„Der Zeitpunkt scheint nicht mehr weit entfernt, an dem Euro und US-Dollar wie heiße Kartoffeln herumgereicht werden.“

10.5.2013 – Interview mit Steffen Krug, Institut für Austrian Asset Management (Hamburg).

Herr Krug, „Der Dollar wird die Welt-Reservewährung in den nächsten dreißig, vierzig Jahren bleiben. Ich sehe keine andere Währung, die den Dollar ablösen könnte“, so wird US-Starinvestor Warren E. Buffet auf der diesjährigen Berkshire Hathaway Aktionärsversammlung zitiert. Ein guter Rat in US-Dollar anstelle von Euro zu sparen?   

Steffen Krug

Warren Buffet ist ein großartiger Value Investor, aber vielleicht mangelt es ihm doch an grundlegenden geldtheoretischen Kenntnissen. Genau wie der Euro ist auch der US-Dollar ein ungedecktes Zwangsgeld und somit früher oder später zum Scheitern verurteilt. Das schließt nicht aus, dass es nach dem absehbaren Euro-Kollaps noch einmal einen zwischenzeitlichen „Nachfrage-Boom“ für die Weltwährung US-Dollar als „Last Man Standing“ geben könnte. Wenn der US-Dollar aber noch in dreißig, vierzig Jahren Welt-Reservewährung bleiben soll, muss die amerikanische Notenbank FED die seit über vierzig Jahren andauernde exponentielle Geldmengenausweitung einstellen und den US-Dollar wieder an etwas reales wie zum Beispiel physisches Gold binden. Das wäre politisch ein ungemein schmerzvoller Prozess, da in dieser Phase die Zinsen massiv steigen würden und es zu einer mehrjährigen Rezession mit extrem hoher Arbeitslosigkeit kommen würde. Letztendlich ist es aber der einzige Weg, um eine Gesundung der realen Kapitalstruktur in den USA herbeizuführen und somit den Niedergang des US-Dollar zu stoppen.

Im Euroraum sind nun die Leitzinsen auch bei de facto null Prozent angekommen, Bankgläubiger müssen sogar damit rechnen, ihre Ersparnisse zu verlieren. Was rät ein Vermögensberater, der wie Sie sich auf die Lehre der Österreichischen Schule stützt, jetzt seinen Kunden?

Seit dem Amtsantritt von Alan Greenspan als Vorsitzender der US-Notenbank 1987 verfolgt die FED eine Geldpolitik der permanenten Reflationierung, einhergehend mit immer weiter sinkenden Zinsen. Weltweit sind mittlerweile alle relevanten Notenbanken bei einem Zins von de facto null Prozent angelangt. Das solch eine historisch einmalige Geldschwemme auch professionelle Anleger vor große Probleme stellt, zeigt beispielsweise der Track-Record von Warren Buffet. Die jährliche Outperformance von Berkshire Hathaway war in den 60/70/80er gegenüber dem Dow Jones Index signifikant höher als in den 90er und 2000er Jahren. Die massive Geldschwemme Alan Greenspans hat dazu geführt, daß die klassischen Kennzahlen der Value Investoren keine aussagekräftigen Informationen über relative Knappheiten und subjektive Wertschätzungen der Marktteilnehmer mehr liefern. Diese verantwortungslose Geldpolitik hat im Lauf der Zeit über die weltweiten Kapitalverkehrsströme eine dicke Nebelschicht gelegt, so dass Value Investoren an den Kreuzungen die Ausschilderungen nicht mehr erkennen können. Vor dem Hintergrund habe ich im Jahr 2009 den Investmentstil des Austrian Asset Management entwickelt, der das klassische Value Investing um die Erkenntnisse der Österreichischen Schule der Ökonomie erweitert. Austrian Asset Management zeichnet sich durch eine aktive, vermögensverwaltende Strategie aus (Österreichische Konjunkturtheorie). Investitionsschwerpunkte sind Minenwerte, Rohstoffe und Edelmetalle wie Gold und Silber (Österreichische Geldtheorie), Familienunternehmen mit solider Eigenkapitalquote (Österreichische Unternehmertheorie) sowie Substanzwerte, die jederzeit benötigt werden (“deep” Value Investing).

Wie weit werden Ihrer Meinung nach Regierungen und die von ihnen begünstigten Gruppen gehen, wenn es gilt, ihre verloren gegangenen Einnahmen aus dem geplatzten Kreditgeldboom wiederzubeschaffen? Wie groß schätzen Sie die Gefahr für Kapitalverkehrsbehinderungen und Handelsbeschränkungen auf den Finanzmärkten ein?

Aktuell sind zumindest in Deutschland die Steuereinnahmen auf einem historischen Rekordwert und die Refinanzierungskosten sind so niedrig wie nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik. Trotzdem denken die Parteien nicht ans Sparen und machen trotz historischer Rekordverschuldung immer neue und auf Dauer nicht finanzierbare Wahlversprechungen. Sobald die Kreditgeldblase platzt, wird offensichtlich werden, dass all diese Versprechungen eine politische Täuschung waren. Die Wut und der Zorn der betrogenen Wähler werden unbeschreiblich sein. Aktuell deutet der Fall Uli Hoeneß an, daß die politischen Eliten darauf abzielen, der breiten Masse „gierige Steuerhinterzieher“ und „reiche Spekulanten“ als Schuldige zu präsentieren. Kapitalverkehrskontrollen und Handelsbeschränkungen werden verhindern, dass Anleger ihre Ersparnisse und Wertsachen noch vor den Raubzügen der politischen Vertreter der verarmten breiten Masse in Sicherheit bringen können.

Die Europäische Zentralbank scheint nunmehr alles auf eine Karte zu setzen – Nullzins und nun wohl auch bald Aufkauf von Unternehmenskrediten, die Euro-Banken in ihren Bilanzen halten. Bedeutet das Inflation? Und wird der Euro abwerten gegenüber dem US-Dollar?

Im Moment befinden sich fast alle Industrienationen in einer realwirtschaftlichen Rezession. Unternehmenspleiten und nicht ausgelastete Kapazitäten dämpfen in diesem Umfeld den Preisanstieg vieler Güter und Dienstleistungen. Auch wenn die EZB in den nächsten Monaten ihre Bilanz enorm aufblähen wird, muss das also nicht unmittelbar zu Preissteigerungen führen. Eine spürbare Inflation erwarte ich erst, wenn die Geldumlaufgeschwindigkeit anzieht. Die überraschend stark gestiegene Nachfrage von Privatanlegern nach physischen Edelmetallen als Reaktion auf den Edelmetall-Crash Mitte April zeigt, dass Investoren dies- und jenseits des Atlantiks beginnen, auf die negativen Realzinsen zu reagieren und nach Alternativen suchen. Der Zeitpunkt scheint nicht mehr weit entfernt, an dem Euro und US-Dollar wie heiße Kartoffeln herumgereicht werden.

Was halten Sie von der Idee, Deutschland soll aus dem Euro austreten, etwa, indem es eine neue Parallelwährung einführt? Professor van Suntum etwa hatte solch eine Konzeption in einem Interview am 8. April 2013 mit dem Ludwig von Mises Institut Deutschland erläutert.

Bekanntermaßen bin ich ein großer Verfechter von privatem Währungswettbewerb und freiem Marktgeld. Professor van Suntum fordert hingegen einen Währungswettbewerb zwischen staatlichen Zwangswährungen, sprich einen Wettbewerb zwischen Ungütern. Vergleichbar könnte man auch einen Wettbewerb der größten Umweltverschmutzer oder übelsten Vergewaltiger fordern, wobei ich nicht finde, dass so etwas in irgendeiner Weise gesellschaftlich zielführend wäre. Die katastrophalen Auswirkungen eines Zwangsgeldwettbewerbes erleben wir momentan in Form eines globalen Währungskrieges, wobei am Ende der Zusammenbruch des internationalen Währungssystems stehen wird, weil die Menschen früher oder später den Glauben in das ungedeckte Kreditgeld verlieren werden.

Der Wettbewerb zwischen privaten Währungen hingegen wäre gleichzusetzen mit einem Wettbewerb um das beste Gut. Genau wie solch ein Wettbewerb die besten Autos oder Köche hervorbringt, bringt er auch das beste Geld hervor. Historisch gesehen waren Gold und Silber die Gewinner. Nur durch einen privaten Währungswettbewerb ohne die verzerrenden Auswirkungen von staatlichen Zwangsgeldern kann auch zukünftig das beste Geld ermittelt werden. Für mich wäre es in diesem Zusammenhang spannend zu sehen, in wieweit sich eine virtuelle Währung wie Bitcoin gegenüber Gold und Silber schlagen würde.

Wie der Übergang vom staatlichen Papiergeldmonopol zu einer marktwirtschaftlichen Geldordnung bewerkstelligt werden kann, beschreiben Frank Schäffler und Norbert Tofall in dem lesenswerten Beitrag: „Euro-Stabilität durch konkurrierende Privatwährungen“.

Am 31. Mai und 1. Juni 2013 findet Ihre 4. Hamburger Mark Banco Anlegertagung statt, mit dem beeindruckenden Titel: „Rezession, Repression, Sezession“. Ich nehme an, es wird auch dieses Jahr wieder „Klartext“ geredet?

Mir ist bei der Auswahl der Referenten und Themen die Stichhaltigkeit der Argumente immer wichtiger gewesen als die Rücksichtnahme auf gesellschaftliche Empfindlichkeiten oder „Political Correctness“. Deshalb freut es mich umso mehr, wenn ein renommierter Investor wie Herwig Weise von der Vermögensverwaltung Mack & Weise in einer Rundmail schreibt: „Politiker und Notenbanker, die allesamt die Verschuldungskrise nicht haben kommen sehen, versuchen nunmehr seit fünf Jahren vergeblich die Probleme per Druckerpresse zu lösen. Seit der Zypern-Krise ist klar, dass auch deutsche Sparer mit Ihren Bankeinlagen haften. Auf der 4. Hamburger Mark Banco Anlegertagung hören Sie die Meinung bankenunabhängiger Kapitalmarktexperten und prominenter Querdenker, die die Krise rechtzeitig kommen sahen, zu den weiteren Zukunftsaussichten.  Eine Pflichtveranstaltung für jeden Anleger, der sich Sorgen um sein Vermögen macht.“

Die 4. Hamburger Mark Banco Anlegertagung findet dieses Jahr am Freitag, 31. Mai, und Samstag, 1. Juni, im Steigenberger Hotel Fleetinsel statt. Zur Einstimmung auf die Veranstaltung habe ich eine Auswahl von Beiträgen und Interviews der diesjährigen Referenten zu aktuellen Themen wie die Zypernkrise, Haftung deutscher Sparer oder den aktuellen Gold-Crash zusammengestellt. Die Teilnahme an der Abendveranstaltung am 31. Mai ab 20 Uhr in der Hamburger Börse mit der Verleihung der Roland Baader Auszeichnung an Peter Boehringer ist für Leser der Ludwig von Mises Website kostenfrei – https://youpooly.de/ifaam/4_hamburger_mark_banco_anlegertag/ .

Das Gespräch mit Steffen Krug führte Thorsten Polleit im Mai 2013 per E-Mail.

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Dipl. Volkswirt Steffen Krug studierte Wirtschaftswissenschaften an der Universität Heidelberg und der ESC Reims in Frankreich sowie an der Europa-Universität-Viadrina in Frankfurt an der Oder. Nach einem Traineeprogramm bei der Vereins- und Westbank in Hamburg war er dort anschließend als Wertpapierspezialist tätig. 2001 machte er sich als Vermögensberater und Finanzmakler selbständig. Während seiner praktischen Tätigkeit entwickelte er den Investmentstil des Austrian Asset Management, gründete 2009 das Institut für Austrian Asset Management sowie die Hamburger Mark Banco Veranstaltungsreihe und organisiert seit 2012 das Go-AHEAD! Powerbreakfast in der Tradition der „Ehrbaren Hamburger Kaufmannschaft“.

 

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