Honduras: Es geht los!

25. Mai 2020 – von Titus Gebel 

Titus Gebel

Nach Jahren der Vorbereitung ist die erste honduranische ZEDE namens Próspera auf der Insel Roatán gestartet! Das Projekt lässt sich am besten als Sonderverwaltungszone in Form einer Public-Private-Partnerschaft charakterisieren. Die Einzigartigkeit des Projektes rührt von einem Bürgervertrag mit allen künftigen Bewohnern her (Agreement of Coexistence). Diese gibt allen Bewohnern einen transparenten Schutz, welcher nicht einseitig durch den Betreiber, eine Mehrheit oder gar die Regierung von Honduras geändert werden kann. Das ist wahrscheinlich das erste Mal in der Geschichte, dass es einen echten und nicht nur fiktiven Gesellschaftsvertrag gibt.

Das Rechtssystem basiert auf dem „Roatán Common Law Code“, welcher Próspera zum ersten Rechtssystem weltweit macht, welches dem ULEX Modell folgt. Mit ULEX soll ein systematisches, durch jeden einsehbares und weltweit verbreitetes Rechtssystem zur Verfügung gestellt werden, das für die Bearbeitung und Ergänzung offen ist, so dass später verbesserte oder auch schlicht unterschiedliche Versionen zur Verfügung stehen. Zusätzlich hat das Projekt substanzielle Autonomie was die Rechtssetzungskompetenz anbelangt, sowie eine Selbstverwaltung inklusive eigener Konfliktlösung und eigener Sicherheitskräfte.

Während staatliche Aufgaben in Próspera weitgehend an ein privates Unternehmen übertragen werden, erfordert das honduranische ZEDE-Gesetz von 2013 eine staatliche Kommission, welche die Regeln und Gesetze von Próspera genehmigen muss. Es gibt zudem eine Art Organ zur Repräsentation der Öffentlichkeit in Próspera, den Rat (Council). Dieser kann neue Gesetze verabschieden, allerdings ohne die bestehenden garantierten Rechte der Bewohner zu verletzten, welche sowohl in dem „Agreement of Coexistence“, als auch der Charta von Próspera verankert sind. Das honduranische ZEDE-Gesetz erfordert darüber hinaus eine Steuerstruktur, deshalb wird es einige wenige moderate Steuern geben. Insgesamt ist es ein Mischsystem aus privater Verwaltung und traditionellem politischen System.

Honduras verspricht sich von diesem Projekt mehr Investitionen und mehr Jobs. Um das zu erreichen, bietet Próspera Unternehmen einen sehr hohen Grad an wirtschaftlicher Freiheit, verbunden mit einer geringen Regulierungsdichte. Der Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Freiheit und der Schaffung von Wohlstand ist unter seriösen Ökonomen anerkannt. Honduras selbst liegt in der Wirtschaftsfreundlichkeitsrangliste der Weltbank (ease of doing business) nur auf Platz 133. Die Beratungsgesellschaft Ernst & Young hat ermittelt, dass der rechtliche Rahmen von Próspera die Zone auf Platz 9 dieser Liste bringen würde.

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Nur durch die Schaffung kleiner Einheiten, die neue Dinge ausprobieren, kann ein Wettbewerb zwischen den Systemen in Gang gesetzt werden. Der Wettbewerb ist ein überaus fruchtbarer Mechanismus im menschlichen Zusammenleben, denn er dient gleichzeitig als Entdeckungsverfahren, als Qualitätsfilter und als Entmachtungsmittel. Wenn nämlich die Bürger, sprich Kunden, leicht zum nächsten -nahen- Anbieter abwandern können, dann werden sich auch Regierungen mit ihren Maßnahmen vorsehen müssen. Je größer Staaten sind, desto weniger ist das der Fall.

Während der Mainstream davon ausgeht, dass immer größere Einheiten wie die EU bis hin zur Weltregierung der unvermeidliche Lauf der Dinge seien, hat sich der freie Markt längst anders entschieden. Es gibt nur etwa zehn Unternehmen weltweit, die mehr als eine Million Mitarbeiter haben, davon nur eines mit mehr als zwei Millionen Angestellten, nämlich Wal-Mart. Da dies ein ungeplantes, sozusagen natürliches Ergebnis des Wettbewerbs ist, ist es wohl so, dass ab einer bestimmten Grenze Größenvorteile in Nachteile umschlagen. Warum sollte es im Hinblick auf unsere Gemeinwesen anders sein?

Próspera ist auf der schönen Karibikinsel Roatán beheimatet, nahe der Küste Honduras. Die Insel bietet bereits eine gute Infrastruktur, inklusive eines internationalen Flughafens mit Direktflügen in die USA, sowie zwei Terminals für Kreuzfahrtschiffe. Die Betreibergesellschaft beginnt gerade mit der Reservierung der ersten Wohneinheiten, gestaltet von Zaha Hadid Architects. Die Preise fangen bei voraussichtlich 150t US-Dollar an. Um eine Einheit zu reservieren, muss eine rückerstattungsfähige Einlage in Höhe von fünftausend US-Dollar hinterlegt werden. Hier ist der Link zum Reservierungsprozess. Es gibt weitere Möglichkeiten in Próspera. Man kann ein Unternehmen gründen; die Gründung ist bezahlbar und soll schneller gehen als anderswo. Dazu reicht eine elektronische Aufenthaltsgenehmigung (e-residency). Mehr Details hier.

Was wir hier beobachten, könnte der Beginn einer neuen Ära sein. Schon vorher gab es Hong Kongs, Dubais und Singapurs, aber es ist das erste Mal, dass ein neues System erschaffen wurde, welches allen Bewohnern Staatsdienstleistungen und garantierte Freiheiten auf echter Vertragsbasis anbietet. Drücken wir Próspera die Daumen.

Titus Gebel ist Unternehmer und promovierter Jurist. Er gründete unter anderem die Deutsche Rohstoff AG. Gebel ist Autor des Buches „Freie Privatstädte – Mehr Wettbewerb im wichtigsten Markt der Welt“. Er hat den rechtlichen Rahmen der Próspera-Zone mitgestaltet.

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Hinweis: Die Inhalte der Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Ludwig von Mises Institut Deutschland wieder.

 

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