Die Grenzen staatlicher Anmaßung

15. Juni 2020 – Zwangsimpfungen – was kommt als Nächstes?

von Andreas Tögel

Andreas Tögel

Im Zusammenhang mit der vom politmedialen Komplex geschürten Hysterie rund um die Corona–Pandemie sind hochinteressante Phänomene zu beobachten. Da wäre einmal die unglaubliche Obrigkeitshörigkeit großer Teile der Bevölkerung, die sich von der andauernden Beschwörung der dräuenden Apokalypse durch Politik und Medien tief beeindrucken lassen und ebenso kritiklos wie folgsam alles tun, was Polizei- und Gesundheitsminister anordnen – und sei es noch so unsinnig. Das geht so weit, dass mutterseelenalleine im Auto sitzende oder Fahrrad fahrende Zeitgenossen einen Mundschutz tragen. Das äußert sich auch darin, dass sich – bevorzugt intelligente und gebildete Menschen – monatelang in Todesangst zu Hause verschanzen, jeden Außenkontakt vermeiden und trotzdem mehrmals täglich zur Ganzkörperdesinfektion schreiten. Und das, obwohl inzwischen die Wahrscheinlichkeit, von einem mit dem Coronavirus Infizierten angesteckt zu werden – und dann tatsächlich schweren gesundheitlichen Schaden zu nehmen -, zumindest in Mitteleuropa inzwischen nicht mehr viel größer ist als die, von einem Blumentopf erschlagen zu werden, der aus einem Fenster fällt.

Damit ist nicht gesagt, dass es sich bei einer Infektion mit dem Covid-19-Virus um eine Bagatelle handelt. Natürlich kommt es fallweise zu schwerwiegenden Verlaufsformen. Dennoch darf nicht übersehen werden, dass es in Deutschland lediglich 187.263 Infizierte gab – 8.788 Todesfälle waren in Zusammenhang mit Covid-19 zu beklagen. In Österreich lag die Zahl der Infizierten bei 17.078, die der Todesfälle bei 677 (Stand 13.6.2020). Der Sinn für die Relationen scheint vielen Leuten, der unentwegt kolportierten Katastrophenpropaganda sei Dank, vollständig abhandengekommen zu sein.

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Dass diese verunsicherten Menschen, ohne zu murren, bereitwillig die meisten ihrer Grundrechte, z. B. die auf Erwerbs- und Versammlungsfreiheit und auf die Unverletzlichkeit der Wohnung, hingeben, ist schon bedenklich. Dass manche Zeitgenossen darüber hinaus nicht davor zurückschrecken, jeden zu denunzieren, der nur ein paar Zentimeter aus der Reihe tanzt und nicht augenblicklich über jedes ihm von der Regierung hingehaltene Stöckchen springt, ist aber erschreckend. Überraschend auftretende Ausnahmesituationen und Krisen sind offensichtlich ein Lackmustest für den Charakter der Menschen – besonders für ihre Zivilcourage und den Bürgerstolz vor Fürstenthronen.

Wer von den mit der „Gnade der späten Geburt“ Lebenden sich heute wundert, wie rasch es in der Vergangenheit möglich war, ein verhältnismäßig freisinniges System in eine Despotie zu transformieren, hat die Antwort vor Augen: auch heutzutage genügt, außergewöhnliche Umstände vorausgesetzt, ein Machtwort der Regierung und alle parieren.

Besonders bedenklich ist die zuletzt immer wieder erhobene Forderung nach einer Impfpflicht, sobald ein entsprechendes Immunserum gefunden ist. Momentan ist keines in Sicht. Der bloße Glaube daran versetzt nämlich leider keine Berge, weshalb es Jahre dauern wird, bis ein derartiges Präparat entwickelt und seine Anwendungssicherheit gründlich geprüft ist. Dennoch wird schon jetzt von staatsgläubigen Wissenschaftlern und von einigen Politikern darüber phantasiert, die ganze Menschheit zwangsweise damit behandeln zu wollen. Spätestens an diesem Punkt hört jedoch jeder Spaß auf.

Es sei daran erinnert, dass es seit geraumer Zeit nicht mehr erlaubt ist, radiologische Diagnosemethoden einzusetzen, um eine Altersbestimmung angeblich jugendlicher „Flüchtlinge“ vorzunehmen. Das Verbot wird damit begründet, dass damit ein unzulässiger Eingriff in die körperliche Integrität der Betroffenen verbunden sei. Kann sein. Jetzt aber sollte es plötzlich kein Problem darstellen, wenn der Staat gewaltsam in die Blutbahn der schon länger hier Lebenden eingreift, indem er sie dazu nötigt, sich ein Immunserum injizieren zu lassen? Allein das bloße Ansinnen ist ungeheuerlich.

Dem britischen Philosophen John Locke verdanken wir das Wissen um das „Eigentum am eigenen Körper“, das er 1689 in seiner hiermit zur Lektüre empfohlenen „Zweiten Abhandlung über die Regierung“ niedergeschrieben hat. Jedermann ist Herr seiner selbst – niemand anderer. Der Körper eines Menschen kann in einer liberalen Rechtsgesellschaft niemals Eigentum eines anderen – also auch kein Gemeineigentum sein. Niemand, außer der betroffenen Person selbst, hat folglich das Recht, darüber zu bestimmen, was mit seinem Körper geschieht. Alles andere würde einen Vorrang fremder Interessen bedeuten und liefe auf Sklaverei oder Leibeigenschaft hinaus. Dazu darf es unter keinen Umständen kommen – ganz gleich, wie auch immer der gewählte Vorwand lauten mag.

Wer sich impfen lassen möchte – nur zu. Das soll und kann ihm keiner verwehren. Der Betreffende erfreut sich dann, zwar möglicherweise unter Inkaufnahme des Risikos schwerwiegender Nebenwirkungen, einer tatsächlichen oder immerhin wahrscheinlichen Immunisierung gegen das heimtückische Virus. Aber auch einer, der das nicht möchte, entscheidet auf eigenes Risiko, das er im Fall der Fälle auch selbst zu tragen hat. Vielleicht stirbt er ja an einer Infektion, die durch die Impfung vermeidbar gewesen wäre. Sein – und nur sein – Pech. Der Umstand, dass er auf das Pläsier einer Immunisierung verzichtet, tangiert die Rechte Dritter auf Sicherheit und körperliche Unversehrtheit jedenfalls nicht im Geringsten. Deshalb ist es anmaßend und abwegig, ihn zu einer von ihm nicht gewünschten Handlung – einer Impfung – zu zwingen.

Ordnet der Staat tatsächlich obligate Covid-19-Impfungen an, darf übrigens auch nicht darauf vergessen werden, alle praktisch relevanten Details zu deren Durchführung festzulegen: steckbriefliches Suchen etwa, und polizeiliche Zwangsvorführungen von Nonkonformisten – inklusive deren Fixierung auf einem Behandlungstisch. All das würde dann zur Routine. Vielleicht wird bei dieser Gelegenheit auch gleich über die Einweisung renitenter Impfverweigerer in die Psychiatrie nachgedacht. Denn kann jemand, der sich einer Covid-19-Impfung widersetzt, ganz richtig im Kopf sein?

Man hüte sich davor, die Büchse der Pandora zu öffnen. Nichts anderes würde es bedeuten, die Körper lebender Menschen zum Staats- oder Gemeineigentum zu erklären und damit der Verfügungsgewalt der Regierung auszuliefern.

Andreas Tögel, Jahrgang 1957, ist gelernter Maschinenbauer, ausübender kaufmännischer Unternehmer und überzeugter “Austrian”.

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Hinweis: Die Inhalte der Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Ludwig von Mises Institut Deutschland wieder.

Foto: Adobe Stock

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