„Lasst die Clowns herein“ oder „Warum schlechtes Geld schlechte Führungseigenschaften erzeugt“

6.3.2013 – von Patrick Barron.

Patrick Barron

Die negativen Auswirkungen des kreditären Fiat-Geldes häufen sich. Zuweilen scheint es, als ließe sich alles, was in unserer Gesellschaft falsch läuft, mit unserem „schlechten Geld“ begründen. Ja, ich weiß, ich erinnere Sie bestimmt an den Vater im Film „My Big, Fat Greek Wedding“ („Hochzeit auf griechisch“), der Familie und Freunden unentwegt mit der Behauptung auf die Nerven geht, jedes englische Wort hätte seinen Ursprung im griechischen – aber zurück zum Thema. Gerade eben haben die Italiener ihre Stimmenmehrheit einer neuen Partei gegeben, der „Fünf-Sterne-Partei“, mit Beppe Grillo, Komiker von Beruf, an der Spitze. Der geschäftsführende Premierminister Mario Monti, ein Technokrat, wurde für seinen Versuch abgestraft, etwas Disziplin in den italienischen Staatshaushalt zu bringen. Die Wählerschaft hat dies abgelehnt. Erst kürzlich haben die Slowenen ihren Ministerpräsidenten hinausgeworfen, für den Vorschlag, sich einer Politik der „Austerität“ und somit einer fiskalisch verantwortungsvollen Regierungsführung zuzuwenden. Sogar die gewöhnlich verantwortungsbewussten Niederländer haben vermeldet, dass sie es in diesem Jahr nicht schaffen werden, das EU-Defizit-Ziel von 3 % einzuhalten … eventuell nächstes Jahr … oder gar nicht mehr! Der neue japanische Premier gab bekannt, er werde einen Notenbankchef ernennen, der versprochen hat, den Yen abzuwerten und eine höhere Inflation anzustreben. Und in den USA hat Fed-Chef Bernanke erst kürzlich dem Kongress versichert, mit der Null-Zinspolitik fortzufahren, bis die Arbeitslosenquote auf das vereinbarte Niveau abgesunken ist. Verantwortliche Geldpolitik? Dass ich nicht lache!

Fiat-Geld – der Traum von der Welt der unbegrenzten Möglichkeiten

Fiat-Geld, in unlimitierter Höhe erzeugt durch die nationalen Notenbanken, ermöglicht es Regierungen, über mehr Mittel verfügen zu können, wie es in einem gesunden Geldsystem der Fall wäre. Im Laufe der Zeit stellt die Öffentlichkeit immer mehr Forderungen an die Regierungen, wohl wissend, dass es die Fähigkeit der Regierung, Geld zu drucken, erlaubt, Ressourcen zu konfiszieren und an bestimmte Interessensgruppen weiterzureichen. Jegliche Sorge, Geld zu drucken könnte schädlich sein, wird als Unfähigkeit verspottet, den von Lord John Maynard Keynes (1883 – 1946) erwiesenen stimulierenden Effekt zu verstehen. Europa ist auf diesem Weg bereits ein ganzes Stück weiter als die USA, aber wir sind entschlossen, aufzuholen. Aufgrund der Fähigkeit der Notenbanken, unlimitiert Staatsanleihen anzukaufen, betrachtet die Öffentlichkeit jeden Politiker, der Ausgabenkürzungen empfiehlt, wie einen Rückfall in die Zeit analogen Fernsehens.

Die Folge des Fiat-Geldes ist kollektive Korruption, ein Begriff, den Thorsten Polleit geprägt hat, und der im Kern eine Erhöhung der gesellschaftlichen Zeitpräferenz bezeichnet. Gesellschaftliche Wertevorstellungen, die den Weg erfolgreichen Handelns in der wirklichen Welt aufzeigen, werden zerstört. Die echte Welt erfordert echte Ersparnisse, damit sich die Gesellschaft wirtschaftlich weiter entwickeln kann. Und Sparen braucht Zeit. Keynes‘ These der aggregierten Nachfrage möchte uns glauben machen, dass Konsum der Weg zum Fortschritt ist. Wenn das stimmt, worauf warten wir noch? Konsumieren wir, los, sofort! Seit die Zentralbanken in der Lage sind, Geld nahezu unlimitiert zu den Regierungen zu lenken, scheint es keinen Grund zu geben, zu warten. Und so müssen wir uns immer wieder anhören, dass das Scheitern der kapitalistischen Wirtschaft durch Maßnahmen und Handeln der Regierung überwunden werden muss, und jeder Politiker, der etwas anderes empfiehlt, wird von Meinungsumfragen regelrecht vernichtet. Und so ist eine neue Politiker-Spezies entstanden, eine Spezies, deren Theorie der Staatslenkung der irregeführten Wählerschaft entspricht.

Schlechtes Geld schafft ausgabenfreudiges Führungspersonal

Es ist leicht zu erkennen, dass die erforderlichen Führungsqualitäten in einer Volkswirtschaft mit gutem Geld nicht die sind, die von den Wählern einer Volkswirtschaft mit schlechtem Geld akzeptiert werden. So sehr wir uns auch bedächtige, kluge und sparsame (politische) Führungskräfte wünschen, in einer Volkswirtschaft mit schlechtem Geld wird das Wahlvolk niemanden mit diesen Eigenschaften akzeptieren. Im Gegenteil, man wird diejenigen vorziehen, die am meisten gewillt sind, die Fähigkeit der Regierung rücksichtslos auszunutzen, die Staatsausgaben zu erhöhen. Deshalb wird beispielsweise eine Nation, die sich im Krieg befindet, gutes Geld beseitigen, weil der Wähler sonst früher oder später bemerken würde, wie teuer es wirklich ist, Krieg zu führen, und daraufhin die Frage stellen könnte, ob es klug ist, den Krieg fortzusetzen. In einer Volkswirtschaft mit schlechtem Geld erwartet die Bevölkerung im eigenen Land von der Regierung natürlich Taten: dass man eine Hochschulausbildung bekommt, Traumhäuser, kostenfreie Arzneimittel und am besten noch ein völlig kostenfreies Gesundheitswesen. Die Regierung soll Träume erfüllen. Und überhaupt, was sollen wir uns um solch banalen Dinge wie Ausgaben und Schulden sorgen, das wird sich alles irgendwie von selbst durch eine expandierende Wirtschaft erledigen, angeregt durch Staatsausgaben, finanziert durch Fiat-Geld.

Die Botschaft ist klar – kluge, sparsame und bedächtig agierende „Köpfe“ braucht man nicht. Ein Komödiant, der die größte Partei in Italien anführt, ist letztlich Ausdruck einer Entwicklung, die sich zur Norm zu entwickeln scheint. Erfahrung, Integrität, Wissen etc. sind keine Vorraussetzungen mehr, um Führungspositionen zu übernehmen. Die Öffentlichkeit will nur noch das Versprechen auf Ausgaben … je unbekümmerter, umso besser. Schlechtes Geld ist ein unverhohlener Angriff auf die ökonomische Realität und bringt notwendigerweise die Art von Führungseigenschaften hervor, die für dieses Umfeld am besten geeignet sind: schnell sprechende, wortgewandte Scharlatane, die aussehen wie Filmstars, die nur geringe akademische und geschäftliche Erfolge vorzuweisen haben. Wir erwarten, dass uns unsere Anführer in guten Zeiten unterhalten und sich in schlechten Zeiten mitfühlend zeigen, und uns erzählen, dass wir für uns selbst nicht verantwortlich sind … und dass die Regierung mittels Sozialleistungen für uns sorgt, die überhaupt nur mit Unsummen schlechten Geldes bezahlbar sind. Solange Regierungen über das Werkzeug „schlechtes Geld“ verfügen können, können wir auch nur Anführer erwarten, die so schwach und schlecht sind, wie das Geld, das sie drucken.

(aus dem Englischen übersetzt von Andreas Marquart)

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Patrick Barron has been a consultant to the banking industry since 1985. He teaches Bank Management Simulation at the Graduate School of Banking, University of Wisconsin, Madison and Austrian Economics at the University of Iowa. His website ist: patrickbarron.blogspot.de

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