Die optimale Geldmenge

2.10.2015 – von Murray N. Rothbard.

Murray N. Rothbard (1926 – 1995)

Die Menge, bzw. das „Angebot“ oder die Quantität des Geldes, in jeder Region oder Gesellschaft zu jedem beliebigen Zeitpunkt, ist ganz einfach die Summe aller Gold-Unzen oder Geldeinheiten in dieser jeweiligen Gesellschaft oder Gegend. Ökonomen setzten sich seit langem mit der Frage auseinander: Was ist die „optimale“ Geldmenge und wie sollte der Gesamtgeldbestand zum jeweiligen Zeitpunkt aussehen? Wie schnell sollte die Geldmenge „wachsen“?

Wenn man diese einfache und häufig gestellte Frage aber genauer betrachtet, so fallen einem schnell einige Besonderheiten ins Auge. Wieso hat noch niemand die Frage gestellt, was die „optimale Menge“ von Dosenpfirsichen heute oder in Zukunft ist? Oder von Computerspielen? Oder von Damenschuhen? Schon die Frage an sich ist absurd.

Eine der wesentlichen Tatsachen in jeder Volkswirtschaft ist, dass alle Ressourcen in Bezug auf die menschlichen Bedürfnisse knapp sind – wäre ein Gut nicht knapp, so wäre es überreichlich vorhanden, und würde auf dem Markt nicht bepreist werden; ähnlich wie es bei Luft der Fall ist. Daher gilt bei sonst gleichen Umständen, je mehr Güter zur Verfügung stehen, desto besser. Wenn eine neue Kupfermine oder eine effizientere Methode zum Weizenanbau oder zur Stahlproduktion entwickelt wird, stellt dieser Zuwachs an neuen Gütern einen sozialen Zugewinn und Nutzen dar. Solange die Menschheit nicht in den Garten Eden zurückgekehrt ist, gilt: Je mehr Güter desto besser – denn dies bedeutet, dass sich die vorherrschende natürliche Knappheit ein Stück weit gemildert hat und die gesellschaftlichen Lebensumstände sich verbessert haben. Weil die Menschen intuitiv die Absurdität einer solchen Frage erfassen, wurde sie faktisch niemals gestellt.

Wie kann dann aber die Frage nach dem optimalen Geldmengenangebot überhaupt als ein Problem verstanden werden? Da Geld, wie gesehen, unabdingbar für die Aufrechterhaltung und Funktionalität einer Wirtschaft über ihre primitivste Form hinaus ist, und damit einhergehend Geld enormen sozialen Zugewinn ermöglicht, folgt daraus keineswegs, dass, wie es bei allen anderen Gütern der Fall ist, unter sonst gleichen Umständen, „Mehr“ besser ist. Wenn das Angebot von anderen Gütern steigt, so stehen entweder mehr Konsumgüter zur Verfügung oder es können mehr Ressourcen und Kapital eingesetzt werden, um ein größeres Angebot an Konsumgütern zu produzieren. Aber welchen direkten Zugewinn hat eine Erhöhung des Geldmengenangebots?

Geld kann schließlich weder gegessen werden, noch wird es bei der Herstellung von Gütern verbraucht. Das Gut, welches als Geld Verwendung findet, kann nur beim Tausch dazu verwendet werden, den Tauschakt von Gütern und Dienstleistungen zu erleichtern und die Wirtschaftsrechnung zu ermöglichen. Sobald sich aber erst einmal ein Geld auf dem Markt durchgesetzt hat, sind keine Erhöhungen der Geldmenge mehr von Nöten; und ganz sicher stellen solche Erhöhungen keine ehrliche soziale Funktion dar. Wie es aus der allgemeinen Wirtschaftstheorie bekannt ist, hat eine Erhöhung des Angebots eines Gutes unausweichlich eine Senkung seines Preises zur Folge.

Für alle anderen Güter außer beim Geld ist eine solche Ausweitung des Angebots sozial vorteilhaft, da sich hierdurch die Produktions- und Lebensstandards entsprechend den Wünschen der Verbraucher erhöht haben. Wenn Stahl, Brot oder Häuser nun reichlicher und günstiger geworden sind, erhöht sich der Lebensstandard eines jeden. Ein Anstieg des Geldangebotes kann dem entgegen nicht die natürlich gegebene Knappheit von Konsum- oder Kapitalgütern aufheben. Was ein Anstieg stattdessen bewirkt, ist, Dollar oder Franc billiger werden zu lassen, also die Kaufkraft in Bezug auf andere Güter und Dienstleistungen zu senken.

Sobald sich ein Gut auf dem Markt als „Geld“ durchgesetzt hat, übt es seine ganze Kraft als ein Tauschmedium oder als Instrument zur Kostenrechnung aus. Alles, was ein Anstieg der Dollargeldmenge bewirken kann, ist die Leistungsfähigkeit eines jeden Dollars, seine Kaufkraft, zu verwässern. Hieraus entsteht die eine große Wahrheit in der Geldtheorie: Sobald eine Ware in ausreichendem Maß vorhanden ist, um als Geld Verwendung zu finden, ist keine weitere Geldmengenausweitung mehr erforderlich. Jede Geldmenge in einer Gesellschaft ist „optimal“. Sobald ein Geld entstanden ist, hat eine Geldmengenausweitung keinen sozialen Zugewinn mehr.

War nun alle Goldförderung und -produktion vergebens, nachdem erst einmal Gold zu Geld wurde? Nein, denn ein höheres Goldangebot erlaubte es, Gold für nicht-monetäre Zwecke zu verwenden: Reichhaltigeren und kostengünstigeren Schmuck, Ornamente, Zahnfüllungen, etc. Für den Wirtschaftskreislauf wurde aber nicht mehr Gold als Geld benötigt. Geld nimmt daher eine einzigartige Stellung unter allen anderen Gütern und Dienstleistungen ein, da eine Ausweitung seines Angebotes weder vorteilhaft noch notwendig ist – ganz im Gegenteil verwässert eine solche Ausweitung den einzigartigen Nutzen des Geldes, ein geeignetes Tauschmittel zu sein.

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Aus „The Case Against the Fed“, Kapitel „What Is the Optimum Quantity of Money?“, Seite 18 – 20. Aus dem Englischen übersetzt von Arno Stöcker.

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Murray N. Rothbard wurde 1926 in New York geboren, wo er an der dortigen Universität Schüler von Ludwig von Mises wurde. Rothbard, der 1962 in seinem Werk Man, Economy, and State die Misesianische Theorie noch einmal grundlegend zusammenfasste, hat selbst diese letzte Aufgabe, die Mises dem Staat zubilligt, einer mehr als kritischen Überprüfung unterzogen.

 

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