„Das staatliche privilegierte Teildeckungsbankensystem destabilisiert die Marktwirtschaft.“

Prof. Dr. Philipp Bagus

25.10.2012 – von Philipp Bagus.

Nach Ludwig von Mises ist „Liberalismus angewandte Nationalökonomie“.* In der Tat ist es schwer nach der Lektüre von Mises´ Werk sich gegen einen konsequenten Schutz des Privateigentums und für Staatseingriffe auszusprechen. Wer will schon die Konsumenten entmündigen, den Fortschritt hemmen, den Wohlstand gefährden, unfreiwillige Arbeitslosigkeit erzeugen, Chaos planen oder die Menschheit durch Inflation ruinieren?

Mit seinem Hauptwerk „Nationalökonomie“  setzte Mises dem Kapitalismus mit seinen Implikationen für Fortschritt und Wohlstand ein Denkmal, das seinesgleichen vergeblich sucht. Er versetzte zudem dem Sozialismus einen tödlichen theoretischen Schlag als er im Jahr 1920 zeigte, dass rationales Wirtschaften im Sozialismus aufgrund des Fehlens von Marktpreisen unmöglich ist.

Die für das tagesaktuelle Geschäft relevanteste Leistung könnte jedoch Mises´ Früh-Meisterwerk „Die Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel“ sein. Mises liefert uns darin den vielleicht entscheidenden Schlüssel im heutigen Kampf für die Freiheit. Denn in „Die Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel“ entwickelt er die österreichische Konjunkturtheorie und zeigt die inflationären Folgen von Papiergeld.

Mises legt damit die Hand an den Jungbrunnen der Staatsmacht. Gerade aus dem Geldwesen erklärt sich der zunehmende Rückgang der Freiheit. Es ist im Geldwesen, wo der Sozialismus auch noch nach 1989 fröhlich sein Unwesen treibt; mit Zentralbanken, die Zinsen und Geldmengen manipulieren, mit staatlichem Zwangsgeld und einem hyperregulierten und privilegierten Finanzsystem.

Das staatliche privilegierte Teildeckungsbankensystem destabilisiert die Marktwirtschaft. Die wiederkehrenden Zyklen von Aufschwung und Rezession demoralisieren die Menschen, die den Glauben an ihre eigenen Fähigkeiten verlieren. Sie machen größtenteils den anonymen Markt für die Rezession verantwortlich und rufen in schwierigen Zeiten nach Hilfe des mächtigen Staates. Nichts hat der Staatsmacht derart auf die Sprünge geholfen und die Marktwirtschaft diskreditiert wie diese wiederkehrenden Zyklen.

Eng verbunden ist Mises´ Verteidigung des Goldstandards: „Die Goldwährung macht die Gestaltung der Kaufkraft von dem Einfluss der Politik und der schwankenden wirtschaftspolitischen Anschauungen wechselnder Majoritäten unabhängig. Das ist ihr Vorzug.“ (Nationalökonomie, 1940, S. 431)

Die Finanzierung von Staatsausgaben durch Steuern macht den Bürgern deutlich: Staatlichen „Geschenke“ haben auch Kosten. Die meisten Menschen wollen keine höheren Steuern zahlen und verbinden höhere Steuern mit unnötigen Staatsausgaben. Alternativ kann sich der Staat jedoch auch durch Geldproduktion finanzieren. Die Geldproduktion führt dann zu relativ höheren Preisen. Die Preise sind höher als sie sonst gewesen wären, absolut können sie sogar fallen. Die meisten Menschen verbinden jedoch relativ höhere Preise nicht mit höheren Staatsausgaben. Auch lassen sich für höhere Preise leicht andere Sündenböcke finden, wie Gewerkschaften, Ölproduzenten oder egoistische Unternehmer. Dementsprechend gibt es stärkeren Widerstand gegen Staatsausgaben, wenn sie durch höhere Steuern als wenn sie durch Geldproduktion finanziert werden. Da Gold nicht gedruckt werden kann, diszipliniert ein Goldstandard Regierungen und ist Bollwerk gegen einen wuchernden Staatsapparat. In der Tat wären die heutigen Wohlfahrtsstaaten ohne Zwangsgeldwährung nicht finanzierbar. Wuchernde Bürokratien, erdrückende Sozial- und indoktrinierende Bildungssysteme mit allen ihren für die Freiheit abträglichen Effekten stützen sich auf das immaterielle Zwangsgeld.

Ein 100% prozentiger Goldstandard würde eine Staatsfinanzierung über die Notenpresse als auch die von Mises erklärten Konjunkturzyklen unmöglich machen. Die vielleicht gewichtigsten Ursachen des Staatswachstums wären eliminiert. Die Folgen von Zwangsgeld und Teildeckung beschrieb Mises schon genau vor 100 Jahren und legte mit seiner Abhandlung zum Gelde den Grundstein für ein Lebenswerk, das vernichtende Argumente gegen den Etatismus liefert. Es könnte mithin kein besseres Datum gewählt werden als zu diesem Jubiläum das deutsche Ludwig von Mises Institut zu gründen. Herzlich Willkommen!

*Für eine exzellente Einführung in Mises Leben und Werk vgl. Hoppe, Hans-Hermann: Ludwig von Mises und der Liberalismus.

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Philipp Bagus ist ist Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des “Ludwig von Mises Institut Deutschland”. Er ist Professor für Volkswirtschaft an der Universidad Rey Juan Carlos in Madrid. Zu seinen Forschungsschwerpunkten Geld- und Konjunkturtheorie veröffentlichte er in internationalen Fachzeitschriften wie Journal of Business Ethics, Independent Rewiew, American Journal of Economics and Sociology u.a.. Seine Arbeiten wurden ausgezeichnet mit dem O.P.Alford III Prize in Libertarian Scholarship, dem Sir John M. Templeton Fellowship und dem IREF Essay Preis. Er ist Autor eines Buches zum isländischen Finanzkollaps („Deep Freeze: Island’s Economics Collapse“ mit David Howden). Sein Buch „Die Tragödie des Euro“ erscheint in 12 Sprachen.

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