Milei-Konferenz 2026. Sind libertäre Reformen auch in Deutschland umsetzbar?
9. Februar 2026 – Interview mit Frauke Petry
Ludwig von Mises Institut Deutschland (LvMID): Liebe Frau Petry, am 14. März 2026 findet in Leipzig die „Milei-Konferenz 2026“ statt. Es geht offensichtlich darum, Präsident Javier Mileis legendäre Kettensäge auch in Deutschland zum Einsatz zu bringen. Können Sie unseren Lesern bitte erklären, um was es bei der Konferenz genauer geht?
Frauke Petry (FP): Deutschland braucht einen konkreten Deregulierungsplan. Wir bringen in Leipzig namhafte Persönlichkeiten auf die Bühne, die konkret erklären werden, wie diese Deregulierung in Wirtschaft und Gesellschaft funktionieren wird.
LvMID: Können Sie unseren Lesern einige Beispiele geben? Wo würden Sie die Kettensäge zuerst ansetzen?
FP: Man kann auf mehrere Weisen beginnen. Eine Baustelle, die nichts kostet und politisch leicht durchsetzbar wäre, sind die unendlichen Berichts- und Statistikpflichten für Unternehmen. Längerfristig aber noch viel wirkungsvoller wäre eine Liberalisierung des Energiemarktes und die Wiederzulassung von Kernkraft. Politisch sehr kompliziert, aber mit enormen Potentialen für Motivation von Arbeitnehmern und Unternehmern wäre die Simplifizierung des Steuersystems und eine Rückführung auf wenige einfache Steuerarten. Und dann wäre da noch der „Sozialstaat“ …
LvMID: Javier Milei hat in Argentinien – bevor er mit der Deregulierung beginnen konnte – einen „Kulturkampf“ geführt. Gegen „woke-linkes“ Gedankengut und für Marktwirtschaft und Freiheit. Glauben Sie, dass die öffentliche Meinung in Deutschland schon bereit ist für so weitreichende Reformen wie in Argentinien?
FP: Auch in Argentinien hat niemand auf wirtschaftsliberale Reformen und eine Zurückdrängung der Marxisten gewartet. Javier Milei hat Freiheit und Marktwirtschaft nach Jahrzehnten des Sozialismus wieder populär gemacht. Selbes gilt auch für Deutschland. Wir dürfen nicht darauf warten, dass es von selbst geschieht.
LvMID: Es soll bei der „Milei-Konferenz 2026“ nicht nur um Marktwirtschaft und Staatsabbau gehen, sondern auch um Familie, gesellschaftliche Ordnung, Freiheit und Verantwortung. Können Sie erklären, wie das eine mit dem anderen zusammenhängt?
FP: Gesellschaftliche Freiheit und wirtschaftliche Freiheit bedingen sich gegenseitig. Außerdem prosperiert eine freie Gesellschaft nur dann, wenn sie auf ein solides Fundament aus Vertrauen bauen kann – oder neudeutsch, wenn sie eine „High-Trust-Gesellschaft“ ist. Diese entwickelt sich aus seit langem verankerten kulturellen Grundlagen. Der Wegfall staatlicher Gewalt allein erschafft daher noch keine freie Gesellschaft. Diese benötigt Strukturen und gesellschaftliche Netzwerke, die sie resilient gegen neuerliche staatliche Interventionen machen. Und zwar durch alle gesellschaftlichen Sphären wie Bildung, Unterstützung von Familien, Organisation vom Dorf- und Stadtstrukturen, soziale Einrichtungen und dergleichen. Ist unser aktuelles Grundgesetz ausreichend, um unsere Grundrechte gegen Eingriffe in die körperliche Unversehrtheit, das Versammlungsrecht, das Recht auf freie Meinungsäußerung und andere Grundrechte zu schützen? Ich nehme es vorweg, es besteht auch hier deutlicher Nachsteuerungsbedarf.
LvMID: Viele der prominentesten Fürsprecher für Marktwirtschaft und Freiheit kommen aus dem DACH-Raum, wie Wilhelm Röpke, Friedrich A. von Hayek und – vor allem – Ludwig von Mises. Und doch kennen die deutschen Schüler und Studenten meist weder deren Namen noch ihr Werk, aber nahezu jeder Jugendliche kennt Karl Marx. Müsste nicht auch das Bildungssystem wesentlich reformiert werden und wie könnte eine solche Reform konkret aussehen?
FP: Wir müssen dem Staat die Hoheit über die Bildungsinhalte aus der Hand nehmen. Dazu brauchen wir mehr Wettbewerb im Schulbetrieb, mehr Möglichkeiten zum Freilernen und Homeschooling. Eine Bildungs- bzw. Prüfungspflicht sichert Standards, aber erlaubt alternative Lernformen außerhalb des staatlichen Korsetts. Jedes Bundesland kann in Deutschland diesen Weg selbst beschreiten, dem Föderalismus sei Dank! Statt eines „Marsches durch die Institutionen“ marschieren wir mit Freiheits-Schulen und guten Online-Angeboten einfach an ihnen vorbei!
LvMID: Liebe Frau Petry, vielen Dank für das Interview!
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Das Interview für das Ludwig von Mises Institut Deutschland führte Andreas Tiedtke.
Hinweis: Die Inhalte der Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Ludwig von Mises Instituts Deutschland wieder.
Dr. Frauke Petry ist Chemikerin, Unternehmerin und Mutter von sechs Kindern im Alter zwischen 6 und 23 Jahren. Sie war Fraktionsvorsitzende im sächsischen Landtag Dresden ab 2014 und Mitglied des Deutschen Bundestags von 2017-2021. Sie ist Initiatorin von Team Freiheit, einer neuen atypischen Partei, die nach dem Vorbild von Javier Milei einen freiheitlichen Minimalstaat anstrebt.
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