„Star Trek“ irrt: Es wird immer Knappheit geben

30.10.2015 – von Jonathan Newman.

Jonathan Newman

Die jüngsten Erfolge und Ankündigungen von Science-Fiction Filmen und Fernsehserien wie Der Marsianer, Interstellar und Neuauflagen von Star Trek und Star Wars zeigen, wie sehr wir uns nach Futurismus sehnen und uns vorstellen, was mit neuen Technologien in der Zukunft alles möglich sein wird. Viele betrachten die Beispiele dieser fiktiven Welten als Hinweis darauf, wie das Leben sein könnte, wenn Technik all unsere Grundbedürfnisse erfüllen kann – ein Zustand, den manche als „Post-Knappheit“ bezeichnen.

Dieselben Leute verlangen nach dramatischen Staatseingriffen, um sicherzustellen, dass jeder über ein ausreichendes „Grundeinkommen“ verfügt, wenn nämlich Roboter und Automatisierung die komplette Produktion erledigen. Sie sagen, die „Post-Knappheits“-Bedingungen werden die Wirtschaft und sogar die Wirtschaftswissenschaften selbst komplett umkrempeln.

Aber Knappheit kann nie überwunden werden, da die grenzenlosen Bedürfnisse der Menschen stets die Mittel in diesem endlichen Universum übersteigen werden. Knappheit findet sich selbst in den Serien und Filmen, die angeblich Welten ohne Knappheit  zeigen.

Ein erstklassiges Beispiel für das, was mit „Post-Knappheit“ im Gegensatz zum hier und jetzt gemeint ist, wird in der Serie Star Trek: The Next Generation vorgestellt.

In der Schlussfolge der ersten Staffel trifft das Raumschiff „Enterprise“ auf ein im All treibendes „historisches““ Raumschiff. Lt. Commander Data und Sicherheitsoffizier Worf finden drei Menschen von der Erde, die seit 400 Jahren in kryonischen Kammern eingefroren sind. Dies bietet der Mannschaft des vierundzwanzigsten Jahrhunderts die Möglichkeit, mit Menschen aus der Zeit des Zuschauers zu interagieren.

Einer dieser Menschen des späten zwanzigsten Jahrhunderts, Ralph Offenhouse, war damit beschäftigt, die Kontrolle über etwas, von dem er sich großen Reichtum erhoffte, wiederzuerlangen – ein 400 Jahre altes Aktienportfolio. So war eines der ersten Dinge, um die er bat, nachdem er aufgetaut und wiederbelebt worden war, eine Ausgabe des Wall Street Journal.

Captain Picard informierte ihn: »In den letzten dreihundert Jahren hat sich einiges verändert. Die Leute beschäftigen sich nicht länger mit der Anhäufung von Dingen. Wir haben Hunger, Bedürfnisse und die Notwendigkeit von Besitztümern beseitigt. Wir sind unseren Kinderschuhen entwachsen.«

Die Serie zeichnet das marxistische Bild einer Menschheit, die Weltraumreisen möglich gemacht hat,  ausgestattet mit Nahrungsmittel-Replikatoren, Beam-Technologie und allerlei anderen technischen Hilfsmitteln, die selbst unser Bemühen um knappe Ressourcen im frühen einundzwanzigsten Jahrhundert zu einer Merkwürdigkeit degradiert haben.

In den Jahrhunderten, die zwischen der Mannschaft der Enterprise und ihren Besuchern aus der Zeitkapsel liegen, haben technologische Entwicklungen dazu geführt, dass die materiellen Bedürfnisse der Menschen im Überfluss erfüllt werden. In der Folge hat sich die Menschheit vom Kapitalismus und Handel  hin zum Sozialismus entwickelt, wie es Karl Marx in seiner Theorie der Geschichte vorausgesagt hat.

Die Ökonomie des Star Trek Universums ist das Thema eines in Kürze erscheinenden Buches namens Trekonomics von Manu Saadia. Saadia schlägt vor, Science-Fiction ernst zu nehmen und sich auf die „Post-Knappheits“-Bedingungen vorzubereiten:

Gute Science-Fiction wie Star Trek kann großen Spaß machen. Gleichzeitig ist sie jedoch todernst. Ihr Hauptzweck ist, den Wandel, der uns bevorsteht, zu erforschen. Was sind die wirtschaftlichen, sozialen und selbst psychologischen Folgen technologischer Entwicklungen? Was wird mit uns Menschen in einer Welt passieren, die von Automaten betrieben wird?

Noah Smith sagt Ähnliches voraus:

Das Enstehen neuer Technologie bedeutet, dass sich alle wirtschaftlichen Fragen ändern. Statt in einer von Knappheit bestimmten Welt werden wir in einer von Selbstverwirklichung bestimmten Welt leben. Wir werden entscheiden können, welche Art von Menschen wir sein wollen und welche Art von Leben wir leben wollen, ohne dass unser Umfeld dies für uns entscheidet. Die Star Trek-Utopie wird uns von den Fesseln der trostlosen Wissenschaft befreien.

Beide argumentieren, Märkte und Handel würden unnötig werden, wenn wir erst einmal die sogenannten „Post-Knappheits“-Bedingungen erreicht hätten. Selbst das Erforschen der Wirtschaft wird der Vergangenheit angehören, wie Videorekorder und Tonbandgeräte.

Knappheit ist eine Grundbedingung des physischen Universums

Zu unser aller Unglück wird die Knappheit allerdings nirgendwohin verschwinden. Und die einzige Art und Weise, die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse mit einer begrenzten Menge an Ressourcen zu maximieren, sind ungehinderte Märkte: Privateigentum und Preise. Knappheit ist eine Grundbedingung unseres Universums – wir sind durch die Gesetze der Physik und der Logik an sie gebunden.

Selbst im fiktiven Star Trek-Universum gibt es Knappheit, genau wie Selbsteigentum und Privateigentum. In genau der selben Folge haben Captain Picard und seine Mannschaft einen ernsten Zusammenstoß mit den Romulanern, die in den Weltraumbereich der Föderation eingedrungen sind. Beide Parteien ermitteln im Fall der Zerstörung einiger ihrer Außenposten in der „neutralen Zone“. Der Weltraum ist nicht nur die letzte Grenze, sonder offensichtlich besitzbar. Die romulanischen und Föderationsaußenposten sind ebenfalls knapp und im Besitz.

Als Ralph Offenhouse während dieses Zusammenstoßes die Hauptbrücke betrat, befahl Captain Picard seinen Sicherheitsoffizieren: »Entfernt ihn von meiner Brücke!«

Ein fiktives Universum ohne Knappheit ist überhaupt nicht vorstellbar. Es könnte keine Zeit, keinen Raum oder sonst irgendetwas geben, wodurch der Befriedigung unserer Bedürfnisse Grenzen gesetzt würden. Solch ein Universum wäre zeitlos, immateriell und würde alle Wünsche erfüllen. Es ist schwer, sich eine Fernsehserie in solch einem Universum vorzustellen, da es überhaupt keine Konflikte gäbe, die die Charaktere lösen müssten.

Was Manu Saadia und Noah Smith mit „Post-Knappheit“ meinen, ist lediglich, dass manche Dinge häufiger vorhanden sind als früher. Aber diese Zukunftsaussicht bedeutet nicht das Ende der Ökonomie, denn selbst heute sind manche Güter häufiger vorhanden als in der Vergangenheit.

In jedem Fall werden einzelne Menschen Entscheidungen über die Verwendung von knappen Ressourcen treffen. Wir mögen manche Dinge weniger knapp machen, aber die Knappheit an sich als Grundbedingung des Universums werden wir nie aufheben können.

Angenommen, die biologischen Bedürfnisse jeden Haushaltes auf der ganzen Welt wären im Überfluss befriedigt. Essen wird von Replikatoren wie auf der Enterprise zu Verfügung gestellt. Jeder hat mindestens so viel Wohnraum zur Verfügung, wie er sich wünscht. Supermedikamente und alle Gesundheitsdienstleistungen sind auf Knopfdruck im eigenen Haus verfügbar.

Die Überwindung der „Subsistenz“ ist nicht dasselbe wie die Überwindung der „Knappheit“

All dies bedeutet jedoch lediglich, dass die Menschen nun andere Ziele jenseits des Überlebens verfolgen können, wie Kunst, Unterhaltung, Lernen, oder einfach Entspannung. Unsere Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen endet nicht, wenn unser Konsum Subsistenzniveau erreicht hat. Dies trifft offensichtlich auf jeden zu, der die Mittel hat, diesen Artikel zu lesen.

Außerdem könnte es Nachfrage nach Essen und anderen Gütern geben, die ausdrücklich von Menschenhand gemacht sind, selbst wenn Roboter oder Replikatoren etwas identisches oder sogar überlegenes zu niedrigeren Kosten würden herstellen können. So etwas gibt es heutzutage bereits, und wir sind weit  entfernt vom Star Trek-Automatisierungsniveau.

Manchmal wollen wir uns sicher sein, dass etwas auf eine bestimmte Art und Weise hergestellt worden ist. Dies spiegelt sich wieder in der Nachfrage nach Gütern, die in einem bestimmten, üblicherweise arbeitsintensiven Prozess hergestellt worden sind. Handwerksmärkte sind keine Seltenheit, selbst wenn viele der Dinge, die dort angeboten werden, woanders aus Massenproduktion billiger zu haben sind.

Gegen Ende der Folge, als sich Ralph Offenhouse in einer existenziellen Krise befindet, fragt er Captain Picard, worin der Sinn des Lebens im vierundzwanzigsten Jahrhundert besteht, wenn nicht im „Anhäufen von Reichtum“:

Captain Jean-Luc Picard: »Materielle Bedürfnisse gibt es nicht mehr.«

Ralph Offenhouse: »Was ist dann die Herausforderung?«

Captain Jean-Luc Picard: »Die Herausforderung, Herr Offenhouse, besteht darin, sich selbst zu verbessern. Das eigene Selbst zu bereichern. Genießen Sie es.«

Dabei erkennt Picard nicht, dass man, um das eigene Selbst zu bereichern, selbst im Rahmen der Mission der Enterprise „fremde neue Welten zu entdecken, unbekannte Lebensformen und neue Zivilisationen zu suchen und in Galaxien vorzudringen, die nie zuvor ein Mensch gesehen hat“, knappe materielle Ressourcen wie Raumschiffe, Raumschiffbesatzungen, zu entdeckende Planeten, Kommunikatoren, Teleporter, Phaser und Warpantriebe benötigt.

Picard erkennt auch nicht, wie reich er ist. Reichtum ist die Fähigkeit, Ziele zu erreichen. Seine Position auf der Enterprise macht ihn extrem reich – er hat Replikatoren, das Holodeck (ein Landschaftssimulator) und sofortigen Zugang zu bester medizinischer Versorgung. Für jemanden, der die Anhäufung von Reichtum ablehnt, hat er eine ganze Menge davon angehäuft.

Auch wenn biologische Bedürfnisse im Überfluss erfüllt sein mögen – menschliche Wünsche sind zahlreicher als die Sterne. Deswegen ist Knappheit unvermeidbar, genauso wie Schwerkraft unvermeidbar ist, oder der kontinuierliche, vorwärts gerichtete Fluss der Zeit, um die Worte von Ludwig von Mises zu benutzen. Unser Ziel ist die optimale Verteilung dieser knappen Ressourcen, und nur ungehinderte Märkte können dies bewirken.

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Aus dem Englischen übersetzt von Florian Senne. Der Originalbeitrag mit dem Titel Star Trek Is Wrong: There Will Always Be Scarcity ist am 20.10.2015 auf der website des Mises-Institute, Auburn, US Alabama erschienen.

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Jonathan Newman war in den Jahren 2013, 2014, and 2015 Summer Fellow am Mises Institute und unterrichtet Volkswirtschaft an der Auburn University.

 

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