Bitcoin: ein Freiheitsprojekt in Gefahr

4. April 2022 – von Peter Bistoletti

Peter Bistoletti

Seit einigen Jahren herrscht ein Machtkampf zwischen Bitcoin (BTC) einerseits und dem Staat, den Banken und Zentralbanken andererseits. Die größte Gefahr für BTC ist der Staat mit seinen Gesetzen und Regulierungen. Geld ist Macht und Macht gibt der Staat nie freiwillig her. Leider verschiebt sich aber die Machtbalance mehr und mehr zum Staat.

Der Ursprung von BTC liegt in der “Cypherpunk” Bewegung, eine Gruppe von Kryptologen, Libertären und Krypto-Anarchisten, die alle starke Verteidiger von individueller Freiheit waren. Als Reaktion auf die Finanzkrise 2008 schuf Satoshi Nakamoto, der anonyme Schöpfer von BTC, kryptiertes digitales Geld, das sich auf einem freien Markt, unabhängig von Staat und Zentralbanken, entwickeln sollte. 2008 Veröffentlichte er einen wissenschaftlichen Artikel mit dem Titel: “Bitcoin – a Peer-to-Peer electronic cash system”. BTC sollte sich zu einem anti-inflationären monetären System entwickeln, in dem die totale Anzahl von BTC auf 21 Millionen BTC begrenzt ist. Satoshi Nakamoto wollte Geld vom Staat trennen und das Monopol des Staates auf Geld brechen. BTC kombiniert mehrere technologische Innovationen wie zum Beispiel: open source software, dezentralisiertes peer-to-peer Netzwerk, public and private key cryptography, hashing algoritmus, proof of work/BTC mining, blockchain, difficulty adjustment, Lightning Network, Schnorr Signaturen, Taproot, Segwit, nur um einige zu nennen. Da die meisten dieser Technologien für den Laien kaum begreifbar sind, ist es schwierig BTC als Ganzes zu erfassen. Aber all diese technologischen Innovationen zusammen genommen haben etwas Einzigartiges geschaffen, nämlich BTC.

Nach Einführung von BTC haben Staaten, Banken, Zentralbanken und die Bank of International Settlement (BIS) [Bank für internationalen Zahlungsverkehr] versucht, BTC zu diskreditieren. Der Staat betreibt eindeutig einen Feldzug gegen BTC. Man verweist immer wieder auf Probleme mit Geldwäsche und das BTC im dark web verwendet wird, um Waffen, gefälschte Dokumente, ransomware, Auftragsmörder oder Narkotika zu kaufen. BTC macht es außerdem möglich, Steuern zu vermeiden und den Terrorismus zu finanzieren. Im Gegensatz dazu sind die Medien und Banken eher verschwiegen über Erpresser, die in BTC bezahlt werden möchten. Nicht zu vergessen: BTC hätte auch einen zu hohen Energieverbrauch und wäre daher ein Risikofaktor für den Klimawandel.

Wer verwendet nun BTC, sind es wirklich hauptsächlich Kriminelle? Die größte Gruppe sind Spekulanten ohne tieferes Verständnis von BTC. Sie kaufen in der Hoffnung, dass der Kurs ansteigen wird. Man kauft BTC und handelt mit BTC oder BTC-Zertifikaten. Die größten Anwendergruppen findet man – pro Kopf betrachtet – in Zentral- und Südafrika, Lateinamerika, Osteuropa und Südostasien. Die nächste Gruppe sind die ideologisch motivierten Libertären oder Anhänger der Österreichischen Schule der Nationalökonomie, die BTC als langfristige Anlage betrachten. Sie hoffen, dass BTC eines Tages globales digitales Geld wird. Die absolut kleinste Gruppe sind Kriminelle und Terroristen. Die Analysefirma CHAINALYSIS hat in dem “Crypto Crime Report 2021” festgestellt, dass nur 0,3% aller BTC Transaktionen als ungesetzlich bezeichnet werden können.

Was ist nun der Unterschied zwischen BTC und den übrigen Kryptowährungen? Die so genannten “BTC Maximalisten” betrachten BTC als die einzige Kryptowährung von Bedeutung und bezeichnen alle anderen Kryptowährungen als “shit coins”. Die einzige Ausnahme, die Krypto-Anarchisten vielleicht akzeptieren könnten, wäre möglicherweise Monero. Monero ist die größte aller “privaten Währungen” und bietet zurzeit noch totale Anonymität. Daher wird Monero wohl relativ häufiger im dark web und zu “kriminellen” Aktivitäten verwendet. Aber Monero hilft, finanzielle Freiheit zu bewahren. Die finanzielle Privatsphäre ist ein menschliches Grundrecht, und wenn wir diese Freiheit verlieren, dann bewegen wir uns immer mehr in Richtung eines autoritären Staates. Die USA hat offenbare Probleme mit Monero und hat eine Belohnung ausgesetzt für die Firma, welche die Kryptierung von Monero entschlüsselt. Die USA wollen Monero „knacken“, aber wie es scheint, ist dies bislang weder dem CIA (Geheimdienst), der DEA (Drogenpolizei), dem IRS (Finanzamt), dem FBI (Bundespolizei) oder der NSA (noch ein Geheimdienst) geglückt. Wenn der Staat Probleme mit einer Kryptowährung hat, dann ist das ein Zeichen, dass es sich definitiv eine gute Kryptowährung handeln könnte.

Trotz des massiven Widerstands von Seiten des Staates und der Banken und Zentralbanken ist BTC in den 13 Jahren seiner Existenz enorm gewachsen. Der totale globale Marktwert von BTC liegt bei über 1 Billion € (1 Billion = eine Million Millionen, 1012), das entspricht etwa 10% des Marktwertes des gesamten derzeit oberirdischen Goldbestandes in der Welt. Das totale tägliche Handelsvolumen liegt bei etwa 50 Milliarden €. In den letzten Jahren haben auch größere Institutionen BTC gekauft, da es in gewissen Kreisen als „digitale Gold Investition“ angesehen wird. El Salvador hat vor kurzem BTC als legales Zahlungsmittel eingeführt. Im Schweizer Kanton Zug kann man seit 2021 Steuern mit BTC bezahlen. Die schwedische Gemeinde Staffanstorp hat eine Kommission eingesetzt, um zu prüfen ob die Gemeinde Steuergelder in BTC anlegen sollte.

Trotz diesen Entwicklungen versuchen viele Staaten BTC mehr und mehr unter Kontrolle zu bekommen. Schweden dürfte dabei an der Spitze stehen. Schweden hat seit Jahren der finanziellen Privatsphäre und dem Bargeld den Kampf angesagt. Es ist das einzige Land in Europa ohne BTC ATMs (Bitcoin Geldautomaten). In Österreich und der Schweiz gibt es jeweils über 130 BTC ATMs. Heute finden wir in vielen Ländern eine umfassende Gesetzgebung, die den Kauf, Verkauf und Handel mit BTC reguliert. Es gelten KYC (Know Your Customer; „identifiziere deinen Kunden“) und AML (Anti Money Laundering; Anti-Geldwäsche-Regulierungen) Gesetze für alle größeren Börsen, wo man normalerweise BTC kauft. Auf allen öffentlichen Blockchains liegen alle Transaktionen für immer und ewig gelagert. Kommerzielle Blockchain-Analyse-Firmen können alle BTC Transaktionen verfolgen und werden gerne von Steuerbehörden, der Polizei und anderen staatlichen Institutionen in Anspruch genommen. Man kann bei diesen Analysen die Sender und Empfänger Adressen sowie die Höhe des BTC Betrages nachverfolgen. Daher ist die Anonymität bei BTC im Prinzip aufgehoben.

Es gibt jedoch Gegenmaßnahmen, denn die BTC Gemeinschaft hat sehr kluge und tüchtige Computerexperten in ihren Reihen. Diese versuchen, die ursprünglichen Ideen von Satoshi Nakamoto zu verwirklichen, nämlich, Sicherheit, finanzielle Privatsphäre, Dezentralisierung und die Trennung von Geld und Staat. Lightning Network und atomic swaps sind zum Beispiel neue Technologien, die über das BTC Netzwerk laufen und schnelle, anonyme und extrem billige BTC Transaktionen ermöglichen. Wenn man beim BTC Handel anonym bleiben will, gibt es Möglichkeiten, die jedoch sehr aufwendig sind. Für über 90% der BTC Anwender dürfte Anonymität nicht von Interesse sein. Freiheitsliebende, die anonym bleiben wollen, verwenden zum Beispiel den Tor Browser, asymmetrisch kryptierte Kommunikation, das “Waschen” von BTC mit Monero oder das sogenannte “BTC mixing”. Es gibt auch BTC Wallets (Bitcoin Geldbörsen), die Transaktionen durch so genanntes “coin join” anonymisieren können, zum Beispiel das Wasabi Wallet. Wenn man BTC mit Bargeld von einer Privatperson oder bei gewissen Börsen oder einem ATM kauft, kann man auch anonym bleiben.

Der Staat hat aber noch weitere repressive Maßnahmen in seiner Hand. Der Staat kann zum Beispiel BTC Börsen zwingen, die Register über alle ihrer Kunden mit Namen und persönlichen Daten besitzen, diese zu übergeben. Dann kommt die Steuerbehörde und klopft an der Türe. Denkbar wäre auch, dass der Staat ganz einfach die BTC, die auf den Konten der großen BTC Börsen liegen, beschlagnahmt.

Es hat sich in der Geschichte mehrmals ereignet, dass der Staat Gold beschlagnahmt oder verboten hat. Unter der Französischen Revolution war Todesstrafe auf Besitz von Gold. 1933 konfiszierte die USA mehr oder weniger alles Gold im Privatbesitz. Der Staat kann BTC Börsen und BTC Mining (BTC Produktion) verbieten oder stilllegen, was China getan hat. Die Russische Zentralbank hat vorgeschlagen, BTC Mining und den Handel mit BTC zu verbieten. Der Staat kann im Geheimen E-Mails auslesen oder Telefongespräche abhören und so ausforschen, wer BTC besitzt. In Schweden kamen die Sozialdemokraten mit einem Gesetzesvorschlag, welcher der Polizei die Macht geben soll, sich unter Anwendung von Zwang in Mobiltelefone und Computer einloggen zu können. Die Polizei kann also mit Gewalt jemand zwingen, seine Passwörter für Mobiltelefon und Computer preiszugeben. Daher ist es potentiell möglich, dass die Polizei jemanden zwingen kann, seine Private Key (privaten Schlüssel) für die ihm eigenen BTC mitzuteilen.

Die EU hat Pläne, sogenannte “Hardware Wallets”, wie zum Beispiel Trezor oder Ledger, zu verbieten. Dies sind Wallets, bei denen sich die BTC auf privaten Computern befinden und nicht zum Beispiel auf einem Server einer Online Börse im Cyberspace befinden.

Quantum Computer im Dienste des Staates könnten auch eine Bedrohung für BTC werden. Eine weitere Bedrohung wären sogenannte CBDCs (Central Bank Digital Currencies), die sich in zurzeit 90 Ländern im Teststadium befinden. Schweden, China und einige andere Länder sowie die BIS arbeiten an der Einführung der CBDCs, also von zentral gesteuerten digitalen Währungen, die den Menschen in finanzieller Hinsicht vollkommen durchsichtig machen. Der Staat kann die Menschen locken oder zwingen, CBDC zu verwenden, und dies hätte natürlich negative Effekte für die Zukunft von BTC.

Wenn der Staat sich aber richtig bedroht fühlt, dann können wir im schlimmsten Fall mit dem Verbot des Handels mit BTC rechnen, dem Kaufverbot von Waren und Dienstleistungen mit BTC sowie dem Verbot, Gehälter und Mieten mit BTC zu bezahlen. Dann zwingt man BTC in den Untergrund. BTC wird dann ein integrierter Teil eines globalen Schwarzmarktes oder der so genannten Schattenwirtschaft, die in einigen Länder einen beachtlichen Anteil der gesamten wirtschaftlichen Aktivität ausmacht. In den USA schätzt man den Anteil der Untergrund Ökonomie auf etwa 2,5 Billionen USD. Außerdem wird BTC dann ein Teil der globalen Cyber Kriminalität, die laut Cyber Sicherheitsexperten schon heute größer als der globale Drogenhandel sei.

Die Zukunft von BTC ist daher ungewiss. Entscheidend für die Zukunft von BTC ist, wer den Machtkampf zwischen Staat, Banken, Zentralbanken einerseits und BTC andererseits gewinnt. Der Untergang von BTC könnte jedoch einen weiteren Schritt in eine ausgeprägte Überwachungsgesellschaft bedeuten, eine Gesellschaft, vor der uns George Orwell gewarnt hat.

Referenzen:

Konrad S Graf: Bitcoin – Magic, fraud or ‘sufficiently advanced technology?

Saifedean Ammous: The Bitcoin Standard

Dr. Peter Bistoletti ist Arzt aus Wien und wohnt seit vielen Jahren in Stockholm, Schweden.

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Hinweis: Die Inhalte der Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Ludwig von Mises Instituts Deutschland wieder.

Titel-Foto: Adobe Stock

 

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