Was steckt hinter dem „Großen Neustart“, und wohin führt der Weg?

4. Januar 2021 – von Antony P. Mueller  

Antony P. Mueller

Vor etwa 2.400 Jahren kam der griechische Philosoph Platon auf die Idee, Staat und Gesellschaft nach einem ausgeklügelten Plan zu konstruieren. Platon wollte „weise Männer“ (Philosophen) an der Spitze der Regierung, aber er machte auch klar, dass seine Art von Staat einen neuen Menschentyp benötigen würde. Heute wollen die Förderer des allmächtigen Staates die Philosophen durch Experten und Bürokraten ersetzen und den neuen Menschen durch Eugenik erschaffen (inzwischen euphemistisch „Transhumanismus“ genannt). Die Vereinten Nationen und ihre verschiedenen Unterorganisationen spielen eine zentrale Rolle bei diesem Projekt.

Der Kampf um eine Weltregierung

Der Plan des Großen Neustarts kommt nicht aus dem Nichts. Die ersten modernen Versuche, eine globale Institution mit einer Regierungsfunktion zu schaffen, wurden von der Regierung von Woodrow Wilson ins Leben gerufen, der von 1913 bis 1921 US-Präsident war. Unter der Inspiration von Colonel Mandell House, dem wichtigsten Berater und besten Freund des Präsidenten, wollte Wilson ein Weltforum für die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg einrichten. Doch der Plan der amerikanischen Teilnahme am Völkerbund scheiterte, und der Drang zum Internationalismus und zur Schaffung einer neuen Weltordnung geriet in Vergessenheit während des Wirtschaftsaufschwungs der 20er Jahre.

Ein neuer Schritt vorwärts zur Umgestaltung der Gesellschaft in eine Organisation wurde während der Großen Depression unternommen. Präsident Franklin Delano Roosevelt ließ die Krise nicht verstreichen, ohne die Agenda mit seinem „New Deal“ voranzutreiben. Roosevelt nutzte eifrig die „Privilegien der Exekutive“, die er im Verlauf des Zweiten Weltkriegs anwenden konnte. Es gab kaum Widerstand, als er die Grundlagen für einen neuen Völkerbund legte, der die Vereinten Nationen heißen sollte.

Unter der Führung von Stalin, Churchill und Roosevelt einigten sich 26 Nationen im Januar 1942 auf die Initiative zur Gründung der „Organisation der Vereinten Nationen“ (UNO), die am 24. Oktober 1945 ins Leben gerufen wurde. Seit ihrer Gründung haben die Vereinten Nationen und ihre Zweigstellen, wie die Weltbankgruppe und die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Länder der Welt darauf vorbereitet, die bei ihrer Gründung angekündigten Ziele einzuhalten.

Doch die verführerischen Ankündigungen, „internationalen Frieden und Sicherheit“ zu fördern, „freundschaftliche Beziehungen zwischen den Nationen zu entwickeln“ und sich für „sozialen Fortschritt, besseren Lebensstandard und Menschenrechte“ einzusetzen, verbergen die Agenda der Bildung einer Weltregierung mit Exekutivbefugnissen, deren Aufgabe nicht die Förderung von Freiheit und freien Märkten, sondern mehr Interventionismus und Kontrolle durch kulturelle und wissenschaftliche Organisationen ist. Dies wurde 1945 durch die Gründung der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) deutlich.

Eugenik

Nach der Gründung der UNESCO wurde der englische Evolutionsbiologe, Eugeniker und erklärte Globalist Julian Huxley (der Bruder von Aldous Huxley, Autor von Schöne neue Welt) ihr erster Direktor.

Bei der Gründung der Organisation forderte  Julian Huxley einen „wissenschaftlichen Welthumanismus, global in seinem Umfang“ (S. 8), um die menschliche Evolution zu einem „wünschenswerten“ Ziel zu manipulieren. Der erste Direktor der UNESCO, der den dialektischen Materialismus als „ersten radikalen Versuch einer Evolutionsphilosophie“ bezeichnet (S. 11), beklagt, dass der marxistische Ansatz zur Veränderung der Gesellschaft aufgrund des Fehlens einer unverzichtbaren „biologischen Komponente“ zwangsläufig scheitern musste.

Mit diesen Ideen war Julian Huxley in respektabler Gesellschaft. Seit dem späten 19. Jahrhundert hat der Ruf nach einer genetischen Verbesserung der menschlichen Rasse durch Eugenik viele prominente Anhänger gewonnen. John Maynard Keynes zum Beispiel bezeichnete die Förderung der Eugenik und der Bevölkerungskontrolle als eine der wichtigsten sozialen Fragen und einen dringenden Forschungsbereich.

Keynes war nicht allein. Die Liste der Befürworter der Züchtung von Menschen zu ihrer eigenen Verbesserung ist groß und beeindruckend. Zu diesen „illiberalen Reformern“ gehören neben vielen anderen bekannten Namen die Schriftsteller H.G. Wells und G.B. Shaw, US-Präsident Theodore Roosevelt und der britische Premierminister Winston Churchill sowie der Ökonom Irving Fisher und die Pioniere der Familienplanung Margaret Sanger und Bill Gates Sr., der Vater von Bill Gates, Microsoft-Mitbegründer und Leiter der „Bill & Melinda Gates Stiftung”.

In seinem Vortrag zur Gründung der UNESCO ging Julian Huxley konkret auf die Ziele und Methoden dieser Institution ein. Um den gewünschten „evolutionären Fortschritt“ der Menschheit zu erreichen, muss der erste Schritt darin bestehen, „das ultimative Bedürfnis nach weltpolitischer Einheit zu betonen und alle Völker mit den Implikationen der Übertragung der vollen Souveränität der verschiedenen Nationen auf eine Weltorganisation vertraut zu machen“.

Darüber hinaus muss die Institution den Kompromiss zwischen der „Bedeutung der Qualität gegenüber der Quantität“ (S. 14) berücksichtigen, d.h. man muss bedenken, dass es „für jede menschliche Organisation wie für jede Art von Organismus einen optimalen Größenumfang“ gibt (S. 15). Die Bildungs-, Wissenschafts- und Kulturorganisation der Vereinten Nationen sollte der „Einheit in Vielfalt der Kunst und Kultur der Welt sowie der Förderung eines einheitlichen Pools wissenschaftlicher Erkenntnisse“ besondere Aufmerksamkeit widmen (S. 17), d.h. letztlich bestimmen, worin jeweils der richtige Stand der Wissenschaft besteht.

Der erste Direktor der UNESCO macht deutlich, dass menschliche Vielfalt nicht für alle da ist. Vielfalt gilt nicht für „Schwächlinge, Narren und moralisch Unzulängliche“. Die Politik muss berücksichtigen, dass in „erheblicher Prozentsatz der Bevölkerung nicht in der Lage ist, von der Hochschulbildung zu profitieren“ und auch ein „erheblicher Prozentsatz junger Männer“ an „körperlicher Schwäche oder geistiger Instabilität“ leidet und „diese Gründe oft genetisch bedingt sind“ (S. 20). Deshalb müssen diese Gruppen von den Bemühungen um die Förderung des menschlichen Fortschritts ausgeschlossen werden.

In seinem Diskurs diagnostiziert Julian Huxley, dass zum Zeitpunkt seines Schreibens die „indirekte Wirkung der Zivilisation“ eher erbschädlich („dysgenic“) als erbgünstig („eugenic“) – sei, und dass „das Übergewicht genetischer Dummheit, körperlicher Schwäche, geistiger Instabilität und Krankheitsanfälligkeit, die bereits in der menschlichen Spezies vorhanden ist, sich als zu große Belastung für echten Fortschritt erweisen wird“ (S. 21). Schließlich sei es wesentlich, „dass die Eugenik vollständig in den Aufgabenkreis der Wissenschaft aufgenommen wird“, da „das Problem der Verbesserung der durchschnittlichen Qualität der Menschen in nicht allzu weit entfernter Zukunft wahrscheinlich dringend wird“. Dies jedoch „kann nur durch die Anwendung der Ergebnisse einer wirklich wissenschaftlichen Eugenik erreicht werden“ (S. 37-38).

In deutscher Sprache bietet das Buch „Die Internationale der Rassisten“ eine umfassende Darstellung der Bewegung für Eugenik und Rassenhygiene im 20. Jahrhundert und die Rolle, die internationale Organisationen dabei spielten.

Während in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg aufgrund der Vorgänge während der Zeit der Nationalsozialisten die Eugenik tabuisiert war, wurde sie in anderen europäischen Ländern, so auch in der Schweiz, fortgesetzt. In Schweden liefen Programme bis in die zweite Hälfte der 70er Jahre weiter. Tausende von Menschen wurden zwangssterilisiert, wobei die Indikation von „Alkoholismus“ bis „Mischling“ reichte und die formalen Begründungen „verwirrt“, „dämlich“ und „religiös verwirrt“ umfassten.

In den USA lief das gegen Schwarze gerichtete Sterilisationsprogramm auch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts weiter und wurde erst in den 80er Jahren beendet. Unter dem Zeichen der Bevölkerungskontrolle (Kissinger Report) wurden im Rahmen von Programmen der UNO, Weltbank und Weltgesundheitsorganisation zahlreiche Sterilisationskampagnen in vielen Entwicklungsländern unternommen.

Heute kehrt die Eugenik, nun Transhumanismus genannt, über den Umweg umfassender Gesundheitspolitik zurück. Im Zuge der offiziellen Erklärung einer Pandemie haben die Regierungen umfassende Eingriffsbefugnisse erworben, die in vielfacher Hinsicht missbraucht werden können. Wissenschaftliche Beiträge im „Transhumanism Handbook“ (2019) machen gar keinen Hehl daraus, dass der Transhumanismus für die „globalen Ziele“ der Vereinten Nationen genutzt werden soll.

Klimabedrohung

Der nächste entscheidende Schritt in Richtung des globalen wirtschaftlichen Wandels wurde mit dem ersten Bericht des Club of Rome gemacht. 1968 wurde der Club of Rome auf dem Gut Bellagio in Italien ins Leben gerufen. Sein erster Bericht wurde 1972 unter dem Titel „The Limits to Growth“ veröffentlicht.

Der emeritierte Präsident des Clubs von Rom, Alexander King, und der Vereinssekretär, General Bertrand Schneider, informierten in ihrem Bericht des Rates des Clubs von Rom, dass, als die Mitglieder auf der Suche nach der Identifizierung eines neuen Feindes waren, sie Verschmutzung, globale Erwärmung, Wasserknappheit und Hungersnöte als die geeignetsten Dinge auflisten, die der Menschheit angelastet werden müssten. Daraus war dann die Schlussfolgerung zu ziehen, dass die Menschheit selbst reduziert werden muss, um diese Bedrohungen in Schach zu halten.

Seit den 1990er Jahren haben die Vereinten Nationen mit der Agenda 2021 und der Agenda 2030 mehrere umfassende Initiativen für ein globales Kontrollsystem ergriffen. Die Agenda 2030 wurde 2015 von allen Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen angenommen. Sie lancierte ihre Blaupause für den globalen Wandel mit der Aufforderung, siebzehn Ziele für nachhaltige Entwicklung zu erreichen (SDGs). Das Schlüsselkonzept ist die „nachhaltige Entwicklung“, die die Bevölkerungskontrolle als entscheidendes Instrument einschließt.

Die Rettung der Erde ist zum Slogan grüner Politkrieger geworden. Seit den 1970er Jahren ist das Horrorszenario der globalen Erwärmung ein nützliches Werkzeug in ihren Händen, um politischen Einfluss zu gewinnen und schließlich den öffentlichen Diskurs zu beherrschen. In der Zwischenzeit haben diese antikapitalistischen Gruppen einen dominanten Einfluss in den Medien, im Bildungs- und Justizsystem erlangt und sind zu wichtigen Akteuren in der politischen Arena geworden.

In vielen Ländern, insbesondere in Europa, sind die so genannten grünen Parteien zu einem zentralen Faktor im politischen System geworden. Viele der Vertreter sprechen sich sehr deutlich dafür aus, Gesellschaft und Wirtschaft mit hohen ökologischen Standards in Einklang zu bringen, die eine tiefgreifende Neuausrichtung des gegenwärtigen Systems erfordern.

Ganz in diesem Sinne hat vor Kurzem der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, erneut mehr Klimaschutz angesichts „apokalyptischer Feuer und Überschwemmungen, Zyklone und Hurrikans“ gefordert und die Menschheit zu einem Ende ihres „Krieges gegen die Natur“ aufgerufen. „Unser Planet ist kaputt!“ behauptet der Generalsekretär. Wie seine Vorgänger, so sieht auch der gegenwärtige UN-Generalsekretär die Lösung in mehr zentralwirtschaftlicher Kontrolle und vernachlässigt, dass der marktwirtschaftliche Weg zum Umweltschutz viel besser ist.

Im Jahre 1945 bemerkte Huxley (S. 21), dass es zu früh sei, um ein eugenisches Entvölkerungsprogramm vorzuschlagen, riet aber, dass es für die Organisation wichtig sein werde, „dafür zu sorgen, dass das eugenische Problem mit größter Sorgfalt untersucht wird und dass die öffentliche Meinung über die auf dem Spiel stehenden Fragen in Kenntnis gesetzt wird, so dass vieles, was jetzt undenkbar ist, zumindest denkbar werden kann.“

Huxleys Vorsicht ist nicht mehr notwendig. In der Zwischenzeit haben die Zweige der Vereinten Nationen ein solches Maß an Macht erlangt, dass selbst ursprünglich kleinere UN-Unterorganisationen wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in der Lage sind, dass die einzelnen nationalen Regierungen ihren Anordnungen gehorchen.

Die WHO und der Internationale Währungsfonds (IWF), dessen Konditionalität für die  Kreditvergabe geändert wurde und daran gebunden ist, inwieweit das Land den Regeln der WHO folgt, sind in Folge der Pandemieverkündung das wirksame Tandem für die Schaffung der neuen Weltordnung geworden.

Wie Julian Huxley 1945 in seinem Vortrag betonte, ist es Aufgabe der Vereinten Nationen, die wirtschaftliche Freiheit abzuschaffen, weil „Laisser-faire und kapitalistische Wirtschaftssysteme … eine Menge Hässlichkeit geschaffen“ haben (S. 38). Es ist an der Zeit, auf die Entstehung „einer einzigen Weltkultur“ hinzuarbeiten (S. 61). Dieser Plan muss mit ausdrücklicher Hilfe der Massenmedien und der Bildungssysteme geschehen.

Schlussfolgerung

Mit der Gründung der Vereinten Nationen und ihrer Unterorganisationen hat das Bestreben, die Programme der Eugenik und des Transhumanismus voranzubringen, einen großen Schritt nach vorn getan. Zusammen mit den Aktivitäten des Club of Rome haben sie Bühne, um den großen Neustart zu initiieren, der derzeit im Gange ist. Mit der Ankündigung einer Pandemie hat das Ziel einer umfassenden staatlichen Kontrolle der Wirtschaft und Gesellschaft einen weiteren Sprung in Richtung einer umfassenden Transformation der Wirtschaft und Gesellschaft gemacht. Die menschliche Freiheit ist weltweit bedroht. Die Tyrannei steht unter dem Deckmantel der Expertenherrschaft und der wohlwollenden Diktatur. Die neuen Herrscher rechtfertigen ihr Recht auf Vorherrschaft nicht aufgrund der göttlichen Vorsehung, sondern beanspruchen nun das Recht, das Volk im Namen der universellen Gesundheit und Sicherheit auf der Grundlage mutmaßlicher wissenschaftlicher Beweise zu regieren.

Dr. Antony P. Mueller (antonymueller@gmail.com) ist habilitierter Wirtschaftswissenschaftler der Universität Erlangen-Nürnberg und derzeit Professor der Volkswirtschaftslehre, insbesondere Makroökonomie, an der brasilianischen Bundesuniversität UFS (www.ufs.br), wo er am Zentrum für angewandte Wirtschaftsforschung und an deren Konjunkturbericht mitarbeitet und im Doktoratsprogramm für Wirtschaftssoziologie mitwirkt. Er ist Mitglied des Ludwig von Mises Institut USA, des Mises Institut Brasilien und Senior Fellow des American Institute of Economic Research (AIER). Außerdem leitet er das Webportal Continental Economics (www.continentaleconomics.com).

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Hinweis: Die Inhalte der Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Ludwig von Mises Institut Deutschland wieder.

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