Die Preise und die Ordnung der Produktion

von Ludwig v. Mises.

Ludwig von Mises

Die Preisgestaltung lenkt, vom Fall der Monopolpreise abgesehen, die Produktion in die Bahnen, in denen sie den Wünschen der Verbraucher so gut entspricht, als es die Verhältnisse zulassen. Sie entscheidet immer darüber, welche Produktionsmöglichkeiten ausgenützt und welche brach liegen gelassen werden.

Dass nicht alle bekannten Möglichkeiten zum Produzieren ausgenützt werden, ist nicht weiter bemerkenswert; es wäre kaum erforderlich, sich damit eingehender zu befassen, wenn nicht volkstümliche Irrtümer den Sachverhalt trüben würden.

Dass nicht alle Rezepte, die wir kennen, genützt werden, dass nur die rentablen Verfahren eingeschlagen werden und dass auf die unrentablen verzichtet wird, bedeutet, dass man die Produktion nach den Wünschen der Verbraucher ausrichtet. Man versteht es auch heute, Ritterrüstungen und Krinolinen zu erzeugen. Man unterlässt es, weil die Nachfrage der Verbraucher nach anderen Waren dringlicher ist und weil man für die erforderlichen Produktionsmittel eine – im Sinne der Verbraucher – dringendere Verwendung kennt. Es gibt Erzvorkommen, deren Abbau nicht lohnt, und anbaufähiges Land, dessen Bestellung nicht lohnt; der Umfang des Abbaus und des Anbaus wird durch das Ausmass der komplementären Produktionsmittel, die nicht durch dringendere Verwendung beansprucht werden, bestimmt. Es gibt Fabriksanlagen und Fabrikseinrichtungen, deren Erzeugungsfähigkeit gar nicht oder nur unvollständig ausgenützt wird, weil Ausnützung oder Mehrausnützung nicht rentabel wären.

Für die moderne Technik wäre es keine unlösbare Aufgabe, in den Polargegenden in Gewächshäusern Trauben und Orangen zu ziehen. Jedermann würde solches Beginnen für Wahnsinn ansehen. Doch es ist im Wesen dasselbe, wenn man durch Schutzzölle und andere Massnahmen der Schutz- und Autarkiepolitik den Ackerbau in Gebirgsgegenden festzuhalten sucht, während anderwärts fruchtbareres Land brach liegt. Geradeso wie man durch diese Massnahmen den Ackerbau im Gebirge rentabel gestaltet, könnte man auch die Erzeugung von Südfrüchten in den Polargegenden rentabel machen. Der Unterschied ist bloss quantitativ.

Die Preise des Marktes entscheiden darüber, ob und in welchem Umfange die gegebenen Produktionsmöglichkeiten ausgenützt werden sollen. Dass es Produktionsmöglichkeiten gibt, die nicht ausgenützt werden, ist die Folge des Umstandes, dass die Verbraucher durch ihr Verhalten auf dem Markte bewirkt haben, dass die komplementären Produktionsmittel anderweitige Verwendung finden.

Dass die Bewohner des Jura es vorziehen, sich der Uhrenerzeugung zu widmen, statt auf den Hängen des Gebirgsstocks Getreide  zu bauen, bedeutet, dass die Erzeugung von Uhren für sie ein billigeres Verfahren zur Erlangung von Brot darstellt als der Getreidebau. Auf der anderen Seite ist für den canadischen Farmer der Anbau von Weizen das billigste Verfahren zur Erlangung von Uhren. Dass im Jura kein Weizen und in Canada keine Uhren erzeugt werden, ist nicht bemerkenswerter, als dass Bäcker ihre Kleider nicht selbst nähen und Schneider ihr Brot nicht selbst backen.

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Auszug aus „Nationalökonomie – Theorie des Handelns und Wirtschaftens“ (1940) v. Ludwig von Mises, herausgegeben von Michael Kastner, buchausgabe.de

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