Kapitalismus, Sozialismus und Anarchie

12. November 2021 – Chancen einer Gesellschaftsordnung jenseits von Staat und Politik (Buchbesprechung)

von Andreas Tiedtke

Andreas Tiedtke

Mit seinem Buch Kapitalismus, Sozialismus und Anarchie: Chancen einer Gesellschaftsordnung jenseits von Staat und Politik legt Antony Mueller ein umfassendes Werk vor, das nicht nur die Grundsätze der Österreichischen Schule der Nationalökonomie ausführlich erläutert, sondern auch historische, psychologische und theoretische Analysen der Gesellschaft aus der Perspektive der Österreichischen Schule enthält. Wie können wir in einer friedlichen Art und Weise ohne Zwang zusammenleben? Und wieso ist ein Zusammenleben in einem Staat, wie wir ihn heute kennen, keine Art, freundlich miteinander umzugehen? Der aus Deutschland stammende Professor für Volkswirtschaft an der brasilianischen Bundesuniversität UFS ist damit ein weiterer Austrian, der den Bereich der Ökonomik überschreitet und von den Grundsätzen der Österreichischen Schule ausgehend auch soziologische, psychologische oder rechtstheoretische Fragestellungen angeht.

Mueller macht dabei klar: Notwendig für ein friedliches und freundliches Miteinander sind nicht abstrakte Gesellschaftsmodelle, sondern es kommt auf die Geisteshaltung der Menschen an.

Anstatt von Staat und Politik Heilung zu erwarten, müssen wir diese als die Bedrohung erkennen.“ so Mueller

Historische Entwicklung von Markt und Staat

Antony P. Mueller

In seinem Buch erläutert Mueller die Geschichte, insbesondere vom 18. bis zum 21. Jahrhundert, die zu den heutigen Verhältnissen geführt haben. Dabei beweist er nicht nur eine tiefe Kenntnis der geschichtlichen und geistesgeschichtlichen Strömungen der jüngeren Neuzeit, sondern er analysiert die Ereignisse aus der Sicht der Austrians. Er beleuchtet die verschiedenen Spielarten des Sozialismus, den amerikanischen Progressivismus und in der Folge Neo-Imperialismus und ihre Vertreter Woodrow Wilson und Franklin D. Roosevelt ebenso wie die sozialistischen Wirtschaftssysteme Deutschlands unter den Nationalsozialisten, der Sowjetunion oder Chinas.

Sozialismus

Die Haltung der Sozialisten zum Menschen sieht Mueller als „totale Negativität. Das menschliche Leben selbst ist ihm [dem Sozialismus] ein Problem.“

Unter einem sozialistischen System“, so Mueller, „wird jeder zum Gesetzesübertreter, weil er anders gar nicht überleben kann.

Die sozialistische Planwirtschaft überlebt insoweit, als der Schwarzmarkt nicht vollständig eliminiert werden kann und menschliche Beziehungen auch jenseits von Befehl und Gehorsam noch gepflegt werden.“

Wohlfahrtsstaat als Vehikel zum Sozialismus

Mueller zeigt die Dysfunktionalität des „Wohlfahrtsstaates“, der den Produktions- und Tauschbedürfnissen der Masse der Menschen nicht gerecht werden könne. Dafür kann der Wohlfahrtsstaat, den Mises auch als Interventionismus bezeichnet hat, als Vehikel zum Sozialismus genutzt werden. Der Interventionismus wird heute von einer Amtsträger- und Big-Business-Elite propagiert, die ihr Zusammenwirken euphemistisch als „Public Private Partnership“ bezeichnet.

Im Wohlfahrtsstaat können Wählerstimmen mit Versprechen auf Kosten und zu Lasten anderer gekauft werden. Dass der Wohlfahrtsstaat dazu geführt hat, dass das Rentensystem als Umlagesystem oder das Gesundheitswesen zusammenzubrechen drohen – gerade in Anbetracht der demografischen Entwicklung –, muss denjenigen nicht stören, dessen Ziel sowieso darin besteht, Sozialismus, also Neo-Feudalismus zu etablieren. Der Wohlfahrtsstaat dient in der Zwischenzeit als Instrument der Regierung, um die Zustimmung der Regierten zu bewirken. „Was kurzfristig Stimmen gewinnt, wird bevorzugt. Interventionismus ist Populismus“, so Mueller. Es gibt im Interventionismus (Wohlfahrtsstaat) keinen Zentralplan, sondern situationsbedingte Eingriffe nach populistischen Kriterien.

Dabei führten die Wohlfahrtsstaat- oder Interventionismus-Politiken, so der Autor, zu einem stetigen Rückgang der Produktivitätszuwachsraten, zu einer Zunahme der Staatsverschuldung und der Staatsquote. Diejenigen, die meinen, sich durch Anlagestrategien vor solchen Entwicklungen schützen zu können, muss Mueller enttäuschen. Er weist darauf hin, dass auch die Anlage in Aktien nicht schützt, wenn es mit der Wirtschaft bergab geht. In der Zukunft benötigte Arbeit und Realkapital ließen sich nicht für später aufheben. Produktive Erwerbschancen gingen zunehmend verloren. Wenn aber die Produktivität zurückginge, dann gebe es schlicht weniger Wohlstand und das schlägt auf alle Anlageklassen durch. Selbst Gold oder Bitcoin könnten keine Wertaufbewahrungsfunktion haben, denn gesamtwirtschaftlich hänge der künftige Konsum von der zukünftigen Produktion ab. (Wenngleich Gold und Bitcoin natürlich noch den Vorteil gegenüber Fiat-Geld haben, dass sie nicht von einer Zentralbank beliebig multipliziert werden können, Anmerkung des Verfassers.)

Der Interventionismus führt zu einer sogenannten Interventionsspirale, das heißt, die staatlichen Zwangsmaßnahmen müssen denknotwendig immer weiter zunehmen, da die vorgeblichen Ziele der politischen Akteure mit den interventionistischen Mitteln nicht erreichbar sind, solange es noch Residuen wirtschaftlicher Freiheit gibt.

Wenn die Regierung Preiskontrollen einführt, so verlagert sich die Wirksamkeit des Gesetzes von Angebot und Nachfrage vom Preis auf die Menge“, so Mueller.

Bei Mindestpreisen sind Arbeitslosigkeit, Milchseen und Butterberge die Folge, bei Höchstpreisen leere Regale, Wohnungsnot und -verfall.

Propaganda

Der Autor lässt in die Trickkiste der Propagandisten blicken. Durch ständige Wiederholung „schleusen“ sie ihre Narrative in die unbewussten Haltungen der Menschen ein. Geschickt werden geistige Haltungen der Menschen genutzt, die die Propagandisten bei ihnen schon vorfinden können, wie zum Beispiel den Chiliasmus, also die Erwartung, dass das Heil nicht von ihnen selbst her kommen kann, sondern von außen, von einem Erlöser kommen müsse. Der Trick des Progressivismus, der amerikanischen Variante des Sozialismus, sei, dass das vollkommene System stets in der Zukunft liege. Und bis dahin sei immer „viel zu tun“.

Beim Staat, wie wir ihn heute kennen, dient Angstmache als Herrschaftsinstrument. Notlagen werden genutzt, um die Macht zu stabilisieren. Durch den Kultur- und Verwaltungsapparat des Staates werde Verwirrung erzeugt, um die Einzelnen gefügig zu machen.

Geistige Unruhe gebiert Angst“, so Mueller.

Keine Verschwörungstheorien

Von einer Welt-Verschwörung geht Mueller nicht aus – ohne dabei auszuschließen, dass informelle Koordination von Interessen von politischen oder Big-Business Entscheidern dennoch stattfinden können. „Bei der Zielrichtung, die Gesellschaft umzustürzen, handelt es sich nicht um eine Verschwörung.“ Die maßgeblichen Akteure verschleiern weder ihre Person, noch halten sie ihre Mittel geheim. Sie schweigen sich lediglich darüber aus, dass die Umsetzung der Agenden von Global Playern wie WEF (World Economic Forum) oder UNO (United Nations) zu Öko-Diktaturen führten.

Recht und Staat

Mueller erläutert, dass jedwede Steuererhebung nur dann gerechtfertigt sein kann, wenn sie einstimmig von den Betroffenen bewilligt würde. Das leuchtet ein, denn Recht kann nicht einseitig gesetzt werden, wie es die Vertreter des Rechtspositivismus wähnen, sondern handlungslogisch nur durch Vertrag und Vereinbarung zu Stande kommen. Die Positivisten, die Recht weg von Vertrag und Vereinbarung führen wollen und meinen, Recht könne durch Macht geschaffen werden, setzen sich mit diesem gewähnten Anspruch auf willkürliche Rechtsetzung in Wirklichkeit über das Recht hinweg und gerieren sich schlicht als Machthaber. Der Staat, wie wir ihn heute kennen, ist nicht durch Gesellschaftsvertrag entstanden, sondern durch Eroberung und Unterwerfung.

Psychologie von Marxismus und Sozialismus

Der Marxismus“, so Mueller, „dient dazu, Ressentiments in ein soziales Problem umzuwandeln. Die marxistische Ideologie ist attraktiv, weil sie ein Arsenal an Galle bietet, um persönlichen Zorn zu entfachen und Frustration in eine politische Agenda zu transformieren.“

Das geistige Klima des 19. Jahrhunderts, so Mueller, sei zudem geprägt gewesen von einer Wissenschaftsgläubigkeit, die religiöse Züge angenommen hat. Da der Marxismus vorgab, wissenschaftlich zu sein, traf dies zu der Zeit auf fruchtbaren Boden.

Marktwirtschaft und Kapitalismus

Die Funktionsmechanismen der Marktwirtschaft (freiwilliger Austausch) und des Kapitalismus (Produktion unter Einsatz von Kapitalgütern) erläutert Mueller ausführlich. Nicht nur durch Produktion, sondern auch durch Handel wird Mehrwert geschaffen, weil die Menschen Dinge unterschiedlich bewerten. In der Marktwirtschaft findet der Austausch freiwillig statt, sodass die abgeschlossenen Geschäfte stets (und denknotwendig) zu Win-win-Situationen führen. Der Kapitaleinsatz steigert die Produktivität und damit den Wohlstand der Beteiligten.

Mueller erläutert auch die wichtige Funktion des Unternehmers, der in Unsicherheit operiert und – wenn er richtig liegt – einen Gewinn erzielt, wenn die Menschen seine Unternehmertätigkeit und die Produkte, die am Ende herauskommen, höher bewerten als die Aufwendungen des Unternehmers. Im Unterschied zum Unternehmer besteht die Entlohnung des Kapitalisten im Zins, den er für seinen Konsumverzicht erhält, also dass er seine Mittel unmittelbar oder mittelbar Unternehmern für die Vorfinanzierung der Produktion und zur Entlohnung der Mitarbeiter zur Verfügung stellt.

In einer kapitalistischen Marktwirtschaft kann die Produktivität ansteigen, wenn die Menschen unbehindert produzieren und Handel treiben können. Dabei gibt es auch keine rigiden physikalischen Grenzen des Wohlstandes, wie es einem die Leitmedien ständig als Schrecken vor Augen führen. Alleine durch Handel, also Austausch, wird Mehrwert geschaffen, also selbst wenn nicht mehr produziert wird. Durch komparative Kostenvorteile wird die Produktion effizienter, selbst wenn der Output nicht erhöht wird. Mehr Wohlstand bedeute eben nicht einfach nur mehr Güter, sondern auch bessere und andere Güter mit weniger Arbeitseinsatz. Zudem sorgt das Preissystem in der Marktwirtschaft dafür, dass sich Angebot und Nachfrage laufend den Knappheitsverhältnissen anpassen, sodass es auch in diesem Sinne keine starren „Grenzen des Wachstums“ gebe.

Der Autor spricht im Buch im Übrigen auch die heute „hippe“ Modern Monetary Theory (MMT) an, die im Wesentlichen die Knappheit leugnet. Die MMT, so Mueller, sei für die Ökonomie etwa das, was die Flat-Earth-Bewegung für die Geografie sei. Wohlstand bedeutet Kaufkraft. Robinson wäre kein bisschen reicher geworden, wenn er auf seiner Insel einen Koffer voller Geld gefunden hätte.

Die fehlende Möglichkeit der Kapitalbildung und des freien Marktzuganges für Neulinge in interventionistischen und sozialistischen Regimen mit Bevölkerungswachstum führt dann auch zu dem Migrationsdruck, so der Autor, den wir heute erleben. Durch die mangelnde wirtschaftliche Freiheit kann die Produktivität nicht mit der Bevölkerungszunahme mithalten. Diese Zusammenhänge veranschaulicht Mueller auch empirisch in ländervergleichenden Grafiken.

Vom Wachstum der Produktivität in weniger behinderten Märkten profitierten auch diejenigen, die vergleichsweise gering qualifizierte Tätigkeiten ausüben, so der Autor, was wiederum erklärt, wieso sich viele Migranten ein besseres Leben in Ländern versprechen, in denen von den Machthabenden vergleichsweise (noch) relativ freie Märkte zugelassen werden.

Auch die Idee, die einst vertreten wurde, dass nicht nur die persönliche Entscheidung einer Frau bestimmend sein soll, ob sie arbeiten gehen möchte, sondern dass als politisches Programm der Einsatz von Frauen im Arbeitsmarkt gezielt zu bewirken sei, stellt bei einem Rückgang der Produktivitätszuwachsraten keinen prinzipiellen Vorteil da. Denn am Output-pro-Kopf ändert sich nichts, wenn es ceteris paribus mehr Arbeitskräfte gibt. Nur mit Marktwirtschaft, Spezialisierung, Assoziation und Kapitaleinsatz kann die Produktivität im Sinne der Konsumenten zunehmen.

Pluralistischer Anarchokapitalismus

Mueller kommt zu dem Schluss, dass der Staat, wie wir ihn heute kennen, eine Bedrohung für die menschliche Existenz sei. Als alternative Möglichkeit, ja als Möglichkeit in Frieden und Freundlichkeit ohne Bewirtschaftung des Menschen mit dem politischen Mittel Zwang zusammenzuleben, schlägt Mueller den Pluralistischen Anarchokapitalismus vor. Dabei geht es ihm nicht um ein konkretes „System“ oder um einen speziellen „Gesellschaftsvertragsentwurf“, sondern um geistige Haltungen zu sich und seinen Mitmenschen, die „als Modell zur Orientierung, als Wegweiser“ dienen können.

Als geistige Grundhaltungen des Pluralistischen Anarchokapitalismus nennt Mueller zum Beispiel die Aufgeschlossenheit gegenüber privater wirtschaftlicher Initiative, dem kooperativen Wettbewerb, der Dezentralisierung, dem Privateigentum an Produktionsmitteln, der Bewahrung individueller Würde, dem experimentellen wissenschaftlichen Denken und der ökonomischen Rechenhaftigkeit.

Der Anarchokapitalismus sei ein Wegweiser, der auf das Ziel hinzeige, Wirtschaft und Gesellschaft vom „Bleigewicht des Staates“, das den Menschen seit tausenden von Jahren immer wieder aufgebürdet würde, zu befreien.

Mit jedem Stück, das von dieser Bürde entschwindet, wird Wirtschaft und Gesellschaft kräftiger und flinker. Sturm und Drang kehren zurück. Es wird eine Freude sein, zu leben und zu wirken.“

In einer anarchokapitalistischen Gesellschaft, in der es freie Märkte, Unternehmer und Kapitalisten gibt, aber keine staatlichen Zwangsmaßnahmen, Monopole, Markteintrittshindernisse, Steuerzwänge und so weiter, wird auch ein „sicherer Arbeitsplatz“ nicht mehr den Stellenwert haben, wie er ihn jetzt hat. Auch ohne einen sicheren Arbeitsplatz kann man bei freien Märkten gut leben. Im Anarchokapitalismus, so der Ausblick Muellers, wird es weniger Jobs im herkömmlichen Sinne als „abhängig Beschäftigte“ geben, aber viel mehr selbständige Tätigkeit wird sich in Bereichen auftun, die man heute der Freizeit zurechnet. Arbeit um des Arbeitens Willen macht ökonomisch keinen Sinn. Was zählt, ist die Wertschöpfung.

Im Übrigen gebe es keinen Widerspruch zwischen Anarchokapitalismus und Kommutarismus, so Mueller. Natürlich sind nicht alle Austauschbeziehungen in Heller und Pfennig mit Geld abzurechnen. Es gibt auch nicht-finanzielle gegenseitige Austauschbeziehungen, wie beispielsweise in der Familie oder im Freundeskreis oder in Vereinen oder bei wohltätigen Projekten und dergleichen, in denen jeder einen unterschiedlichen Beitrag einbringt und am Ende nicht abgerechnet wird. Individualität und Sozialität seien eben zwei Aspekte des menschlichen Seins. Es ist eine Lüge, dass diese beiden Aspekte des Menschseins nur mit Drohung und Zwang in Einklang zu bringen wären. Es sei ein Irrweg der kommunitaristischen Bewegung, wenn sie meinte, ihrem Anliegen sei durch eine Weltregierung (Global Governance) gedient.

Mueller führt auch an, dass im pluralistischen Anarchokapitalismus die ethischen Prinzipien der Weisheits- oder Religionstraditionen universal zur Geltung kommen können, wie beispielsweise „Du sollst nicht stehlen“, „Du sollst nicht betrügen“ oder „Du sollst nicht töten“, wie wir sie sowohl im jüdisch-christlichen Dekalog finden als auch beispielsweise in den buddhistischen zwölf Gesetzen des Karmas oder in der philosophischen Tradition der Stoa. Staatsherrschaft und politische Akteure brechen solche hergebrachten ethischen Prinzipien. „Die Staatsherrschaft beansprucht, Raub und Mord legal ausführen zu dürfen“, so Mueller.

Zum Ende hin stellt der Autor noch einige Vorschläge in den Raum, wie man auf friedlichem und freundlichem Wege dieses „Bleigewicht“ des Staates loswird, ohne eine Revolution, Schritt für Schritt, ausgehend vom und im Rahmen des momentanen Systems. Zunächst könnte das Geldmonopol des Staates abgeschafft werden. Die Zentralbankgeldmenge würde eingefroren und nach dem Auslaufen der Amtszeit der Zentralbanker könne sie eingemottet werden.

Das Wahlsystem könne zunächst nach dem Zufallsprinzip gestaltet werden, nach dem Modell der politischen Lotterie. Dies könne zunächst in Stadtstaaten oder Städten ausprobiert werden, und dann gebe es keinen Raum mehr für politische Karrieristen. Hiernach könnte die Justiz entnationalisiert werden und die Polizei, dann Bildung und das Gesundheitswesen. Denn „Staatstätigkeit“, die auf Kosten und zu Lasten anderer erfolgt, kann denklogisch nur dann gerechtfertigt sein, wenn sie einstimmig von den Betroffenen bewilligt wird.

Zusammenfassung

Muellers umfangreiches Buch „ersetzt“ quasi nicht nur ein Studium der Volkswirtschaft, wie wir sie heute kennen, sondern es könnte auch vielen studierten Volkswirten die Augen öffnen, dass ihre empirischen oder ökonometrischen Hypothesen zu kurz greifen. Ohne die aprioristischen Schlüsse der Österreichischen Schule entbehren die empirischen und mathematischen Interpretationen historischen Tatsachenmaterials einer Rückanbindung an ökonomische Prinzipien, die unumstößlich und denknotwendig gelten. Zudem ist das Buch hilfreich für jedermann, der die jüngere historische Entwicklung gerade im 19. und 20. Jahrhundert verstehen möchte.

Der Autor illustriert seine Ausführungen mit zahlreichen Schaubildern, Tabellen, Listen, Diagrammen und Grafiken, was das Buch erstens auch als Nachschlagewerk qualifiziert und es zweitens möglich macht, Wirtschaftshistorikern – wie Ludwig von Mises die Empiriker unter den Volkswirten bezeichnete – eine Interpretation historischen Tatsachenmaterials anzubieten, die nicht im Widerspruch zu ökonomischen Denkgesetzen steht.

Das Buch ist für Einsteiger ebenso geeignet wie für versierte Austrians, die bereits tief in die ökonomischen Themen der Österreichischen Schule eingestiegen sind; auch für Letztere liefert der Autor immer wieder interessante neue Einblicke und Erkenntnisse.

Mueller zeigt, dass sich die Gesellschaft am Scheideweg befindet und der Interventionismus, also die heutige Herrschaftsform nahezu aller Staaten, Schritt für Schritt in die Kommandowirtschaft führt. Die Produktivitätsraten sinken, Befehl und Gehorsam drohen zu Mitteln zu werden, die das gesamte gesellschaftliche Leben dominieren. Mit einem Staat, wie wir ihn heute kennen, können die Menschen nicht in Frieden und freundschaftlichen Beziehungen zusammenleben.

Es wird nach dem Autor auf die geistigen Haltungen der Menschen ankommen, die sich Neuem zuwenden wollen, einer Gesellschaft ohne Herrschaft, aufbauend auf vertraglicher und freundschaftlicher Kooperation. Und es wird darauf ankommen, ob die Menschen, die sich Neuem zuwenden, von denen in Ruhe gelassen werden, die in herrschaftlichen Strukturen zusammenleben möchten oder über andere herrschen möchten. Hiervon wird das Schicksal der Menschen in den nächsten Jahren abhängen.

Der Autor geht ebenso auf aktuelle Problemlagen wie die Corona-Politiken oder die „Great Reset“-Agenda des WEF (World Economic Forum) ein wie auf historische Schlüsselereignisse des 19. und 20. Jahrhunderts. Das Buch kann sowohl als Einführung dienen wie auch als Kompendium und zur Vertiefung. Es ist interessant für alle, die die aktuellen Problemlagen unserer Zeit nicht nur oberflächlich verstehen wollen, sondern auch ökonomisch, sozialpsychologisch und historisch begreifen möchten, wie wir hier hingekommen sind und wie es weiter gehen könnte.

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Dr. Andreas Tiedtke ist Rechtsanwalt, Unternehmer und Autor. Er publizierte bereits zahlreiche Artikel zur Österreichischen Schule und deren Methode. Im Mai 2021 erschien sein Buch „Der Kompass zum lebendigen Leben“.

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Hinweis: Die Inhalte der Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Ludwig von Mises Instituts Deutschland wieder.

Titel-Foto: Adobe Stock

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