Die Beweise häufen sich: Lockdowns funktionieren nicht

21. September 2020 – von Ryan McMaken

Ryan McMaken

Der Tribut in Form von Menschenleben und Menschenrechten, den die Lockdowns einfordern, ist unberechenbar. Die Anstiege bei den Zahlen von Kindesmissbrauch, Selbstmord und sogar Herzinfarkten scheinen ein Merkmal der Zwangsnahmen zu sein, die von Politikern per Dekret und außerhalb eines legislativen oder demokratischen Rahmens erlassen wurden. Und dann gibt es natürlich noch den wirtschaftlichen Schaden in Form von Arbeitslosigkeit, der sich langfristig negativ auswirken wird. Dies betrifft vor allem die jüngere Generation und Familien aus der Arbeiterklasse, die am wenigsten von zu Hause aus arbeiten können.

Diese Maßnahmen haben auch die grundsätzlichen Menschenrechte ad absurdum geführt, während privates Eigentum de facto abgeschafft wurde. Die Besitzer von Tante-Emma-Läden wurden aufgefordert, unbefristet zu schließen, falls sie nicht verhaftet werden wollen. Den Arbeitslosen wurde gesagt, es sei nun illegal, seinen eigenen Lebensunterhalt zu verdienen, falls die Karriere als «nicht-existentiell» eingestuft worden ist. Polizisten haben Bürger verprügelt, weil sie sich nicht «sozial distanziert» hatten und Mütter misshandelt, weil sie versuchten, die Anlagen auf dem Spielplatz zu benutzen.

Dies alles geschah, weil Politiker und Bürokraten, für die nie eine Gefahr bestand, die eigenen üppigen Gehälter zu verlieren, dachten, es sei eine gute Idee, ein solch bizarres und riskantes Experiment zu wagen: Die meisten Bevölkerungsschichten zu zwingen, zu Hause zu bleiben, um die Ausbreitung einer Krankheit zu verhindern.

Ein Experiment, ausgebrütet von Regierungen

Tatsächlich haben Politiker schon lange davon geträumt, die Menschen en-masse in die Isolation zu zwingen. Dieser Traum wurde zuletzt von der US-Administration unter George W. Bush reanimiert. Wie die New York Times im April berichtete:

Vor vierzehn Jahren trafen sich zwei Ärzte der Bundesregierung, Richard Hatchett und Carter Mecher, mit einem Kollegen in einem Hamburger-Imbiss in einem Vorort von Washington, um eine endgültige Überprüfung eines Vorschlags durchzuführen, von dem sie wussten, dass er wie eine Piñata behandelt werden würde: den Amerikanern zu sagen, sie sollten ihren Arbeitsplätzen und Schulen fernbleiben, sollte das nächste Mal das Land von einer tödlichen Pandemie getroffen werden.

Drs. Hatchett und Mecher schlugen vor, dass Amerikaner in einigen Orten möglicherweise zu einem Ansatz zurückkehren müssen, der erstmals im Mittelalter weit verbreitet wurde: Selbstisolation.

Wie diese Idee – geboren aus der Bitte von Präsident George W. Bush heraus, die Nation besser auf den nächsten Ausbruch ansteckender Krankheiten vorzubereiten – zum Kernstück der nationalen Politik für die Reaktion auf eine Pandemie wurde, ist eine der unbekannten Geschichten der Coronavirus Krise.

Das Konzept der sozialen Distanzierung ist mittlerweile fast jedem bekannt. Als es 2006 und 2007 seinen ersten Weg durch die Bundesbürokratie fand, wurde es als unpraktisch, unnötig und politisch nicht realisierbar angesehen. 

Lockdowns funktionieren nicht

Und warum wurde es als unpraktisch und unnötig angesehen? Es gibt mehr als einen Grund. Aber ein Hauptgrund ist, dass sich Lockdowns nie als besonders effektiv erwiesen haben. Und dieser mangelnde Erfolg bei der Eindämmung muss auch mit den sehr realen Kosten einer erzwungenen Isolation abgewogen werden. Dies wurde in einem Artikel aus dem Jahr 2006 in Biosecurity and Bioterrorism mit dem Titel „Disease Mitigation Measures in the Control of Pandemic Influenza“ von Thomas V. Inglesby, Jennifer B. Nuzzo, Tara O’Toole und D.A. Henderson beschrieben. Die Autoren schließen daraus:

Es gibt keine historischen Beobachtungen oder wissenschaftlichen Studien, die für eine Quarantäne von möglicherweise infizierten Personengruppen über einen längeren Zeitraum sprechen, um die Ausbreitung der Influenza zu verlangsamen. Eine Arbeitsgruppe der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kam nach Durchsicht der Literatur und unter Berücksichtigung zeitgenössischer internationaler Erfahrungen, zu dem Schluss, dass „erzwungene Isolation und Quarantäne unwirksam und unpraktisch sind“. Trotz dieser Expertenempfehlung wird die obligatorische Quarantäne in großem Maßstab von einigen Behörden und Regierungsbeamten weiterhin als Option in Betracht gezogen.

Das Interesse an Quarantäne spiegelt die Ansichten und Bedingungen wider, die vor mehr als 50 Jahren vorherrschten, als viel weniger über die Epidemiologie von Infektionskrankheiten bekannt war, und als es in einer weniger dicht besiedelten Welt weit weniger internationale und nationale Reisen gab. Es ist schwierig, Umstände im letzten halben Jahrhundert zu identifizieren, unter denen Quarantäne in großem Maßstab effektiv zur Bekämpfung von Krankheiten eingesetzt wurde. Die negativen Folgen einer großflächigen Quarantäne sind so extrem (erzwungene Eingrenzung kranker Menschen; vollständige Einschränkung der Bewegung großer Bevölkerungsgruppen; Schwierigkeiten bei der Beschaffung kritischer Vorräte, Medikamente und Lebensmittel für Menschen innerhalb der Quarantänezone), dass diese Kontermaßnahme aus ernsthaften Überlegungen ausgeschlossen werden sollte.

Es überrascht also nicht, dass jetzt offensichtlich wird, dass Lockdowns nicht funktionieren, wenn sie tatsächlich versucht werden. Anfang dieses Monats schrieb Donald Luskin beispielsweise im Wall Street Journal:

Wenn man vom Jahresbeginn bis zum Zeitpunkt des maximalen Lockdowns eines jeden Staates misst, der vom 5. bis 18. April reicht, stellt sich heraus, dass Lockdowns mit einer größeren Verbreitung des Virus korrelierten. Staaten mit längeren, strengeren Lockdowns hatten auch größere Covid-Ausbrüche. Die fünf Orte mit den härtesten Lockdowns – der District of Columbia, New York, Michigan, New Jersey und Massachusetts – hatten die schwersten Fallzahlen.

Grundsätzlich suchte Luskin nach einer klaren Korrelation zwischen Lockdowns und besseren Gesundheitsergebnissen in Bezug auf Covid-19. Er fand keine. Er fährt fort:

Es könnte sein, dass als Reaktion auf bereits schwere Ausbrüche strenge Sperren verhängt wurden. Die überraschend negative Korrelation ist zwar statistisch schwach, bleibt aber auch dann bestehen, wenn Staaten mit den schwersten Fallzahlen ausgeschlossen werden. Und es macht keinen Unterschied, ob die Analyse andere mögliche Erklärungsfaktoren wie Bevölkerungsdichte, Alter, ethnische Zugehörigkeit, Prävalenz von Pflegeheimen, allgemeine Gesundheit oder Temperatur enthält. Der einzige Faktor, der nachweislich einen Unterschied zu machen scheint, ist die Intensität der Nutzung von öffentlichen Massenverkehrsmitteln.

Wir haben das Experiment ein zweites Mal durchgeführt, um die Auswirkungen der Wiedereröffnung, die Mitte April begann, auf die Fallzahlen zu beobachten. Wir verwendeten dieselbe Methodik, begannen jedoch mit dem Lockdown-Höhepunkt jedes Staates und verlängerten ihn bis zum 31. Juli. Als wir das erste Experiment bestätigten, gab es eine (wenn auch ziemlich schwache) Tendenz für Staaten, die sich am meisten öffneten, die leichtesten Fallzahlen zu haben. Die Staaten, die über den Sommer einige hohe Ausbrüche erlebten, die sogenannte «Zweite Welle des Sonnengürtels» – Arizona, Kalifornien, Florida und Texas – sind unter keinen Umständen diejenigen, die sich am meisten geöffnet haben, auch wenn politisch motivierte Schlagzeilen das Gegenteil behaupten…

Hier kann man sich nicht der Erkenntnis entziehen, dass zumindest schwere Lockdowns nicht effektiver waren als leichte, und dass ein großzügigeres Öffnen nicht schädlicher war als ein eingeschränktes Öffnen. Wo ist also die Wissenschaft, die die schweren Lockdowns rechtfertigen würde, die viele Beamte des öffentlichen Gesundheitswesens immer noch fordern?

Dies ist nur die jüngste von vielen Studien dieser Art.

Eine Studie die im Juli im The Lancet publiziert wurde, kommt zu folgendem Schluss: «Die Autoren identifizierten einen negativen Zusammenhang zwischen der Anzahl der Tage bis zu einem Lockdown und der Gesamtzahl der gemeldeten Fälle pro Million, wobei eine längere Zeit vor der Implementierung eines Lockdwons mit einer geringeren Anzahl festgestellter Fälle pro Million verbunden war.»

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Im April untersuchte T.J. Rogers „eine einfache univariate Korrelation der Todesfälle pro Million und Tage bis zum Herunterfahren“ und stellte fest, dass „der Korrelationskoeffizient 5,5% betrug – so niedrig, dass die Ingenieure, die ich früher beschäftigte, ihn als „keine Korrelation“ zusammengefasst und weiter nach der Ursache des Problems gesucht hätten. (Die Trendlinie neigte sich nach unten – Staaten, bei denen Verzögerungen häufiger auftraten, hatten tendenziell niedrigere Sterblichkeitsraten -, aber das ist aufgrund des niedrigen Korrelationskoeffizienten auch ein bedeutungsloses Ergebnis.)“

Im Mai zeigte Elaine He von Bloomberg, „dass es kaum einen Zusammenhang zwischen der Schwere der Lockdowns einer Nation und der Frage gibt, ob es gelungen ist, übermäßige Todesfälle einzudämmen.“

In einer Studie vom 1. August, die ebenfalls von The Lancet veröffentlicht wurde, kamen die Autoren zu dem Schluss: „Schnelle Grenzschließungen, vollständige Sperrungen und weit verbreitete Tests waren nicht mit der COVID-19-Mortalität pro Million Menschen verbunden.“ 

Eine in Advance von Stefan Homburg und Christof Kuhbandner veröffentlichte Juni-Studie ergab, dass die Daten folgendes „stark nahelegen“:

Der Lockdown in Großbritannien war sowohl überflüssig (er verhinderte kein ansonsten explosives Verhalten der Ausbreitung des Coronavirus) als auch ineffektiv (er verlangsamte die Wachstumsrate der Todesfälle nicht sichtbar).

Tatsächlich scheint der allgemeine Trend zu Infektionen und Todesfällen in vielen Ländern bemerkenswert ähnlich zu sein, unabhängig davon, welche nichtpharmazeutischen Interventionen (NPIs) von politischen Entscheidungsträgern ergriffen werden.

In einem Artikel, der beim National Bureau of Economic Research (NBER) veröffentlicht wurde, haben die Autoren (Andew Atkeson et al.) festgestellt, dass die Todesfälle durch Covid-19 „praktisch überall auf der Welt“ einem ähnlichen Muster folgten und dass „die Nichtbeachtung dieses bekannten Musters die Bedeutung politisch vorgeschriebener NPIs für die Gestaltung des Fortschreitens dieser tödlichen Pandemie überbewertet“.

In diesem Sinne untersuchte Simon Wood das Fortschreiten der Krankheit im Vereinigten Königreich und in Schweden und stellte fest, dass die Daten …

… stark darauf hindeuten, dass der Rückgang der Infektionen in England und Wales vor dem vollständigen Lockdown begann und dass die Infektionen in den Gemeinden im Gegensatz zu den Todesfällen wahrscheinlich lange vor der Lockerung des Lockdowns auf einem niedrigen Niveau waren. Darüber hinaus wäre ein solches Szenario mit dem Infektionsprofil in Schweden vereinbar, das kurz nach dem Vereinigten Königreich mit einem Rückgang tödlicher Infektionen begann, dies jedoch auf der Grundlage von Maßnahmen, die weit von einem vollständigen Lockdown entfernt liegen.

Sind die Daten über die Lockdowns gut genug, um massive Menschenrechtsverletzungen zu rechtfertigen?

Außerordentliche Maßnahmen erfordern außergewöhnliche Nachweise. Und die Beweislast liegt bei denen, die versuchen, das Gewaltmonopol des Staates zu nutzen, um Menschen in ihre Häuser zu sperren, die Wirtschaft zu lähmen und unzählige Grundfreiheiten für die nächste Zeit abzuschaffen. Haben die Befürworter der Abriegelung ihre Argumente vorgetragen? Es ist schwer zu erkennen, dass sie es hätten. Zum einen müssen Befürworter von Lockdowns offensichtliche und überwältigende Beweise dafür vorlegen, dass Lockdowns große Vorteile bringen, die weit über den No-Lockdown-Ansatz hinausgehen. Sie haben es nicht getan. Darüber hinaus haben sie nicht gezeigt, dass ein Mangel an Lockdowns bei weitem nicht so gefährlich ist, wie sie damals behauptet haben. Wir können bereits sehen, wie das No-Lockdown-Szenario aussieht. Es sieht aus wie in Schweden, und das ist ein besseres Ergebnis, als viele Pro-Lockdown-Regime vorweisen können. Die Regierungen werden jedoch mit höchster Wahrscheinlichkeit weiterhin behaupten, dass ihre Lockdowns funktioniert haben. In antiken Zeiten konnte ein Hexenmeister am Dienstag einen Regentanz aufführen und den Erfolg für sich beanspruchen, wenn es am Mittwoch regnete. Lockdowns sehen zunehmend wie das moderne Äquivalent eines Regentanzes aus.

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Aus dem Englischen übersetzt von Mathias Nuding. Der Originalbeitrag mit dem Titel The Evidence Keeps Piling up: Lockdowns Don’t Work ist am 9.9.2020 auf der website des Mises-Institute, Auburn, US Alabama erschienen.

Ryan McMaken ist Editor von Mises Daily und The Free Man. Er studierte Volkswirtschaftslehre und Politikwissenschaft an der University of Colorado.

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Hinweis: Die Inhalte der Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Ludwig von Mises Institut Deutschland wieder.

Foto: Adobe Stock

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