Gedächtnispreis zu Ehren Ludwig von Mises für Javier Milei. Rothbards „Doppelschlag-Strategie“

16. März 2026 – von Thorsten Polleit und Andreas Tiedtke

Am 14. März 2026 wurde dem Präsidenten der Argentinischen Republik Javier Milei der Gedächtnispreis zu Ehren Ludwig von Mises (Mises-Preis) des Ludwig von Mises Instituts Deutschland (LvMID) verliehen. Eigentlich sollte der Preis bereits auf der Jahreskonferenz des Instituts am 11. Oktober 2025 überreicht werden. Doch Präsident Milei konnte nicht nach München kommen, weil er zu Hause in Argentinien gebraucht wurde nach dem überraschenderweise hinter den Erwartungen zurückgebliebenen Wahlausgang im September 2025 in der Provinz Buenos Aires und der sich daran anschließenden Spekulationswelle in den Finanzmärkten. Denn schon 14 Tage nach unserer Konferenz standen die wichtigen nationalen Zwischenwahlen an (die Präsident Milei letztlich deutlich für sich entscheiden konnte). Deswegen wurde die Preisverleihung an Präsident Milei auf das nächste Jahr verlegt, wo sie nun im Rahmen des Madrid Economic Forum 2026 (MEF 2026) in der spanischen Hauptstadt stattfand.

Warum der Mises-Preis? Das Ludwig von Mises Institut Deutschland hat sich zum Ziel gemacht, Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der Volkswirtschaft durch die Vertiefung und Verbreitung der von Ludwig von Mises mitbegründeten Lehre der Österreichischen Schule der Nationalökonomie und deren wissenschaftlicher Methode, der Handlungslogik (Praxeologie), zu fördern.

Der Preis wurde verliehen für Präsident Mileis herausragende Verdienste bei der Vertiefung und Verbreitung der Lehre der Österreichischen Schule der Nationalökonomie und deren praktischer Umsetzung. Javier Milei hat die Österreichische Schule und deren prominenteste Vertreter – wie Carl Menger, Ludwig von Mises, F.A. von Hayek, Murray N. Rothbard und Hans Hermann Hoppe – einem Millionenpublikum weltweit bekannt gemacht. Damit hat Milei sich aus unserer Sicht in besonderer Weise verdient gemacht. Denn die Menschen mit den Lehren der Österreichischen Schule in Kontakt zu bringen, sie zu verbreiten und zu erklären, ist aus unserer Sicht der entscheidende Schritt, um die unheilvollen Gedankengespinste des Kollektivismus, Sozialismus und Marxismus, die wieder einmal die Köpfe vieler Menschen erobert haben, zu besiegen und durch die besseren Ideen zu ersetzen – die besseren Ideen, die den Menschen Freiheit, Wohlstand und Frieden bringen.

Die Gegenwehr, die Revolution gegen die Unfreiheit findet nämlich sprichwörtlich in den Köpfen der Menschen statt. So betonte Ludwig von Mises in seinem Buch Die Gemeinwirtschaft (1922):

Ideen können nur durch Ideen überwunden werden. Den Sozialismus können nur die Ideen des Kapitalismus und des Liberalismus überwinden. Nur im Kampfe der Geister kann die Entscheidung fallen.

Präsident Javier Milei bekennt sich zum Libertarismus, dessen Kerngedanke das Nicht-Aggressions-Prinzip ist, welches besagt: Niemand hat das Recht, friedvollen Menschen gegen ihren Willen Zwang und Gewalt anzutun. Jeder ist vielmehr Eigentümer seiner selbst und auch der Güter, die er erwirtschaftet oder im Zuge freiwilliger Transaktionen erworben hat.

Folgerichtig sieht Javier Milei im Staat (wie wir ihn heute kennen), im zeitgenössischen Etatismus das zentrale Problem. Der heutige Staat ist nicht nur ein Zwangs- und Gewaltapparat, der mit der individuellen Freiheit unvereinbar ist. Er sorgt auch – und zwar notwendigerweise – für wirtschaftliche und gesellschaftliche Fehlentwicklungen: Preisinflation, Korruption, Verschwendung, Verfall des Rechts, wirtschaftlicher und kultureller Niedergang. Und vor allem lässt sich ein moderner Staat nicht kleinhalten. Denn die moderne Staatsräson besagt nichts anderes, als dass die Staatsinteressen allen Individualinteressen vorangehen, sie überwiegen. Das ist der Kerngedanke des Etatismus, der seit Jahrhunderten in Machiavellistischer Art und Weise umgesetzt wird und den Einzelnen zu einem Werkzeug macht, was spätestens beim Militärzwang jedermann deutlich werden dürfte, also wenn der Einzelne gezwungen wird, nicht nur seinen materiellen Besitz, sondern selbst Leib und Leben für die „Obrigkeit“ zu opfern. Wegen dieser Staatsräson, der Idee des grundsätzlich unbedingten Vorranges der Staatsinteressen vor den Individualinteressen wird selbst aus einem Minimalstaat früher oder später ein Maximalstaat. Wer das versteht, der versteht auch, warum sich Präsident Milei eine Kettensäge als Symbol für das Zurückstutzen des Staates ausgesucht hat.

Die Freiheitsbewegung, die Präsident Milei mit seinem öffentlichen Wirken über viele Jahre – und zwar bereits lange vor seiner Präsidentschaft – in Argentinien ausgelöst hat und anführt, reicht mittlerweile weit über Argentinien hinaus, zeigt Wirkungen auch in vielen anderen Ländern. Mit der Preisverleihung will das Ludwig von Mises Institut Deutschland den weltweiten intellektuellen Kampf für die Freiheit der Menschen unterstützen, ihn vorantreiben.

Javier Milei folgt Murray N. Rothbards „Doppelschlag-Strategie“ („One-Two Punch Strategy“). Rothbard argumentiert, dass Libertäre (und „Alt-Konservative“ / „Minimalstaatler“) eine doppelte, sich ergänzende Herangehensweise brauchen, um die Freiheit voranzutreiben und den Staat auf das Stärkste „zurückzuschneiden“, um beim Symbol der Kettensäge zu bleiben. Anstatt sich allein auf eine „intellektuelle Bekehrung“ der Eliten zu verlassen (das sogenannte „Hayeksche Modell“).

Rothbard nannte dies, einen „Doppelschlag“ („one-two punch“) quasi im Ärmel zu haben:

Da ist der „ideologische Schlag“, also der Aufbau einer Gruppe gut ausgebildeter Libertärer, deren Überzeugungsarbeit auf korrekten Prinzipien und Ideen basiert. Das bedeutet: Verbreitung libertärer und ökonomischer Theorie (Österreichische Schule), universeller apriorischer Ethik und der Ideen einer friedlichen Gesellschaft, um einen Kern von Intellektuellen, Autoren und Influencern zu bilden, welche die Ideen der Freiheit rigoros verstehen und vertreten können.

Und da ist der „populistische Schlag“, also die direkte Ansprache der Massen der Menschen durch schonungslose Entlarvung der ethischen und ökonomischen Defizite der Staatsräson, durch strikte Aufdeckung, wie manche Eliten (wie z. B. Politikfunktionäre, von staatlichen Geldern und Regulierung profitierende Pseudo-Unternehmer, Technokraten, Haltungsjournalisten usw.) vom bestehenden etatistischen System profitieren und die Menschen ausbeuten – durch Zwangsabgaben, willkürliche Regulierungen, Transferleistungen, Inflation, Kriege und Unterdrückung.

Rothbard betonte, dass diese Strategie das Abstrakte (prinzipientreuer Libertarismus) mit dem Konkreten (Entlarvung des bestehenden etatistischen Systems und seiner Nutznießer) verbinden muss. Es ist ein populistischer Ansatz, aufregend, konfrontativ und dynamisch, der die ausgebeuteten Mittel- und Arbeiterschichten gegen die unheilige Allianz der Eliten mobilisiert, die sie um die Früchte ihrer Arbeit bringen und kontrollieren wollen. Rothbard drückte sich mit seinen eigenen Worten wie folgt aus (aus dem Essay von 1992):

Daher die Bedeutung für Libertäre oder für Minimalstaats-Konservative, einen doppelten Schlag in ihrer Rüstung zu haben: nicht nur die Verbreitung richtiger Ideen, sondern auch die Entlarvung der korrupten herrschenden Eliten und wie sie vom bestehenden System profitieren – genauer gesagt: wie sie uns ausnehmen. Den Eliten die Maske vom Gesicht zu reißen, ist ‚negative Kampagne‘ in ihrer feinsten und grundlegendsten Form.

Diese zweigleisige Strategie besteht darin, (a) eine eigene Kaderschicht von Libertären und Minimalstaats-Meinungsbildnern aufzubauen, die auf korrekten Ideen fußt; und (b) die Massen direkt anzusprechen, die dominante Medien- und Intellektuellenelite zu umgehen, die Massen der Menschen gegen die Eliten aufzuwiegeln, die sie ausplündern, verwirren und sowohl sozial als auch wirtschaftlich unterdrücken.

Wir sind der Überzeugung, dass Präsident Javier Milei in seiner Person beide Bereiche von Rothbards „Doppelschlag-Strategie“ abdeckt. Er verbreitet und viertieft die Theorie der Österreichischen Schule und die Ideen des Libertarismus – vor einem Millionenpublikum weltweit – und schmiedet mit „Alt-Konservativen“ Allianzen, um „die Freiheit in die Praxis umzusetzen“, wie Rothbard sich ausdrückte. Dass in der praktischen Umsetzung nicht alles so schnell und konsequent geht, wie es manchem libertären Theoretiker recht wäre, wird weiterhin Anlass für konstruktive wie auch für weniger konstruktive Kritik bleiben, denn der Kompromiss, so schrieb Ludwig von Mises in seinen Erinnerungen, gehöre zur Politik. Mises wörtlich:

Ich habe immer einen scharfen Trennungsstrich zwischen meiner wissenschaftlichen und meiner politischen Tätigkeit gezogen. In der Wissenschaft sind Kompromisse Verrat an der Wahrheit. In der Politik sind Kompromisse unentbehrlich, weil ein Ergebnis oft nur durch Versöhnung widerstreitender Auffassungen erreicht werden kann. Wissenschaft ist Leistung des einzelnen und nie eine Kooperation mehrerer. Politik ist immer Kooperation von Menschen und muss daher oft Kompromiss sein.

Mit der Preisverleihung an Präsident Javier Milei würdigen wir seine Verdienste für dasjenige „doppelte“ gesellschaftliche Wirken, das der große libertäre Theoretiker und Praktiker Murray N. Rothbard im Sinn hatte.

Dass die Preisverleihung überhaupt möglich wurde, verdanken wir unseren Unterstützern (einer – er weiß, wer gemeint ist – sei an dieser Stelle besonders hervorgehoben), bei denen wir uns an dieser Stelle ganz herzlich bedanken möchten!

Professor Dr. Thorsten Polleit war als Ökonom 15 Jahre im internationalen Investment-Banking tätig und danach 12 Jahre im internationalen Edelmetallhandelsgeschäft. Thorsten Polleit ist zudem seit 2014 Honorarprofessor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth. Davor hat er ab dem Jahr 2003 als Honorarprofessor für Volkswirtschaftslehre an der Frankfurt School of Finance, Frankfurt, gelehrt. Thorsten Polleit ist Adjunct Scholar Mises Institute, Auburn, Alabama, Mitglied im Forschungsnetzwerk „ROME“ und Präsident des Ludwig von Mises Institut Deutschland. Im Jahr 2012 erhielt er den The O.P. Alford III Prize In Political Economy. Thorsten Polleit ist Autor zahlreicher Aufsätze in referierten Journals, Magazinen und Zeitungen. Seine letzten Bücher sind: „Des Teufels Geld. Der faustische Fiatgeld-Pakt – wie wir ihn kündigen und zu gutem Geld zurückkehren“(*) (Oktober 2023), „The Global Currency Plot. How the Deep State Will Betray Your Freedom, and How to Prevent It“(*) (2023), „Ludwig von Mises. Der kompromisslose Liberale“(*) (2022) und „Der Weg zur Wahrheit. Eine Kritik der ökonomischen Vernunft“(*) (2022). Seit April 2024 gibt er Dr. Polleits BOOM & BUST REPORT heraus. Hier Thorsten Polleit auf X folgen.

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Dr. Andreas Tiedtke ist Jurist, Publizist, Buchautor und Praxeologe. Er publizierte bereits zahlreiche Artikel zur Österreichischen Schule der Nationalökonomie und deren wissenschaftlicher Methode, der Praxeologie (Handlungslogik). Auf seiner Website www.praxeologe.de können Sie sich seine Bücher, Aufsätze und Podcast-Folgen mit ihm ansehen und in die Welt der Praxeologie eintauchen. Im Mai 2021 erschien sein Grundlagenwerk über die Praxeologie „Der Kompass zum lebendigen Leben“(*). Im Jahr 2022 wirkte er an dem Buch „Wissenschaft und Politik: Zuverlässige oder unheilige Allianz“ (Herausgeber: Olivier Kessler, Peter Ruch) mit, zu dem er im 1. Kapitel den 1. Abschnitt beitrug: „Mit welchen wissenschaftlichen Methoden zu welcher Erkenntnis?“. Zudem schreibt er Kolumnen für die Online-Magazine Freiheitsfunken und Der Sandwirt. Am 20. Oktober 2025 erschien sein Buch „Die Erlöser. Eine kurze Psychologie der Politik“ (*). Hier Andreas Tiedtke auf X folgen.

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Titel-Foto: Javier Milei und Delegation des Mises Institut Deutschland (bearbeitet)

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