Rahim Taghizadegan über das Institut für Wertewirtschaft: „Unabhängigen Denkern Ort und Infrastruktur bieten.“

17.04.2012 – Interview mit Rahim Taghizadegan über das Institut für Wertewirtschaft in Wien.

Rahim Taghizadegan

Herr Taghizadegan, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview nehmen. Seit wann gibt es das „Institut für Wertewirtschaft“ und worin sehen Sie Ihre Hauptaufgabe?

Das Institut für Wertewirtschaft wurde 2007 gegründet. Es entstand aus dem Eindruck einiger Akademiker, daß im deutschsprachigen Raum dringender Bedarf für eine Nische wirklich unabhängiger Erkenntnissuche bestünde. Insbesondere die Korruption der Volkwirtschaftslehre war offensichtlich – ab 2007 auch für die Allgemeinheit. Die Hauptaufgabe des Instituts liegt darin, von Staat und Interessensgruppen unabhängigen Denkern einen Ort und Infrastruktur zu bieten: das, was eine Schule im ursprünglichsten Sinne stets sein sollte. Unsere Schwerpunkte liegen in der praktischen Philosophie: Ethik, Ökonomik, Politik. Als Schule richten wir uns an ein breites Publikum in Deutschland, Österreich, Schweiz und Liechtenstein und versuchen, die Hintergründe der Gegenwart zu verstehen und allgemeinverständlich zu vermitteln. 

Von 1920 bis 1934 veranstaltete Ludwig von Mises in seinem Büro in der Handelskammer Wien alle zwei Wochen ein Privatseminar. Ihr Institut ist ebenfalls in Wien – sehen Sie in Ihrem Institut eine Art Nachfolger in dieser Tradition?

Paradoxerweise konnte ich die Österreichische Schule seinerzeit nur in den USA wirklich tiefgehend und auf hohem Niveau studieren, seit ich sie dort vor mehr als 15 Jahren kennenlernte. Seitdem bemühe ich mich darum, diese Forschungstradition im deutschsprachigen Raum wiederzubeleben. Allerdings eben als Forschungstradition, nicht als dogmatische Ideologie oder als Fassade für politisches Lobbying. Durch unsere Fachseminare, die oft in den Originalräumen stattfinden, in denen die Größen der Österreichischen Schule einst lehrten, bemühen wir uns, diesen Geist zu vermitteln. Weil diese Tradition in unserem Institut wirklich lebendig ist, entwickeln wir vieles weiter, setzen alles einem kritischen Diskurs aus und betten die Ökonomik in benachbarte Disziplinen ein – ganz im interdisziplinären Sinne des alten Wiens, das ja nicht nur in der Ökonomik die führenden Köpfe ihrer Zeit hervorbrachte. 

Auf der Internetseite des Instituts bezeichnen Sie sich als absolut unabhängig und sehen diese Aufgabe in öffentlichen Universitäten nicht mehr erfüllt? Was läuft denn an öffentlichen Universitäten falsch?

Die heutigen Universitäten sind dies nur noch dem Namen nach: mit der alten universitas haben sie kaum noch etwas gemein. Aus autonomen Verbünden interdisziplinär Forschender, Lehrender und Studierender sind staatliche Expertenfabriken geworden, deren „Expertise“ zunehmend unbrauchbar ist, außer für die Blender der Politik und Banken. 

Sie bringen seit drei Jahren sog. Scholien heraus, die man auch im Abonnement beziehen kann. Erzählen Sie uns bitte mehr darüber.

Dabei handelt es sich um eine ganz persönliche Reihe kleiner, aber sehr dichter Büchlein, in denen ich gänzlich ohne Blatt vor dem Mund aus dem Nähkästchen plaudern kann, weil es sich dabei um einen Geheimtip, nicht um ein öffentliches Format handelt. Darin verdichte ich jeweils meine vieltausendseitige Lektüre (Kern unseres Instituts ist die umfangreichste Bibliothek ihrer Art im deutschsprachigen Raum) auf die wesentlichen Erkenntnisse, die für das Verständnis der Gegenwart und ein gutes Leben relevant sind, und ergänze dies durch eigene Beobachtungen, Erlebnisse und Schlüsse. Es handelt sich also nicht um ein zusätzliches Magazin, sondern ein Angebot für Leute mit wenig Zeit: in einem extrem handlichen Format für unterwegs die relevantesten Essenzen aus der Literatur, u.a. der Österreichischen Schule (aber ebenso aus Philosophie, Geschichte, Politik uvm.), serviert zu bekommen. 

Spüren Sie aufgrund der andauernden Finanzkrise ein gesteigertes Interesse an Ihrem Angebot?

Dieses gesteigerte Interesse war, was uns überhaupt Mut zur Gründung 2007 machte, da wir damals zu den ganz wenigen Stimmen gehörten, die bereits die ökonomischen Dynamiken richtig vorhergesehen und analysiert hatten. Mittlerweile redet jeder von der Krise, dadurch ist die Konkurrenz auch viel größer geworden. Unser Institut ist ein Geheimtip geblieben, ohne Massenevents, da wir uns lieber auf unsere Forschungsvorhaben konzentrieren als auf Werbung und Fundraising. 

Vielen Dank, Herr Taghizadegan.

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Rahim Taghizadegan ist Ökonom, Gründer und Präsident des Instituts für Wertewirtschaft in Wien.

Die Fragen stellte Andreas Marquart, misesinfo.

Hier finden Sie ein Interview mit Rahim Raghizadegan über sein Buch „Wirtschaft wirklich verstehen“.

 

 

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