Geld und Macht

15.4.2013 – von Roland Baader.

Roland Baader (1940 – 2012)

Es gibt nur zwei Arten der Herrschaft: Die mit dem Schwert (oder der Kalaschnikow) und die mit Brot und Spielen (sprich: Bestechung oder Stimmenfang, in der modernen Version na­mens Wohlfahrtsstaat). Für beide Methoden bedarf es gewal­tiger Geldmittel. Und zu Geld kommt man nur auf drei We­gen: arbeiten oder betteln oder rauben. Herrscher wählen stets den dritten Weg: Rauben; entweder mit oder ohne begleitende Erpressung und Gewaltandrohung. Und moderne demokrati­sche Staaten wählen als Herrschaftsinstrument vorzugsweise die Bestechungsversion Brot und Spiele – also den Wohl­fahrtsstaat. So kommen die Phänomene Raub und Wohl­fahrtsstaat zusammen als konstituierende Elemente jeder mo­dernen Herrschaft oder jeden modernen Staates. In früheren Zeiten war das auch nicht anders, aber das Gewicht lag mehr auf dem Schwert als auf Brot und Spielen, und die Geschenke gingen an herrschaftsstützende Eliten; Brot und Spiele für alle war eine einsame Ausnahme im späten Rom. Im 20. Jahr­hundert hat das Pendel zweimal wieder in Richtung Schwert ausgeschlagen, nämlich mit den zwei Weltkriegen; inzwi­schen liegt das Schwergewicht wieder auf dem bestecherischen Füllhorn des Sozial- und Wohlfahrtsstaates.

Auf jeden Fall braucht der Staat, um Herrschaftsmacht aus­üben zu können, riesige Geldmittel. Da die benötigten Sum­men astronomische Größenordnungen angenommen haben, reicht das Steuersubstrat schon lange nicht mehr aus, und so hat der Staat überall auf dem Globus einfach das Monopol auf Papiergelderzeugung an sich gerissen, um gigantische Geld­mengen aus dem Nichts schaffen zu können. Es war kein Zu­fall, dass der Goldstandard bei Ausbruch des Ersten Weltkrie­ges in allen beteiligten Ländern abgeschafft wurde und man mit Hilfe der bereits bestehenden oder neu geschaffenen Zen­tralbanken auf das beliebig vermehrbare fiat money überging. Mit Gold als Geld – also mit echtem Geld – hätte weder der Erste noch der Zweite Weltkrieg geführt werden können. Al­lenfalls drei Wochen lang. Und auch der „seichte Großkrieg“ an der Wohlfahrtsfront ließe sich ohne das Staatsmonopol auf beliebige Geldvermehrung nicht führen. Bezahlt wird er von den Fleißigen und Sparern, denn die Geldmengeninflation ist eine heimliche, aber unheimlich hohe Steuer in Form des Kaufkraftverlustes der Einkommen und Sparvermögen. US-Präsident Hoover hat einmal gesagt: „Papiergeld ermöglicht es den Politikern, die Ersparnisse der Bevölkerung durch Manipulation der Inflation und der Deflation zu konfiszieren. Wir haben Gold [als Währung], weil wir den Regierungen nicht trauen können.“

Die Eroberung des Geldes durch den Staat, der damit zum totalen Staat und zum Götzen wurde, hat der israelische Histo­riker Martin van Crefeld in seinem genialischen Werk .The Rise and Fall of the State‘ eindrücklich beschrieben. Er zeigt auch im geschichtlichen Rückblick, wie bisher alle Papier­geld-Währungen kläglich gescheitert oder spektakulär zusam­mengebrochen sind, von den Papiergeldversuchen der chinesi­schen Kaiser vor Beginn unserer Zeitrechnung über den Schah von Iran (1294) und die ersten modernen Versuche in Spanien und Schweden um die Zeit des Dreißigjährigen Krieges, bis zum Experiment von John Law in Frankreich und der Ausgabe der Greenbacks durch die amerikanische Regierung während des Bürgerkrieges. Ein Fazit van Crefelds: „Die Ausweitung des staatlichen Zugriffs auf die Gesellschaft und damit die be­deutendste Entwicklung der Jahre 1789 – 1945 wäre unmög­lich gewesen, wenn sich der Staat, um seine Ansprüche zu untermauern, nicht auch Geldmittel in beispiellosem Umfang beschafft hätte.“ (S. 254) Und zur Abkehr der westlichen In­dustriestaaten vom Goldstandard ab 1914 und zum Übergang auf das papierene fiat money schreibt er: „Nun, da den Staaten endlich die beabsichtigte Eroberung des Geldes gelungen war, besaßen sie dank der absoluten Herrschaft über die Wirtschaft die Möglichkeit, sich gegenseitig in bis dahin und seither bei­spiellosem Ausmaß und mit ebenso beispielloser Erbitterung zu bekämpfen. Zentrale Planung und zentrale Kontrolle in mehr oder weniger großem Umfang ermöglichten es, dass Hunderttausende von Panzern und Flugzeugen von den Fließ­bändern direkt in die Schlacht rollten.“ (S. 271 f.)

Zu den unveränderlichen Phänomenen in der Entwick­lung des Menschengeschlechtes gehören die Mechanismen der Macht – genauer: die Mechanismen der Herrschaft. Ebenso unveränderlich (oder nur langfristig und ziemlich wenig veränderbar) ist der Mensch mit seinen Trieben und Ängsten, seinen Sehnsüchten und Hoffnungen, seinen Emo­tionen und Denkgewohnheiten, seinen Grundbedürfnissen und Verhaltensmustern. Die Herrschaftsmechanismen neh­men in der modernen Massendemokratie subtile und schwer durchschaubare Formen an. Gleichwohl bleiben ihre Grund­muster gleich. Die Frage „Wie komme ich zur Herrschaft und wie bleibe ich an der Macht?“ lässt sich mit der Benen­nung von drei grundsätzlichen Strategien beantworten:

1) Man verbreite Angst und verspreche den Leuten sodann Si­cherheit und nehme ihnen die Angst vor der Zukunft (ge­nauer: Man tue so, als könne man das). In jüngerer Zeit tru­gen die verlogenen oder maßlos übertriebenen Gefahren eingängige Namen wie Saurer Regen, Neue Eiszeit, Waldsterben, Ozonloch und Rinderwahnsinn‘, derzeit kommt der Großbetrug im Gewand der menschengemachten Klimaka­tastrophe daher.

2) Man verspreche und gewähre den machtstrategisch wichtigsten und lautesten Wählergruppen Sondervorteile und sage ihnen, vieles von dem, was sie sich wünschen, werde man „kostenlos“ bereitstellen.

3) Man be­friedige die Neidgefühle und Minderwertigkeitskomplexe der Menschen, am besten unter dem Vorwand der Sorge für „Gerechtigkeit“, womit die hässliche Fratze des Neides eine edle Gesichtsmaske bekommt.

Dass die Menschen auf diese strategischen Komponenten der Herrschaft positiv reagie­ren, versteht sich von selbst – sonst wären die Methoden nicht so erfolgreich und ewig gültig. Sie entsprechen den elementaren menschlichen Bedürfnissen, Sehnsüchten und Trieben. All dieses Treiben aber muss finanziert werden, mit unvorstellbar großen Summen. Und diese beschaffen sich die Herrschaftseliten der Welt vermittels des staatlichen Geldmonopols auf ungedecktes Papiergeld.

Merke: Die Wurzel des Übels in Form des endlosen Wucherns des Staa­tes und der totalen Politisierung und Fiskalisierung des Le­bens der Bürger ist die beliebige Finanzierbarkeit des Übels durch das beliebig vermehrbare „leichte Geld“, das fiat money.

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aus „Geldsozialismus“, Seite 15 bis 19, von Roland Baader, erschienen im Resch-Verlag (2010).

„Roland Baader war nicht nur ein profunder Kenner der Österreichischen Schule der Nationalökonomie, sondern seine Schriften tragen vor allem auch unmissverständlich Mises‘ intellektuelles Erbe in sich. Eindringlich, beindruckend, wortgewaltig und immer gut verständlich sind seine Wortbeiträge, in denen er die Österreichische Schule auf die aktuellen gesellschaftlichen Probleme und Missstände anwednet. Roland Baader klärte seine Leser über den schleichenden Weg in den Sozialimus-Totalitarismus auf, der notwendigerweise im Ausbreiten des Wohlfahrts- und Umverteilungsstaats angelegt ist, und der aus einem schwindenden öffentlichen Verständnis für die Bedeutung des freien Marktsystems rührt.“ (Thorsten Polleit – aus „Freiheitsfunken II“ – Lichtschlag Buchverlag)

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Hinweis: Die Inhalte der Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Ludwig von Mises Institut Deutschland wieder.

 

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