Ein System mit „Gutem Geld“ würde jeder verstehen!

29.3.2013 – von Patrick Barron.

Patrick Barron

Es erfordert einen hohen Zeitaufwand, das herrschende Papiergeldsystem in seiner Funktionsweise zu verstehen. Es gilt, das Teilreserve-System der Banken und dessen Einfluss auf die Geldmenge zu begreifen. Und man muss den Prozess verstehen, in dem das Bankensystem Geld aus dem Nichts schafft.

Darüber hinaus ist es notwendig, die Geschäfte und Aktionen der Notenbanken zu verstehen. Auf internationaler Ebene muss man erkennen, wie die Schwankungen der Wechselkurse zustande kommen, wie sie von den Notenbanken manipuliert werden und welchen Einfluss dies auf die einzelnen Volkswirtschaften hat; was ist besser für ein Land? Die eigene Währung abzuwerten oder eher aufwerten zu lassen?

Politiker, die man im Hinblick auf volkswirtschaftliche Angelegenheiten als Analphabeten bezeichnen könnte, habe solche Themen noch nie begriffen. Und so kommt es, dass die Geldpolitik davon abhängt, welche Interessensgruppen gerade größeren Einfluss auf die Regierung, teilweise auch auf die Notenbanken, ausüben.

So einfach, dass es sogar ein Kind verstehen kann

In einem System mit gutem Geld gäbe es solche Fragestellungen überhaupt nicht, es wäre weit weniger kompliziert. In einem gesunden Geldsystem wäre Geld eine Ware oder ein Rohstoff (nehmen wir für unseren Fall „Gold“) und nahezu jeder wäre in der Lage, die Funktionsweise dieses Geldsystems zu verstehen. Egel ob eine einzelne Person, eine Familie, ein Unternehmen oder ein Staat: entweder hat man Geld oder man hat eben keines. Genauso einfach ist es. Sogar Kinder zeigen Verständnis für die Natur des Geldes. Ein Kind lernt schnell, dass Dinge, die es sich wünscht, Geld kosten und entweder es hat Geld oder es hat keines. Wenn es keines hat, erkennt es wiederum sehr schnell, dass es Wege gibt, um an Geld heranzukommen – beispielsweise könnte es seine Eltern um eine Erhöhung des Taschengeldes bitten. Oder es könnte sich etwas hinzuverdienen, indem es Arbeiten im Haushalt, für Freunde oder Nachbarn erledigt. Das Kind könnte sich das Geld für größere Wünsche sogar von den Eltern leihen und versprechen, das Geld mit seinem künftigen Taschengeld oder durch Mithilfe im Haushalt zurückzuzahlen. Die Eltern können diesen „Darlehensantrag“ relativ leicht beurteilen, indem sie einschätzen, ob das Taschengeld oder die Hausarbeiten hierfür ausreichen werden.

Gibt es einen Unterschied, wenn man diese Annahmen nun auf Erwachsene, Firmen oder Staaten überträgt? In einem guten Geldsystem gäbe es keinen Unterschied: Privatpersonen verdienen Geld und verwenden es für ihre Familie; um ein Haus oder neues Auto zu kaufen, können sie ein Darlehen aufnehmen. Der Darlehensgeber wird prüfen, ob das Einkommen ausreicht, dieses Darlehen zurückzuzahlen. Wenn die Familie in finanzielle Schwierigkeiten kommt, können sie Angehörige oder eine Wohlfahrtorganisation um Unterstützung bitten. Unternehmen haben dagegen mehr Möglichkeiten, um an Kapital für ihre Investitionen zu gelangen. Aktionäre statten die Firma mit einem Grundkapital aus. Danach, wenn die Erträge nicht ausreichen, um geplante Investitionen zu tätigen, können Firmen Darlehen aufnehmen und Forderungen und Inventar als Sicherheiten anbieten.

So einfach, sogar ein Politiker würde es verstehen

Die Finanzierung eines Staatshaushaltes weist in einem gesunden Geldsystem leichte Unterschiede gegenüber einem Privathaushalt oder einem Unternehmen auf. Denn was ausgegeben wird, muss mittels Steuern eingenommen werden. Wenn ein Staat unter einem Haushaltsdefizit leidet, können die Ausgaben gekürzt werden, die Regierung könnte versuchen, die Steuern zu erhöhen oder sich das Geld leihen. In einem gesunden Geldsystem gibt es allerdings eine Grenze, bis zu der sich ein Staat verschulden kann, weil nämlich die Darlehen mit künftigen Steuern zurückgezahlt werden müssen. Wenn die Marktteilnehmer befürchten, dass dies nicht gelingt, würde die Bonität des Landes darunter leiden und die Zinslasten würden steigen, im schlimmsten Fall so hoch, dass diese Nation keinen Zugang mehr zu den Kapitalmärkten hätte. Aber das wäre ja gerade von Vorteil! Die Märkte würden nämlich Disziplin einfordern, dass es sogar ein Politiker verstehen würde! Hätten wir gutes Geld, man bräuchte nicht einmal eine spezielle Ausbildung, um das Geldsystem zu verstehen.

Gehen wir einen Schritt weiter: auch die Funktionsweise des Geldsystems auf internationaler Ebene würde in einem gesunden Geldsystem jedermann nachvollziehen können. Die nationale Währung wäre einfach an eine bestimmte Menge Gold gebunden. Ein US-Dollar könnte beispielsweise an 1/35stel einer Unze Gold und ein Britisches Pfund an ein Siebtel einer Unze Gold gebunden sein. Die Wechselkurse erhielten so ein bestimmtes Verhältnis zueinander und könnten nicht schwanken. So würde ein US-Bürger, der in England Waren kauft, seine Dollars in Britische Pfund tauschen und zwar im Verhältnis 5:1 – anders ausgedrückt: 1/7 Unze Gold (je Britisches Pfund) dividiert durch 1/35stel Unze Gold (je US-Dollar) entspricht fünf Dollar je Pfund. Über das Bankensystem würde der Englische Exporteur Gold vom Dollar-Emittenten fordern – auf der Basis 35 US-Dollar je Unze Gold, egal ob von einer Notenbank oder einer privaten Bank. Wenn eine Währung lediglich ein Substitut für Gold ist, ist die Sachlage ganz einfach: entweder der Emittent hat das Gold oder er hat es nicht.

Geldproduzenten würden Zivil- und Strafrecht unterliegen

Wenn eine Nation sich bei ihren Importen übernimmt, würden die Goldreserven schwinden. Geld, das zu 100 Prozent mit Gold gedeckt ist, wird dann im Inland knapp. Die Inlandspreise fallen und führen zu einer gesteigerten Güternachfrage aus dem Ausland. Der Abfluss von Gold verringert sich und kehrt sich um. Dies entspricht der klassischen Lehre der „Currency School“. Geschäftsbanken präsentieren sich gegenseitig Tag für Tag Forderungen zum Ausgleich und genauso würde es auch bei goldgedeckten Währungen funktionieren. Wenn eine Bank mehr (Lager)Scheine ausstellen würde, als sie Gold zum vereinbarten Verhältnis einlösen kann, wäre das Betrug. Die verantwortlichen Angestellten und Direktoren könnten von denen, die diese (Lager)Scheine akzeptieren und dadurch Verluste erleiden, vor Gericht gebracht werden. Darüber hinaus könnten diese Angestellten und Direktoren wegen Betrugs strafrechtlich belangt werden. Anders formuliert, das Bankgeschäft würden dem Zivilrecht und die Bankangestellten und -direktoren würden dem Strafrecht unterliegen.

Gutes Geld verdrängt Schlechtes Geld

In einem marktwirtschaftlichen Geldsystem würden die Emittenten schlechten Geldes vom Markt verdrängt. Und, sie würden Verluste erleiden: sie würden ihr Vermögen verlieren und, falls sie betrügerisch gehandelt haben, auch ihre Freiheit. Das wäre Abschreckung für Kriminelle und würde ehrliche Geldemittenten anziehen. Geld wäre mit einer Art verbürgter Verwahrung vergleichbar; dem Verwahren von Eigentum von jemand anderem, das auf Verlangen zurückgegeben werden muss. Überall um uns herum gibt es vergleichbare Situationen, in denen wir Wertgegenstände uns völlig fremden Menschen überlassen. Wir überlassen unsere Autos dem Parkservice in Parkhäusern, unsere Kleidung der Reinigung in der Nachbarschaft. Unseren Mantel geben wir an der Garderobe ab, unser Gepäck geben wir den Fluggesellschaften und Handelsware vertrauen wir Transportunternehmen an. In jedem dieser Fälle gehen wir davon aus, dass wir unser Eigentum wieder zurückbekommen. Und in den allermeisten Fällen geschieht dies auch! Wenn nicht, dann löst sich das Vertrauen der Menschen in die betreffenden Dienste in Luft auf und sie verschwinden vom Markt. Genauso würden Geldemittenten gedeihen, wenn die Menschen deren Integrität vertrauen. Sie würde sogar noch erhöht, wenn diese Emittenten regelmäßig geprüft würden, ob die ausgegebenen (Lager)Scheine auch wirklich zu 100 Prozent gedeckt sind. Wie sehr würde sich dieses System vom gegenwärtigen unterscheiden, in dem die Amerikanische Notenbank keine Überprüfung ihrer Goldreserven zulässt, nicht einmal Überprüfung der Goldreserven, die für andere Notenbanken verwahrt werden! Es ist völlig klar, das eine solche Geschäftspolitik in einem marktwirtschaftlichen Geldsystem die amerikanische Notenbank aus dem Markt drängen würde, weil sie das Vertrauen verlieren würde. Auch wenn die Amerikanische Notenbank ihre Banknoten mit den vorhandenen Goldreserven decken würde – in einem völlig freien Markt, in dem private Banken ihre eigenen goldgedeckten (Lager)Scheine emittieren könnten – würde die Amerikanische Notenbank unter ihrer Historie leiden, einer Historie der unverhohlenen Abwertung der Währung und der Intransparenz ihrer Handlungen. Der Markt würde das Geld geachteter Privatbanken bevorzugen, deren Handlungen transparent sind und die sich dem Urteil von ebenfalls geachteten, unabhängigen Wirtschaftsprüfern unterwerfen.

Schlussfolgerung

In einem Umfeld guten Geldes würde jedermann das Geldsystem verstehen. Geld verhält sich wie jede andere begehrte Ware, mit der Ausnahme, dass es nicht konsumiert wird. Es ist ein Mittel des indirekten Tausches, das als Tauschmittel akzeptiert wird, um es später für einen weiteren Tausch zu verwenden. Das ist leicht zu verstehen, für ein Kind, für Eltern, für Unternehmen oder einen Staat. Entweder man hat Geld oder man hat keines. Geld kann in Form von Geldsubstituten existieren, wie eine Bürgschaft, auf Basis derer man jederzeit die Herausgabe des wirklichen Geldes fordern kann – Gold. Geldemittenten sind verpflichtet, eine einhundertprozentige Deckung ihrer Geldsubstitute zu unterhalten, um Zivil- und Strafrecht gerecht zu werden. Es würden keine gesonderten Behörden gebraucht, damit das System funktioniert. Dieses System könnte auf natürlichem Weg entstehen und auf dem üblichen Rechtssystem basieren.

Dieses System ist eines, von dem die Regierung nicht möchte, dass wir es bekommen, weil es für sie keine Möglichkeit böte, die Macht des Staates auszudehnen. Gutes Geld würde die Regierung an die Wünsche der Menschen binden und nicht umgekehrt. Genau wie es Ludwig von Mises in Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel beschrieb:

„Es ist unmöglich, die Bedeutung guten Geldes zu begreifen, ohne zu verstehen, dass es sich zu einer Schutzeinrichtung der bürgerlichen Freiheiten vor willkürlichen Übergriffen seitens des Staates entwickelt hat. Aus ideologischer Sicht ist es mit Verfassung und Grundrechten auf eine Stufe zu stellen.“

Dieser Beitrag wurde am 20.3.2013 unter dem Titel „The Simplicity of Sound Money“ veröffentlicht – http://mises.org/daily/6360/The-Simplicity-of-Sound-Money

(aus dem Englischen übersetzt von Andreas Marquart)

Foto-Startseite: © Andrea Danti – Fotolia.com

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Patrick Barron ist selbständiger Berater im Finanzwesen. Er lehrt an der Graduate School of Banking an der Universität Wisconsin, Madison. Außerdem unterrichtet er die „Österreichische Schule der Nationalökonomie“ an der Universität Iowa, Iowa City. Seine Website ist: http://patrickbarron.blogspot.de/

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