeit zu beweisen, dass der Kapitalismus der freien Marktwirtschaft diese Eigenschaften auch in dynamischer Hinsicht erfüllt.
Bereits Xenophon, rund 380 Jahre vor Christus, stellte fest, dass die Ökonomie ein Wissen darstellt, das es den Menschen ermöglicht, ihr Vermögen zu mehren, und postulierte zugleich, dass das Privateigentum das vorteilhafteste Vehikel für das individuelle Leben sei.
In der Folge befasste sich Xenophon mit dem Effizienzbegriff, den er aus zwei Perspektiven betrachtete. Einerseits definierte er Effizienz in statischer Hinsicht als die Verwaltung der verfügbaren Ressourcen mit dem Ziel, Verschwendung zu vermeiden, wobei er zugleich den Nutzen des Privateigentums hervorhob, indem er feststellte: „Des Herren Auge macht die Kühe fett.“
Andererseits betrat Xenophon in seiner zweiten Effizienzdefinition das dynamische Terrain, indem er darauf hinwies, dass Effizienz zugleich bedeutet, das Vermögen zu vermehren. Das heißt, es geht darum, die verfügbare Gütermenge durch unternehmerische Kreativität zu erhöhen, konkret durch Handel und Spekulation.
Dieses letzte Effizienzkriterium ist von grundlegender Bedeutung für das Studium des Wirtschaftswachstums, da sich im Unterschied zu einem statischen Modell, das lediglich das berücksichtigt, was Robert Lucas Jr. als „tiefe Parameter“ bezeichnete – also Präferenzen, Technologie und anfängliche Ressourcenausstattungen –, im dynamischen Bereich sowohl Technologie als auch anfängliche Ausstattungen verändern können und sich tatsächlich kontinuierlich verändern als Ergebnis unternehmerischer Kreativität.
Darüber hinaus ist dem Privateigentum ein eigenes Kapitel zu widmen, denn auf ihm aufbauend hat die Österreichische Schule der Nationalökonomie – von Mises, Hayek, Rothbard, Kirzner, Hoppe bis hin zu Jesús Huerta de Soto – die Unmöglichkeit des Sozialismus nachgewiesen und damit die verhängnisvolle Vorstellung von John Stuart Mill, der eine Unabhängigkeit zwischen Produktion und Verteilung postulierte, widerlegt. Ein akademischer Irrtum, der im Sozialismus mündete und die die Welt das Leben von 150 Millionen Menschen kostete, während diejenigen, die den Terror überlebten, dies in absurder Armut taten.
4.1. Wachstum und unternehmerische Funktion
In Übereinstimmung mit dem Vorstehenden und in Anlehnung an die zweite Definition Xenophons hat die Wirtschaftstheorie vier Quellen wirtschaftlichen Fortschritts identifiziert:
Erstens die Arbeitsteilung, die von Adam Smith anhand der Stecknadelfabrik illustriert wurde. Im Kern handelt es sich um einen Mechanismus, durch den Produktivitätsgewinne entstehen, die sich als steigende Skalenerträge manifestieren. Auch wenn deren Grenze durch die Größe des Marktes bestimmt ist, wird die Marktgröße selbst positiv davon beeinflusst. Allerdings ist klarzustellen, dass dieser produktive Prozess nicht unendlich ist, da seine Grenze durch die Ressourcenausstattung gesetzt wird.
Zweitens die Akkumulation von Kapital, sowohl physischem als auch Humankapital. Beim physischen Kapital ist das Zusammenspiel von Sparen und Investieren entscheidend, was die fundamentale Rolle des Kapitalmarktes und des Finanzsystems bei der Durchführung dieser Intermediation unterstreicht.
Hinsichtlich des Humankapitals darf sich der Fokus nicht allein auf den Bildungsbereich beschränken, sondern muss auch die Entwicklung kognitiver Fähigkeiten von der Geburt an, die Ernährung und die Gesundheit berücksichtigen – alles grundlegende Elemente, um Zugang zu Bildung und zum Arbeitsmarkt zu erhalten.
Drittens gibt es den technologischen Fortschritt, der bedeutet, mit derselben Menge an Ressourcen eine größere Menge an Gütern zu produzieren oder dieselbe Menge mit weniger Inputs herzustellen.
Schließlich ist da der unternehmerische Geist – oder genauer: Die unternehmerische Funktion, die nach Professor Huerta de Soto den wichtigsten Motor des wirtschaftlichen Wachstumsprozesses darstellt. Denn so wichtig die drei genannten Faktoren auch sind: Ohne Unternehmer gäbe es keine Produktion, und das Lebensniveau wäre äußerst prekär.
Diese Prämisse leitet sich aus fünf mit der unternehmerischen Funktion verbundenen Elementen ab.
Erstens erzeugt die unternehmerische Funktion Information, die es erlaubt, Gewinnchancen zu erkennen; diese Information ist subjektiv, verstreut und implizit.
Zweitens überträgt die unternehmerische Funktion Information über den Markt, wobei Preise enorme Mengen an Information zu geringen Kosten bündeln.
Drittens sind Eigentum, Preise, Gewinne und Verluste die Schlüsselfaktoren, die Wirtschaftsrechnung ermöglichen. Daher spielt die unternehmerische Funktion eine herausragende Rolle bei der Koordination von Angebot und Nachfrage sowie bei der Anstoßung der notwendigen Anpassungen, die aus entstehenden Ungleichgewichten resultieren.
Viertens ist die unternehmerische Funktion wesentlich wettbewerblich und äußert sich als fortwährende Notwendigkeit der Anpassung an veränderte Bedingungen, um menschliche Probleme zu lösen.
Schließlich ist der Marktprozess dynamisch effizient, weil Menschen ihr Wohlergehen nur verbessern können, indem sie ihre Intelligenz darauf richten, die Bedürfnisse ihrer Mitmenschen zu befriedigen, die unendlich und wandelbar sind.
Daher konzentriert sich die unternehmerische Funktion weniger auf kurzfristige Effizienz als vielmehr auf das Wachstum der Menge an Gütern und Dienstleistungen, was zu höheren Lebensstandards führt.
4.2. Dynamische Effizienz und Institutionen
Vor diesem Hintergrund besteht das wirklich Wichtige darin, die Produktionsmöglichkeiten-Kurve maximal auszuweiten. Dynamische Effizienz kann somit als die Fähigkeit einer Volkswirtschaft verstanden werden, unternehmerische Kreativität und Koordination zu fördern.
Das Kriterium der dynamischen Effizienz ist untrennbar mit dem Konzept der unternehmerischen Funktion verbunden, die die typisch menschliche Fähigkeit darstellt, Gewinnchancen zu erkennen und entsprechend zu handeln, um sie zu nutzen. Dadurch wird die Aufgabe des Entdeckens und Schaffens neuer Ziele und Mittel grundlegend, was eine spontane Koordination antreibt, die darauf abzielt, Marktungleichgewichte zu lösen.
Diese von Huerta de Soto vorgeschlagene Definition dynamischer Effizienz verbindet auf kohärente Weise die Idee der schöpferischen Zerstörung Schumpeters [Anm.: Joseph Schumpeter] mit der adaptiven Effizienz Douglas Norths.
Angesichts der zentralen Rolle der unternehmerischen Funktion ist die Bedeutung der Institutionen, unter denen sie sich entfaltet, von entscheidender Bedeutung. In diesem Sinne sehen sowohl Douglas North als auch Jesús Huerta de Soto eine zentrale Funktion der Institutionen darin, Unsicherheit zu reduzieren. Während Douglass North Institutionen als ein von Menschen geschaffenes System von Restriktionen beschreibt, das soziale Interaktionen auf wiederholbare Weise strukturiert, versteht Jesús Huerta de Soto Institutionen als Ergebnis eines spontanen sozialen Interaktionsprozesses ohne das Design einer einzelnen Person, der die Unsicherheit des Marktprozesses reduziert.
Wie Roy Cordato hervorhebt, ist der angemessene institutionelle Rahmen jener, der unternehmerische Entdeckung und Koordination begünstigt. Wirtschaftspolitik sollte sich daher darauf konzentrieren, alle künstlichen Hindernisse zu identifizieren und zu beseitigen, die den unternehmerischen Prozess und freiwillige Tauschakte behindern.
In diesem Sinne führt uns der entscheidende Einfluss der Institutionen auf den wirtschaftlichen Fortschritt zur Bedeutung der Ethik, da jene Gesellschaften, die stärkere moralische Werte und ethische Prinzipien zur Stützung ihrer Institutionen vertreten, dynamisch effizienter sind und folglich größeren Wohlstand genießen.
4.3. Ethik und dynamische Effizienz
In Übereinstimmung mit der Theorie der unternehmerischen Funktion und dem Konzept der dynamischen Effizienz besitzt jeder Mensch eine angeborene Kreativität, die es ihm ermöglicht, die in seinem Umfeld entstehenden Gewinnchancen wahrzunehmen und zu entdecken und entsprechend zu handeln, um sie zu nutzen.
Auf diese Weise ist Unternehmertum die typisch menschliche Fähigkeit, neue Mittel und Ziele zu schaffen und zu entdecken. Nach dieser Auffassung sind Ressourcen niemals einfach gegeben, sondern sowohl Mittel als auch Ziele werden fortlaufend ex novo [Anm.: = von neuem] von Unternehmern erdacht und konzipiert, die stets danach streben, neue Ziele zu erreichen, die sie als höherwertig erkennen.
Daraus ergibt sich, dass das grundlegende ethische Problem darin besteht, die beste Art und Weise zu finden, unternehmerische Koordination und Kreation zu fördern.
Im Bereich der Sozialethik gelangt man somit zu der Schlussfolgerung, dass die Auffassung des Menschen als kreativen und koordinierenden Akteur die axiomatische Anerkennung des Prinzips impliziert, dass jeder Mensch das Recht hat, sich die Ergebnisse seiner unternehmerischen Kreativität anzueignen.
Das heißt, die private Aneignung der Früchte dessen, was Unternehmer schaffen und entdecken, ist ein Prinzip des Naturrechts. Denn könnte sich der Akteur nicht das aneignen, was er schafft oder entdeckt, würde seine Fähigkeit blockiert, Gewinnchancen zu erkennen, und der Anreiz zur Durchführung seiner Handlungen verschwände. Letztlich ist das soeben formulierte ethische Prinzip die Grundlage der ethischen Rechtfertigung der gesamten Marktwirtschaft.
5. Sozialismus, Interventionismus und moralischer Verfall
Aus dem bisher Dargelegten folgt eindeutig, dass jedes System, das die unternehmerische Funktion behindert oder unterdrückt, notwendigerweise dynamisch ineffizient ist und folglich zu wirtschaftlichem Niedergang führt.
Der Sozialismus stellt den extremsten Fall einer solchen Behinderung dar, da er durch die Abschaffung oder massive Einschränkung des Privateigentums an Produktionsmitteln die unternehmerische Funktion systematisch zerstört. Ohne Eigentum gibt es keine Preise; ohne Preise gibt es keine Wirtschaftsrechnung; und ohne Wirtschaftsrechnung ist rationale wirtschaftliche Planung unmöglich.
Wie Ludwig von Mises gezeigt hat, ist der Sozialismus daher nicht nur ineffizient, sondern logisch unmöglich. Er ist nicht deshalb gescheitert, weil er schlecht umgesetzt wurde, sondern weil er seinem Wesen nach nicht funktionieren kann.
Doch der Sozialismus manifestiert sich nicht nur in seiner offenen, zentral geplanten Form. Er erscheint auch in abgeschwächten Varianten, insbesondere im Interventionismus, der versucht, die Ergebnisse des Marktprozesses zu korrigieren, ohne dessen institutionelle Grundlagen vollständig abzuschaffen.
Allerdings ist der Interventionismus kein stabiles System. Jede Intervention erzeugt neue Verzerrungen und unerwünschte Nebenwirkungen, die wiederum weitere Interventionen nach sich ziehen. Auf diese Weise führt der Interventionismus zwangsläufig entweder zurück zum Markt oder weiter in Richtung Sozialismus.
Darüber hinaus hat der Interventionismus nicht nur wirtschaftliche, sondern auch tiefgreifende moralische Konsequenzen. Indem der Staat systematisch Eigentumsrechte verletzt, untergräbt er die moralischen Grundlagen der Gesellschaft. Er fördert Neid, Rent-Seeking [Anm.: = Ergattern von Einkommen etwa durch Lobbying, Subventionen oder Monopolprivilegien] und Abhängigkeit, während er Verantwortung, Sparsamkeit und unternehmerische Initiative entmutigt.
So entsteht ein Prozess des moralischen Verfalls, bei dem Individuen zunehmend ihre Verantwortung an den Staat delegieren und politische Macht nutzen, um Vorteile auf Kosten anderer zu erlangen. Dieser Prozess schwächt den sozialen Zusammenhalt und zerstört die ethischen Fundamente, die für eine funktionierende Marktwirtschaft unerlässlich sind.
6. Schlussfolgerung: Die moralische Überlegenheit des Kapitalismus
Die Analyse hat gezeigt, dass der Kapitalismus der freien Marktwirtschaft nicht nur das produktivste Wirtschaftssystem ist, sondern auch das einzig mit dem Naturrecht vereinbare.
Er beruht auf dem Respekt vor Leben, Freiheit und Eigentum, auf dem Nichtaggressionsprinzip und auf der Anerkennung der unternehmerischen Kreativität als zentralem Motor menschlichen Fortschritts.
Jedes System, das diese Prinzipien verletzt, ist nicht nur ineffizient, sondern ungerecht. Und jedes System, das ungerecht ist, kann auf Dauer weder Wohlstand noch soziale Ordnung hervorbringen.
Daher kann die Verteidigung des Kapitalismus nicht auf utilitaristischen Argumenten beruhen, die ihn lediglich als das weniger schlechte System darstellen. Seine Verteidigung muss vielmehr auf seiner moralischen Überlegenheit gründen.
Der Kapitalismus der freien Marktwirtschaft ist nicht nur ein Mittel zur Erzeugung von Reichtum. Er ist ein System der Freiheit, der Verantwortung und der Kooperation. Er erlaubt es den Menschen, ihre Lebensprojekte friedlich zu verfolgen, ihre Kreativität zu entfalten und durch freiwilligen Austausch zum Wohl aller beizutragen.
In einer Zeit, in der der Westen mit einer tiefen moralischen und institutionellen Krise konfrontiert ist, ist es daher unerlässlich, zu den Prinzipien zurückzukehren, die ihn groß gemacht haben. Nicht durch mehr Staat, mehr Planung oder mehr Zwang, sondern durch mehr Freiheit, mehr Verantwortung und mehr Respekt vor dem Eigentum.
Nur auf diese Weise kann der Westen nicht nur überleben, sondern wiedergeboren werden.
*****
In seiner wörtlichen Rede in Davos wich Präsident Javier Milei von seinem Manuskript ab und endete optimistisch. Diesen optimistischen Ausblick möchten wir Ihnen nicht vorenthalten. Sie lesen im Folgenden den Schlussteil seiner wörtlichen Rede, der von Stephan Ring mit KI ins Deutsche übertragen wurde. Die Originalrede finden Sie HIER.
Deshalb bekräftige ich, was ich zu Beginn dieser Rede gesagt habe. Machiavelli ist tot. Es ist Zeit, ihn zu begraben. Darüber hinaus, angesichts der tiefen Verbindung zwischen Moral und freien Märkten, machen letztere uns zu besseren Menschen, da wir dank dynamisch effizienter Märkte gleichzeitig wirtschaftlich vorankommen, Privateigentum verteidigen, Frieden wahren, soziale Harmonie erreichen und jene sozialen Tugenden stärken können, die für eine prosperierende Gesellschaft unverzichtbar sind.
Schließlich möchte ich Ihnen die Reflexion der Thora dieser Woche hinterlassen. Sie beschreibt jenen Moment, in dem Moses den Pharao, Symbol der unterdrückerischen Macht des Staates, konfrontiert, um ihn zu warnen, dass, wenn er das hebräische Volk nicht freilässt, die letzten drei Plagen über Ägypten hereinbrechen würden. Als der Pharao ablehnte, kam die Plage der Heuschrecken, die Hungersnot bedeutet. Dann kam die Plage der Dunkelheit, die den Verlust der Klarheit der Entscheidungsfindung bedeutet.
Die Analogie mit dem, was heute im Westen passiert, ist extrem offensichtlich. Seit einiger Zeit hat der Westen aus irgendeinem seltsamen Grund begonnen, den Ideen der Freiheit den Rücken zu kehren, und deshalb habe ich an diesem gleichen Ort im Jahr 2024 behauptet, dass der Westen in Gefahr ist, als Ergebnis der Einnahme zunehmender Dosen von Sozialismus in seiner heuchlerischsten Version, dem Wokeismus. Darüber hinaus habe ich 2025 die mentalen Parasiten benannt, die die Linke in der Menschheit gesät hat.
Allerdings ist 2026 das Jahr, in dem ich Ihnen gute Nachrichten bringe. Die Welt hat begonnen aufzuwachen. Der beste Beweis dafür ist, was in Amerika mit der Wiedergeburt der Ideen der Freiheit passiert. Deshalb wird Amerika der Leuchtturm des Lichts sein, der den gesamten Westen wieder entzünden wird und damit seine zivilisatorische Schuld mit einem Akt der Dankbarkeit gegenüber seinen Grundlagen in der griechischen Philosophie, dem römischen Recht und den jüdisch-christlichen Werten zurückzahlt. Wir haben eine bessere Zukunft vor uns, aber diese bessere Zukunft existiert nur, wenn wir zu den Wurzeln des Westens zurückkehren. Das heißt, zu den Ideen der Freiheit zurückzukehren.
Möge Gott den Westen segnen! Möge die Macht des Himmels mit uns sein, und es lebe die Freiheit, verdammt!
*****
Anmerkung: In seiner wörtlich gehaltenen Rede in Davos verwies Präsident Javier Milei noch auf einen gemeinsam mit Demian Reidel erstellten wissenschaftlichen Artikel mit dem Titel „When Regulation Kills Growth. Summary for Davos”, (January 21, 2026).
Hinweis: Die Inhalte der Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Ludwig von Mises Instituts Deutschland wieder.
Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen? Das Ludwig von Mises Institut Deutschland e.V. setzt sich seit Jahren für die Verbreitung der Lehre der Österreichischen Schule der Nationalökonomie ein. Freiheit gibt es nicht geschenkt, sie muss stets neu errungen und erhalten werden. Bitte unterstützen Sie daher das Ludwig von Mises Institut Deutschland mit einer Spende, damit wir uns weiterhin für unser aller Freiheit einsetzen können!
Spendenkonto:
Ludwig von Mises Institut Deutschland e. V.
IBAN: DE68 7003 0400 0000 1061 78
BIC: MEFIDEMM
Merck Finck A Quintet Private Bank (Europe) S.A. branch
Verwendungszweck: Spende
Titelfoto: World Economic Forum auf YouTube, Milei-Rede 2026 (bearbeitet)

