„Rezession – Repression – Sezession: Investieren in turbulenten Zeiten“

1.2.2013 – Interview mit Steffen Krug, Institut für Austrian Asset Management (Hamburg) .

Sehr geehrter Herr Krug, vielen Dank, dass Sie sich Zeit nehmen, für ein Interview mit dem Ludwig von Mises Institut zur Verfügung zu stehen. Herr Krug, Sie als Ökonom haben schon in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in der Tradition der Österreichischen Schule der Nationalökonomie gedacht und analysiert. Wenn Sie jetzt zurückblicken: Wann haben Sie die „Krise“ kommen sehen?

Steffen Krug

Im Jahr 1997 habe ich in meiner Diplomarbeit unterschiedliche europäische Integrationsstrategien analysiert. Hierzu zählen unter anderem Vorschläge von Friedrich August von Hayek und James Buchanan sowie auch der European Constitutional Group, der auch mein damaliger Professor Jan Winiecki angehörte. Ich erkannte, dass nur eine Fortsetzung der klassisch-liberalen Strategie mit System- und Währungswettbewerb (gemäß der Römischen Verträge von 1958) auch zukünftig den Frieden und Wohlstand in Europa sichern würde.

Mit den Verträgen von Maastricht hatte sich die Politik jedoch bereits seit 1992 von der Idee eines klassisch-liberalen Europas abgewandt und verfolgte nunmehr das sozialdemokratische Ziel eines zentralisierten, regulierten und harmonisierten Europas. Also spätestens mit Fertigstellung meiner Diplomarbeit 1997 war mir klar, dass – ohne eine Rückkehr zum europäischen  Systemwettbewerb der Römischen Verträge –  Europa in eine tiefe Krise stürzen würde.

Ein weiterer wichtiger Erkenntnissprung für mich war sicherlich auch die Lektüre von Roland Baaders Buch „Geld, Gold und Gottspieler“. Nachdem ich als Wertpapierspezialist einer Bank den „New Economy Boom“ samt folgendem „Salami-Crash“ hautnah miterleben dürfte, begann ich mich ganz intensiv mit der Österreichischen Geld- und Konjunkturtheorie zu beschäftigen. Die Website des Ludwig von Mises Institute in Auburn, USA, war diesbezüglich eine unerschöpfliche Wissensquelle.

Die 2007 hereinbrechende Finanzkrise war daher alles andere als eine Überraschung und ich erkannte im Herbst 2008, dass das jahrzehntelange Pyramidenspiel des weltweit ungedeckten Kreditgeldsystems  an einem Ende angelangt war und der endgültige Kollaps nur mit Hilfe von politischen Tricks und Repressionen noch einige Zeit verzögert werden würde.

Sie haben dann im Jahr 2009 das „Institut für Austrian Asset Management (IfAAM)“ gegründet. Mit welchem Ziel?  

Mein Ziel war es, institutionellen und privaten Anlegern die Ursachen und wirtschaftlichen Zusammenhänge der Finanzkrise aus Sicht der Österreichischen Schule der Ökonomie näher zu bringen. Der Investmentstil des Austrian Asset Management ergänzt das klassische Value Investing um die Erkenntnisse der Österreichischen Geld-, Konjunktur- und Unternehmertheorie und hilft Anlegern, kostspielige Investmentfehler zu vermeiden und Blasenbildungen zu erkennen. Austrian Asset Management ist sozusagen der Investmentstil für die aktuelle Geldsystemkrise.

Wie entwickelt sich die Nachfrage der Investoren nach einem solchen „Austrian“-Ansatz für ihr Anlageportfolio? Vermutlich ist diese Art der Investitionsphilosophie doch sehr erklärungsbedürftig, bedarf viel „Überzeugungsarbeit“? 

In der Tat ist die grundlegende Philosophie hinter dem Investmentstil Austrian Asset Management für Laien ohne Kenntnisse der Österreichischen Schule der Ökonomie nur schwer verständlich. Auf der anderen Seite haben nach 5 Jahren Finanzkrise weite Teile der Bevölkerung erkannt, dass mit dem herrschenden Banken- und Geldsystem etwas fundamental nicht in Ordnung sein kann. Gleichzeitig hat auch die Österreichische Schule in Deutschland viele neue Anhänger gewonnen und es gibt seit 2011 vereinzelt  gezielte Anfragen von Anlegern, die ihr Portfolio nach der Austrian Asset Management Philosophie strukturiert haben wollen. Allerdings muss in den nächsten Jahren noch viel Pionierarbeit geleistet werden, damit  zukünftig von so etwas wie einem Markt für „Austrian“ Investmentlösungen in Deutschland gesprochen werden kann.

Wie ist derzeit Ihre Einschätzung? Steht eine Hochinflation unmittelbar bevor? Oder wird die Krise „anders“ gelöst. Die Euro-Politiker und ihre Zentralbank scheinen ja alle Register zu ziehen. Das „Recht“ wird angepasst, die Marktzinsen werden manipuliert, es wird eine Haftungsunion für Staats- und Bankkredite auf den Weg gebracht. Die Märkte haben sich „beruhigt“. Haben die „Austrians“ eine Antwort?

Der Österreichische Ökonom Eugen von Böhm Bawerk schrieb in seinem 1914 erschienen Werk „Macht oder ökonomisches Gesetz“, dass politische Interventionen durchaus kurz- bis mittelfristig  das Marktgeschehen beeinflussen können, sich aber langfristig immer das ökonomische Gesetz basierend auf Angebot und Nachfrage durchsetzen wird. Wendet man diese Logik auf die aktuelle Euro-Politik und die EZB an, so folgt daraus, dass durch die Politik der permanenten Reflationierung und des Rechtsbruchs  der Euro zwar noch einige Zeit künstlich am Leben erhalten werden kann, der endgültige Zusammenbruch aber nicht mehr abzuwenden ist. Durch diese Art der Ausübung von politischer Macht wird lediglich die zivilisatorische Fallhöhe vergrößert. Ich rechne in diesem Umfeld mit einer weiter zunehmenden Marktvolatilität. Ob am Ende des Eurosystems eine Hyperinflation oder ein deflatorischer Kollaps stehen wird, ist letztendlich zweitrangig. Viel wichtiger wird es sein, bis zu diesem Zeitpunkt noch liquide zu sein und die richtigen Sachwerte zu halten. Gemäß der Philosophie des Austrian Asset Management sind das  Gold, Silber und Minenwerte; Familienunternehmen mit solider Eigenkapitalquote sowie Substanzwerte, die jederzeit benötigt werden.

Ihren Worten entnehme ich, dass man „Liquidität“ nicht mehr in Euro-, US-Dollar- oder Schweizer Franken bemessen sollte, sondern in Form von Edelmetallen. Dafür spricht natürlich, dass diese Güter nicht beliebig vermehrt werden können – wie Papiergeld. Aber was sagen Sie Ihren Gesprächspartnern mit Blick auf das Thema „Goldverbot“? Das hat es ja nun schon mal gegeben, in den USA, aber auch in Deutschland unter den Nationalsozialisten …

Ja, die EU-Politik der letzten Jahre erinnert in fatalerweise an die politische Entwicklung Deutschlands in den 30er Jahren. Meiner Meinung nach wird das herrschende Parteienregime im weiteren Verlauf der Finanzkrise vor einem Goldverbot – aber vor allem auch vor Kapitalverkehrskontrollen – nicht zurückschrecken. Daher sollte jeder Anleger diversifizieren und neben Gold natürlich auch andere „Austrian Assets“ halten. Physisches Silber ist beispielsweise eine gute Versicherung gegen ein mögliches Goldverbot. Zudem hat der deutsche Gesetzgeber kürzlich die steuerliche und rechtliche Ausgestaltung internationaler Fondspolicen geregelt. Die „IfAAM Compass Police“ nach Liechtensteiner Versicherungsrecht ist ein erstklassiger Schutzmantel gegen EU-Goldverbote und Kapitalverkehrskontrollen. Innerhalb der Police kann der Anleger in physisches Edelmetall mit Lagerung im zollfreien Hochsicherheitslager im Gotthardmassiv in der Schweiz sowie weltweit in alle anderen Austrian Assets investieren und ist selbst dann noch handlungsfähig, wenn Mainstream Investoren bereits ihr angespartes Vermögen nicht mehr aus der EU herausbekommen.

Sie wenden nicht nur die Erkenntnisse der Österreichischen Schule der Nationalökonomie praxisorientiert an, Sie veranstalten auch Tagungen,  auf denen auch wissenschaftliche Beiträge zur Lehre der Österreicher angeboten werden. Ist der Eindruck richtig, dass es Ihnen hier vor allem um „die Verbreitung der guten Ideen“ geht, einer Bewegung, die sich bereits auf zahlreiche Mitstreiter stützt?    

In meiner langjährigen Beratungstätigkeit habe ich immer wieder die Erfahrung gemacht, dass Menschen sich vor allem in Verbindung mit der eigenen Geldanlage für ökonomische Zusammenhänge interessieren. Da lag die Idee nahe, Investoren im Rahmen von Anlegertagungen die besseren Ideen der Österreichischen Schule der Ökonomie näher zu bringen und vor diesem Hintergrund auch aktuelle politische Entwicklungen zu analysieren. 2010 habe ich zusammen mit Kristof Berking die Hamburger Mark Banco Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen, die dieses Jahr bereits zum vierten Mal stattfinden wird.

Der Titel der diesjährigen Konferenz, die vom 31. Mai bis zum 1. Juni in Hamburg stattfindet, lautet „Rezession – Repression – Sezession: Investmentchancen in turbulenten Zeiten“. Wir konnten wieder großartige Denker und Redner gewinnen: Professor Guido Hülsmann, Professor Philipp Bagus, Professor Karl Schachtschneider, Oliver Janich, Dimitri Speck, Martin Siegel, Beatrix von Storch und Ralf Flierl.

Besonderen Wert lege ich darauf, dass die Veranstaltung den Freunden und Anhängern der Österreichischen Schule die Möglichkeit bieten wird, sich persönlich kennenzulernen und sich auszutauschen und das eigene Netzwerk zu erweitern. Die 4. Hamburger Mark Banco Anlegertagung findet dieses Jahr auf der Fleetinsel im Steigenberger Hotel statt – eine wirklich sehr schöne Örtlichkeit. Das genaue Programmheft wird ab Mitte Februar auf der Institutswebsite www.ifaam.de online gestellt. Ich darf sagen, dass ich mich sehr auf diese Veranstaltung freue!

Herr Krug, ich bedanke mich für das Gespräch – und ich wünsche Ihnen für Ihre Konferenz mindestens so viel Erfolg wie in den Jahren zuvor!

Das Gespräch mit Steffen Krug führte Thorsten Polleit im Januar 2013 per E-Mail.

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Dipl. Volkswirt Steffen Krug studierte Wirtschaftswissenschaften an der Universität Heidelberg und der ESC Reims in Frankreich sowie an der Europa-Universität-Viadrina in Frankfurt an der Oder. Nach einem Traineeprogramm bei der Vereins- und Westbank in Hamburg war er dort anschließend als Wertpapierspezialist tätig. 2001 machte er sich als Vermögensberater und Finanzmakler selbständig. Während seiner praktischen Tätigkeit entwickelte er den Investmentstil des Austrian Asset Management, gründete 2009 das Institut für Austrian Asset Management sowie die Hamburger Mark Banco Veranstaltungsreihe und organisiert seit 2012 das Go-AHEAD! Powerbreakfast in der Tradition der „Ehrbaren Hamburger Kaufmannschaft“.

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