Die ideale „österreichische Welt“ (Teil II)

31.8.2012 – von Ralph Bärligea.

Ralph Bärligea

Dieser Beitrag erschien vor genau zwei Jahren im August 2010 als Titelstory für das Börsenmagazin Smart Investor. Nach Teil I wird nun durch Teil II der Onlineveröffentlichung auf misesde.org ersichtlich, dass sich die negativen Ausprägungen der Krise („Kettenreaktionen“, Fehlinvestitionen, Monopolstrukturen, „Macht der Banken“, Intransparenz des Finanzsystems) tatsächlich wie angekündigt durch die Zentralbankpolitik verschärft haben. Gleichzeitig vermehrten sich wie vorausgesehen die Initiativen hin zu marktwirtschaftlichem Geld in Politik und Privatwirtschaft (Vgl. z. B. Holt unser Gold heim!, Positionspapier Liberaler Aufbruch S. 10-14, Volksinitiative „Rettet unser Schweizer Gold“, Comeback von Degussa Goldhandel, Expansionsgeschichte von „GoldMoney, u. v. m.). Diese und ähnliche Initiativen werden, soweit nicht durch staatliche Gewaltmaßnahmen verhindert, eine Lösung der Krise bewirken.

Schädliche Kettenreaktionen und Verschwendung von Kapital werden vermieden

Gibt eine im Wettbewerb stehende Bank zu viel Sichtguthaben, Scheine und Münzen aus, so dass sie die Forderungen ihr gegenüber in eigentlichem Geld, z.B. Gold, nicht mehr bedienen kann, geht sie sofort pleite. Zudem werden die Einleger mit der Bank immer einen Vertrag abschließen, der eine gewisse Deckung, die auch 100% betragen kann, vorschreibt. Die Nichteinhaltung dieser Verträge wäre illegal und kann durch ein funktionierendes Rechtssystem problemlos verhindert werden. Eine drastische Kettenreaktion, wie im heutigen System, in dem die Banken auf die Rettung durch die Zentralbank spekulieren und von privater Haftung durch eigentumsloses Fremdkapital einer kollektivistischen Zentralbank enthoben sind, ist nicht möglich. Kettenreaktionen an sich sind in der Wirtschaft aber etwas völlig Normales. Alles im Leben ist eine Kettenreaktion. Es kommt nur darauf an, dass unrentable Betriebe und Banken möglichst früh aus dem Wettbewerb ausscheiden, so dass der Schaden und die Enttäuschung der Mitarbeiter, Kunden und Bürger, die sie verursachen, minimal bleiben.

Die heutigen Rettungs- und Stützungsmaßnahmen führen dagegen zu einer Forterhaltung und einem Ausbau unrentabler und daher wohlstandsmindernder, weil nicht an Konsumenteninteressen orientierter und damit letztendlich undemokratischer Produktionsstrukturen. Dieses System kann bei gleichzeitiger Rekordsteuerbelastung nur noch durch die ständige Subvention mit neu gedrucktem Billigkredit zum Nulltarif (versteckte Inflationssteuer) aufrecht erhalten werden. Ein kettenreaktionsartiger Super-Gau, der zu Hyperinflation, zwangsläufiger Rückkehr zu solidem Geld und damit Masseninsolvenzen führt, ist vorprogrammiert. Der Zusammenbruch wird durch immer neue Bürgschafts- und Kreditprogramme nur hinausgezögert und in seiner schädlichen Wirkung vervielfacht.

Eine Subvention unrentabler Produktionsstrukturen bis an die Grenze volkswirtschaftlicher Leistungsfähigkeit ist in einer wettbewerblichen Geldordnung nicht möglich, da eine grenzenlose Geldschöpfung in beliebigen Mengen hier nicht machbar ist. Dadurch wird das Wirtschaften stabiler und weniger krisenanfällig. Unrentable Betriebe scheiden vereinzelt aus dem Wettbewerb aus und werden durch besser wirtschaftende Betriebe ersetzt, die die Nachfrage der Bürger besser befriedigen. Eine Zunahme von Qualität, Kundenorientierung und allgemeinem Wohlstand ist die Folge. Strukturbrüche finden nicht in Schockwellen als Massenphänomen statt, sondern dem fließenden Übergang von überkommenen Strukturen in moderne Produktions- und Dienstleistungsbetriebe wird freien Lauf gelassen. So können sich auch Arbeitnehmer leichter an neue Herausforderungen anpassen, finden schneller neue Arbeitsplätze und die Arbeit insgesamt wird sicherer.

Schädliche Monopolstrukturen hätten keine Chance

Das heutige System hingegen fördert die Bildung ressourcenverschwendender und träger Monopole, einer illegitimen Elite. Gerade Großkonzerne und Großbanken können sich leichter Zugang zu billigem Zentralbankgeld verschaffen als kleine und mittelständische Unternehmen, da sie bürokratische Anforderungen an die Kreditvergabe durch Hundertschaften an Wirtschaftsberatern und Anwälten leichter erfüllen können. So finden sie auch leichter Zugang zu staatlichen Subventionstöpfen, die wiederum meist durch Zentralbankkredite aus dem Nichts finanziert werden. Zudem ist das Erpressungspotenzial großer Betriebe gegenüber dem Staat größer, auf Rettung zu pochen („too big to fail“). Durch die Zentralbank, die Geld in beliebigen Mengen als Kredit vergeben kann, sind diesen Entwicklungen kaum Grenzen gesetzt. In der Bankenlandschaft ist so ein regelrechter Wasserkopf entstanden, der platzt, sobald die Subventionen durch Billiggeld gestoppt werden oder eben dieses Geld als Tauschmittel letztendlich zusammenbricht.

Zwangsläufig werden dann die Banken auf eine Mittlerrolle als Finanzintermediär reduziert und müssen sich wieder produktiven, volkswirtschaftlich sinnvollen Tätigkeiten widmen. Auch steuerfinanzierte Subventionen sind natürlich schädlich. Nur hier merkt der Bürger sofort durch höhere Steuern (und nicht wie bei der Kreditsubvention aus dem Nichts erst später durch die Inflation), dass ihm sein Geld für unsinnige Wirtschaftstätigkeit, die nicht in seinem Interesse liegt, aus der Tasche gezogen wird. Der Bürger kann so durch demokratische Teilnahme dem Treiben rechtzeitig einen Riegel vorschieben. Die Erstempfänger des neu gedruckten Geldes profitieren ferner noch voll von der alten Kaufkraft des Geldes, während die Kaufkraft dann allmählich, sobald das Geld voll in Umlauf kommt, abnimmt. So wird realer Reichtum von „unten“ nach „oben“ verteilt (Cantillon-Effekt). Wir merken: Inflation ist der Feind der Demokratie und des freien Rechtsstaates.

Banken wird die Macht über das Geld genommen

In einer wettbewerblichen Geldordnung bieten private Anbieter kein eigentliches Geld an. Sie bieten Banknoten, Scheidemünzen und Kontoguthaben an, die auf Geld lauten. Das eigentliche Geld im Wettbewerb war bisher immer eine Größe, wie etwa Gold, auf die einzelne Menschen, Politiker oder Banken keinen Einfluss haben, und darum so sicher. Was Geld ist, entscheidet die Nachfrage, entscheiden die Geldbenutzer, die Bürger. Diese bevorzugen immer wertstabiles Geld, wodurch sich das wertstabilste Geld durchsetzen wird. Banken bieten kein eigentliches Geld, sondern Geldzertifikate an. Dies sind Forderungen, die mit realen Werten wie Gold voll hinterlegt sind (Vgl. Mises 1912, S. 144). Wie bei einem heutigen Depot oder den Exchange Traded Funds (ETF), sind die Geldzertifikate voll durch Sondereigentum hinterlegt und unterliegen damit keinem Bonitätsrisiko durch die Bank.

Auch die vielbeschworenen Netzwerkeffekte (d.h. je mehr Benutzer, desto beliebter) bei Geld führen nicht zu einem privaten Monopolisten, der seine „Macht“ missbrauchen könnte. Auf das eigentliche Geld haben Banken, wenn ihnen der Staat (wie derzeit) dazu keine mit Gewalt geschützten Sonderprivilegien gibt, keinerlei Einfluss. Hierüber wird demokratisch über die Wahl der Geldbenutzer entschieden.

Wettbewerbliches Geld ist transparenter und sicherer

Eine Informationsasymmetrie, die zu Marktversagen führen würde, wie sie Kritiker erwähnen, ist hier nicht im Ansatz zu erkennen. Es handelt sich im Gegenteil um eine sehr simple Angelegenheit. Gerade ETFs auf etwa Gold, die wie Geldsurrogate funktionieren, nur nicht als Zahlungsmittel umlaufen, werden ja wegen ihrer Einfachheit und Transparenz gelobt. Außerdem gibt es viel komplexere Produkte, wie Laptops oder Automobile – und die Märkte hierfür funktionieren hervorragend. Im Gegenteil dazu ist unser heutiges Geld höchst intransparent, die Geldpolitik der Zentralbank kaum zu durchschauen und unberechenbar.

Dadurch dass Banknoten, Münzen und Kontoguthaben der Banken – deren Bonität, wie bei heutigen EC-Karten-Zahlungen, leicht geprüft werden kann – alle auf ein und dasselbe Geld lauten, entfallen aufwändige Such- und Transaktionskosten. Eine funktionierende Rechtsordnung sichert zudem die vereinbarte Deckung der Zahlungsmittel ab. Unterdeckung wäre schlicht illegal und als Betrug und Diebstahl strafbar. Das inflationäre, deckungslose Kreditgeld von heute erzeugt hingegen immense Such- und Transaktionskosten, da man sich ständig Gedanken über wertsichernde Investitionen machen muss, anstatt einfach nur Geld zu halten.

Ferner ist es ein Mythos, dass ein sogenannter Bank Run sich auf andere, von Zahlungsschwierigkeiten nicht betroffene Banken ausbreiten und so zu einem Zusammensturz des ganzen Finanzsystems führen könnte. Im Gegenteil bekommen solide Banken neue Kunden, wenn diese eine Pleitebank verlassen. Kollektive Bank Runs sind immer ein Phänomen durch staatliche Monopolisierung angereizter, kollektiver Unterdeckung der Währungen oder Sichtguthaben aller Banken und darum in einer wettbewerblichen Geldordnung ohnehin nicht möglich.

Das Tüfteln am Staatsgeld ist zwecklos

Mit dem heutigen Geldsystem ist es wie bei so manchem öffentlichen Örtchen. Die Analyse, wer etwas Schlimmes darin gemacht hat, Schuldzuweisungen und das Austüfteln von Abwehrmaßnahmen nutzen wenig. Man muss solche Orte einfach schließen, oder aber man verschwendet weitere Ressourcen, bis das öffentliche Gut trotz aller Bemühungen doch unbenutzbar oder gar zweckentfremdet wird. Auch unser Geld wird für obskure Machtinteressen zu Lasten aller und die Täuschung der Wähler zweckentfremdet und wird bald von niemandem mehr benutzt werden.

Die Flucht in Gold, Silber und ausländische Währungen stabiler und rohstoffreicher Länder als Ersatz für den Euro (und auch den Dollar) hat bereits begonnen. Da die Einsicht der Politik und vom Billiggeld abhängiger Lobbygruppen gering ist, müssen wir diesen Entwicklungen wohl bis zum bitteren Ende zuschauen und können nicht auf eine frühzeitige, stabilisierende Reform hoffen.

Danach aber hat ein neues Staatsgeld keine Chance mehr. Wer würde einen Euro 2.0, oder auch eine neue D-Mark, noch annehmen? Warum auch sollten die Menschen einem neuen, deckungslosen Kreditgeld alter Bauart vertrauen? Es ist noch nie geschehen, dass ein solches Geld in einer Marktwirtschaft von heute auf morgen als Tauschmittel ernst genommen wurde und in Umlauf kam, ohne dass es nicht vorher als Geldzertifikat (dessen Deckung dann durch das Zusammenwirken von Banken und Staat aufgebhoben wurde) aufbauend auf einer wettbewerblichen Geldordnung zirkulierte, wie der Geldtheoretiker Ludwig von Mises durch das Regressionstheorem des Geldes erklärt (Vgl. Mises 1940, S. 368-370 u. Mises 1912 S. 318-321) . Investmentlegende Marc Faber sagte in der WirtschaftsWoche: „Ich traue überhaupt keiner Papierwährung. Statt auf die Rückkehr der D-Mark zu hoffen, würde ich den Deutschen empfehlen, Gold und Silber zu kaufen.“

Konklusion

Die Nachricht, dass wir uns vom Euro, den 70% der Deutschen nie wollten, als ökonomischem Tauschmittel verabschieden können, ist schließlich eine gute Nachricht. Ein Festhalten mit Gewalt an einer solchen Pleitewährung als bloße Planrecheneinheit wäre ökonomisch und machtpolitisch kontraproduktiv. Es ruiniert die Wirtschaft und führt so politisch in die Bedeutungslosigkeit. Wir werden nach einigen Turbulenzen, gerade politischer Natur, zwangsläufig zur wettbewerblichen Geldordnung zurückkehren und steuern so auf eine neue Epoche des Wachstums, sozialen Ausgleichs und zivilisatorischen Fortschritts zu.

Einzelne private Investitionen in mehrfacher Millionenhöhe, wie etwa Goldautomaten „mit deutscher Technologie und deutschem Gold“ (FAZ online, 15.05.2010) oder das letztes Jahr in München errichtete Hochleistungszentrum für physischen Edelmetallhandel von pro aurum, zeigen, dass die Menschen bereits in Bewegung sind.

Die Aufgabe der Politik ist es, hierfür sichere und stabile Rechtsverhältnisse zu schaffen. Die Forderung, das Verbot anderer Zahlungsmittel als den Euro aufzuheben und im Wettbewerb stehende private Währung sofort zuzulassen, um einen möglichst gleitenden und sozial verträglichen Übergang in eine neue europäische und auch weltweite Finanzinfrastruktur zu schaffen, ist darum derzeit die wichtigste ordnungspolitische Weichenstellung.

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Der Autor ist Masterand an der Universität Passau wo er den Gesprächskreis der Friedrich August von Hayek-Gesellschaft e. V. gemeinsam mit Kommilitonen leitet. Von 2007 bis 2009 war er für die quirin bank AG im Produkt- und Portfoliomanagement tätig, wo er erstmals durch den Chefanalysten Claus Vogt die Österreichische Schule der Ökonomie kennenlernte. Im Wintersemester 2011/2012 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter für den Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler. Der Hayek-Gesprächskreis Passau bot als erste Hochschulgruppe in Deutschland ein universitäres Rahmenprogramm zur österreichischen Geld- und Konjunkturtheorie an und wurde für sein Engagement vom Präsidenten der Universität offiziell als fachbezogene Hochschulgruppe anerkannt. Die Veranstaltungen des Passauer Hayek-Gesprächskreises wurden sowohl in der regionalen und überregionalen Presse als auch in Länderparlamenten und dem Deutschen Bundestag aufgegriffen. Der Präsident der Europäischen Zentralbank Mario Draghi äußerte seinen Standpunkt zur marktwirtschaftlichen Geldordnung gegenüber dem Hayek-Gesprächskreis Passau.

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