Das Problem der Linken mit dem Reichtum

9. März 2020 – von Andreas Tögel

Reicher Mann und armer Mann,
standen da und sahen sich an,
und der Arme sagte bleich,
wär ich nicht arm, wärst Du nicht reich.

Andreas Tögel

So dichtete einst Bertolt Brecht und fasste damit genau den Unsinn in Worte, der in den Hirnen der Genossen bis auf den heutigen Tag herumspukt: Wirtschaft ist ein Nullsummenspiel, in dem der Gewinn des einen den Verlust des anderen bedeutet. Diese Fehleinschätzung findet sich sowohl in alten sozialistischen Kampfliedern, wie auch in rezenten Äußerungen von Linkspolitikern.

Reiche erschießen“ will folgerichtig eine Aktivistin der Partei „Die Linke“ anlässlich einer Tagung in Kassel und erntet damit Heiterkeit und kollektive Zustimmung der anwesenden Genossen. Der ein wenig peinlich berührte Parteivorsitzende Riexinger schwächt in der Folge ein bisschen ab und will „Reiche“ stattdessen lieber „für nützliche Arbeit einsetzen“ – im Klartext also: ab ins Zwangsarbeitslager mit den Plutokraten.

Der Vorsitzende der Sozialistischen Jugend in Österreich, Paul Stich, beklagt wiederum, dass „jeder Milliardär ein Versagen der Politik“ darstellt und schlägt einen Vermögenssteuersatz von 80 Prozent (!) vor.

Herausragende wirtschaftliche Leistungen haben nach den krausen Vorstellungen linker Egalitaristen eben strikt unterbunden oder zumindest massiv pönalisiert zu werden. Wer sich über das Mittelmaß erhebt, ist suspekt und gehört enteignet und/oder weggesperrt. Die Vorstellung, dass der Reichtum einzelner Bürger irgendeine segensstiftende Wirkung für die Gesellschaft haben könnte, ist Linken ganz und gar fremd.

Wie grundfalsch jedoch das alte Lied von der Armut der einen infolge des Reichtums der anderen ist, erhellt sich am Beispiel der erfolgreichen Ökonomien Ostasiens: waren etwa Singapur und Südkorea bis in die frühen 60er-Jahre arme und rückständige Wirtschaftsräume, in denen kaum jemand über nennenswerte Ressourcen verfügte, herrscht dort heute, Freihandel und Kapitalismus sei Dank, Wohlstand auf einem Niveau, von dem man im sozialistischen Paradies Nordkorea, in dem der Traum von der totalen Gleichheit aller (bis auf die Nomenklatura) restlos wahr gemacht wurde, nur träumen kann.

Im Festlandchina zur Zeit Maos herrschte bekanntlich bittere Armut, ja sogar Hunger. In dem von Deng Hsiao Ping seit den frühen 1980er-Jahren auf einen Kurs der wirtschaftlichen Liberalisierung geführten Riesenreich konnten sich inzwischen allerdings hunderte Millionen von Chinesen einen beachtlichen Wohlstand erarbeiten, ohne dabei andere in noch schlimmere Armut gestürzt zu haben oder sie „auszubeuten“.

In Argentinien oder Venezuela dagegen ist zu bestaunen, in welch unerhört kurzer Zeit es sozialistische Regime fertigbringen, einst prosperierende, kapitalistische Volkswirtschaften – und damit viele Bürger ihrer Länder – wieder zu einem Leben voller Mangel und Elend zu verdammen. Fazit: Brechts Reim ist pure Polemik, ohne jeden Anspruch auf Wahrheitsgehalt.

Warum das so ist? Weil in einer auf Privateigentum an den Produktionsmitteln gründenden, arbeitsteiligen Ökonomie Wohlstand nur durch einen erfolgreichen Dienst am Kunden entstehen kann: nur wer gute Waren und Dienstleistungen zu attraktiven Preisen anzubieten hat, wird Erfolg haben und „reich“ werden. Das gilt für Fabrikanten, Sportler und abseits staatlicher Kulturbetriebe schaffende Künstler gleichermaßen. Keiner kauft freiwillig miese Produkte zu überhöhten Preisen und (fast) keiner lauscht fürs eigene Geld Musikanten, die nichts als Lärm produzieren. Reichtum ist folglich eine rechtschaffen erworbene Bestätigung des Erfolges markt- und kundenorientiert agierender Zeitgenossen.

Kein Mensch wurde indes arm, weil er die ihm von Männern wie Bill Gates, Mark Zuckerberg, Frank Stronach oder Dietrich Mateschitz (den Rolling Stones oder Roger Federer) gemachten Angebote angenommen hat. Auch fehlte den genannten Herren jede Möglichkeit, der potentiellen Kundschaft den Erwerb ihrer Produkte oder Darbietungen durch Anwendung oder Androhung von Gewalt aufzunötigen, denn das kann nur der eifersüchtig über sein Gewalt- und Zwangsmonopol wachende Staat.

Wir haben es hier mit der notwendigen Folge der vom altösterreichischen Ökonomen Ludwig von Mises so überaus trefflich beschriebenen freien, kapitalistischen Wirtschaft zu tun: jeder Cent ist hier ein Stimmzettel, mit dem der Konsument seine Entscheidung über das weitere Schicksal der Anbieter zu treffen vermag. Gewählt wird, wer die Bedürfnisse der Nachfrageseite auf preiswerte und zweckmäßige Weise befriedigt. Daher macht nur die kapitalintensive, billige Massenproduktion, nicht etwa teure Manufakturarbeit, einstige Luxusgüter (man denke an Autos, Telephone und Waschmaschinen) auch für Krethi und Plethi erschwinglich. Demokratischer geht es nicht!

Wenn unbelehrbare und, wie man sieht, jederzeit gewaltbereite Linke also „Reiche“ erschießen oder in Lager sperren wollen, vernichten sie damit die Urheber des Wohlstands der nicht ganz so Erfolgreichen. Denn sowohl gute, massentaugliche Produkte, wie auch gute Arbeitsplätze werden nun einmal nicht von den Armen geschaffen, sondern immer nur von den „Reichen“. Ihre Beseitigung ist folglich ein Schuss ins eigene Knie.

Hat dieser Beitrag mit einem Zitat begonnen, so soll er auch mit einem Zitat enden:

Die Arbeiterklasse hat durch eine Schädigung des Kapitals mehr zu verlieren als die Kapitalisten, denn was für letztere den Verlust von Luxus und Überfluss heraufbeschwört, bedeutet für erstere den Verlust des Notwendigen. (Lord Emerich Edward Dalberg-Acton)

Andreas Tögel, Jahrgang 1957, ist gelernter Maschinenbauer, ausübender kaufmännischer Unternehmer und überzeugter “Austrian”.

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Hinweis: Die Inhalte der Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Ludwig von Mises Institut Deutschland wieder.

Foto: Adobe Stock

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