Javier Mileis wegweisende Rede in Davos: Kapitalismus ist nicht das Problem, sondern die Lösung

Rainer Zitelmann

19. Januar 2024 – von Rainer Zitelmann

Der Argentinische Präsident Javier Milei hat am 17. Januar auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos eine bemerkenswerte Rede gehalten. Der Historiker Rainer Zitelmann hat einige der wichtigsten und bedeutendsten Passagen habe ich zusammengetragen und kommentiert.

These 1: Kapitalismus ist das beste und einzige Rezept gegen Armut

Milei beginnt mit einem historischen Rückblick und verdeutlicht, dass erst der Kapitalismus, der vor etwa 200 Jahren entstand, einem Großteil der Menschen auf der Welt die Chance gab, der Armut zu entkommen.

Milei: … wenn man sich das Pro-Kopf-BIP [Bruttoinlandsprodukt] seit dem Jahr 1800 und bis heute ansieht, wird man feststellen, dass sich das weltweite Pro-Kopf-BIP nach der industriellen Revolution mehr als verfünfzehnfacht hat. Das bedeutete einen Wachstumsboom, der 90 % der Weltbevölkerung aus der Armut befreite. Wir sollten uns daran erinnern, dass im Jahr 1800 etwa 95 % der Weltbevölkerung in extremer Armut lebten und diese Zahl bis zum Jahr 2020, also vor der Pandemie, auf 5 % sank. Die Schlussfolgerung ist offensichtlich. Kapitalismus und freier Handel sind nicht die Ursache unserer Probleme, sondern das einzige Instrument, das wir haben, um Hunger, Armut und extreme Armut auf unserem Planeten zu beenden.

Miliei hat Recht: Vor Beginn des Kapitalismus lebten 90 Prozent der Menschen in extremer Armut. Heute sind es laut Weltbank-Zahlen nur noch 8,5 Prozent. Und der größte Rückgang erfolgte in den vergangenen Jahrzehnten!

These 2: Gegen „soziale Gerechtigkeit“ und Nullsummenglauben

Milei macht klar, dass Umverteilung nicht der Weg ist, um soziale Probleme zu lösen, sondern neue Probleme kreiert. Antikapitalisten sind Anhänger des Nullsummenglaubens – sie glauben, ein bestehender Kuchen sei zu verteilen, während es tatsächlich darum geht, den Kuchen zu vergrößern.

Milei: Das Problem ist, dass soziale Gerechtigkeit nicht gerecht ist und auch nicht zum allgemeinen Wohlstand beiträgt. … Diejenigen, die sich für soziale Gerechtigkeit einsetzen, gehen von der Vorstellung aus, dass die gesamte Wirtschaft ein Kuchen sei, der unterschiedlich aufgeteilt werden kann. Aber dieser Kuchen ist nicht unveränderlich. Es handelt sich um Wohlstand, der in einem Prozess entsteht, den Israel Kirzner als Marktentdeckungsverfahren bezeichnet. Wenn die von einem Unternehmen angebotenen Waren oder Dienstleistungen nicht gefragt sind, wird das Unternehmen scheitern, es sei denn, es passt sich den Anforderungen des Marktes an. Wenn sie ein qualitativ hochwertiges Produkt zu einem attraktiven Preis herstellen, werden sie erfolgreich sein und mehr produzieren. Der Markt ist also ein Entdeckungsprozess, bei dem die Kapitalisten im Laufe der Zeit den richtigen Weg finden werden.

These 3: Sozialismus hat nie das Leben der Menschen verbessert, aber 100 Millionen Tote auf dem Gewissen

Sozialismus wurde in so vielen Varianten probiert – in der Sowjetunion anders als in Jugoslawien, in der DDR anders als in Polen, in China und Albanien anders als in Rumänien, in Venezuela anders als in Nordkorea – aber hat nirgends das Leben der Menschen verbessert. Über 100 Millionen Menschen starben als Folge sozialistischer Experimente, allein 45 Millionen Chinesen 1958 bis 1962 beim größten sozialistischen Experiment der Menschheitsgeschichte, Maos „Großem Sprung nach vorne“.

Milei: Man sollte nie vergessen, dass der Sozialismus immer und überall ein Verarmungsphänomen ist, das in allen Ländern, in denen es ausprobiert wurde, gescheitert ist. Er ist wirtschaftlich, sozial und kulturell gescheitert und hat außerdem über 100 Millionen Menschen umgebracht.

These 4: Der Westen ist bedroht vom modernen Sozialismus

Die wichtigste These ist die vierte: Der Westen ist bedroht vom Sozialismus. Miliei setzt sich mit dem Einwand auseinander, dass es ja heute nicht – wie beim klassischen Sozialismus – um die Verstaatlichung der Produktionsmittel geht. Dies ist, so seine Einsicht, heute nicht mehr notwendig. Durch staatliche Interventionen, massive Regulierungen, Besteuerung und durch die Politik der Zentralbanken wird der freie Markt mehr und mehr erstickt. Die Produktionsmittel oder Immobilien bleiben formell Privateigentum, aber es bleibt nurmehr der formelle Rechtstitel, denn der vermeintliche Eigentümer verliert zunehmend die ökonomische Verfügungsgewalt, weil der Staat ihm befiehlt, was er damit zu tun hat (und was nicht).

Milei: Ich weiß, dass es für viele lächerlich klingen mag, zu behaupten, der Westen habe sich dem Sozialismus zugewandt, aber es ist nur lächerlich, wenn man sich auf die traditionelle wirtschaftliche Definition des Sozialismus beschränkt, die besagt, dass es sich um ein Wirtschaftssystem handelt, in dem der Staat die Produktionsmittel besitzt. Diese Definition sollte meines Erachtens im Lichte der heutigen Gegebenheiten aktualisiert werden. Heutzutage muss der Staat die Produktionsmittel nicht mehr direkt kontrollieren, um jeden Aspekt des Lebens des Einzelnen zu steuern. Mit Instrumenten wie dem Drucken von Geld, Schulden, Subventionen, der Kontrolle des Zinssatzes, Preiskontrollen und Vorschriften zur Korrektur des so genannten Marktversagens können sie das Leben und das Schicksal von Millionen von Menschen kontrollieren.

 These 5: Unternehmer sollen beginnen, sich zu wehren

Milei endet mit einem Appell an die Unternehmer, die sich zu oft opportunistisch an den Zeitgeist und an die politisch Mächtigen anpassen. Sie sollen sich nicht mehr von der politischen Kaste einschüchtern lassen, sondern stolz sein und beginnen, sich zu wehren. Und einer seiner letzten Sätze lautet: Der Staat ist nicht die Lösung, der Staat ist das Problem. Ich möchte es so formulieren: Kapitalismus ist nicht das Problem, sondern die Lösung. Ich bin stolz, dass Milei mein Buch mit diesem Titel gelesen hat.

Milei: Abschließend möchte ich daher eine Botschaft an alle Geschäftsleute hier und an diejenigen richten, die nicht persönlich anwesend sind, sondern aus der ganzen Welt folgen. Lasst euch nicht einschüchtern, weder von der politischen Kaste noch von Parasiten, die vom Staat leben. Ergeben Sie sich nicht einer politischen Klasse, die nur an der Macht bleiben und ihre Privilegien behalten will. Ihr seid soziale Wohltäter, ihr seid Helden, ihr seid die Schöpfer der außergewöhnlichsten Wohlstandsperiode, die wir je erlebt haben. Lasst euch von niemandem sagen, dass euer Ehrgeiz unmoralisch ist. Wenn ihr Geld verdient, dann deshalb, weil ihr ein besseres Produkt zu einem besseren Preis anbietet und damit zum allgemeinen Wohlstand beitragt. Ergeben Sie sich nicht dem Vormarsch des Staates. Der Staat ist nicht die Lösung. Der Staat ist das Problem selbst.

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Das Transkript der Rede Javier Mileis in englischer Sprache finden Sie HIER.

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Dr. Dr. Rainer Zitelmann ist promovierter Historiker und Soziologe. Er ist Autor der Bücher „Die zehn Irrtümer der Antikapitalisten“ und „Kapitalismus ist nicht das Problem, sondern die Lösung“.

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Hinweis: Die Inhalte der Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Ludwig von Mises Instituts Deutschland wieder.

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