Kriegsausgaben nehmen den Menschen das Essen vom Tisch

22.2.2017 – Der nachfolgende Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch „Schwerter zu Pflugscharen“ von Ron Paul, das erstmals in deutscher Sprache erscheint. Das Buch wurde übersetzt von Florian Senne und Andreas Marquart und ist ab sofort beim Kopp-Verlag erhältlich

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Kriegsausgaben nehmen den Menschen das Essen vom Tisch

von Ron Paul.

Ron Paul

Uns muss klar sein, dass das Bruttoinlandsprodukt in seiner heutigen Form kein Maß für echtes wirtschaftliches Wachstum oder höheren Lebensstandard ist. Kriegswaffen herzustellen mag von Vorteil für Waffenhersteller und hoch bezahlte Gewerkschaftsarbeiter sein, aber für den Lebensstandard des Durchschnittsbürgers ist das kontraproduktiv.

Der Durchschnittsbürger, der nicht in der Waffenbranche arbeitet, zahlt die Zeche, hat aber keinen direkten Vorteil vom Krieg. Amerikaner des Mittelstandes zahlen die Steuern und leiden unter den Folgen der Kreditaufnahme und der Inflationierung der Geldmenge. Die daraus folgenden Preissteigerungen schaden den Armen und dem Mittelstand weit mehr als den Wohlhabenden.

Die Unternehmen des militärisch-industriellen Komplexes beschweren sich natürlich nie über steigende Preise für Bomben, Flugzeuge, Drohnen und Raketen, schließlich profitieren sie davon. Sie profitieren darüber hinaus davon, dass Budgetüberschreitungen ebenso vom Staat bezahlt werden. Diese Profiteure sind die größten Verfechter eines starken Militärs und bewaffneter Konflikte. Ihre Lobbyisten üben starken Einfluss auf beide Parteien aus. Kriegsprofite für Firmen und hohe Löhne für gewerkschaftlich organisierte Arbeiter führen zu einer auffällig guten Zusammenarbeit zwischen beiden Parteien, obwohl die politische Rhetorik leidenschaftliche Konflikte suggeriert. Diese militaristische Politik wird mit patriotischem Eifer verfochten. Es wird an unsere moralische Verpflichtung appelliert, uns um die Bedürfnisse der ganzen Welt kümmern und unserer Verpflichtung nachzukommen zu müssen, unsere »Tugend« auf der ganzen Welt zu verbreiten.

Anti-Kriegsargumente treffen bei den meisten Konservativen auf taube Ohren. Viel zu viele von ihnen sind den oberflächlichen Argumenten verfallen, Amerikaner hätten dem Militarismus blind zu folgen, Angriffskriege seien dasselbe wie Verteidigungskriege, und Krieg führe zu Wohlstand.

Henry Hazlitt hat in seinem Klassiker Economics in One Lesson klar die verdeckten Kosten von Regierungshandlungen benannt. Geben Politiker Geld aus, muss man sich stets fragen, wofür das Geld ausgegeben worden wäre, wenn die Menschen, die es ursprünglich verdient haben, selbst darüber hätten verfügen können. Wenn wir hören: »Die USA haben gerade x Millionen Dollar für Drohnen ausgegeben«, müssen wir sofort fragen: »Anstelle von was?« Mit anderen Worten: Was hätte erreicht werden können, wenn die x Millionen von denjenigen ausgegeben worden wären, die das Geld ursprünglich verdient hatten, anstatt von einem gesichtslosen Bürokraten, der mächtigen Interessengruppen dient? Es sollte offensichtlich sein, welches Szenario der Wirtschaft mehr Nutzen bringt.

Im Krieg Billionen Dollar für Bomben und Raketen, Flugzeuge, Fahrzeuge, Boote, Gebäude, Infrastruktur und Menschen auszugeben bedeutet, dass die Menschen Billionen Dollar weniger zur Verfügung haben, um ihre friedlichen Bedürfnisse zu erfüllen. Es gibt keinen Lobbyisten, der die unsichtbaren Opfer dieses Systems verteidigt. Es ist bittere Ironie, dass die Kriegsausgaben als positiv für das Wirtschaftswachstum und das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gewertet werden. Obwohl die Kriegsausgaben einen wirtschaftlichen Verlust darstellen und in keiner Weise zur Erhöhung des Lebensstandards der Menschen beitragen, prahlen die staatlichen Statistiker mit den entsprechenden Steigerungen des BIP. Hinzu kommt, dass diese Rechnungen mit Krediten und neu gedrucktem Geld beglichen werden und so künftige Verpflichtungen erhöhen und höhere Belastungen für die nächste Generation verursachen.

Es ist eine absolute Farce, zu glauben, Ausgaben für militärische Waffen, die ständig ersetzt werden müssen, weil sie zerstört oder sogar oft gestohlen und gegen das eigene Militär eingesetzt werden, seien wirtschaftspolitisch sinnvoll. Dies ist noch schwachsinniger, als wenn Paul Krugman behauptet, mehr Menschen mit Lebensmittelmarken zu versorgen würde die Wirtschaft beleben. Sinnlose Ausgaben, die das irreführende BIP nach oben treiben und gleichzeitig Schulden und die Inflation erhöhen, führen nicht zu Wohlstand. Sie führen zu wirtschaftlichem Chaos.

Ein weiterer Nachteil dieser Art von Ausgaben sind die Feinde, die wir uns schaffen, indem wir in andere Länder auf der ganzen Welt einmarschieren, sie besetzen, zerbomben, dort Wahlen manipulieren und Diktatoren unterstützen und uns generell in deren innere Angelegenheiten und Konflikte einmischen.

All das Geld, das wir für die Einmischung in die Angelegenheiten anderer ausgeben, führt unweigerlich zu neuen Problemen für uns selbst, da die Zahl unserer Feinde mit jedem Akt der Aggression, den wir begehen, wächst. Blowbacks und Nebenwirkungen sind vorhersehbar. Aber statt Außenpolitik objektiv zu betrachten, fordern unsere politischen Führer lieber, die Militäreinsätze müssten wegen der Probleme, die wir mit den Taliban, al-Qaida, ISIS oder sonstigen Feinden haben, sogar noch ausgeweitet werden. Dies bedeutet weitere Verluste für die Wirtschaft und eine Beschleunigung der Finanzkrise, die stets die Folge fehlgeleiteter Politik ist, die mit der Überdehnung des Imperiums einhergeht.

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Der ehemalige Kongressabgeordnete Dr. Ron Paul ist Distinguished Counselor des Ludwig von Mises Institute in Auburn, US Alabama. Er ist Gründer und Präsident des Ron Paul Institute for Peace und Prosperity.

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Hinweis: Die Inhalte der Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Ludwig von Mises Institut Deutschland wieder.

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