Die Undercover-Rettung der Eurozone durch die Fed

Prof. Philipp Bagus und Dr. Ron Paul (Foto: privat)

14.4.2012 – von Philipp Bagus

Am Dienstag, 22. März 2012, war ich von Ron Paul und seinem Mitarbeiterstab eingeladen, einer Anhörung des Unterausschuss beizuwohnen. Der Titel der Anhörung lautete: „Die Hilfen der FED für die Eurozone: ihr Einfluss auf die USA und den Dollar.“

Leider kam Ben Bernanke nicht zu der Anhörung, er war zu Werbevorträgen für die Notenbank unterwegs. Stattdessen waren zwei seiner Kollegen, Mr. William C. Dudley (president and chief executive officer, Federal Reserve Bank of New York) and Dr. Steven B. Kamin (director, Division of International Finance, Board of Governors of the Federal Reserve System), anwesend, um die Fragen des Kommitte’s hinsichtlich der Kreditlinien für andere Notenbanken zu beantworten.

Die Anhörung drehte sich hauptsächlich um die Liquiditätslinie mit der EZB, die gleichbedeutend mit einer versteckten Rettung europäischer Banken ist.

Aber warum benötigten die Europäer überhaupt Hilfe von der US-Notenbank? Europäische Banken hatten sich an den internationalen Finanzmärkten kurzfristig Dollar geliehen, um diese langfristig an US-Firmen und Haushalte auszuleihen. Diese Fristen-Inkongruenz ist hochriskant, wenn nämlich eine Bank ihre kurzfristigen Schulden bei Fälligkeit nicht verlängern kann, wird sie illiquide.

Im letzten Jahr trat eine solche Situation ein. Europäische Banken wurden von ihren Regierungen gedrängt, deren Staatsanleihen zu kaufen. So sind italienische Banken  mit italienischen Staatsanleihen beladen, spanische Banken mit spanischen Anleihen usw. Als die Staatsschuldenkrise sich im Sommer 2011 erneut verschärfte, hatten die Europäischen Banken mit der Verlängerung ihrer Dollarkredite zunehmend Probleme. Da die EZB nur Euro drucken kann, aber keine US-Dollar, wurden die Europäischen Banken zunehmend nervös. Während die US-Banken den Europäischen Banken keine weiteren Darlehensmittel gewähren wollten, sprang die Fed im September 2011 ein und rettete die Europäischen Banken mithilfe besagter Kreditlinie. Damit übernahm die Fed die Rolle des „internationalen Retters der letzten Instanz“.

Während der Finanzkrise zwischen 2007 und 2009 hat die Fed die Europäischen Banken hauptsächlich durch direkte Kredite an deren Niederlassungen in den USA gerettet. Um die Rettungen jetzt zu verbergen, setzt die Fed hauptsächlich Devisentauschgeschäfte ein. Die Fed verkauft US-Dollar an die EZB und kauft sie später zum gleichen Preis zurück, und erhält Zinsen. Dieses Vorgehen kommt einem Dollarkredit an die EZB zu 0,6 % Zinsen gleich (0,5 % über dem Diskontsatz). Die EZB kann diese Dollars dann nutzen, um sie an Europäische Banken zu verleihen, die in Schwierigkeiten stecken.

In der Anhörung stritten die Offiziellen das Offensichtliche nicht ab: die Rettung Europäischer Banken durch die Fed. Im Gegenteil, sie behaupteten, die Rettung war ein „Geschenk“ für die amerikanischen Steuerzahler, sie würden nahezu risikolos von den Zinseinnahmen aus den Geschäften profitieren.

Außerdem, so behaupteten die Fed-Offiziellen, war die Rettung notwendig, weil eine Pleite europäischer Banken Turbulenzen auf den Finanzmärkten ausgelöst hätte. Durch die Verknüpfung der internationalen Finanzmärkte wären US-Banken so ebenfalls in Turbulenzen gekommen; Darlehensgewährungen an US-Haushalte und US-Unternehmen wären negativ beeinflusst worden.

Schließlich sicherten sie aber zu, die Geschäfte zu beenden, sobald sich das Kosten-Nutzen-Verhältnis zu Ungunsten des US-Steuerzahlers verschieben würde.

Schauen wir uns die verblüffenden Argumente der Fed-Offiziellen näher an:

Zunächst, es gibt nichts umsonst; auch nicht für die Fed, den ultimativen Geldproduzenten. Erinnern wir uns, die US-Banken wollten den Europäischen Banken keine Kredite gewähren, weil sie es als zu riskant erachteten. Aber auch die Kreditgeschäfte der Zentralbank sind nicht risikolos. Es ist zwar richtig, dass die Fed die Währung abgesichert hat und den gleichen Dollarbetrag wieder zurückerwartet, inklusive Zinsen. Aber das Gegenparteirisiko bleibt: was, wenn die EZB in Konkurs geht? Dann würden die Gläubiger, inklusive der Fed, die Vermögenswerte der EZB übernehmen. Die Gläubiger würden Vermögenswerte wie griechische Staatsanleihen oder Darlehensforderungen an portugiesische Banken erhalten. Diese Banken wiederum sind abhängig von den Kreditlinien der EZB, diese sind abgesichert durch portugiesische Staatsanleihen, die wiederum von der Stützung durch die EZB abhängig sind.

Die Bilanz der EZB ist genaugenommen zum größten Teil unterlegt durch Anleihen insolventer Staaten, die alleine durch das Versprechen der EZB auf weiteres Gelddrucken und die zugesicherte Unterstützung durch die deutschen Steuerzahler über Wasser gehalten werden.

Obwohl ein Konkurs der EZB nicht wahrscheinlich ist, hat die EZB bereits im Jahr 2010 hinsichtlich möglicher Verluste das Eigenkapital erhöht und die Deutsche Bundesbank hat ihre Rückstellungen für Verluste in 2011 erhöht. In der Zwischenzeit hat die EZB noch mehr griechische Staatsanleihen gekauft. Die EZB ist vielleicht die am stärksten gehebelte Badbank der Geschichte.

Natürlich hofft die Fed, dass die Regierungen der Eurozone die EZB bei Bedarf immer wieder rekapitalisieren werden, sodass die Steuerzahler letztendlich der Fed die Dollars zurückzahlen. Aber was ist, wenn Deutschland die Eurozone verlässt? Auch wenn dies kurzfristig unwahrscheinlich ist, auf lange Sicht ist dies nicht auszuschließen. Dann würden Regierungen in Südeuropa den Bankrott erklären – und würden ihre Banken und die EZB mit in den Abgrund reißen. Wer würde dann die Dollars an die Fed zurückzahlen?

Es gibt kein „free lunch“, dass heißt – es gibt nichts umsonst, denn es entstehen Opportunitätskosten. Würden nämlich keine Dollars gedruckt, um diese an die EZB zu verleihen, wäre die US-Geldmenge niedriger und gedeckt durch qualitativ bessere Vermögenswerte (nicht indirekt durch griechische Staatsanleihen). Die Produktion von Dollars bringt eine Umverteilung zu den „Erstempfängern“ der neuen Dollars, der EZB, den Europäischen Banken und deren Darlehensnehmern zum Nachteil der „Letztempfänger“, vornehmlich US-Bürger, die mit einem entwerteten Dollar konfrontiert werden.

Und es gibt weitere Opportunitätskosten. Die Fed könnte die gleiche Menge an Dollars drucken und nicht in Kreditgeschäfte mit der EZB investieren. Diese Geschäfte bringen wenig Zinsen. Statt der Kreditlinite könnte die Fed andere Vermögenswerte erwerben, beispielsweise Aktien von Appel Inc. oder Gold, die im Wert mehr steigen könnten.

Ein weiterer negativer Effekt, der von den Offiziellen der FED in der Anhörung anerkannt wurde, ist das moralische Risiko. Banken und Regierungen weltweit könnten erwarten, dass die Fed sie jederzeit retten wird, vor allem wenn sie mit dem US-Finanzsystem eng verknüpft sind. Also, warum vorsichtig sein?

Die höchsten Kosten der Swapgeschäfte könnten aber woanders entstehen. Durch die Swapgeschäfte hilft die Fed der EZB Banken zu retten, die selbst insolvente und verantwortungslose Regierungen finanzieren. Die Fed rettet so indirekt Länder wie Griechenland, Portugal und Spanien und entwertet dabei den Dollar. Mithilfe der Bailouts kann das politische Projekt „Euro“ weitergehen. Ohne die Hilfen wären einige Europäische Banken Pleite gegangen und mit ihnen deren Staaten. Dank der Hilfen bleibt die Eurozone bestehen.

Das Europrojekt führt zu einem immer größer werdenden Rettungsfonds und direkt hinein in eine Fiskalunion und hin zu mehr Zentralisierung. Eine europäische Finanzverwaltung und ein europäischer Superstaat, der Steuerwettbewerb zunehmend abschaffen würde, sind zu befürchten. Der höchste Preis, den die Fed-Politik fordert, könnte die Freiheit in Europa sein.

Die Fed-Offiziellen stellten auch klar, dass die Kreditlinien dazu dienten, im Interesse der US-Bevölkerung Turbulenzen von US-Banken und US-Finanzmärkten fernzuhalten. Die Fed will nicht, dass die Aktienmärkte fallen oder dass die Zinsen steigen. Für die Fed sind niedrige Zinsen das Allheilmittel für alle ökonomischen Krankheiten. Wie auch immer, ein künstlich niedriges Zinsniveau, das auf ein normales Niveau ansteigt, ist kein Unglück. Nachhaltige Investments sind immer beschränkt durch echte Ersparnisse. Durch das Senken von Zinsen jedenfalls werden keine echten Ersparnisse geschaffen. Außerdem, eine wichtige Eigenschaft einer Marktwirtschaft ist es, dass Menschen Verantwortung für ihr Verhalten übernehmen. Wenn US-Banken Darlehen an Europäische Banken und Regierungen gewährt haben, dann sollen sie die Verluste aus ihrem riskanten Verhalten tragen.

Zu guter Letzt, die Fed behauptet, vorsichtig zu sein. Doch wie kann die Fed den Zeitpunkt erkennen, ab dem es nicht mehr klug ist, ausländische Banken zu retten? Wie kann sie wissen, ab welchem Zeitpunkt die Kosten der Rettungsmaßnahmen den Nutzen für die US-Bevölkerung übersteigen? Wie können sie wissen, was das Beste für die USA ist? Interpersonelle Kosten-Nutzenvergleiche sind willkürlich. Aufgrund der Rettungsmaßnahmen können einige Banken Gewinne machen, Aktionäre können Gewinne machen, aber auf Kosten der Freiheit in Europa und zum Nachteil der Dollarnutzer. Außerdem, Bailouts erzeugen moralische Risiken, Krisen und Verluste für Einzelne in der Zukunft. Dennoch behauptet die Fed zu wissen, was zu tun ist. „Social engineering“ in Bestform – oder, wie Hayek es ausdrücken würde, eine „fatale Einbildung“ seitens der Planwirtschaftler.

Zusammengefasst: die Fed hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Finanzindustrie und Regierungen weltweit zu retten und dabei den Dollar zu entwerten. Die Fed-Offiziellen behaupten, die Rettungsmaßnahmen in Form der Kreditlinien für ausländische Zentralbanken seien ein „free lunch“ für den US-Steuerzahler und eine kluge Sache. Gott sei gedankt, dass wir uns in solch guten Händen befinden.

Der Originalartikel „The Fed’s Swap Bailout of the Eurozone“ ist am 10. April auf www.mises.org erschienen und wurde von Andreas Marquart (misesinfo) übersetzt.

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Prof. Dr. Philipp Bagus lehrt Volkswirtschaft an der Universidad Rey Juan Carlos in Madrid. Sein jüngstes Buch über „Die Tragödie des Euro – Ein System zerstört sich selbst“ erschien 2011 im Finanzbuch Verlag München.

Lesen Sie auch das Interview mit Philipp Bagus zu seinem Buch „Die Tragödie des Euro“. Zum Interview finden Sie hier.

 

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