„Die Menschen haben ein ungutes Gefühl, dass etwas gewaltig aus dem Ruder läuft.“

13.8.2012

Dipl.-Kfm. Martin Mack

Dipl.-Kfm. Martin Mack von der „Mack & Weise – Vermögensverwaltung“ im Interview mit „misesinfo“.

Herr Mack, es ist immer hochinteressant, die Markt- und Fondsreports von Mack & Weise zu lesen. Zwar sind die Themen, die Sie besprechen müssen, sehr ernst, doch sind die Reports gespickt mit Spitzen gegenüber Verantwortlichen und Beteiligten der Finanzkrise – und das ist es, was die Reports neben Ihren „messerscharfen“ Analysen auszeichnet – Kompliment. Wir wollen heute einige Passagen aus dem aktuellen Fondsreport herausgreifen und mit Ihnen über die Situation des Eurosystems und auch des Finanzsystems sprechen.

Die „Eurorettungstöpfe“ bezeichnen Sie als „Ausdruck eines von Wahnsinn gesteuerten Versuchs, das System der faulen Kredite durch Hütchenspiele verschwinden lassen zu wollen“. Laut Wikipedia ist ein „Hütchenspiel“ ein als Geschicklichkeitsspiel getarnter Trickbetrug. Wer wird denn hier von wem betrogen?

Ich denke, dass die Verantwortlichen aus Politik und Finanzindustrie alles daransetzen, die wahren Protagonisten natürlich nicht zu sehr im Vordergrund erscheinen zu lassen – sich selbst! Der Leidtragende wird letztendlich der Steuerzahler und Sparer sein. Wir haben es ja  schon 2008 erleben dürfen, als Frau Merkel und ihr damaliger Finanzminister Peer Steinbrück – ohne jegliche Legitimation seitens des Parlaments – im Staatsfernsehen die Sicherheit der Spargelder garantierten und uns erlaubten, dass wir uns – Steuerzahler und Sparer – selbst retten dürfen. Da denkt natürlich der normale Bundesbürger „Das ist ja prima, wenn das unsere Kanzlerin erzählt, hat das natürlich alles Hand und Fuß“. Aber dieses Schauspiel hat natürlich kaum einer begriffen. Es gibt ein schönes Zitat vom Bankier Carl Fürstenberg: „Wenn der Staat pleite geht, geht nicht der Staat pleite, sondern seine Bürger“. Das ist es, was es zu erkennen gilt.

Noch ein Zitat aus ihrem letzten Fondsreport. Die Politiker bezeichnen Sie als „Vorwärts immer, rückwärts nimmer Politiker“. Was oder wen meinen sie damit?

Ich denke, es gehört durchaus – nicht nur für Politiker – eine charakterliche Größe dazu, inne zu halten und zu sagen „Mein Gott, der Weg, den wir eingeschlagen haben, führt uns direkt in die Katastrophe“. Stattdessen wird uns aber mit Sprechblasen „Alternativlosigkeit“ suggeriert.  „Stirbt der Euro, stirbt Europa“ oder „der Euro ist eine Frage von Krieg und Frieden“ und welche vermeintlichen Argumente uns noch so mitgeteilt worden sind. Diese Behauptungen dienen nur dem Ziel, nämlich nicht die vorhandenen Alternativen zu bedenken. Genau diese Gedankenmauer der vermeintlichen Alternativlosigkeit gilt es zu durchbrechen.

Wenn es in der Politik mehr „charakterliche Größen“ gäbe, die diesen Weg aufzeigen und Ihnen auch entsprechendes Gehör eingeräumt werden würde, so wäre gleichzeitig jedoch damit eine unglaubliche Demaskierung für die aktuell Handelnden verbunden, welch falschen Weg diese Verantwortlichen bisher gegangen sind. Und gerade diejenigen müssten sich dann auch der Verantwortung stellen. Aus diesem Grunde muss man wohl viele Entscheidungen der aktuell Verantwortlichen – soweit sie sich überhaupt der Tragweite ihres Handelns bewusst sind – als puren Selbstschutz interpretieren.

Sie scheinen keine großen Erwartungen zu haben. Sehen Sie denn in der Parteienlandschaft nirgendwo diese charakterlichen Größen?

Wir brauchen uns doch nur die Polit-Talkshows anzuschauen: da sitzen heutzutage nahezu dieselben Personen, die die Krise nicht haben kommen sehen, und erklären uns immer mal wieder, die Krise sei nun aber langsam wirklich vorbei und sie seien doch sehr zuversichtlich. „Völlig überraschend“ und „unerwartet“ kommt sie anschließend jedoch immer heftiger wieder zurück. In der aktiven Parteienlandschaft sehe ich diese charakterlichen Größen, mit wenigen erfreulichen Ausnahmen, kaum. Nur eines ist öfter festzustellen, wenn der eine oder andere sich mal aus der aktiven Politik zurückgezogen hat, dann ergreift er mit einem gewissen zeitlichen Abstand das Wort, um jene offenkundigen Fehlentwicklungen anzuprangern, die sie während ihres politischen Wirkens leider mittrugen. Das ist sehr bedauerlich und man fragt sich: „Warum hat er diesen Charakterzug nicht damals gezeigt, als er noch in Verantwortung stand?“

Sehr positiv aus der Rolle fällt da unser Bundesbankpräsident Jens Weidmann aufgrund seiner abweichenden „Rettungsmeinung“. Damit ist er ja nicht nur ein Verfechter der monetären Interessen Deutschlands, sondern aller Europäer. In Teilen der deutschen Presse wird er für diesen Einsatz jedoch als ‚nörgeliger Querulant’ dargestellt. Da muss man sich doch tatsächlich schon fragen: Was ist hier in diesem Land los, wenn der eigene Bundesbankpräsident, der sich noch gegen die mentale Gleichschaltung in Sachen „Friedensprojekt Euro“ auflehnt und sich damit ja durchaus auch für die Interessen der gesamten Bevölkerung im „Euroraum“ einsetzt, so im eigenen Land angegriffen wird.

Wie beurteilen Sie die zunehmenden Zentralisierungstendenzen in Europa?

Ganz aktuell wird ja schon offen über die weitere Einschränkung der Demokratie philosophiert. Mario Monti hat erst kürzlich in einem Spiegel-Interview bekannt gegeben, dass Parlamente doch recht störend sein können, wenn Regierungen etwas zu entscheiden haben. Die Verlagerung von immer mehr Kompetenzen in Richtung Brüssel ist eine stetige  Entwicklung, die schon seit langer Zeit zu beobachten ist. Damit schließt sich der Kreis bezüglich der „Vorwärts immer, rückwärts, nimmer – Politiker“, die den Weg in die Schuldenvergemeinschaftung und damit letztendlich Verantwortungslosigkeit gehen wollen. Es gibt da auch einen zynischen Kommentar von Herr Schäuble, der vor längerer Zeit sinngemäß sagte, „um den nächsten Schritt in der Entwicklung Europas zu vollziehen, benötigen wir eine große Krise, bzw. könnte diese Hilfe eben sehr hilfreich sein.“ Denn durch die Instrumente Angst und auch Schuld lassen sich Dinge durchsetzen, die der Bevölkerung in normalen Zeiten nicht zu vermitteln sind. Und gerade bei uns Deutschen funktioniert dieser Reflex ja noch immer ganz prächtig. Erinnern wir uns, 2010 forderte ein griechischer Politiker die Rückgabe des von den Nazis geraubten Goldes, bevor wir irgendwelche Ansprüche erheben. Da bedurfte es erst einer kurzen geschichtlichen Nachschulung für die Griechen, um die Forderung ins rechte Licht zu rücken. Aber auch international wird die widerstrebende Haltung Deutschlands bezüglich einer Transferunion bzw. einer Schuldenvergemeinschaftung immer aggressiver angegriffen und in diesem Zusammenhang unsere Schuld thematisiert und damit verbunden an unsere Solidarität appelliert. Vor diesem Hintergrund habe ich sehr große Bedenken, wohin das führt – insbesondere, ob man die Völker Europas tatsächlich auf dieser Basis dauerhaft vereinen kann; vor allen Dingen friedlich vereinen kann. Helmut Kohl’s Aussage, die „Einheit Europas bleibe eine Frage von Krieg und Frieden“ bekommt für mich vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen jedoch eher eine gegenteilige Bedeutung.

Was ganz klar erkennbar ist, dass Politik und Notenbanken die Schuldenberge „weginflationieren“ wollen. Warum glauben Sie, haben die Anleger trotzdem immer noch einen große Teile ihres Vermögens auf Festgeldern, Tagesgeldkonten, in Versicherungswerten, haben also scheinbar immer noch hohes Vertrauen in Geldwerte?

Mein Eindruck aus vielen Gesprächen ist: die Menschen haben durchaus ein ungutes Gefühl, dass hier etwas gewaltig aus dem Ruder läuft. Sie erkennen, dass man eine Überschuldung nicht mit neuen Schulden erfolgreich bekämpfen kann. Aber, seit 60 Jahren geht es wirtschaftlich nahezu stetig bergauf und so wird diese Entwicklung nur allzu gern fortgeschrieben und auch als Selbstschutz wird die bedrohliche Situation vielfach leider immer noch sehr oft negiert. Hinzu kommt noch: wer weiß schon, wie das Geldsystem funktioniert? Welche Konsequenzen hat es, wenn einfach mal so virtuell Billionen neue Währungseinheiten geschaffen werden? Das ist für die meisten Menschen ein sehr abstraktes Thema. Da muss man sich nicht wundern, dass viele Menschen keine große Bereitschaft aufbringen, sich mit den Zusammenhängen und den Konsequenzen wirklich auseinanderzusetzen.

Sie haben gerade unser Geldsystem angesprochen. Die Schulden, die aufgebaut wurden, waren in dieser Dimension ja nur aufgrund unseres Papiergeldsystems möglich. Laut Ludwig von Mises muss ein Papiergeldboom in einer Rezession-Depression enden. Sehen Sie das genauso?

Da stimme ich vollständig zu. Die Politik versucht derzeit mit ihren Eingriffen nur die notwendige Systembereinigung zu verzögern. Was jedoch dadurch erreicht wird, ist allerdings lediglich, dass sich die Absturzhöhe massiv erhöht.

Der ESM ist ein Teil dieser Eingriffe – Sie bezeichnen den ESM „als faktisch per Staatstreich erzwungen“. Was erwarten Sie im Hinblick auf die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes im September?

Wenn man einigen Verlautbarungen der Kläger folgt, sind diese ja durchaus leicht optimistisch. Man sollte sich allerdings keiner Illusion hingeben: die Entscheider beim Bundesverfassungsgericht haben ihre Position aufgrund politischer Entscheidungen bekommen und wenn wir uns die Vergangenheit anschauen, gerade im Hinblick auf das große Thema „Eurorettung und Europa“, dann bin ich doch sehr verhalten hinsichtlich meiner Zuversicht, dass uns das Bundesverfassungsgericht retten wird. Sollte es tatsächlich doch dazu kommen, denke ich, wird auch das eher eine politische Entscheidung sein.

Das Interesse der Medien konzentriert sich derzeit ausschließlich auf die Eurokrise. Sie thematisieren in Ihrem Fondsreport auch den US-Dollar. Der Dollarraum oder auch andere Währungen, sind das für Sie Anlagealternativen?

Nein, das sind sie nicht. Die heutigen Währungen kann man bestenfalls in „Schwachsichtige“ und „Blinde“ unterteilen – je nach Fortschritt des Verfalls. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass es sich aktuell bei allen Währungen – gleich ob Schweizer Franken, US-Dollar oder Britisches Pfund etc. – um Papiergeld ohne einen inneren Wert handelt – der einzige Wert auf dem diese Währungen basieren ist das Vertrauen, welches ihnen entgegengebracht wird. Doch das noch vorhandene Restvertrauen wird aktuell systematisch zerstört.

Eine Frage zum Schluss: wir haben kürzlich in einem Interview Ihren Geschäftspartner Herwig Weise als „Österreicher in Hamburg“ bezeichnet. Dürften wir die Herren Mack und Weise aufgrund ihrer Denkrichtung und Sichtweisen künftig als „Zwei Österreicher in Hamburg“ bezeichnen?

Das dürfen Sie gerne tun.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Mack.

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Zur Internetseite der „Mack & Weise – Vermögensverwaltung“ finden Sie hier.

Lesen Sie auch den aktuellen Marktkommentar der „Mack & Weise – Vermögensverwaltung“.

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