Wer Jobs schafft und wer nicht

5.1.2015 – von Peter St. Onge.

Peter St. Onge

US Senator Ted Stevens erklärte einmal, das Internet sei eine „Reihe von Röhren“ und nicht „ein großer LKW“. Seine Worte stimmten mich ein wenig traurig, denn ich fürchtete, dass wir nie wieder etwas so dämliches hören würden. Hatten wir den Gipfel der Dummheit erreicht?

Neue Hoffnung gab mir eine Äußerung des Kongressabgeordneten Hank Johnson, getätigt vor einigen Jahren in einem Fachausschuss. Er befürchtete, sollten zu viele Menschen auf die Insel Guam ziehen, könnte diese „umkippen und kentern“. Aber obwohl Johnson seit langem als Trottel bekannt war, war ich dennoch vorsichtig. Vielleicht hatten wir einfach Glück. Vielleicht war „doof“ wirklich vorbei.

Was war ich erleichtert, als eine gewisse Hillary Clinton während der Kongresswahlen 2014 ihre beachtlichen analytischen Fähigkeiten auf die Frage nach der Schaffung von Arbeitsplätzen richtete. In einer Rede in Boston ermahnte sie ihr Publikum wie folgt: „Lasst euch von niemandem einreden, dass Unternehmen und Geschäfte Arbeitsplätze schaffen. Ihr wisst schon, die alte Theorie vom Trickle-down Effekt. Das wurde probiert und es ist schief gegangen. Es ist total schief gegangen.“

Genau genommen ist der Trickle-down Effekt ein spezifischer Aspekt der als „Reaganomics“ bekannten Wirtschaftpolitik der 80er Jahre. Aber im Zusammenhang der Rede gesehen wird deutlich, dass Clinton diese Phrase einsetzte, um auf die von der Linken weithin vertretene Behauptung anzuspielen, dass eine Steuerpolitik, die sich gegenüber Wirtschaft und privatem Reichtum relativ freundlich verhält, irgendwie zu einer Benachteiligung von Angestellten und anderen Nicht-Unternehmern führt.

Das erste, was einem als Antwort hierzu einfällt, ist das folgende Zitat von Rothbard:

„Es ist kein Verbrechen, sich nicht mit Ökonomik auszukennen, denn es handelt sich immerhin um ein spezialisiertes Forschungsgebiet, dass zudem von vielen als die „trostlose Wissenschaft“ bezeichnet wird. Es ist jedoch vollkommen verantwortungslos, lauthals seine Meinung zu ökonomischen Themen kund zu tun, solange man sich nicht mit Ökonomik auskennt.“

Obwohl es verlockend wäre, Frau Clinton einfach als völlig irre abzutun, denke ich nicht, dass ihre Aussage nur ein Ausdruck von Dummheit ist. Eher denke ich, dass Hillary bewusst an ein populäres Sentiment der Linken appelliert hat. Schlimmer noch, ich kann mir vorstellen, dass sie vom gebildetesten Teil ihres Publikums – Professoren, Journalisten – die meiste Zustimmung bekommen könnte. Entsprechend wäre es notwendig, einmal genau zu analysieren, warum ihre Aussage falsch ist.

Was genau ist also ein “Job”? Ein “Job” entsteht, wenn eine Organisation Sie anheuert, damit Sie Dienste als Gegenleistung für eine Vergütung verrichten. Dies muss auf freiwilliger Basis geschehen, ansonsten sprechen wir von “Sklaverei”.  Und es muss sich um eine Organisation handeln, ansonsten sprechen wir von Selbstständigkeit, wobei es sich hier um freiberufliche Tätigkeit oder um Bettelei handeln kann, aber nicht um einen “Job”.

Welche Art von Organisationen lassen “Jobs” entstehen? Wer heuert Leute an, damit sie eine Dienstleistung gegen Lohn erbringen, die nicht nur freiwillig erbracht, sondern auch freiwillig finanziert wird? Nun, das sind die privaten Unternehmen. Ob gewinnorientiert oder gemeinnützig, Unternehmen erzeugen 100% alle jener Jobs, die nicht-staatliche Jobs sind.

Und genau das ist der springende Punkt: “nicht-staatliche Jobs”. Hillary drückt eine Sichtweise aus, für die es zwei Arten von legitimen Jobs gibt: privatwirtschaftliche Jobs und staatliche Jobs. Beide sind aus ihrer Sicht völlig legitim. Separat, aber gleichwertig.

Das Problem ist, dass staatliche Jobs ein deutlich anderes Wesen kennzeichnet als privatwirtschaftliche. Staatliche Jobs werden mit Waffengewalt finanziert – oder zahlen Sie freiwillig Steuern? Sie werden meist unter Waffengewalt erbracht – versuchen Sie einmal Ihr Kind zuhause zu unterrichten. Vor allem aber sind sie parasitär. Der Staat wurde nicht mit seinen Waffen geboren; er hat sie mit Steuergeldern erworben, eingetrieben von Leuten mit Jobs in privaten Unternehmen.

Ohne die parasitären Steuern, die der Staat den Unternehmen abpresst, würde Hillary Clinton nicht in einem Ballsaal Reden schwingen und über eine Limousine, einen Helikopter und bewaffnete Wachen in schicken Anzügen verfügen. Vielleicht würde sie in ihrem Keller Podcasts produzieren, in der Hoffnung, der Konkurrenz ein paar Zuhörer wegzuschnappen. Oder vielleicht würde sie in ihrer alten Anwaltskanzlei in Little Rock schuften. Alles, was Hillary hat, schuldet sie den Unternehmen und den Jobs, die von ihnen geschaffen werden.

Aus Sicht der Weltanschauung, der Hillary anhängt, können wir die Unternehmen schröpfen, weil der Staat da sein wird, um uns allen Jobs zu geben. Das wäre dann merkwürdigerweise derselbe Staat, der seine Ressourcen woher zieht?  … Genau, aus den Unternehmen. Wir brauchen also keinen Wirt, weil der Parasit schon die Zeche zahlen wird. Der Wirt mag sterben, aber der Parasit wird immer mit uns sein.

Aus dem Englischen übersetzt von Arne Wolframm. Der Originalbeitrag mit dem Titel Politicians to Business Owners: Drop Dead am 4.12.2014 auf der website des Mises-Institute, Auburn, US Alabama erschienen.

Foto Startseite: © Yvonne Weis – Fotolia.com

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Peter St. Onge ist Assistenzprofessor am Fengjia University College of Business in Taiwan. Seine website ist Profits of Chaos.

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