Kleine Anzeichen großer Verwirrung
18. März 2026 – von Rainer Fassnacht
Oft sind es kleine und unscheinbare Zeichen, die auf ein großes Problem im Hintergrund hindeuten. Zwei kleine Beispiele zeigen, wie unterschiedlich solche Anzeichen sein können und welche Gefahren damit einhergehen.
„Anspruch“ auf angemessene Arbeit
Vor einiger Zeit sprach ich mit einer jungen Frau, die vor kurzem erfolgreich ihr Studium abgeschlossen hatte. Sie beklagte sich darüber, kein angemessenes Jobangebot zu bekommen und machte deutlich, nicht bereit zu sein eine Stelle „unter ihrem Niveau“ anzunehmen.
Diese Frau ist sicherlich nicht der einzige Mensch, der davon ausgeht, einen „Anspruch“ auf einen (aus eigener Perspektive) angemessenen Job zu haben. Solche Menschen begründen die Annahme, ein adäquates Jobangebot verdient zu haben, beispielsweise mit der Dauer und Schwierigkeit ihrer Ausbildung. Auch die Ablehnung einer Tätigkeit in bestimmten Branchen – beispielsweise in der Rüstungsindustrie oder im Bereich fossiler Energieerzeugung – könnte hier genannt werden.
Andere sehen „ihr Recht“ auf eine angemessene Arbeit zum Beispiel verletzt, wenn das Jobangebot spezifische Wünsche, wie beispielsweise die Möglichkeit im Homeoffice zu arbeiten oder ein Sabbatical nehmen zu können, nicht umfasst.
In jedem der genannten Fälle sind zwei Punkte zu beachten: Erstens der persönliche Anspruch und zweitens die Annahme, andere Menschen seien verpflichtet, ihren Anspruch zu erfüllen. Betrachten wir den zweiten Punkt zuerst, so lässt sich handlungslogisch argumentieren, dass weder eine lange und schwere Ausbildung noch bestimmte Erwartungen an die künftige Arbeit eine „Verpflichtung“ anderer Menschen bewirken. Eine Verpflichtung entsteht nicht durch einseitige Annahmen und Wünsche, sondern durch gegenseitige freiwillige Vereinbarung.
Nur wenn die junge Frau vor ihrem Studium mit ihrem künftigen Arbeitgeber einen Vertrag geschlossen hätte, dass dieser den Wunscharbeitsplatz zur Verfügung stellt, sofern das Studium erfolgreich abgeschlossen wird, gäbe es tatsächlich einen Anspruch von ihrer Seite und eine Verpflichtung von der anderen Seite.
Die Gefahr, die von diesem Anspruchsdenken ausgeht, hat zwei Facetten, eine individuelle und eine gesellschaftliche.
Wer einen eigenen Anspruch und Verpflichtungen anderer annimmt, obwohl diese objektiv nicht vorliegen, dürfte sich mit großer Wahrscheinlichkeit unglücklich machen. Eine Enttäuschung folgt der nächsten, solange nicht das Bewusstsein da ist, dass es ein „Recht“ auf angemessene Arbeit entsprechend der eigenen Definition (ohne Vertrag) nicht gibt.
Die gesellschaftliche Konsequenz solchen Denkens ist, dass in den geschilderten Fällen mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen wird, dass selbstverständlich Arbeitslosengeld oder andere Formen sozialer Absicherung gezahlt werden müssen.
Natürlich hat ein Mensch die Freiheit, beispielsweise eine Tätigkeit im Rüstungsbereich für sich auszuschließen. Aber daraus ergibt sich keine Pflicht für andere Menschen, dafür Sozialversicherungsbeiträge zu zahlen. Handlungslogisch korrekt kann weder jemand zu einer bestimmten Arbeit verpflichtet werden, noch können andere Menschen zur Finanzierung der Konsequenzen dieser Entscheidung verpflichtet werden. Man kann hierzu gezwungen werden, aber eben nicht verpflichtet.
Eindämmung von „Marktmacht“
Bei einem Gespräch mit einem älteren Mann forderte dieser, dass einem bestimmten sehr reichen Unternehmer ein Teil seines Vermögens genommen werden sollte, um dessen Macht zu begrenzen.
Der ältere Herr ist sicherlich nicht der einzige Mensch, der „Marktmacht“ für etwas Schlechtes hält und glaubt, dass Vermögenssteuern oder andere legale „Raubmethoden“ etwas Gutes wären. Reiche ärmer machen zu wollen, ist eine verbreitete Idee und es gibt zahlreiche Vorschläge, wie dies gehandhabt werden könnte. Selbst Erschießungen von Reichen wurden schon „angekündigt“.
Hier zeigt sich, dass der Unterschied zwischen politischer Macht einerseits und „Marktmacht“ andererseits nicht verstanden wird. Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass Politiker Zwang ausüben können, indem beispielsweise eine „Wehrpflicht“ (d.h. Militärzwang) oder neue Steuern eingeführt oder Enteignungen beschlossen werden.
Ludwig von Mises (1881 – 1973) formulierte es so:
Menschliche Macht ist die Fähigkeit, fremdes Handeln zu bestimmen.
(Nationalökonomie. Theorie des Handelns und Wirtschaftens, S. 588)
Unternehmer machen demgegenüber ablehnbare Angebote. Sie können die Kunden nicht zwingen, ihr Produkt zu kaufen. Nicht der Unternehmer, sondern seine Kunden entscheiden über den Erfolg eines Produktes oder einer Dienstleistung und damit indirekt auch darüber, ob der Unternehmer Geld verdient oder Verluste macht.
Hierzu Mises:
Doch Reichtum kann in der kapitalistischen Wirtschaftsordnung nur durch Dienste, die den Verbrauchern durch die ihren Bedürfnissen am besten entsprechende Verwendung der Produktionsmittel geleistet wurden, erworben und bewahrt werden.
(Das Eigentum in der Marktwirtschaft, S. 727)
Der Begriff „Marktmacht“ führt daher in die Irre. Von Macht kann an sich nur gesprochen werden, wenn damit die Anwendung von Zwang verbunden ist. In diesem handlungslogischen Sinne gibt es zwar politische aber keine wirtschaftliche Macht.
Auch die Gefahr, die vom Glauben an „Marktmacht“ ausgeht und dem Wunsch, unternehmerischen Erfolg zu zerstören, hat eine individuelle und eine gesellschaftliche Facette. Wird wirtschaftlicher Erfolg nicht als Ergebnis von Kundenentscheidungen (oft auch eigenem Kaufverhalten) verstanden, kann sich der Neid in die Seele fressen – weil hier Menschen „unverdient reich geworden“ zu sein scheinen.
Wenn viele Menschen einer Gesellschaft oder die politisch Mächtigen nicht zwischen wirtschaftlichem Erfolg und mit Zwang einhergehender Macht unterscheiden können, steigt die Gefahr für Interventionen, welche Freiheit und Wohlstand erodieren und somit allen schaden.
Fazit
Werden grundlegende Zusammenhänge nicht verstanden, kann dies beim Individuum zu negativen und tendenziell schädlichen Emotionen führen. Sind sehr vielen Menschen einer Gesellschaft – insbesondere jenen mit politischer Macht – diese Zusammenhänge nicht klar, werden die Grundlagen einer freien prosperierenden Entwicklung der Gesellschaft zerstört. Handlungslogisches ökonomisches Wissen zu verbreiten, bleibt daher eine wichtige und unverzichtbare Aufgabe.
Hinweis: Die Inhalte der Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Ludwig von Mises Instituts Deutschland wieder.
Rainer Fassnacht ist Ökonom und freier Journalist. Er schreibt für verschiedene Printmedien und Onlineplattformen im In- und Ausland. Hauptthema seiner Artikel über ökonomische Themen ist die Bewahrung der individuellen Freiheit.
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