Ron Paul: „Schwerter zu Pflugscharen“

10.1.2018 – Besprechung des Buches „Schwerter zu Pflugscharen“ von Ron Paul, erschienen im Kopp-Verlag.


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von Hubert Milz.

Der Autor des Buches „Schwerter zu Pflugscharen“, Ron Paul, war mit Unterbrechungen zwischen 1976 und 2013 Abgeordneter der Republikaner im Repräsentantenhaus der USA. Dort wurde er gefürchtet und bewundert als ‚Doktor No‘, denn er stimmte gegen jeden Gesetzesentwurf, der seiner Meinung nach gegen den Geist der US-Verfassung verstieß – egal ob der Gesetzesvorschlag aus den eigenen Reihen oder vom politischen Gegner kam.

Sein Buch kann in zwei Themenbereiche unterteilt werden:

Zum einen wächst Ron Pauls Traum, die Ideale, die ihn zeit seines Lebens umtreiben. Zum anderen illustriert der brillante Analytiker Ron Paul die reale Welt der US-Politik und seziert sie mit dem Skalpell.

Das Ideal Pauls ist ein freies und gutes Gemeinwesen, eine Gemeinschaft, in welcher die einzelnen Regionen dieser Erde in einem friedlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Wettbewerb zueinander stehen. In seiner Vision könnte die internationale Arbeitsteilung eine wirkliche Globalisierung zum Nutzen aller Völker dieser Erde sein.

Ein Streifzug durch das Internet zeigt, dass etliche, die Ron Pauls Buch besprachen, sich über seine Ideale eher lustig machen – auch und besonders jene Rezensenten, die sich selbst als ‚freiheitlich‘ einstufen, sich jedoch bei näherem Hinsehen nur als ’scheinbar liberal‘ entpuppen. Gerade solche ‚Schein-Liberalen‘ verspotten Ron Paul als ‚Isolationisten‘, Träumer und Spinner, der nicht begriffen hat, dass die reale Welt keinen Raum und Platz für seine Ideale bereithält.

Gibt es wirklich keinen Platz für derartige ‚freiheitliche Ideale‘? Dies möchte ich bezweifeln, denn die ‚Visionen und Ideen‘, für die Ron Paul kämpft, waren auch die ‚Ideale der Gründungsväter der USA‘, wurden also von Männern wie Thomas Jefferson, James Madison, Benjamin Franklin, John Adams usw. verfochten.

Diese Ideale sind bis heute in der Mentalität der ursprünglichen US-Bürger verankert; vielleicht in Teilen verschüttet, aber diese Ideale erleben immer wieder eine Art von Renaissance.

Und bis weit ins 20. Jahrhundert war die Wirkung dieser Ideale mächtig, so dass in den Wahlkämpfen um das Amt des US-Präsidenten Männer wie Woodrow Wilson und Franklin Delano Roosevelt eine Friedensmaske tragen mussten. Sie gewannen die Wahlen nur, weil sie den Wählern versprachen, die USA aus dem I. bzw. II. Weltkrieg herauszuhalten; dabei waren die kriegslüsternen Pläne beider Kandidaten längst unter Dach und Fach (vgl. z. B. die Bücher ‚John V Denson: Sie sagten Frieden und meinten Krieg: Die US-Präsidenten Lincoln, Wilson und Roosevelt‘; ‚Hamilton Fish III: Der zerbrochene Mythos – F.D. Roosevelts Kriegspolitik 1933-1945‘ oder ‚Carroll Quigley: Tragedy and Hope‘).

Seit Ende des II. Weltkriegs wurden und werden ‚Isolationisten‘ wie Ron Paul in der ‚veröffentlichten Meinung‘ der USA durch den Kakao gezogen; es wird hämisch und spöttisch suggeriert, dass Menschen wie Paul die USA ‚isolieren‘ wollen.

Es ist infam, wenn Menschen, die für eine friedliche Zusammenarbeit der Völker, für internationalen Handel usw. eintraten und eintreten, als ‚Isolationisten‘ diffamiert und lächerlich gemacht werden.

Können Menschen töricht sein, wenn

  • sie für freiheitliche Ideale streiten,
  • wenn sie für eine friedliche Welt kämpfen,
  • wenn sie nur Verteidigungskriege aus Notwehr als moralisch gerechtfertigt ansehen,
  • wenn sie jedweden Krieg, der nur aufgrund irgendwelcher egoistisch-nationalistisch-partikularer Interessen vom Zaun gebrochen wird, ablehnen?

So kam es, dass US-Präsidenten wie Bill Clinton, Bush Vater und Bush Sohn oder Barack Obama ganz offen ihre Kriegslüsternheit ausleben konnten, ohne dass sie befürchten mussten, bei Wahlen eine Klatsche zu riskieren. So konnte US-Präsident Barack Obama, ohne Schaden befürchten zu müssen, z. B. im Mai 2014 in seiner Rede in West Point, der wichtigsten Militärakademie der USA, voller Stolz verkünden:

„I believe in American exceptionalism with every fiber of my being. But what makes us exceptional is not our ability to flout international norms and the rule of law; it is our willingness to affirm them through our actions. (Ich glaube an die Einzigartigkeit der USA – mit jeder Faser meines Seins. Was uns so einzigartig macht, ist aber nicht unsere Fähigkeit, uns über internationale Normen und das Recht hinwegsetzen zu können; es ist unser Wille, dies durch unser Handeln umzusetzen.)“

Ron Paul gehört zu denen, die solch zynischen Positionen, wie sie in der Obama-West-Point-Rede ganz offen verkündet wurden, aus Überzeugung verwerfen. Er lehnt die Rolle der USA als sog. ‚Weltpolizei‘ schlichtweg ab. Grundsätzlich darf und soll sich nach Pauls Sicht kein Staat auf der Bühne der internationalen Beziehungen zum sog. ‚Weltpolizisten‘ aufschwingen. Diese Aufgabe könne kein Staat leisten. Noch wichtiger ist es für Ron Paul, offenzulegen, dass die USA mit ihrer Außenpolitik seit Jahrzehnten tatsächlich nur wie ein Schauspieler in der Rolle des sog. ‚Weltpolizisten‘ agiert. In Wirklichkeit verbergen sich hinter dieser Rolle handfeste, harte Partikularinteressen einer kleinen elitären, plutokratischen Gruppe.

Scharfsinnig analysiert Ron Paul die Mittel zur Durchsetzung der plutokratischen Interessen. Ron Paul zieht dabei ein desaströses Fazit, denn egal, ob

  • mittels Wirtschaftssanktionen, also handelspolitische Strafmaßnahmen gegen unbequeme Staaten oder Regierungen,
  • durch die US-Geheimdienste und deren Helfer angezettelte Regimewechsel,
  • der Weg direkter militärischer Operationen beschritten wird;

die weltweite Durchsetzung der Interessen jener elitären Schicht durch US-Regierungen schädigt regelmäßig die Interessen, den Nutzen und die Wohlfahrt breiter Bevölkerungsschichten in den USA und selbstverständlich in jenen Regionen, in welchen der ‚Weltpolizist‘ zuschlägt.

Der ‚Weltpolizist‘ USA hat gemäß Ron Pauls beeindruckender Analyse keineswegs für weltweite Stabilität gesorgt, hat nicht für eine friedlichere Welt gesorgt, sondern trug und trägt für ein Mehr an Instabilität die Verantwortung.

Für Ron Paul ist es klar, dass mehr Raketen und Bomben z. B. die Probleme im ‚Nahen und Mittleren Osten‘ nicht lösen, sondern verschärfen werden.

Eine Politik der Regimewechsel, der Waffenlieferungen, der Aufrüstung und anderer Manipulationen sind zu stoppen; es reiche völlig aus, dass man in der Lage ist, die Verteidigung und den Schutz der eigenen Grenzen zu gewährleisten.

Ron Paul ruft dazu auf, dass sich die Völker (insbesondere der bisherige ‚Weltpolizist‘ USA) auf friedlichen Handel, auf freundliche internationale Beziehungen und auf den Respekt vor der Souveränität des Gegenüber besinnen und konzentrieren sollen. Ron Paul und seinesgleichen sind immer wieder diejenigen, die der Stachel im Fleisch des plutokratischen Establishments sein müssen – insbesondere auch der Stachel im Fleisch der spöttischen und zynischen ‚Schein-Liberalen‘.

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Hubert Milz studierte nach einer Lehre zum Industriekaufmann Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Aachen (Diplom-Betriebswirt) und Volkswirtschaftslehre an der Fernuniversität Hagen (Diplom-Ökonom). Danach war er rund 35 Jahre in der Energiewirtschaft tätig.

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Hinweis: Die Inhalte der Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Ludwig von Mises Institut Deutschland wieder.

 

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