Inflation: Warum das Leben immer teurer wird

6. Mai 2022

Ende März 2022 ist das Buch Inflation: Warum das Leben immer teurer wird erschienen. Der Präsident des Ludwig von Mises Instituts Deutschland Thorsten Polleit führte ein Interview mit dem Autor Andreas Tögel, der bereits zahlreiche Beiträge zur Österreichischen Schule publizierte, wovon viele auch auf Misesde.org erschienen sind.

Andreas Tögel

Thorsten Polleit (TP): Herr Tögel, Sie haben vor wenigen Wochen Ihr neues Buch “Inflation: Warum das Leben immer teurer wird” veröffentlicht. Auf knapp 100 Seiten legen Sie dar, was Inflation ist, wie sie entsteht, was sie anrichtet. Es ist eine Aufklärungs- und auch Streitschrift, mit der Sie sich ganz bewusst an alle richten, Laien und Experten. Eine für alle wichtige Frage scheint mir gleich zu Beginn zu sein: Was ist eigentlich Inflation?

Andreas Tögel (AT): Im allgemeinen Sprachgebrauch steht der Begriff Inflation stets für Teuerung. Das ist aber nur die halbe Wahrheit, weil damit nämlich die Ursache der Teuerung ausgeblendet wird. Allgemeine Preissteigerungen, oder – anders ausgedrückt – Kaufkraftverluste je Geldeinheit, sind (unter sonst gleichen Bedingungen) immer einer Ausweitung des Geldangebots durch den oder die Geldproduzenten geschuldet.

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TP: Wenn ich das recht überblicke, sehen aber viele Menschen – Laien wie auch “Experten” – das anders. Sie denken, dass die aktuelle Inflation verursacht ist durch die Folgen des Ukraine-Kriegs, steigende Öl- und Nahrungsmittelpreise, Probleme bei den Lieferketten etc. Eine Sichtweise, die sich kategorial unterscheidet von Ihrer Inflationserklärung. Wie erklären Sie sich das?

AT: Selbstverständlich haben Ereignisse wie die Covid-19-Pandemie und der Krieg in der Ukraine verheerende Wirkungen auf Produktion und Handel. Und selbstverständlich gehen davon auch preistreibende Effekte aus. Die derzeit besonders stark anziehende Teuerung ist dennoch kein Phänomen der jüngsten Zeit. Denken Sie 20 Jahre zurück, als der Euro eingeführt wurde, erinnern Sie sich an die Preise, die damals etwa für Lebensmittel oder die Miete bezahlt werden mussten und vergleichen Sie sie mit dem Preisniveau vor dem Ausbruch der Pandemie. Dann wird rasch klar, dass eben nicht Pandemie und Krieg für den Kaufkraftverlust verantwortlich sind.

Thorsten Polleit

TP: Aber offensichtlich dringt diese Erkenntnis nicht durch. Woran kann das liegen, dass nicht primär die Zentralbanken als Verantwortliche für die Inflation gesehen werden, sondern viele andere Dinge. Wird vielleicht auch eine falsche Lehre verbreitet?

AT: Weil genau das eintritt, was Ludwig Erhard schon vor Jahrzehnten gebrandmarkt hat: der Irrtum nämlich, dass die Inflation quasi wie ein Fluch oder ein tragisches Geschick über uns kommt. Dem ist aber eben nicht so. Inflation wird ganz bewusst herbeigeführt. Die EZB erklärt ganz offen, ein “Inflationsziel” von zwei Prozent anzustreben. Nur dass sie dieses Ziel um bald das Vierfache übertrifft – und da sind die Preisexplosionen bei Immobilien, Aktien und Edelmetallen noch gar nicht berücksichtigt. Trotzdem halten viele die Inflation für ein unausweichlich eintretendes Naturereignis, oder – schlimmer noch – für eine zwingende Begleiterscheinung des marktwirtschaftlichen Systems. Die für die Inflation Verantwortlichen haben natürlich nicht das geringste Interesse daran, als Schuldige erkannt zu werden. Sie nutzen nach dem Motto “haltet den Dieb” jede Chance, etwa Pandemien, Lieferengpässe oder einen Krieg als Ursache der Inflation zu erklären.

TP: In Ihrem Buch findet sich das Kapitel “Der Wohlfahrtsstaat als Inflationsmotor”. Nachdem ich es gelesen habe, stellt sich mir die Frage: Haben die Menschen nicht selbst die Schuld daran, dass sie Inflation ernten, weil sie Politiker wählen, die den sogenannten Wohlfahrtsstaat installieren und ausbauen? Sind folglich nicht nur die Zentralbanken „die Bösen“, sondern ist vor allem auch der gedankenlose, der uninformierte Wähler die eigentliche Ursache des Inflationsproblems?

AT: Selbstverständlich repräsentieren in unserem politischen System die gewählten Politiker den Mehrheitswillen der Wahlberechtigten. Das gilt allerdings nur bis zu einem gewissen Grad. Denn wenn nur noch – finanzpolitisch betrachtet – „Pest und Cholera“ zur Wahl stehen, ist der Bürger nicht mehr länger Wähler, sondern Opfer. Unser System ist im Laufe der Zeit schlicht und ergreifend dysfunktional geworden. Nur noch eine „Negativauslese“ von Menschen geht in die Politik. Leute, die auf ehrliche Weise ihr Geld verdienen wollen – und können – wird man im „Politzirkus“ unserer Tage weitgehend vergeblich suchen. Wie formulierte es Ludwig von Mises: “Wer seinen Mitmenschen nicht zu dienen in der Lage ist, will sie beherrschen.”

TP: Sie werfen in Ihrem Buch auch einen Blick nach vorn. Planwirtschaft, totalitäre Strukturen als Folge des ungedeckten Geldes, als Konsequenz des Festhaltens an ihm, sehen Sie heraufziehen. Gibt es aus Ihrer Sicht vielleicht doch noch eine Möglichkeit, dass es nicht ganz so schlimm kommt? Und wie könnte die aussehen?

An eine freiwillige Umkehr auf dem Weg in die Knechtschaft glaube ich nicht. Zu schwach sind die Kräfte, die das Unheil kommen sehen und benennen. Zu groß das Beharrungsvermögen des Systems und das Wunschdenken der meisten Menschen. Die Warner werden das Schicksal der Cassandra teilen. Wenn irgendetwas aber doch eine Wende bringen kann, dann nur die normative Kraft des Faktischen. Wenn der Karren erst gegen die Wand gefahren ist (und das wird in nicht so ferner Zukunft der Fall sein), dann besteht – sofern die Insassen überleben – zumindest eine Chance, es künftig besser zu machen und zu einer freiheitlichen Gesellschaft zurückzukehren. Allerdings bin ich nicht überzeugt davon, dass es nach einem Systemkollaps wirklich besser wird. Birgt ein Systemcrash doch immerhin die Gefahr, dass politische Brandstifter das entstandene Massenelend nutzen, um die Marktwirtschaft als Wurzel allen Übels zu verleumden und endgültig eine totalitäre Kommandowirtschaft nach dem Vorbild Chinas zu etablieren.

TP: Herr Tögel, ich bedanke mich für das Interview! Und allen Leserinnen und Lesern lege ich Ihr neues Buch “Inflation: Warum das Leben immer teurer wird” wärmstens ans Herz. Wer es liest, der wird des Geldproblem unserer Tage und seine Folgen verstehen.

Andreas Tögel, Jahrgang 1957, ist gelernter Maschinenbauer, ausübender kaufmännischer Unternehmer und überzeugter “Austrian”.

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Hinweis: Die Inhalte der Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Ludwig von Mises Instituts Deutschland wieder.

Titel-Foto: Adobe Stock

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