Das Böse und das Biest
10. Juli 2026 – von Thorsten Polleit
Titelbild: Dante Alighieri (1265-1321), „Die Göttliche Komödie“, Inferno, Gesang 6: Virgil füttert Cerberus im dritten Kreis (Illustration von Gustave Doré, 1832 – 1883)
Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit den Mächten und Gewalten, mit den Weltherrschern dieser Finsternis, mit den bösen Geistern in den himmlischen Regionen.
So steht es in Epheser 6:12, einer der tiefgründigsten Briefe des Apostels Paulus mit der Botschaft: Der geistliche Kampf des Christenmenschen richtet sich nicht gegen andere Menschen (also nicht gegen „Fleisch und Blut“), sondern gegen die unsichtbaren, geistlichen Mächte des Bösen, einschließlich ihrer bösen Ideen. Biblisch gesprochen, sind die Ideen böse, die sich gegen Gott, seine Heiligkeit, seine Ordnung und seine Liebe stellen.
Das staatliche Zwangsgeldmonopol
Denkt man vor diesem Hintergrund über das staatliche Zwangsgeldmonopol, seinen Ursprung und vor allem auch seine Folgen nach, so gelangt man rasch zur Schlussfolgerung: Es handelt sich hier ganz bestimmt nicht um eine gute, sondern um eine schlechte Idee, offensichtlich sogar um eine böse Idee, die in die Welt gekommen ist. Um das zu erkennen, erinnere man sich an die Arbeiten des Ökonomen Carl Menger (1840 – 1921). Er hatte bereits im Jahr 1871 darauf aufmerksam gemacht, dass das Geld spontan aus den freiwilligen Transaktionen der Menschen in einem freien Markt entstanden sei, und zwar aus einem Sachgut, vor allem aus Gold und Silber; dass also das Geld auf „natürlichem“, freiwilligen Weg in die Welt gekommen sei. Keine Frage, mit dem Sachgeld ging es nicht problemlos zu. Man denke hier beispielsweise an das Geldfälschen: das Gießen von Münzen mit minderwertigem Metall und/oder die Gewichtsreduzierung der Münzen durch „Klippen“. Geldfälschen ist vermutlich so alt wie das Geld selbst. Die Strafen dafür waren allerdings auch sehr hart – dem Geldfälscher drohte in der Antike der Feuertod, im Mittelalter/in der frühen Neuzeit siedendes Öl, Hand abhacken, Hängen, noch im 19. Jahrhundert Kerker oder gar Todesstrafe –, weil die Menschen sehr wohl um die Übel des Geldfälschens wussten: Gefälschtes Geld ruiniert das Vertrauen in das Geld und damit Arbeitsteilung, Handel und Wohlstand. Geldfälschung ist eine Form des Betrugs, der Lüge, der Zerstörung –, und so gehört sie zu den Werken des Bösen, weil sie die von Gott gegebene Ordnung pervertiert. Nicht umsonst ließ Dante Alighieri (1265–1321) in seinem epischen Gedicht „Göttliche Komödie“ die Geldfälscher im 8. Höllenkreis, im 10. Graben (Bolgia) landen; hierhin werden auch Alchemisten, Personenfälscher sowie Lügner und falsche Zeugen verbannt. Es ist daher auch nicht verwunderlich, dass auch der Weg vom Sach- zum heutigen Fiatgeld alles andere als makellos und unschuldig war.
„Legalisierte Geldfälschung“
Der US-amerikanische Ökonom Murray N. Rothbard (1926 –1995) zeigte in seinem Buch „What Has Government Done To Our Money“ 1963 auf, wie der Staat sich – in einem zugegebenermaßen durchaus zeitlich langgestreckten Prozess – das Geld sprichwörtlich unter den Nagel gerissen, das Sachgeld durch sein eigenes, beliebig vermehrbares Fiatgeld ersetzt hat. Genauer: Der US-amerikanische Staat hat spätestens am 15. August 1971 einen schwerwiegenden Vertragsbruch begangen, indem er die Goldeinlösbarkeit der Banknoten und -guthaben mutwillig beendete. Das Geld war damit sprichwörtlich vom Gold abgeschnitten – und damit fortan beliebig vermehrbar –, die Geldhalter ihres Goldes beraubt. Aus Rothbards Sicht ist dadurch ein System der „legalisierten Geldfälschung“ entstanden: Die Zentralbanken, in enger Kooperation mit den Geschäftsbanken, weiten seither die Geldmenge (in Form von „Geldsubstituten“, also Banknoten und Giroguthaben) per Kreditvergabe aus, ohne dass dabei die Menge des eigentlichen Geldes, des „Grundgeldes Gold“, zunimmt. Ökonomisch gesehen ist es belanglos, so Rothbard, ob hier private Geldfälscher am Werke sind oder ob die Zentral- und Geschäftsbanken die Geldmenge ausweiten – in jedem Fall wird Geld im vorgenannten Sinne gefälscht, wenn die Verbindung zu seinem ursprünglichen wertbildenden Grund und physischen Anker Gold willkürlich durch den Staat abgeschnitten wird.
Teuerung, Überkonsum, Schuldknechtschaft, Korruption und Kriegswirtschaft
Die Folgen der Falschgeld-Vermehrung, des inflationären Geldes, sind weithin bekannt: Die Kaufkraft des Geldes schwindet; Sparen wird entmutigt; die einen werden reicher auf Kosten der anderen; es kommt – wenn das neue Geld per Kreditvergabe herbeigefälscht wird –, zu Finanz- und Wirtschaftsstörungen; die Volkswirtschaften versinken im Schuldensumpf; das Leben auf Pump wird zum Normalfall, die Menschen werden zu Schuldsklaven; der Staat wird immer größer und mächtiger; Korruption und Günstlingswirtschaft greifen um sich; Kriege lassen sich relativ einfach finanzieren, werden häufiger; Moral und Sitten der Menschen verflachen, verfallen; und darauf folgt der wirtschaftliche Niedergang des Gemeinwesens.
Gerade auch weil man um die „natürliche Geldordnung“ – also einen freien Markt für Geld – und ihre Funktionsfähigkeit weiß, kommt man nicht umhin, die Idee des staatlichen Zwangsgeldmonopols als schlechte Idee und angesichts seiner Konsequenzen sogar als böse Idee einzustufen; und die staatliche Zentralbank, die das Zwangsgeldmonopol verkörpert, als das „Biest“ des Schlechten, des Bösen zu sehen – das staatliche Zentralbank-Zwangsmonopol also als eine sichtbare Verkörperung der unsichtbaren Macht des Bösen.
Territorialer Zwangsmonopolist durch Unterwerfung
Der Einwand, die Rückführung auf das eigentliche Problem, und zwar auf den Staat (wie wir ihn heute kennen), stehe doch noch aus, ist gerechtfertigt. In der Tat wäre das heutige Fiatgeld(un)wesen ohne den Staat nicht möglich. Der Staat als territorialer Zwangsmonopolist mit der Letztentscheidungsbefugnis über alle Konflikte auf seinem Gebiet, und der sich dabei auch noch herausnimmt, Steuer zu erheben (also Menschen gegen ihren Willen etwas wegzunehmen), kann seinen Ursprung und seine Existenz ebenfalls nicht an eine gute Idee knüpfen. Das Gegenteil ist vielmehr der Fall: Er fußt auf Zwang und Gewalt, auf dem Vorhaben der einen, die anderen zu beherrschen, zu zwingen, zu unterdrücken, auszuplündern.
Wer den biblischen Bezug zur Problematik des staatlichen Zentralbank-Zwangsmonopols nicht herstellen möchte und/oder kann, der steht nun vor einer gleichen Frage: Ist vielleicht der Staat (wie wir ihn heute kennen) nicht nur einer schlechten, sondern vielleicht auch einer bösen Idee entsprungen? Rothbard würde ohne zu zögern mit „Ja“ antworten: Dem Staat als Zwangs- und Gewaltinstitution liegt eine böse Idee zugrunde, weil sie systematisch gegen Gottes Ordnung der Freiheit des Individuums, seines Eigentums und des freiwilligen Handelns verstößt; und eine Idee, die Zwang statt Liebe, Lüge statt Wahrheit (oder gar Selbstvergötterung statt Gottesanbetung) fördert, ist böse.
Geistig-christlicher Kampf gegen das Böse
Der christliche Handlungsauftrag ist damit quasi vorformuliert: Den bösen Ideen und seinem Biest die Stirn bieten. Die Bibel weist den Weg: Böse Ideen sind geistige Festungen – man nehme sie ein, reiße sie nieder durch Gottes Wahrheit und überwinde sie mit Gutem, statt sie zu ignorieren oder mit fleischlichen Mitteln zu bekämpfen (2. Korinther 10:4-5). Es ist daher höchste Zeit, die Wirkung ökonomischer Erkenntnisse, die über den Staat und sein Zentralbank-Zwangsgeldmonopol seit langer Zeit vorliegen, nicht länger zu überschätzen, sondern auf die „geistliche Waffenrüstung“ des Christentums, seine biblischen Prinzipen für den Kampf gegen das Böse zu setzen. Nur mit dieser Hilfe lässt sich dem Bösen und seinem Biest beikommen. Allein mit den Erkenntnissen aus der Ökonomik ist es wohl nicht getan.
Hinweis: Die Inhalte der Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Ludwig von Mises Instituts Deutschland wieder.
Professor Dr. Thorsten Polleit war als Ökonom 15 Jahre im internationalen Investment-Banking tätig und danach 12 Jahre im internationalen Edelmetallhandelsgeschäft. Er ist zudem seit 2014 Honorarprofessor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth. Thorsten Polleit ist Adjunct Scholar Mises Institute, Auburn, Alabama, Mitglied im Forschungsnetzwerk „ROME“ und Präsident des Ludwig von Mises Institut Deutschland. Im Jahr 2012 erhielt er den The O.P. Alford III Prize In Political Economy. Thorsten Polleit ist Autor zahlreicher Aufsätze in referierten Journals, Magazinen und Zeitungen. Seine letzten Bücher sind: „Des Teufels Geld. Der faustische Fiatgeld-Pakt – wie wir ihn kündigen und zu gutem Geld zurückkehren“(*) (Oktober 2023), „The Global Currency Plot. How the Deep State Will Betray Your Freedom, and How to Prevent It“(*) (2023), „Ludwig von Mises. Der kompromisslose Liberale“(*) (2022) und „Der Weg zur Wahrheit. Eine Kritik der ökonomischen Vernunft“(*) (2022). Seit April 2024 gibt er Dr. Polleits BOOM & BUST REPORT heraus. Hier Thorsten Polleit auf X folgen.
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