Griechenland und Europa brauchen Währungsfreiheit

3.8.2015 – von Patrick Barron.

Patrick Barron

Hinsichtlich der finanziellen Probleme Griechenlands hat es in letzter Zeit zahlreiche unwissenschaftliche Äußerungen gegeben, vor allem auch im Hinblick darauf, wie man diese Probleme lösen könnte. Im folgenden habe ich drei dieser Irrtümer aufgegriffen:

1. Der Euro ist eine zu starke Währung für Griechenland

Dieses Argument hört man gewöhnlich in Verbindung mit dem Hinweis auf die niedrigere Produktivität Griechenlands im Vergleich zu Ländern weiter im Norden der EU. Die Logik, die sich dahinter verbirgt, sagt also, der Euro sei keine geeignete Währung für Länder mit stark unterschiedlicher Produktivität. Dem folgt dann die Empfehlung, Griechenland solle den Euro verlassen und die Drachme wieder einführen. Die Griechische Notenbank könne dann einen sehr niedrigen Wechselkurs zwischen Drachme und Euro festsetzen, was griechische Produkte wettbewerbsfähiger machen würde.

Über die Irrtümer, die sich hinter diesen Überlegungen verbergen, ließe sich ein ganzes Semester füllen. Eine Währung ist ein indirektes Tauschmittel. Zwei Länder mit unterschiedlicher Produktivität können genauso das gleiche Tauschmittel verwenden, wie das zwei Personen tun können. Sie können den Nachbarsjungen beispielswiese ihren Rasen mähen lassen und ihn mit Dollars bezahlen, die sie in einem hochqualifizierten und hochdotierten Job verdienen. Sie können also beide Dollars verwenden. Es gibt keinen Grund, warum Griechen und Deutsche nicht die gleiche Währung verwenden können. Im Zeitalter des Goldstandards waren nationale Währungen in einem bestimmten Austauschverhältnis zu Gold definiert und in bar einlösbar; alle Länder verwendeten also die gleiche Währung: Gold.

2. Mithilfe einer Abwertung der Währung werden sich die griechischen Exporte erholen

Der zuvor beschriebene Irrglaube steht in engem Zusammenhang mit der Auffassung, die Abwertung der Währung würde durch die stimulierende Wirkung der Exporte der griechischen Wirtschaft auf die Beine helfen. Die Idee, die sich dahinter verbirgt, besteht darin, griechische Exporte billiger zu machen, sie dadurch zu steigern und damit die Konjunktur insgesamt anzukurbeln. Aber eine Währungsabwertung löst lediglich einen Transfer von Wohlstand innerhalb einer Währungszone aus. Durch den „Cantillon Effekt“ wissen wir, dass die Erstempfänger neu gedruckten Geldes begünstigt werden, weil sie Güter noch zu den gegenwärtigen Preisen kaufen können. Die Verlierer sind diejenigen, die erst in den Genuss des neuen Geldes kommen, wenn die Preise bereits angestiegen sind, Bezieher von Renten beispielsweise. Sie werden bemerken, dass sie sich nicht mehr so viel leisten können, aufgrund der Preissteigerungen, die eine unvermeidliche Folge der Geldmengenausweitung sind.

Letztlich werden auch die Exporteure merken, dass ihre Kosten steigen und sie werden eine weitere Abwertung der Währung fordern, um die Exporte zu stützen und Verluste zu vermeiden. Sie werden sich gezwungen sehen, aufgrund gestiegener Produktionskosten die Preise in lokaler Währung anzuheben. Um Umsatzverluste zu vermeiden, benötigen sie immer mehr ausländische Käufer. Denn um die Exportpreise für ausländische Kunden nicht erhöhen zu müssen, benötigen sie mehr Erlöse, um die gestiegenen Produktionskosten auszugleichen. Diese Politik verdeckt nur die wirklichen Probleme. Die Währung ist daran nicht schuld.

3. Die Einführung einer eigenen Währung versetzt eine Regierung in die Lage, unpopuläre Ausgabenkürzungen zu vermeiden

Man könnte auch sagen: Währungsabwertung ist eine Möglichkeit, dem „gefürchteten Austeritätsmonster“ aus dem Weg zu gehen. Regierungen wollen den Menschen glauben machen, dass es genug Ressourcen gibt, die man den Vermögenden nehmen kann und sich dann jegliche Armut lindern lässt. Es wird unterstellt, dass sich die Reichen in schändlicher Weise dem Vermögen der Menschen bemächtigt haben und man es nur auf sozialistische Art und Weise umzuverteilen braucht, schon ist genug für alle da. Dieser sozialistische „Genug für alle“-Slogan existiert schon lange Zeit, doch der Beweis, dass sich so Armut lindern lässt, steht immer noch aus.

Die Griechen (und Europa) brauchen Währungsfreiheit

Zusammenfassen lässt sich sagen, dass zu viele der Kommentare zur Griechenlandkrise sich damit beschäftigt haben, ob Griechenland den Euro verlassen sollte oder nicht und zu wenige davon mit den strukturellen Problemen des Landes, die ihren Ursprung in jahrzehntelangem Sozialismus haben. Die griechische Regierung hat sich mehr Geld geliehen, als das griechische Volk unter Umständen zurückzahlen kann. Eine Währungsabwertung wird diese Tatsache nicht verschwinden lassen, im Gegenteil, sie würde noch mehr Schaden verursachen.

Es ist bezeichnend, dass die Griechen in Umfrage nach Umfrage zeigen, dass – obwohl sie sich nicht nach Austerität sehnen – sie auch den Euro nicht aufgeben wollen. Sie wissen, dass dieser Schritt der Regierung die Möglichkeit verschaffen würde, das bisschen Wohlstand, das noch verblieben ist, auch noch zu zerstören. Die Griechen betrachten den Euro, trotz seiner Fehler, einer wieder eingeführten Drachme gegenüber als überlegen an.

Die beste Möglichkeit für Griechenland wäre es jetzt, Zahlkraftgesetze abzuschaffen, was es den Griechen erlauben würde, in der Währung Handel zu betreiben, die ihnen am meisten geeignet erscheint. Möglicherweise sähe sich die griechische Regierung auch gezwungen, in Bezug auf ihre Euro-Verbindlichkeiten die Pleite zu erklären. Es ist schwer vorstellbar, was ein weiterer Bailout bewirken soll. Und es ist ebenso schwer vorstellbar, was es bewirken soll, wenn man die griechische Bevölkerung unter das Joch höherer Steuern einspannt.

Die griechische Regierung selbst reagierte rational auf die Struktur der EU und der Währungsunion. Sie verschaffte sich von willigen Darlehensgebern umfangreiche Mittel zu niedrigen Zinsen. Sie akzeptierte all die neu gedruckten Euros, die aus all den verschiedenen Töpfen dieser brüchigen Organisationen so bereitwillig zur Verfügung gestellt wurden. Es ist nicht das einzige Land, das so handelt, lediglich das erste, bei dem die Folgen der fehlerhaften Konstruktion der EU sichtbar werden. Es werden weitere kommen und die schädlichen Folgen werden sich verschlimmern. Nun ist es wichtig, dass Europa endlich aufhört, seinen Kapitalstock zu zerstören, indem man einen sozialistischen Traum verfolgt, der bereits zu einem Albtraum geworden ist.

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Aus dem Englischen übersetzt von Andreas Marquart.

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Patrick Barron ist selbständiger Berater im Finanzwesen. Er lehrt an der Graduate School of Banking an der Universität Wisconsin, Madison. Außerdem unterrichtet er die “Österreichische Schule der Nationalökonomie” an der Universität Iowa, Iowa City. Seine Website ist: http://patrickbarron.blogspot.de/

 

 

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