„Alles, was das Siegel ’staatlich‘ trägt, wird fälschlicherweise als positiv empfunden.“

24.1.2014 – Andreas Jürgens  von den ‚Sons of Libertas‘ im Interview mit dem Ludwig von Mises Institut Deutschland.

Andreas Jürgens – Sons of Libertas

Wie kam es denn zur Gründung der ‚Sons of Libertas’ und wessen Idee war der einprägsame Name?

Das war alles ein wenig kompliziert mit unserer Gründung. Marvin – das ist andere Gesicht aus den Interviews – und Jurek hatten schon vor unserer Gründung einige Videoprojekte betreut. Offiziellen Charakter hatte das Projekt aber erst Mitte Juni mit dem ersten Video-Interview mit Henning Lindhoff. Also so circa vor einem halben Jahr. Bei unserem ersten Dreh umfasste unser Team dann auch schon 5 Leute. Die Namenskreation ist eine Gemeinschaftsarbeit von Marvin und mir und wir wählten diesen Namen mit Bedacht, da wir dadurch schon eine eindeutige Positionierung haben.

Gab es auch schon Absagen bei Interview-Anfragen?

Ja, es gab auch schon Absagen. Bei einer Veranstaltung in Bonn beispielsweise verweigerte uns die Gräfin von Lambsdorff ein Interview mit Vaclav Klaus. Dies ist bei ihrer Veranstaltung natürlich ihr gutes Recht, allerdings lagen die Gründe eher in unserer zu „radikal liberalen“ Einstellung.

Welche Interview-Erfahrungen habt Ihr mit Gesprächspartnern aus dem ‚mainstream‘ gemacht? Gibt es da vielleicht besondere Erlebnisse?

Gute Erfahrungen. Teilweise auch amüsante. Zugegeben: Es ist immer eine Gradwanderung. Man muss natürlich kritisch nachfragen, aber man sollte es auch nicht übertreiben. Im Interview mit Professor Lucke haben wir  bewiesen (genauer: Er selbst), dass die„Alternative für Deutschland“ keine freiheitliche Alternative ist und Kernwurzeln des Übels, z.B. das Geldsystem  gar nicht anpacken möchte und/oder gar nicht verstanden hat. Ein ähnliches Kunststück ist uns mit Christian Lindner gelungen. In den meisten Fällen brauchten wir gar nicht soviel sagen, unsere Gesprächspartner haben sich häufig selbst disqualifiziert! Einer der Höhepunkte war natürlich das erfrierende Lächeln unseres ehemaligen Außenministers Guido Westerwelle.

Wann und wie bist Du ‚libertär’ geworden? In der Schule hat man Dir sicher nichts von Mises und Rothbard erzählt…

Abgesehen davon, dass ich der Meinung bin, dass sowieso jeder Mensch freiheitlich denken sollte und es auf die eine oder andere Weise auch macht: bei mir war es eine persönlich Geschichte, die mich im Allgemeinen nachdenklich machte. Vor mehr als 10 Jahren änderte sich das Leben vieler Menschen durch die Ereignisse des 11. September. Die hieraus resultierende Sicherheitsdebatte brachte mich das Erste mal mit dem Freiheitsgedanken in Berührung. Es ging im wesentlich um die Einschränkung der bürgerlichen Freiheiten aufgrund von fadenscheinigen Argumenten. Das Motto vor einigen Jahren kannten sehr viele, grade junge Menschen und es lautete: Freiheit statt Angst. Nach und nach wurde mir bewusst, dass es Freiheitseinschränkungen in allen unseren Lebensbereichen gibt. Als wichtigster Bereich erschien mir dann nach und nach die Wirtschaft. Da Wirtschaft in der Schule nicht gelehrt wird, hatte ich natürlich noch nie von Mises oder Rothbard gehört, sondern höchstens mal von Adam Smith und seiner „magischen Hand“. Dann war erstmal ordentlich lesen angesagt. Nach bis jetzt über 200 Büchern, denke ich, dass ich mit der Österreichischen Schule der Nationalökonomie die wohl tiefgängigste, einsichtigste Denkschule gefunden habe.

200 Bücher? Respekt. Welcher Autor hat Dich dabei am meisten fasziniert und auch in Deinem Denken beeinflusst?

Beeinflusst wird man auf die ein oder andere Art von allen Autoren, die man liest. Am meisten hat mich allerdings Murray Rothbard beeindruckt, da er in seinen Werken die Gedanken von John Locke und Ludwig von Mises vereint. Als sein bestes Werk erachte ich dabei „Ethik der Freiheit“.

In Henning Lindhoff’s ‚Freiheitskeime 2014‘ ist zu lesen, dass Ihr aus den ‚Sons of Libertas‘ eine ‚Marke‘ machen wollt. Das klingt, als sei da noch einiges in Planung?

Ja, da wird noch einiges auf die Zuschauer zukommen, sie wollen es so… Die stetig wachsenden Nachfrage und die vielen, zumal positiven Userreaktionen treiben uns an.

Woran liegt es Eurer Meinung nach, warum der Kreis Libertärer in Deutschland … sagen wir mal … noch recht überschaubar ist?

Der Libertarismus steckt derzeit noch in den Kinderschuhen. Gerade in Deutschland hat die Staatgläubigkeit Tradition. Alles, was das Siegel ’staatlich‘ trägt, wird fälschlicherweise als positiv empfunden. Da liegt noch ein langer Weg vor uns. Um den Libertarismus auf einen guten Weg zu bringen, müssen wir in den nächsten Jahren den Ausbau unserer Infrastruktur und unserer Netzwerke vorantreiben. Ein Blick in die USA könnte da nicht schaden. Wir sind aber bereits auf einem guten Weg.

Uns würde zum Schluss noch Eure Einschätzung interessieren, wohin wir uns bewegen, wenn es nicht gelingt, mehr Menschen von den ‚Ideen und dem Wert der Freiheit’ zu überzeugen.

Der Weg ist klar vorgezeichnet. Wir bewegen uns immer mehr in Richtung Sozialismus. Ludwig von Mises hat dies in „Kritik des Interventionismus“ sehr gut dargestellt. Die Freiheit jedes Einzelnen wird dann der Vergangenheit angehören…

Vielen Dank, Andreas. Den ‚Sons of Libertas‘ wünschen wir weiter viel Erfolg. Wir freuen uns sehr, dass Ihr von unserer Konferenz am 10. Mai in München berichten werdet.

Das Interview wurde im Januar 2014 per e-mail geführt. Die Fragen stellte Andreas Marquart.

Hier finden Sie die ‚Sons of Libertas‘ … auf facebookund auf youtube.

 

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