Ein Rat an Präsident Trump im Handelsstreit mit China

12. Februar 2020 – von Patrick Barron

Patrick Barron

In seiner Rede zur Lage der Nation am 4. Februar 2020 erläuterte Präsident Trump seine Gründe für die Bestrafung von Nationen wie China, die ihre Wirtschaft manipulieren, um innenpolitische Ziele zu erreichen. Der Präsident behauptete, eine solche Manipulation sei unfair und schädlich für die Handelspartner. Die Hauptsorge des Präsidenten ist es, dass China durch die Manipulation seiner Wirtschaft Arbeitsplätze „stiehlt“. Dies geschieht auf verschiedene Weise:

1. Indem China den Wechselkurs des Yuan gegenüber anderen Währungen niedrig hält – was bedeutet, dass die Chinesische Volksbank für jeden Dollar mehr Yuan gibt, als auf einem freien Währungsmarkt anfallen würde – sind chinesische Waren in Fremdwährung billiger als sie es andernfalls wären.

2. Durch die Subventionierung ihrer Industrien können chinesische Waren zu einem niedrigeren Preis angeboten werden.

3. Durch die Erhebung von Zöllen auf einige importierte Waren hindert China ausländische Unternehmen daran, mehr zu produzieren und mehr Menschen zu beschäftigen, als sie es sonst tun würden.

Der Präsident behauptete, dass seine Politik funktioniere … dass die Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe in die USA zurückkehren und einen „Blue-Collar-Boom“ mit sehr niedrigen Arbeitslosenzahlen in vielen politisch sensiblen Segmenten des Arbeitsmarktes geschaffen haben.

Ich stimme mit dem Präsidenten in seinem Wunsch überein, dass China die Manipulation seiner Wirtschaft beendet. Doch meine Gründe hierfür unterscheiden sich von den seinen. Noch wichtiger ist, dass ich keine wechselseitigen Interventionen zur Bestrafung Chinas empfehlen würde. Stattdessen würde ich der Barron-Maxime folgen, nämlich „uns um unsere eigenen Angelegenheiten zu kümmern und mit gutem Beispiel voranzugehen“. Nachfolgend möchte ich auf die Konsequenzen der chinesischen Wirtschaftsinterventionen eingehen:

1. China bezahlt die Interventionen selbst, nicht seine Handelspartner. Tatsächlich stellen chinesische Wirtschaftsinterventionen einen Vermögenstransfer von China an seine Kunden in Übersee dar. Waren, die früher auf dem US-Markt X kosteten, kosten jetzt weniger als X. Die Amerikaner vereinnahmen die Differenz, was unseren Wohlstand erhöht. Das chinesische Volk dagegen zahlt hohe Steuern oder höhere Preise. Chinas Subventionen für die Wirtschaft verzerren die chinesische Wirtschaft hinsichtlich der Herstellung anderer, begehrenswerterer Produkte. (Wäre dies nicht der Fall, gäbe es keine Notwendigkeit für Subventionen.) Die Zölle auf importierte Waren verringern das Angebot innerhalb Chinas, was zu höheren Preisen und/oder Engpässen führt. Mit anderen Worten, die Amerikaner und der Rest der Welt profitieren auf Kosten des chinesischen Volkes.

2. Kurzfristig ist dies gut für die Amerikaner, warum sollten wir uns also beschweren? Unter Punkt 1 habe ich darauf hingewiesen, dass chinesische Wirtschaftsinterventionen kurzfristig gut für die Amerikaner sind. Wie aber sieht es auf lange Sicht aus? Durch Eingriffe in seine Wirtschaft schwächt China seine produktive Kapitalbasis. Diese Kapitalbasis ist es, die die vielen Dinge, die die Amerikaner in Zukunft wünschen, ermöglichen wird. Alles, was die Fähigkeit eines Handelspartners, Wohlstand zu erzeugen, schwächt, bedeutet, dass seine Handelspartner ebenfalls weniger wohlhabend sein werden. Deshalb sollten selbst loyale Amerikaner China raten, wirtschaftliche Manipulationen, die ihnen kurzfristig zugute kommen, zu vermeiden. Niemand hat dieses Phänomen jemals besser erklärt als Frédéric Bastiat (1801 – 1850) in seinem klassischen Aufsatz „Was man sieht und was man nicht sieht“. Henry Hazlitt (1894 – 1993) brachte Bastiats wirtschaftliche Erkenntnisse in „Economics in One Lesson“ auf den neuesten Stand. Im Grunde gibt es zwei Lektionen. Die erste ist, dass man die Folgen einer wirtschaftlichen Handlung nicht nur in Bezug auf diejenigen, die davon profitieren, sondern auch auf diejenigen, die davon geschädigt werden, berücksichtigen muss. Natürlich ist es in der Regel einfach, diejenigen zu identifizieren, die davon profitieren werden. Es ist dagegen schwierig, wenn nicht gar unmöglich, die geschädigten Personen zu quantifizieren, insbesondere wenn der Schaden einen nicht enstandenen Nutzen darstellt, der ohne die Intervention aber eingetreten wäre. Hazlitts zweite Lektion ist, dass man nicht nur den kurzfristigen Nutzen einer wirtschaftlichen Handlung, sondern auch die langfristigen Kosten im Auge behalten muss. Beispielsweise können Beschränkungen beim Stahlimport zu einem Boom in der US-Stahlindustrie führen, ohne dass kurzfristige Konsequenzen erkennbar sind. Aber wenn der US-Stahl in Bezug auf Preis, Qualität und Service bereits wettbewerbsfähig wäre, wären keine Importbeschränkungen notwendig. Daher können wir aus der wirtschaftlichen Logik heraus schließen, dass sich die Stahlpreise, die Qualität und/oder der Service verschlechtern werden, was den Amerikanern auf lange Sicht schaden wird.

Schlussfolgerung

Der Präsident misst den wirtschaftlichen Fortschritt eher an der Zunahme der Beschäftigung und/oder dem Rückgang der Arbeitslosigkeit als an der Zunahme des Wohlstands. Aber mehr Arbeit ist nicht unbedingt ein Zeichen für wirtschaftlichen Fortschritt. Kommunistische Länder, wie die ehemalige Sowjetunion, hatten null Arbeitslosigkeit! Um die Jobs kümmerte sich der Staat. Aber niemand würde behaupten, dass jahrzehntelange Vollbeschäftigung die unglücklichen Bürger der Sowjetunion wohlhabender machte. Das Gegenteil war der Fall. In einer freien Marktwirtschaft ohne die Belastung durch lästige Arbeitsgesetze, hohe Steuern und andere Eingriffe gibt es kein Hindernis für Vollbeschäftigung, aus dem einfachen Grund, weil es keine Grenze für wirtschaftliche Zufriedenheit gibt. Selbst ein sparsamer Mensch, der sich keine zusätzlichen Wirtschaftsgüter wünscht, wäre sicherlich erfreut, dass er weniger arbeiten muss, um sein gegenwärtiges Niveau an wirtschaftlicher Zufriedenheit zu erreichen und aufrechtzuerhalten.

Je größer die Kapitalbasis Chinas ist, desto größer ist das Potenzial für eine weitere Ausweitung der Arbeitsteilung, um dieses zusätzliche Kapital produktiver einzusetzen. Wir Amerikaner sollten uns wünschen, dass die ganze Welt eine freie, kapitalistische Marktwirtschaft wäre, damit wir Zugang zu billigeren, besseren und vielfältigeren Produkten und Dienstleistungen hätten.

Die Integration Chinas in die Weltwirtschaft hat den Amerikanern enormen Nutzen beschert. Daher, Herr Präsident, möchte ich auch, dass China seine wirtschaftlichen Interventionen beendet, aber ich möchte China nicht durch Zölle und andere Maßnahmen bestrafen. Unsere Antwort sollte darin bestehen, den einseitigen Freihandel zu erklären. Lassen Sie uns mit gutem Beispiel vorangehen und uns auf eine Welt des Friedens und des Wohlstands freuen.

Patrick Barron ist selbständiger Berater im Finanzwesen. Er lehrt an der Graduate School of Banking an der Universität Wisconsin, Madison. Außerdem unterrichtet er die “Österreichische Schule der Nationalökonomie” an der Universität Iowa, Iowa City. Seine Website ist: http://patrickbarron.blogspot.de/

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Hinweis: Die Inhalte der Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Ludwig von Mises Institut Deutschland wieder.

Foto: Adobe Stock

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