„Wir haben uns mit sehr viel neuen Krediten nur ein wenig Zeit erkauft.“

19.8.2013 – Interview mit Daniel D. Eckert zu seinem kürzlich erschienenen Buch „Alles Gold der Welt: Die Alternative zu unserem maroden Geldsystem“.

Herr Eckert, folgende oder ähnliche Äußerungen wurden Ihnen gegenüber bei Veröffentlichung Ihres neuen Buches „Alles Gold der Welt“ sicher gemacht, oder? „Der Goldpreis fällt jetzt seit zwei Jahren, obwohl die Finanz- und speziell die Eurokrise noch immer nicht gelöst ist. Gold hat in den letzten Monaten doch bewiesen, dass es seinen Nimbus als Krisenmetall verloren hat.“

Daniel D. Eckert

Gold ist sicher auch, aber keineswegs nur ein Krisenmetall. Daher halte ich es für falsch, immer darauf zu starren, was der Goldpreis in verschiedenen Phasen der Krise macht. Dass die Schuldenkrise im Kern ungelöst ist, daran kann meines Erachtens kein Zweifel bestehen. Wir haben uns mit sehr viel neuen Krediten nur ein wenig Zeit erkauft. Ebenso wie die Krise der Zwanzigerjahre kennt diese Krise Phasen von Ebbe und Flut. Sich auf das Auf und Ab beim Unzenpreis zu fixieren, geht daher am Wesentlichen vorbei. Wir müssen eine grundlegende Währungsdebatte führen! Davon abgesehen erlaube ich mir den Hinweis, dass die Unze immer noch dreimal so hoch steht wie vor zehn Jahren.

Aber jetzt im Ernst: was hat Sie veranlasst, ein Buch über einen neuen Goldstandard zu schreiben?

Es geht mir darum, etwas ganz Wesentliches in Erinnerung zu rufen: Die Manipulation unseres Geldes, wie wir sie erleben, ist kein unentrinnbares Schicksal.  Es lässt sich sehr wohl ein Geld vorstellen, dass nicht beliebig inflationiert werden kann, dessen Wert nicht hinterrücks ausgehöhlt wird. Der klassische Goldstandard Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts kannte ein solches Geld. Das war damals keine perfekte Währungsordnung. Aber wir können von seinen Stärken ebenso lernen wie von seinen Schwächen. Eine Zeitlang ist so getan worden, als habe der Goldstandard irreparable Konstruktionsfehler. Das ist aber nicht der Fall. Unser heutiges Geldsystem ist weit davon entfernt, perfekt zu sein. Und die Richtung, in die es sich mit all den Tricksereien der Fed und der EZB entwickelt, ist alles andere als das, was einer freien Bürgergesellschaft entspricht. Finanzpolitisch waren die Jahre 1870 bis 1914 viel liberaler als unsere Zeit. Daher ist der Goldstandard heute einen Blick wert. Die Geldgeschichte kennen lohnt sich, mehr denn je.

Sie plädieren dafür, Gold als Parallelwährung einzuführen und als Zahlungsmittel zuzulassen. Könnte das nicht auch schlagartig das Ende des Euro bedeuten?

Ja, das mag sich mancher wünschen. Anderen wiederum dürfte die Vorstellung, dass der Euro mit einem lauten Krach verschwindet, Gänsehaut verursachen. Doch es ist sehr unwahrscheinlich, dass die europäische Währung in sich zusammenfällt, nur wenn wir Gold als zweite Währung zulassen.  Dafür sind die Beharrungskräfte schlicht zu groß. Die EU-Eliten haben seit Jahrzehnten viel Energie darauf verwendet, das gemeinsame Geld auf den Weg zu bringen. Sie werden sich darum kümmern, dass es weiter existiert und das mit nennenswerten Privilegien. Ich rechne zwar damit, dass eine wachsende Zahl von Bürgern zur Zahlung mit Gold übergeht, aber da der Staat bei uns der größte wirtschaftliche Akteur ist, wird uns der Euro noch einige Zeit erhalten bleiben. Zugleich bin ich davon überzeugt, dass der Euro an Qualität gewinnt, wenn wir eine Parallelwährung haben. Denn im Vergleich mit dem nicht beliebig vermehrbaren Geld werden Schweinereien, die die Notenbanker mit dem Euro machen, schneller offenbar. Das ist das Schöne am Währungswettbewerb!

Wofür bräuchten wir in einem wirklichen Währungswettbewerb denn noch „Notenbanker“?

Sie haben schon recht: In einem echten Währungswettbewerb sind Notenbanker nicht mehr erforderlich. Der Kurs der Währungen zueinander bestimmt sich durch Angebot und Nachfrage. Allerdings sind wir von einem solchen Zustand realistisch betrachtet doch ein gutes Stück entfernt. Mit meinem Vorschlag einer Parallelwährung Gold gehe ich nicht ganz so weit. Der Euro bleibt darin als Fiat-Geld erhalten und muss als solches gemanagt werden. Meine Erfahrung sagt mir zudem, dass es eine starke Lobby gegen Kursschwankungen geben wird, sodass die Politik auch hier ein gewisses Management fordern könnte. Das gilt umso mehr, wenn unser Parallelgeld Gold einen Platz im internationalen Währungssystem eingeräumt bekommt. Regierungen wollen Kontrolle haben.

Wie würden sich Ihrer Einschätzung nach die Euro-Zinsen entwickeln, wenn Gold als Parallel-Währung eingeführt würde?

Wenn wir von der Idee eines freien Marktes ausgehen, müsste sich die EZB gezwungen sehen, die Euro-Zinsen zu erhöhen, sobald wir eine Parallelwährung Gold einführen. Denn der Euro hätte in dem Edelmetall eine starke Konkurrenz und müsste, um seinerseits attraktiv zu bleiben, besser verzinst werden. Diese Zusammenhänge sehen wir auch beim Tauziehen von Euro und Dollar auf den Devisenmärkten. So gesehen würde der EZB die Manipulation des Geldmarktes durch eine Parallelwährung deutlich erschwert. Zinsen sind eine Entschädigung dafür, dass der Sparer die Verfügungsgewalt über sein Geld abgibt, in der Regel an eine Bank. In der Vergangenheit konnten Anleger damit die Inflation ausgleichen, die aus dem Papiergeldstandard resultiert. Zuletzt gab es diesen Ausgleich aber aus politischen Gründen nicht mehr. Konsum belohnen, Sparen bestrafen – das war das unausgesprochene Ziel. Setzt die EZB die Manipulation des Geldmarkts trotz der Währungswettbewerbs durch Gold fort, wird das den Kurs des Euro gegenüber Gold schwächen. Aber vielleicht will die Zentralbank genau das. Für die Nutzer der Goldwährung würde das heißen: der Goldpreis legt im Verhältnis zum Euro zu.

Um dann das Gold der Bürger einzukassieren? Droht da ein déjà vu à la Roosevelt?

Ohne Zweifel kann der Staat versuchen, Gold als Parallelwährung zu unterdrücken, zu behindern oder am Ende gar zu verbieten. Die Macht dazu hat er. Beim Silber sehen wir schon erste Restriktionen. Das weiße Metall wird für die Nutzung durch Privatleute zwar nicht verboten, aber ab 2014 unterliegen in Deutschland auch Silbermünzen der hohen Mehrwertsteuer von 19 Prozent. Bisher gilt für Silbermünzen der reduzierte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent, eben wegen des partiellen Geldcharakters dieser Münzen. Beim Gold sind im Moment keine derartigen Bestrebungen bekannt. Es wäre höchst entlarvend, wenn die Regierung mit der Verbots- oder Regulierungskeule auf Gold losgeht. Nebenbei erwähnt sind die Sammlermünzen der Bundesrepublik aus Gold und Silber offizielles Zahlungsmittel in Deutschland. Wir haben also schon eine Edelmetall-Währung, wenngleich nur in bescheidenem Umfang. Generell gilt: In einer freien Bürgergesellschaft sollten auch die Märkte frei sein. Wir müssen aber damit rechnen, dass bestimmte politische Kräfte einen Vorwand finden wollen, um ein freies Marktgeld Gold zu behindern. Ich vertraue darauf, dass die Zivilgesellschaft sich dagegen wehrt. Zum Glück organisieren sich die Freunde von Währungswettbewerb immer besser, nicht zuletzt über interaktive Medien wie Twitter und Facebook.

Die Bürger könnten von der Notwendigkeit eines freien Marktgeldes sicher leichter überzeugt werden, wüssten sie, dass die meisten von ihnen Verlierer im gegenwärtigen Spiel sind. Gibt es da nicht noch sehr viel Aufklärungsarbeit zu leisten?

Das stimmt. Für die allermeisten Bürger ist die Inflation eine stille Enteignung. Selbst bei moderaten Teuerungsraten von zwei Prozent im Jahr ist nach fünf Jahren fast ein Zehntel der Kaufkraft dessen weg, was sie angespart haben. Das betrifft die einfachen Anleger mit Geld auf dem Tagesgeld. Inhaber großer Vermögen haben es leichter, weil ihnen die Kapital- und Immobilienmärkte Gelegenheiten bieten, die Inflation zu umgehen. Aber auch bei den einfachen Sparern hält sich der Aufschrei in Grenzen, eben weil der Prozess so schleichend und unmerklich ist. Anders sieht es nur bei einem inflationären Schub aus, wenn die Preise schlagartig nach oben schnellen. Bisher haben es Notenbanken und Behörden gut verstanden, die Bevölkerung einzulullen. Aber wir arbeiten daran, die Zusammenhänge zu erklären. Monopolgeld heißt eben, wohl oder übel von den Handlungen der Zentralbanker abhängig zu sein. Wenn das in den Köpfen ankommt, ist schon viel gewonnen.

Wäre das nicht ein gutes Thema für Ihr nächstes Buch – „Das Papiergeldsystem, für jeden verständlich erklärt“?

Henry Ford wird ja mit dem Satz zitiert „Würden die Menschen verstehen, wie unser Geldsystem funktioniert, hätten wir noch vor morgen früh eine Revolution.“ So weit würde ich nicht gehen, Tatsache ist aber: Unser Papiergeldsystem ist darauf ausgelegt, dass die Bürger nicht allzu intensiv drüber nachdenken, zum Beispiel darüber dass die Banken immer viel, viel mehr Geld verleihen, als bei ihnen deponiert ist. Das Papiergeld-System hat den Kredit und immer weiter verlängerten Kredit zum Prinzip erhoben. Eine Gesellschaft kann so aber auf Dauer nicht funktionieren. Denn wir sind, fast wie in einem Schneeballsystem, zu permanentem Wachstum verdammt – oder zum Zusammenbruch. Leider ist das Wissen über unser Geldsystem in der Breite der Bevölkerung rudimentär. In der Schule wird es ja nicht mal in Grundzügen gelehrt. Und auch in den Medien traut sich kaum jemand, die ganze Wahrheit auszusprechen. Das Papiergeldsystem als lehrreiche Gruselgeschichte. Ja, das wäre noch was!

„Das Papiergeldsystem als lehrreiche Gruselgeschichte“ – guter Schlusssatz. Vielen Dank Herr Eckert.

Das Interview wurde im August 2013 per e-mail geführt. Die Fragen stellte Andreas Marquart.

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Daniel D. Eckert, Jahrgang 1970, ist Wirtschaftsjournalist bei der „Welt“ und Welt am Sonntag. Schon in jungen Jahren faszinierte ihn das Konzept der Freiheit. Hayeks „The Road To Serfdom“ gehört zu den ersten Büchern, die er gelesen hat. Seit den Neunzigerjahren betrachtet Eckert mit wachsender Sorge, wie das Geldsystem politisiert und sozialstaatlich überfrachtet wird. Übersteigerte Verschuldung ist aus seiner Sicht komprimierte Unfreiheit. In seinem ersten Buch „Weltkrieg der Währungen“ (Neuauflage 2012) deckt er die Manipulationen der Fiat-Money-Währungen durch die Regierungen auf. Das Buch war zum Deutschen Wirtschaftsbuchpreis nominiert und wurde in mehrere Sprachen, unter anderem ins Chinesische, übersetzt. Daniel D. Eckert arbeitete bei einer Bank und studierte Geschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin und der Johns Hopkins University in Baltimore. Er lebt er Berlin und hält Bildung für das beste Investment von allen.

 

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