Freiheit, Stärke, Gemeinschaft – Worauf zielt die AfD wirtschaftspolitisch ab?
26.10.2026 – von Eduard Braun
Zur Wirtschaftspolitik gibt es in der AfD grundsätzlich drei unterschiedliche Positionen. In der Opposition geht das an, aber als Regierungspartei wird sie die weltanschaulichen Differenzen innerhalb der Partei nicht mehr ignorieren können. Als Ausweg könnte sie einen pragmatischen Ansatz wählen.
Es ist kein Geheimnis, daß die Anhänger und Wähler der AfD heterogen sind. Sie setzen sich in weiten Teilen aus dem Flugsand zusammen, der von anderen Parteien freigesetzt wurde. Wer unzufrieden mit der FDP ist, erhofft sich von der AfD einen konsequenteren freiheitlichen Ansatz; wer unzufrieden mit der CDU ist, sieht in der AfD vielleicht außerdem eine Hoffnung für die Betonung christlicher oder nationaler Werte; wer unzufrieden mit der SPD ist, erhofft sich von der AfD die Wiederherstellung der Solidarität und des sozialen Ausgleichs zwischen den deutschen Staatsbürgern.
Als Kitt einer heterogenen Bewegung gibt es wahrscheinlich kaum etwas Wirksameres als einen gemeinsamen Gegner. Was alle Richtungen in der AfD vereint, ist die mehr oder weniger weitgehende Ablehnung der deutschen Regierungspolitik der letzten Jahre. Als Oppositionspartei hat es die AfD außerdem nicht unbedingt nötig, die Vereinbarkeit der von ihren Mitglieder- und Wählergruppen vertretenen Positionen bis ins Detail herzustellen. Da zur Zeit aber eine Regierungsbeteiligung der AfD in der Luft liegt, stellt sich die Frage, in welche Richtung die Reise gehen wird, wenn die Partei nicht mehr nur Opposition ist, sondern Farbe bekennen muß. Für diesen Fall könnte zu erwarten sein, daß sich die unterschiedlichen Positionen durchzusetzen versuchen, was unter Umständen innerhalb der AfD dieselben Auseinandersetzungen zeitigen würde, die sonst zwischen verschiedenen Parteien stattfinden.
Im Bereich Wirtschaft prallen die verschiedenen Weltanschauungen oft besonders hart aufeinander. Deshalb möchte ich im folgenden einen kleinen Überblick über die verschiedenen wirtschaftspolitischen Strömungen innerhalb der AfD geben. Nach meiner Einschätzung kann man hierbei drei Richtungen voneinander unterscheiden, die ich im Titel mit Freiheit, Stärke und Gemeinschaft bezeichnet habe. Im Anschluß stelle ich ein paar Überlegungen dazu an, wie sich die Wirtschaftspolitik der AfD angesichts der beschriebenen Problemlage gestalten könnte.
Freiheit
Die AfD wurde im Verlauf der Eurokrise als sogenannte Professorenpartei gegründet. Wichtig waren in diesem Zusammenhang besonders die Ökonomen, darunter Bernd Lucke und Joachim Starbatty. Die Ablehnung der Eurorettungspolitik und der Konstruktion des Euro zieht sich auch bis heute als roter Faden durch die wirtschaftspolitischen Forderungen der AfD. Hierüber besteht also im wesentlichen Konsens. Was diese Gründungsgeschichte für unsere Frage bedeutsam macht, ist die Rolle des Liberalismus und der ökonomischen Theorie. Die Forderung nach dem Euro-Austritt wurde und wird begründet mit der Theorie optimaler Währungsräume. Laut dieser Theorie liegen die Voraussetzungen für eine funktionierende gemeinsame Währung im Euro-Raum nicht vor. Seit den frühen 1990er Jahren hatten Ökonomen daher immer wieder vor der Einführung des Euro gewarnt.
Zwar haben einige der Gründungsprofessoren die Partei mittlerweile verlassen. Die Betonung der ökonomischen Theorie ist aber geblieben. In ihrem Grundsatzprogramm beschwört die AfD nach wie vor die großen Ökonomen der Nachkriegsgeschichte, die geistigen Väter des Wirtschaftswunders. Die folgende Passage liest sich so, als wäre sie einem Lehrbuch der Ordnungsökonomik entsprungen:
Anknüpfend an unsere Vorstellungen von der Rolle des Staates plädieren wir im Bereich der Wirtschaft für eine Ordnungsethik auf der Grundlage der Sozialen Marktwirtschaft, wie sie von Walter Eucken, Alfred Müller-Armack und Wilhelm Röpke entwickelt und von Ludwig Erhard umgesetzt wurde. Zentrale Prinzipien sind Eigentum, Eigenverantwortlichkeit und freie Preisbildung. Der Schutz des Privateigentums ist dabei genauso unentbehrlich wie offene Märkte, Vertragsfreiheit und ein freier Wettbewerb mit entsprechender Wettbewerbspolitik und Monopolkontrolle. Jede Form von staatlicher Planwirtschaft führt früher oder später zu Fehlallokationen und Korruption.
Privateigentum, offene Märkte, Vertragsfreiheit – das sind die großen liberalen Forderungen. Regulierungen und Bürokratie sollen demnach abgebaut, Steuern und Abgaben gesenkt und der Interventionismus generell zurückgefahren werden. Der Markt und das Unternehmertum sollen sich wieder entfalten dürfen. Die wirtschaftlichen Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten sollen wieder zur Geltung kommen.
Kurz: Innerhalb der AfD ist der Wirtschaftsliberalismus eine wichtige wirtschaftspolitische Position. Der Staat soll zurückgebaut werden zugunsten von Markt und Freiheit.
Nationale Stärke
Das Verhältnis zwischen Staat und Markt wird innerhalb der AfD teilweise aber auch ganz anders gesehen. Für einige tritt die Bedeutung der Freiheit hinter diejenige der nationalen Stärke zurück, bzw. ist erstere nur über den Weg der letzteren zu haben. Zwar wird die Bundesregierung auch hier für ihre zahlreichen ideologischen Interventionen kritisiert. Jedoch wendet sich die Kritik nicht so sehr gegen die Interventionen an sich, sondern eher gegen die dahinterstehende Ideologie. Die aktuellen Staatseingriffe werden nicht hauptsächlich deswegen abgelehnt, weil sie der Marktlogik widersprechen und die Freiheit des Unternehmertums oder der Bürger beschneiden. Vielmehr wird der Bundesregierung vorgeworfen, ausgerechnet solche Interventionen zu betreiben, die Deutschlands Stellung in der Welt schwächen.
Am wichtigsten ist in diesem Zusammenhang die Klimapolitik der EU und der Bundesregierung. Diese erhöht bekanntermaßen künstlich und absichtlich die Energiepreise, um damit eine Transformation der Industrie hin zu weniger CO2-Emissionen zu erzwingen. Außerdem hat die Bundesregierung in den letzten Jahren zahlreiche Subventionen, Förderungen, Steuern und Verbote eingeführt, um dieses Ziel noch besser und schneller zu erreichen als der Rest Europas. Von der Warte der nationalen Stärke aus ist der entscheidende Kritikpunkt an diesen Maßnahmen, daß sie die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen innerhalb der EU und der Welt massiv verschlechtern. Aus demselben Grund wenden sich führende AfD-Mitglieder auch immer wieder gegen die harten Sanktionen gegen Rußland. Es geht hier weniger um die grundsätzlichen Vorzüge des Freihandels, sondern um die wirtschaftlichen Interessen des Industriestandortes Deutschland. Billiges Gas aus Rußland bedeutet billige Energie für die zumeist energieintensiven deutschen Unternehmen und daher bessere Konkurrenzfähigkeit.
Was die bloße Kritik an der Bundesregierung betrifft, deckt sich die nationale Position aktuell weitgehend mit der wirtschaftsliberalen. Im Hinblick auf die angestrebte positive Wirtschaftspolitik sieht das aber durchaus anders aus. Bezeichnend ist in dieser Hinsicht Björn Höcke, der sich zwar auch auf die Ordoliberalen beruft, diese aber in eine Tradition stellt, die auf Friedrich List, Karl Rodbertus, Gustav Schmoller und Werner Sombart zurückgeht. Wohlgemerkt: List war Protektionist, Rodbertus Staatssozialist, Schmoller ein Anhänger paternalistisch-staatlicher Sozialpolitik und Sombart ein schillernder Sympathisant sozialistischer Ideen. Höcke sagt weiter, nach dem Fall der Mauer sei der Kapitalismus freigedreht, und ein Zugriff auf die deutsche Wirtschaft im neoliberalen Sinn sei erfolgt.
Der ehemalige von der AfD nominierte Bundespräsidentschaftskandidat, Professor Max Otte, führt das Argument der nationalen Stärke näher aus. Für Otte ist die wirtschaftsliberale Position mit ihrer Betonung des freien Wettbewerbs angesichts der weltpolitischen Lage naiv. Wenn sich Deutschland dem internationalen Wettbewerb rückhaltlos öffne und sogar Unternehmensübernahmen aus dem Ausland widerstandslos zulasse, dann mag das auf dem Papier sinnvoll sein, da es der ökonomischen Theorie der internationalen Arbeitsteilung folge. In der Praxis führe es aber einseitig zum Ausverkauf des eigenen Landes, während andere Länder nicht einmal im Traum daran dächten, ihre Schlüsselindustrien und zentralen Unternehmen im Gegenzug von Deutschland aufkaufen zu lassen. Als Beispiel nennt er das Übernahmeangebot der Deutschen Börse AG an die London Stock Exchange im Jahr 2004. Es sei ein deutsches „Hirngespinst“ anzunehmen, daß die Engländer jemals akzeptieren würden, daß ihr „Herzstück in deutsche Hände geriete.“[1] Ein weiteres Beispiel findet sich bei Hans Werner Sinn.[2] Als Siemens 2014 den französischen Konzern Alstom übernehmen wollte, erließ die Regierung Sarkozy die sogenannte Lex Alstom, um strategisch wichtige französische Unternehmen vor der Übernahme durch ausländische Konzerne zu schützen.
In einer Welt, in der andere Nationen eine an eigenen Interessen ausgerichtete Politik betreiben, dürfe demnach auch Deutschland mitnichten alles dem Markt überlassen. Der Staat könne und solle nicht auf Interventionen verzichten. Er solle sich aber für solche entscheiden, die dem nationalen Interesse Deutschlands dienen und nicht dem Weltklima oder sonst irgendeiner weltverbessernden Mission. Unter diesem Blickwinkel erscheinen Zölle, Subventionen, Steuern und Verbote als grundsätzlich neutrale Instrumente, die durchaus eingesetzt werden können und sollen, wenn es auf vernünftige Weise und aus der richtigen Motivation heraus erfolgt.
Gemeinschaft
Die dritte wirtschaftspolitische Richtung kann man als Gemeinschaftsorientierung bezeichnen. Sie ist am schwersten festzumachen. Das liegt einfach daran, daß das Fach, das grundlegend ist für die Wirtschaftspolitik, nämlich die Volkswirtschaftslehre, hierzu nichts Wesentliches zu sagen hat. Die Volkswirtschaftslehre befaßt sich einerseits mit der Wirkungsweise der Unsichtbaren Hand, also mit Markt, Wettbewerb und den dort stattfindenden dezentralen Prozessen; andererseits beschäftigt sie sich mit staatlichen Eingriffen in diesen Markt und der Frage, welche Reaktionen diese Eingriffe dort auslösen. Es ist also eine Wissenschaft, die sich mit dem Spannungsverhältnis zwischen Staat und Markt auseinandersetzt. Je nach weltanschaulicher Ausrichtung kommen einzelne Ökonomen zu ganz unterschiedlichen Schlußfolgerungen, aber jenseits von Staat und Markt bewegen sie sich dabei grundsätzlich nicht.
Was diese dritte Position besagen will, zeigt wieder Björn Höcke im oben verlinkten Video sehr deutlich: Laut Höcke konnte die Soziale Marktwirtschaft nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs auf der Basis der noch vorhandenen gemeinschaftsorientierten Werte und Sitten errichtet werden. Mit diesem Wirtschaftssystem sei es den Deutschen (bis hin zur Wende) gelungen, das „Ich“ mit dem „Wir“ zu versöhnen. Heute herrschten dagegen Hyperindividualismus und Hyperliberalismus. Das „Ich“ stehe heute also im Vordergrund – zu Lasten des „Wir“. Früher standen die Interessen des einzelnen, so wird man das wiedergeben können, dagegen nicht im Gegensatz zum Interesse der Gemeinschaft oder der Gesamtheit.
Es ist schwer, diesen Ansatz in der Volkswirtschaftslehre zu verorten und in konkrete wirtschaftspolitische Maßnahmen umzumünzen. Das erkennt man schon daran, daß Björn Höcke gar nicht zwischen der Gemeinschaftsorientierung und der Frage der nationalen Stärke differenziert. Er beruft sich demnach m.E. auch zu Unrecht auf List, Rodbertus, Schmoller und Sombart, soweit es um die Versöhnung von „Ich“ und „Wir“ geht. Diese Ökonomen suchten das Heil beim Staat und wollten ihn als Instrument einsetzen, um die relative Stärke Deutschlands in der Welt zu vergrößern. Sie passen also zur zweiten Richtung (nationale Stärke).
Der Staat ist aber nicht identisch mit der Gemeinschaft oder der Nation, und nationale Stärke ist nicht dasselbe wie die sozialen Bindungen zwischen den Menschen, welche eine Gemeinschaft ausmachen. Das wußte schon Friedrich Nietzsche:
Staat heißt das kälteste aller kalten Ungeheuer. Kalt lügt es auch; und diese Lüge kriecht aus seinem Munde: ‚Ich, der Staat, bin das Volk.‘
Auch Hannah Arendt machte auf diesen Zusammenhang aufmerksam: Wenn der Staat die nationale Stärke in die Hand nehmen möchte, dann muß er zunächst einmal seine Machtbasis ausbauen, und das kann er nur auf Kosten der Gemeinschaften. Genau das beschreibt laut Arendt das Vorgehen sowohl Hitlers als auch Stalins, denen man sicherlich nicht absprechen kann, auf die nationale Stärke ihrer Länder Wert gelegt zu haben. Dies setzte aber laut Arendt gerade die Individualisierung der Gesellschaft und die Zerstörung der Gemeinschaftsorientierung voraus. Nur so konnte der Staat die nötige Macht auf sich konzentrieren.[3]
Unter deutschen Ökonomen kommt als Referenz für eine Gemeinschaftsorientierung im eigentlichen Sinn am ehesten Wilhelm Röpke in Betracht. Er war nicht nur gegenüber dem Staat kritisch, sondern schrieb ausdrücklich, daß auch „die Konkurrenzwirtschaft ein Moralzehrer ist und daher Moralreserven außerhalb der Marktwirtschaft voraussetzt“. Unter diesen Reserven verstand er „die unentbehrlichen Bindungskräfte der Familie und der natürlichen Gemeinschaften“.[4] Als einen der ganz wenigen aktuelleren Volkswirten kann man Stephen Marglin erwähnen, der ein ganzes Buch darüber geschrieben hat, wie ökonomisches Denken die Gemeinschaft zerstört.
Was dieser gemeinschaftsorientierte Ansatz jenseits von Staat und Markt dann aber konkret in der Praxis bedeuten würde, ist leider kaum zu sagen. Stephen Marglin beruft sich auf die Lebensweise der Amish People in den USA, um einen Gegensatz zum ökonomischen Denken herzustellen. Das kann aber natürlich kein Vorbild sein, an dem sich eine Industrienation wie Deutschland wirtschaftspolitisch orientieren könnte. Röpke wurde übrigens bereits zu seiner Zeit als heillos rückständiger Dorfromantiker belächelt. Am ehesten ist von dieser Seite, sofern sie sich von der Position der nationalen Stärke abgrenzt, mit einer grundsätzlichen Skepsis sowohl gegenüber marktwirtschaftlichen als auch staatlichen Ansätzen der Wirtschaftspolitik und stattdessen einer Betonung des Subsidiaritätsprinzips zu rechnen.
Ausblick auf die Wirtschaftspolitik der AfD
Für den Fall, daß die AfD Regierungsverantwortung übernehmen sollte, ist meine persönliche Vermutung, daß sie in der Wirtschaftspolitik einen pragmatischen Ansatz wählen wird. Sie wird also zunächst einmal diejenigen Projekte in Angriff nehmen, die von allen Richtungen unterstützt werden und die daher Brüche innerhalb der Partei nicht sichtbar machen werden.
An erster Stelle steht hier die grüne Klimapolitik. Diese wird von allen drei wirtschaftspolitischen Richtungen in der AfD eindeutig und vollständig abgelehnt. Auf ein Ende der politisch forcierten Energiewende auf nationaler Ebene und den möglichst bald erfolgenden Austritt aus europäischen oder internationalen Abkommen und Verpflichtungen zu bestimmten Klimazielen wird man sich also schnell einigen können.
Ähnliches gilt natürlich von Regulierungen und Bürokratie, soweit sie aus Sicht der AfD ideologisch sind. Das „Heer“ von Beauftragten – am prominentesten hierbei sicherlich die Gender- und Gleichstellungsbeauftragten – ist allen ein Dorn im Auge, so daß sich kaum Widerstand innerhalb der Partei formieren wird.
Weitere Punkte, auf die man sich ohne Probleme wird einigen können, sind die Reform des Euro bzw. der Austritt aus der Währungsunion sowie die Erhaltung des Bargelds. Auch hiergegen gibt es aus allen drei Richtungen keine Einwände.
Die Unterschiede in den Auffassungen betreffen, erstens, das grundsätzliche Verhältnis zwischen Staat und Markt und, zweitens, das grundsätzliche Verhältnis zwischen der Gemeinschaft einerseits und dem Staat und dem Markt andererseits. Hier befinden sich die Bruchstellen, weswegen damit zu rechnen ist, daß die Themen fürs erste ausgespart werden.
Es ließe sich allenfalls vorstellen, daß man sich auf einzelne, konsensfähige Projekte einigt. Zu denken wäre an ein Ende dessen, was unter dem Begriff „Ausverkauf des deutschen Mittelstands“ läuft. Wenn es Länder gibt, die eine Übernahme ihrer Unternehmen durch deutsche Unternehmen unter bestimmten Umständen beschränken oder verhindern, würde man vielleicht im Gegenzug das Aufkaufen deutscher Unternehmen durch Investoren aus diesen Ländern verhindern. Bei einer solchen Regelung würden wahrscheinlich auch die Wirtschaftsliberalen mitgehen, da auf diese Weise der Druck auf andere Länder erhöht werden kann, sich dem internationalen Markt für Unternehmenskontrolle nicht einseitig zu verschließen.
Aus ähnlichen Gründen könnte ich mir vorstellen, daß man sich darauf einigt, die deutsche und europäische Gesetzgebung danach zu durchleuchten, wo sie Privilegien für große Unternehmen oder Konzerne schafft oder umgekehrt Nachteile für kleine und mittlere Unternehmen. Viele Regulierungen und Bürokratiekosten treffen kleine und mittlere Unternehmen überproportional hart, was für sie einen massiven Wettbewerbsnachteil darstellt. Die Angleichung von Regeln für alle und die Herstellung von gleichen Wettbewerbsbedingungen widerspricht jedenfalls keiner der vorgestellten wirtschaftspolitischen Richtungen.
Fraglich ist natürlich, ob sich ein pragmatischer Ansatz durchsetzen wird. Sollte dies der Parteiführung oder dem entsprechenden Ministerpräsidenten nicht gelingen, steht zu erwarten, daß sich die verschiedenen Positionen innerhalb der AfD genauso aneinander abarbeiten werden, wie das auf zwischenparteilicher Ebene seit Jahrzehnten ohne erkennbare Fortschritte passiert.
[1] Otte, Max: Weltsystemcrash, München FBV, 2019, S. 360.
[2] Sinn, Hans Werner: Das grüne Paradoxon, Berlin: Ullstein, S. 321.
[3] Arendt, Hannah: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft, München und Zürich: Piper, Kapitel 10: Der Untergang der Klassengesellschaft.
[4] Röpke, Wilhelm: Die Gesellschaftskrisis der Gegenwart, Erlenbach-Zürich: Rentsch, 1942, S. 86.
Hinweis: Die Inhalte der Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Ludwig von Mises Instituts Deutschland wieder.
Eduard Braun ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Technischen Universität Clausthal. Sein neues Buch Capital and Capitalism baut den Kapitalbegriff von Ludwig von Mises aus und befaßt sich eingehend mit der Rolle der Wirtschaftsrechnung im Marktprozeß. Sein Buch Finance Behind the Veil of Money beantwortet aus Sicht der Österreichischen Schule der Nationalökonomie, welche Rolle Finanzmärkte in der Volkswirtschaft spielen. Die meisten seiner wissenschaftlichen Beiträge kann man auf Researchgate herunterladen.
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