Wo bleibt die Inflation?

23.1.2013 – von Mark Thornton.

Mark Thornton

Ökonomen der Österreichischen Schule der Nationalökonomie wie beispielsweise Robert Murphy wurden heftig kritisiert, weil die Inflationsraten sehr niedrig sind. Natürlich beziehen sich diese Kritiker dabei auf das Mainstreamkonzept der Inflation, das das Preisniveau mittels des Konsumentenpreisindex (CPI) misst.

Wir wollen hier nicht die Probleme und all die technischen Schwierigkeiten betrachten, die mit der CPI-Methode verbunden sind. Wir wollen auch nicht darüber sprechen, dass dies alles mit der Österreichischen Konjunkturtheorie (ABCT) recht wenig zu tun hat, wie die Kritiker es gerne hätten. Der Grundgedanke, dass eine Steigerung der Geldmenge, sprich Inflation, höhere Preise, also Preisinflation, verursacht, ist nicht einzig allein die Sicht der Austrians. Es handelt sich um eine sehr alte und häufige Sichtweise von Ökonomen und ist in nahezu jedem Lehrbuch zu finden, das ich studiert habe.

Diese allgemeine Sichtweise wird häufig als Quantitätstheorie bezeichnet. Nur Ökonomen, die dem Merkantilismus oder Keynes anhängen, bestreiten noch diese Sichtweise. Allerdings sind lediglich die Ökonomen der Österreichischen Nationalökonomie in der Lage, das gegenwärtige Dilemma zu erklären: warum hat denn das massive Gelddrucken durch die Zentralbanken weltweit nicht zu höheren Preisen geführt?

Österreichische Ökonomen wie Ludwig von Mises, Benjamin Anderson und Friedrich A. von Hayek sahen in den 1920er Jahren, dass die Rohstoffpreise stabil waren, aber andere Preise in der Produktionsstruktur auf Probleme hinwiesen, die mit der Geldpolitik der Amerikanischen Notenbank (FED) in Verbindung zu bringen waren. Vor allem Mises warnte, dass Fisher’s Politik des „stabilen Dollars“, von der Amerikanischen Notenbank angewandt, schwere und vielfältige Auswirkungen habe. Ohne die vom FED während der „Roaring Twenties“ verfolgte Politik des billigen Geldes wären die Preise in diesem Jahrzehnt gefallen.

Betrachten wir daher die Preise, die die meisten Ökonomen ignorieren. Was können wir dabei feststellen? Bei einigen Preisen, beispielsweise für Öl, wird es besonders deutlich. Genaugenommen betrachten Mainstream-Ökonomen die Preise für Öl äußerst ungern und möchten diese am liebsten aus dem Konsumentenpreisindex herausnehmen, genau wie die Preise für Lebensmittel. Ben Bernanke ist der Meinung, dass die Entwicklung der Ölpreise nichts mit der Geldpolitik zu tun hat und von anderen Faktoren bestimmt wird.

Als „Austrian“ würde ich vermuten, dass in einem freien Markt ohne Notenbank der Ölpreis stabil bliebe. Und ich würde annehmen, dass der Ölpreis – im  gegenwärtigen Umfeld mit Notenbank – instabil wäre, und die Ölpreise die Geldpolitik widerspiegeln, so wie es die Österreichische Konjunkturtheorie erklärt.

Das heißt, ein durch die Notenbank künstlich reduziertes Zinsniveau würde Unternehmer ermutigen, neue Investitionen in Angriff zu nehmen. Dies wiederum würde die Nachfrage nach Öl steigern (dessen Angebot relativ unelastisch ist) und zu höheren Ölpreisen führen. Sobald diese Unternehmer höhere Preise für Öl, Gas und Energie (sowie viele andere Vorprodukte) zu zahlen hätten und sobald deren Kunden die Ausgaben für die Produkte dieser Unternehmer reduzieren (um die höheren Kraftstoffpreise bezahlen zu können) würden einige der neuen Investitionsprojekte von der Gewinn- in die Verlustzone rutschen. Das ist der Grund, warum wir im Aufschwung steigende und in der Rezession fallende Ölpreise beobachten sollten. Und genau das können wir tatsächlich in den unten stehenden Grafiken ablesen.


Wie man sieht, war der Ölpreis während des Pseudo-Goldstandards von Bretton Woods sehr stabil. Die Grafik verdeutlicht auch die dramatische Instabilität wären des „Papiergeld-Dollar-Standards“ seit 1971. Darüber hinaus bewegt sich der Ölpreis annähernd so, wie es die Austrians annehmen würden, wenn auch die Geldpolitik nicht der allein bestimmende Faktor für die Entwicklung des Ölpreises ist, und natürlich gibt es kein stabiles numerisches Verhältnis zwischen diesen beiden Größen.

Ein anderer Rohstoff, der aufgrund seines hohen Preises betrachtenswert ist, ist Gold. Der Goldpreis steigt im Boom ebenfalls an, und fällt in der Rezession zurück. Seit die letzte Rezession in 2009 offiziell für beendet erklärt wurde, hat sich der Goldpreis allerdings verdoppelt. Die Nullzinspolitik der Notenbank hat die Opportunitätskosten von Gold dramatisch reduziert. Die massive Ausweitung der Geldmenge durch die Notenbank hat dem Goldpreis zu einem enormen Aufschwung verholfen, was genaugenommen nicht überraschend ist.


Derzeit steigen die Rohstoffpreise durch die Bank. Der Produzentenpreis-Index für Rohstoffe weist ein ähnliches Muster auf wie Öl und Gold. Dieser Index war im Pseudo-Goldstandard wesentlich stabiler und während des „Papiergeld-Dollar-Standards“ seit 1971 wesentlich volatiler. Der Index tendiert vor einer Rezession dazu, steil anzusteigen und während und nach der Rezession zu sinken. Mittlerweile befindet sich der Index auf wieder auf seinem Allzeithoch.

Hohe Preise scheinen zur Norm geworden zu sein. Sowohl der amerikanische Aktienmarkt als auch der Anleihemarkt sind auf oder nahe ihrem Allzeithoch. Der Markt für zeitgenössische Kunst in New York boomt und meldet Rekordumsätze und Rekordpreise. Die Immobilienmärkte in Manhatten und Washington DC sind beide auf Allzeithoch, genauso wie es Austrians voraussagen würden. Das sind schließlich die Märkte und Regionen, wo all das Geld geschaffen wird und in die Wirtschaft fließt.

Dabei ist gar nicht berücksichtigt, wo die Preise stünden, hätten die Amerikanische Notenbank und die Notenbanken weltweit nicht so gehandelt, wie sie es getan haben. Die Immobilienpreise wären niedriger, Rohstoffpreise wären niedriger, der Konsumentenpreisindex und der Produzentenpreisindex hätten sich negativ entwickelt. Familien mit niedrigem Einkommen hätten eine Steigerung ihres Lebensstandards erfahren. Sparer würden eine angemessene Verzinsung auf ihre Sparvermögen erhalten.

Natürlich würden sich auch der Aktien- und Anleihemarkt auf deutlich tieferen Niveaus befinden. Bankaktien wären kollabiert und die „Bad Banks“ wären geschlossen worden. Der Finanzmarkt, Hedgefonds und Investmentbanken wären kollabiert. Der Immobilienmarkt in Manhatten hätte Schiffbruch erlitten. Der Arbeitsmarkt für Fondsmanager, Hedgefonds-Manager und Banker hätte sich in nichts aufgelöst.

In anderen Worten: der Weg, den die Notenbank einschlug, endete darin, die Reichen reicher und Armen ärmer zu machen. Hätte sie sich nicht auf den Weg der extremsten und unkonventionellsten Geldpolitik in ihrer Geschichte begeben, hätten die Ärmeren einen relativen Anstieg ihres Lebensstandards, die Reicheren einen allgemeinen Rückgang ihres Lebensstandards erfahren.

Es gibt noch weitere, gewichtige Gründe, warum die Konsumentenpreise nicht parallel mit der Geldmenge angestiegen sind, wie es Öl, Gold, Aktien und Anleihen auf dramatische Weise getan haben. Es scheint, als hätte die inflationistische und keynesianische Geldpolitik in den USA, Europa, China und Japan in ein Wirtschafts- und Finanzumfeld geführt, in dem Banker Angst haben, Kredite zu vergeben, Unternehmer Angst haben, zu investieren und in dem alle sich vor den Währungen ängstigen, die sie benutzen müssen.

Fazit: der Grund, warum die Prognosen zur Preisinflation nicht eingetreten sind, liegt im Scheitern der keynesianischen Rezepturen, die da sind: Rettungsmaßnahmen, Konjunkturpakete und massive Geldmengenausweitung. Dies alles hat letzten Endes dazu beigetragen, die Wirtschaft zu zerstören.

Der Originalbeitrag ist am 16.1.201 unter dem Titel „Where is the inflation?“ auf www.mises.org erschienen – übersetzt von Andreas Marquart.

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Mark Thornton is a senior resident fellow at the Ludwig von Mises Institute in Auburn, Alabama, and is the book review editor for the Quarterly Journal of Austrian Economics. He is the author of „The Economics of Prohibition“, coauthor of „Tariffs, Blockades, and Inflation: The Economics of the Civil War“, and the editor of „The Quotable Mises“, „The Bastiat Collection“, and „An Essay on Economic Theory“.

Fotos: Ludwig von Mises Institute, Auburn, US Alabama

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