Der Druck auf die Ungeimpften wächst

6. September 2021 – von Philipp Bagus 

Philipp Bagus

Während die Geimpften in einigen Ländern einen Teil ihrer durch die COVID-Eingriffe verlorenen Freiheiten zurückerhalten, ergeht es den Ungeimpften nicht so gut. Sie werden gezielt diskriminiert. Die Möglichkeit Fitnessclubs, Restaurants, oder Hotels und andere öffentliche Räume zu frequentieren, wird ihnen erschwert. Auch das Reisen wird für Impffreie immer schwieriger. In einigen Ländern gibt es sogar bereits eine Impfpflicht für bestimmte Berufe.

Aber warum ist die Impfkampagne für die Regierungen so wichtig, dass sie den Druck so stark erhöhen? Und wer hat ein Interesse an der weltweiten Impfkampagne?

Um diese Fragen zu beantworten, ist es notwendig, das vorherrschende Impf-Narrativ zu analysieren und zu fragen, wer davon profitiert. Dabei muss die Interessenallianz zwischen Staat, Medien, Pharmaindustrie und supranationalen Institutionen angesprochen werden.

Beginnen wir mit der Pharmaindustrie. Sie hat ein offensichtliches wirtschaftliches Interesse an der Impfkampagne. Sie macht enorme Profite mit einer Massenimpfung.

Und was ist mit dem Staat? In der COVID-19-Krise haben die Politiker systematisch Angst und Hysterie geschürt. Das war kein Zufall und vermag nicht zu überraschen. Denn der Staat stützt seine Existenzberechtigung auf das Argument, er schütze die Bevölkerung vor inneren und äußeren Gefahren. Der Staat ist auf Angst aufgebaut. Das Narrativ ist, dass der Bürger ohne die Hilfe des Staates schutzlos gegen Hunger, Armut, Bildungsferne, Unfälle, Krieg, Terrorismus, Krankheiten, Naturkatastrophen oder Pandemien wäre. Es liegt daher im Interesse des Staates, Angst vor möglichen Gefahren zu schüren, die er dann zu beseitigen vorgibt und dabei seine Macht ausbaut. Ein Beispiel aus der jüngeren Geschichte ist die Einschränkung der bürgerlichen Freiheiten in den USA als Reaktion auf die Bedrohung durch den Terrorismus nach den Anschlägen vom 11. September und der zweite Irakkrieg. In ähnlicher Weise lag es im Interesse der Regierungen, gezielt Angst zu schüren und COVID-19 als einzigartigen Killervirus darzustellen, um die staatliche Macht auf Kosten der Grundrechte der Bürger in einem in Friedenszeiten unbekannten Ausmaß zu erweitern.

Als die Corona-Krise begann und noch nicht viel über die potenzielle Gefahr bekannt war, sahen sich die Politiker mit einem asymmetrischen Anreiz konfrontiert. Wenn Politiker eine Gefahr unterschätzen und nicht reagieren, werden sie für die Unterschätzung der Gefahr verantwortlich gemacht. Sie verlieren Wahlen und Macht. Vor allem, wenn sie für Todesfälle verantwortlich gemacht werden können. Fotos von Massenbegräbnissen wollen sie unter allen Umständen verhindern. Denn die Folgen einer Unterschätzung der Gefahr und des Nichthandelns sind politisch fatal. Die Gefahr zu überschätzen und entschlossen zu handeln, ist dagegen politisch viel attraktiver.

Wenn es sich wirklich um eine noch nie dagewesene Bedrohung handelt, werden Politiker für ihre harten Maßnahmen wie Lockdowns gefeiert. Und Politiker können immer argumentieren, dass es ohne ihr entschlossenes Handeln tatsächlich zu einer Katastrophe und einem Massensterben gekommen wäre.

Wenn sich die Maßnahmen letztlich als übertrieben herausstellen, weil die Gefahr doch nicht so groß war, werden die möglichen negativen Folgen der Maßnahmen nicht so direkt mit den Politikern in Verbindung gebracht wie bei den Fotos von Massenbegräbnissen aus Bergamo, weil diese Folgen eher indirekt und langfristig sind. Zu den indirekten und langfristigen Gesundheitskosten von Lockdowns gehören Selbstmorde, Depressionen, Alkoholismus, stressbedingte Krankheiten oder frühere Todesfälle durch abgesagte Operationen und Vorsorgeuntersuchungen oder ein allgemein niedrigerer Lebensstandard. Diese Kosten werden jedoch wahrscheinlich nicht direkt mit den drastischen Eingriffen in Verbindung gebracht und daher nicht der Politik angelastet. Viele dieser Folgen treten erst nach den nächsten Wahlen oder noch später auf und sind nicht sichtbar. Wir können zum Beispiel nicht sehen oder messen, inwieweit ein höherer Lebensstandard, den wir ohne Lockdowns gehabt hätten, die Lebenserwartung erhöht hätte. Und wenn in sechs Jahren jemand an Alkoholismus oder Depressionen stirbt, die sich als Folge von Lockdowns entwickelt haben, werden die meisten Menschen wahrscheinlich nicht die Lockdownpolitiker dafür verantwortlich machen, und wenn doch, sind diese Politiker möglicherweise schon aus dem Amt. Es liegt also im Interesse der Politiker, eine Bedrohung zu überschätzen und überzureagieren.

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Um harte Maßnahmen wie Lockdowns, die für Politiker so attraktiv sind, zu rechtfertigen und zu verteidigen, ist es notwendig, Angst zu schüren. Wenn Politiker Angst und Hysterie schüren, wie in der COVID-19-Krise, indem sie äußerst restriktive Maßnahmen wie Lockdowns durchsetzen, ist der Schaden für die Wirtschaft und das soziale Miteinander immens. Doch man kann eine Gesellschaft nicht ewig abriegeln, da die Kosten steil ansteigen. Irgendwann muss man aussteigen und zu einer gewissen Normalität zurückkehren. Doch wie kann man gleichzeitig Angst vor der Bedrohung durch ein Killervirus schüren und zur Normalität zurückkehren?

Der Ausweg ist die Impfung. Durch die Impfkampagne kann sich der Staat als Retter vor der großen Gefahr inszenieren. Der Staat organisiert die Impfung für seine Bürger und gibt sie „kostenlos“ an die Bürger ab.

Mit anderen Worten: Ohne diese „Impfrettung“ und bei einem dauerhaften Lockdown wären die negativen wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Einschränkung der Bürgerrechte so immens, dass der Unmut in der Bevölkerung weiter wachsen und schließlich Unruhen drohen würden. Früher oder später muss der Lockdown also beendet werden. Würden die staatlichen Behörden jedoch ohne weitere Erklärung von Lockdowns und Beschränkungen abrücken und andeuten, dass die Gefahr doch nicht so groß sei und die Beschränkungen eine Übertreibung und ein Fehler gewesen seien, würden sie viel Unterstützung und Vertrauen in der Bevölkerung verlieren.  Aus staatlicher Sicht ist daher ein gutes und gesichtswahrendes „Ausstiegsszenario“ aus den strengsten Restriktionen erforderlich. Dieses Ausstiegszenario bietet die Impfkampagne.

Durch die staatlich geförderte Impfung kann der Staat weiterhin an dem Narrativ der großen Bedrohung festhalten und trotzdem aus Lockdown und Restriktionen herauskommen. Gleichzeitig kann er sich als Retter verkaufen, der durch die Impfung etwas mehr Normalität ermöglicht. Dazu ist es notwendig, dass sich ein möglichst großer Teil der Bevölkerung auch impfen lässt. Denn wenn sich nur ein Bruchteil der Bevölkerung impfen lässt, kann die Impfkampagne nicht als notwendiger Schritt zur Öffnung verkauft werden. Es liegt also im Interesse des Staates, dass sich ein großer Teil der Bevölkerung impfen lässt.

Wenn diese Strategie aufgeht, hat der Staat einen Präzedenzfall geschaffen, seine Macht ausgebaut und die Bürger in eine größere Abhängigkeit gebracht. Die Bürger glauben, dass sie vom Staat aus einer tödlichen Notlage gerettet wurden und werden auch in Zukunft auf seine Hilfe bauen. Im Gegenzug sind sie bereit, einen Teil ihrer Freiheiten dauerhaft aufzugeben. Die Ankündigung, dass staatlich organisierte Auffrischungsimpfungen notwendig sind, verfestigt die Abhängigkeit der Bürger.

Die Massenmedien machen mit und unterstützen aktiv das Impfnarrativ. Der Staat und die Massenmedien sind eng miteinander verbunden. Framing in Leitmedien und die gezielte Beeinflussung der Bevölkerung haben eine lange Tradition. Schon Edward Bernays plädierte in seinem Klassiker Propaganda für die intelligente Manipulation der Massen. In modernen Staaten tragen die Massenmedien dazu bei, die Zustimmung der Bevölkerung zu politischen Maßnahmen wie im Fall von COVID-19 zu gewinnen.

Die Unterstützung der Massenmedien für den Staat hat mehrere Gründe. Einige Medien sind direkt im Besitz des Staates, andere sind stark reguliert oder benötigen staatliche Lizenzen. Außerdem sind die Medienhäuser mit Absolventen staatlicher Bildungseinrichtungen besetzt. Darüber hinaus bietet eine gute Verbindung zur Regierung, insbesondere in Krisenzeiten, den Medien Vorteile und einen privilegierten Zugang zu Informationen. Die Bereitschaft, das Angst-Narrativ des Staates zu verbreiten, speist sich auch daraus, dass negative Nachrichten und die Übertreibung von Gefahren Aufmerksamkeit erregen.

In der Corona-Krise trug die einseitige Medienberichterstattung, die sich über die sozialen Medien verbreitete und kritische Stimmen ausblendete, zu Angst und Panik bei und verursachte großen psychischen Stress in der Bevölkerung. Doch nicht nur negative Nachrichten sind für die Medien attraktiv, auch das Narrativ vom Staat, der die Bevölkerung aus einer großen Krise rettet, lässt sich gut verkaufen. So spielt das Impfnarrativ den Massenmedien in die Hände.

Neben den Nationalstaaten, den Medien und den Pharmaunternehmen haben auch supranationale Organisationen ein Interesse daran, dass die Weltbevölkerung geimpft wird. Supranationale Organisationen verfolgen aktiv eine Agenda, in der globale Impfkampagnen eine wichtige Rolle spielen. Zu diesen Organisationen gehören das WEF (Weltwirtschaftsforum), die UNO, die EU, der IWF und die WHO, und sie sind eng miteinander verflochten.

Einige dieser Organisationen haben sich einen Great Reset oder eine große Transformation zum Ziel gesetzt. In den Bereichen Pandemie- und Klimaschutz, Gender, Migration und Finanzsystem wollen diese Organisationen koordinierte Antworten zum Wohle aller Menschen weltweit finden. Sie betonen die gemeinsame Verantwortung und die globale Solidarität. Die zentrale Steuerung von Impfungen, Klimawandel, Finanz- und Migrationsströmen trägt die Handschrift einer neuen Weltordnung. So lautete beispielsweise das Thema der WEF-Jahrestagung 2019 „Globalisierung 4.0: Gestaltung einer neuen globalen Architektur im Zeitalter der vierten industriellen Revolution“. Ein weiteres Beispiel für eine supranationale Planung ist der „Global Compact for Migration“ der UNO. Auf nationaler Ebene werden diese radikalen Ideen unterstützt, wie das Positionspapier „Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation“ des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen zeigt.

Raymond Unger (2021, S. 84-89) sieht dieses Streben nach supranationaler Planung als Teil eines Kulturkampfes, wie ihn etwa Antonio Gramsci und Herbert Marcuse sich gedacht hatten. Ein globales Meinungs- und Empörungsmanagement wird mit Szenen der Angst und des Schreckens kombiniert, insbesondere in den Bereichen Klimawandel und Corona, um eine neue sozialistische Weltordnung zu etablieren. In der Tat werden die WHO, der IWF und die UNO von ehemaligen Kommunisten geleitet. Das WEF wird von globalen Unternehmen finanziert, unter anderem von der Pharmaindustrie und den großen IT-Unternehmen. Das WEF finanziert seinerseits in erheblichem Maße die 2030-Agenda der UNO. Die WHO wird ebenfalls in erheblichem Umfang von Pharmaunternehmen und der Bill & Melinda Gates Foundation finanziert, die weltweite Impfkampagnen anführt.  Während der COVID-19-Krise übte die Pharmaindustrie ihren Einfluss auf die WHO aus. Und der IWF gewährte nur dann Hilfe, wenn sich die Nationalstaaten an die Empfehlungen der WHO hielten.

Diese miteinander vernetzten supranationalen Organisationen sehen in der COVID-19-Krise eine Chance, ihre Interessen durchzusetzen. Das UN-Politikpapier „Shared Responsibility, Global Solidarity: Responding to the Socio-economic Impacts of COVID-19  “ betrachtet COVID-19 als einen Wendepunkt für die moderne Gesellschaft. Es ginge darum, die Chance zu ergreifen und global koordiniert zu handeln. Die großen IT-Unternehmen unterstützen diese Agenden. Sie sind auch Mitglieder des WEF und zensieren unliebsame Informationen zu COVID-19 auf Twitter, YouTube oder Facebook, genau wie die Massenmedien. Impfkritische Videos werden auf YouTube besonders schnell gelöscht.

Auch der Titel einer Grundsatzrede von IWF-Direktorin Kristalina Georgieva „From Great Lockdown to Great Transformation“ unterstreicht den Gedanken, dass supranationale Organisationen die Corona-Krise für ihre Agenda nutzen wollen. Klaus Schwab, Gründer des WEF, argumentiert, dass die COVID-19-Krise eine „seltene Gelegenheit“ darstellt, „neue Grundlagen für unser Wirtschafts- und Sozialsystem zu schaffen“. In seinem gemeinsam mit Thierry Malleret geschriebenen Buch mit dem Titel „COVID-19: The Great Reset“ spricht Schwab von einem entscheidenden Moment und behauptet, es werde eine neue Welt entstehen. Laut Schwab ist es Zeit für eine grundlegende Reform des Kapitalismus.

Das global koordinierte Impfprogramm kann somit als ein Baustein in einer supranationalen Strategie des Great Reset interpretiert werden. Es werden globale Impfstrukturen aufgebaut, die für nachfolgende globale Impfkampagnen genutzt werden können. Aus Sicht der Befürworter eines Great Reset unterstreicht die global koordinierte COVID-19-Impfung die Notwendigkeit globaler Strukturen und Organisationen, die dann für andere globale Zwecke, wie die effektive Bekämpfung des „Klimawandels“ und die Forcierung eines Great Reset, genutzt werden können. Kurzum: Staat, Medien, Pharmaindustrie und supranationale Organisationen sind eng miteinander verflochten und haben ein gemeinsames Interesse am Impf-Narrativ. Aus dieser Perspektive kommt der zunehmende Druck auf die Impfgegner nicht überraschend.

Philipp Bagus ist Professor für Volkswirtschaft an der Universidad Rey Juan Carlos in Madrid. Zu seinen Forschungsschwerpunkten Geld- und Konjunkturtheorie veröffentlichte er in internationalen Fachzeitschriften wie Journal of Business Ethics, Independent Rewiew, American Journal of Economics and Sociology u.a.. Seine Arbeiten wurden ausgezeichnet mit dem O.P.Alford III Prize in Libertarian Scholarship, dem Sir John M. Templeton Fellowship und dem IREF Essay Preis. Er ist Autor eines Buches zum isländischen Finanzkollaps (“Deep Freeze: Island’s Economics Collapse” mit David Howden). Sein Buch “Die Tragödie des Euro” erscheint in 14 Sprachen. Philipp Bagus ist ist Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des “Ludwig von Mises Institut Deutschland”. Hier Philipp Bagus auf Twitter folgen. Im Mai 2014 ist sein gemeinsam mit Andreas Marquart geschriebenes Buch “WARUM ANDERE AUF IHRE KOSTEN IMMER REICHER WERDEN … und welche Rolle der Staat und unser Papiergeld dabei spielen” erschienen. Zuletzt erschienen, ebenfalls gemeinsam mit Andreas Marquart: Wir schaffen das – alleine!

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Hinweis: Die Inhalte der Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Ludwig von Mises Institut Deutschland wieder.

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