Klimapolitik: Bill Gates produziert heiße Luft

30.11.2015 – von William F. Shughart II.

William F. Shughart II

Bill Gates macht sich so große Sorgen über die Vorstellung einer globalen Erwärmung, dass er zwei Milliarden US-Dollar seines Vermögens zugesagt hat, um Forschungsprojekte zu fördern, die laut The Atlanic dazu dienen sollen, „Wege aus der kommenden Herausforderung des globalen Klimawandels zu finden“.

Er möchte unter Milliardären weitere Mitstreiter gewinnen, die etwas von ihrem Vermögen dazu beisteuern, aber er möchte auch, dass Regierungen Kohlenstoffe so stark besteuern, dass die Menschheit von Kohle und Erdgas loskommt. Herr Gates glaubt, die Privatwirtschaft sei zu „unfähig“ und nicht willens, sich dieser Herausforderung zu stellen, und zwar aus zwei Gründen. Zum einen sei mit Investitionen in alternative Energiequellen „kein Vermögen zu machen“. Zum anderen entwickeln sich die meisten Firmen, in die private Wagniskapitalgeber investieren, eher „schlecht“, wohingegen „die Forschung und Entwicklung der US-Regierung seit dem 2. Weltkrieg in fast jedem Bereich die Standards gesetzt hat“.

Die letzte Aussage ist atemberaubend, und den vielen Ökonomen zufolge, die sich mit den Ursprüngen von Innovationen beschäftigt haben, schlichtweg falsch. Selbst ein blindes Huhn findet manchmal ein Korn. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die Unmengen an Geld, die in staatliche Forschungsprojekte fließen, manchmal auch zu Ergebnissen führen. Der staatliche Sektor ist allerdings zu weit vom Markt entfernt und zu sehr von Sonderinteressen beeinflusst, um regelmäßig Innovationen hervorzubringen. Die Geschichte ist reich an Beispielen gescheiterter öffentlicher Investitionen auf der Suche nach der nächsten großen Sache. Man erinnere sich nur an den steuerfinanzierten Vorstoß von US-Präsident Carter auf der Suche nach einem synthetischen Kraftstoff, um Benzin zu ersetzen.

Es stimmt natürlich, dass die meisten von Wagniskapitalgebern finanzierten Startups scheitern, so wie die meisten privatfinanzierten Entwicklungsprojekte. Versuch und Irrtum sind die Merkmale einer lebendigen freien Marktwirtschaft. Nur indem sie herausfinden, was nicht funktioniert, lernen Unternehmer, was funktioniert. Die Freiheit, zu scheitern, ist genauso wichtig für Innovationen wie die Freiheit, Erfolg zu haben. Das Tempo mag langsam sein, wie Herr Gates meint; es braucht Zeit, Geld und Mühen, um herauszufinden, welche Investitionen letztendlich profitabel sind, weil keine einzelne Person, insbesondere kein Politiker oder Bürokrat, am Anfang des Prozesses dieses Wissen besitzt.

Des weiteren wurden die meisten der bedeutenden Erfindungen der letzten 150 Jahre nicht von Wissenschaftlern oder steuerfinanzierter Forschung gemacht, sondern von den Ingenieurabteilungen und Werkstätten der Privatwirtschaft, wo Leute vor Ort mit praktischen Problemen konfrontiert wurden und diese lösten. Dies wird in Matt Ridley’s Buch The Evolution of Everything dokumentiert, das auf der Arbeit von Terence Kealey’s The Economic Laws of Scientific Research aufbaut. Die Erfindung der Dampfmaschine zum Beispiel ging der Entdeckung des Zweiten Hauptsatzes der Thermodynamik voraus, nicht umgekehrt.

Laut der Energy Information Administration erreicht der jährliche Kohlenstoffausstoß in den Vereinigten Staaten Bereiche, die so niedrig sind wie zuletzt in den 1990er Jahren, obwohl er zwischenzeitlich schon einmal höher lag. Und wenn man nur CO2 aus der Verbrennung von Kohle berücksichtigt, sind die Emissionen 2012 so niedrig wie in den frühen 1980ern. Dies ist ein Ergebnis der Rücksichtnahme auf Umweltsorgen durch die Energieerzeuger, und vielleicht mehr noch der Fracking-Revolution, die den Wechsel von Kohle zu Erdgas zu einer (profitablen) wirtschaftlichen Entscheidung machte.

Verbesserungen des Umweltschutzes gehen in jedem Land der Erde mit wirtschaftlichem Fortschritt einher, wenn das jährliche Pro-Kopf-Einkommen erst einmal ca. 8.000 US-Dollar überschreitet. Die beste Anleitung für saubere Luft und sauberes Wasser ist wirtschaftlicher Fortschritt im freien Markt, nicht staatliche Eingriffe.

Obwohl Herr Gates Beifall dafür verdient, sein eigenes Geld für seine Überzeugungen zu riskieren, ist es verlogen von ihm, das Wirtschaftssystem, welches ihn zum reichsten Mann des Planeten gemacht hat, schlecht zu machen. Er macht sich zu Recht Sorgen, dass Bemühungen gegen die globale Erwärmung scheitern werden, wenn nicht China, Indien und andere Schwellenländer ebenfalls mit an Bord sind. Dies ist unwahrscheinlich – zumindest so lange, bis sie reich genug geworden sind, um sich um ihre eigene Umwelt zu sorgen.

Der Klimawandel ist keine „etablierte Lehrmeinung“ – das kann keine Wissenschaft je sein. Selbst wenn wir annehmen, dass die weltweiten Temperaturen steigen, und dass dieser Anstieg hauptsächlich durch das Verbrennen fossiler Treibstoffe verursacht wird, so haben Menschen wie der angesehene Physiker Freeman Dyson recht, wenn sie darauf hinweisen, dass der „Konsens“ den Nutzen von CO2-Ausstoß unter anderem für die weltweite Lebensmittelproduktion ignoriert.

Marktkräfte, ausgelöst durch Veränderungen relativer Preise, erklären, warum Kohle bei der Stromerzeugung von Erdgas abgelöst wird. Solche Schumpeter`sche „kreative Zerstörung“ und die durch sie verursachten Anreize sind weitaus zuverlässiger als die Herrschaft der „Klimaexperten“ und die unheilige Allianz aus Privatwirtschaft und Staat („Vetternwirtschaft“), zu der Staatseingriffe immer führen.

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Aus dem Englischen übersetzt von Florian Senne. Der Originalbeitrag mit dem Titel Bill Gates On Climate Policy: More Hot Air ist am 14.11.2015 auf der website des Independent-Institute erschienen.

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William F. Shugart II ist Forschungsleiter und Senior Fellow am Independent Institute, J. Fish Smith Professor für Public Choice  an der Jon M. Huntsman School of Business an der Utah State University, und Editor des Buches des Independent Institute, Taxing Choice: The Predatory Politics of Fiscal Discrimination.

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Hinweis: Die Inhalte der Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Ludwig von Mises Institut Deutschland wieder.

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