Papiergeld-Systeme versagen immer

23.7.2012 – von Ferdinand Lips.

Ferdinand Lips - Foto: privat

Das Smithsonian-System versagte. Das europäische Währungssystem wurde aufgegeben, nur um 1999 vom Maastricht-System ersetzt zu werden. Kein Papier-System wird jemals über lange Zeiträume hinweg zufriedenstellend funktionieren. Gold ist die einzige Ware, die, verglichen mit der jährlichen Neuproduktion, reichlich genug vorhanden ist, um als Geld dienen zu können. Des weiteren gibt es keine Basis für ein ehrliches Geldsystem, solange Regierungen weiter intervenieren, protektionistische Politik betreiben und mehr ausgeben, als sie eigentlich haben. In seinem bahnbrechenden  Werk Grundsätze der Volkswirtschaft (1871!) und in seinem Artikel „The Origin of Money“ (Der Ursprung des Geldes) führte Carl Menger, österreichischer Wirtschaftswissenschafter und ein Entdecker des Marginalprinzips, das Konzept der Liquidität von Rohstoffen ein und erklärte die Entstehung von Geld.[1]

Die Rohstoffe, die unter gegebenen lokalen und zeitlichen Verhältnissen die liquidesten  waren, wurden zu Geld. (…) Der Grund, warum Edelmetalle zum allgemeinen zwischen den Völkern geläufigen Tauschmittel einer wirtschaftlich fortgeschrittenen Zivilisation wurden, liegt darin, dass ihre Liquidität allen anderen Gütern weit überlegen ist, und gleichzeitig auch, weil sie besonders qualifiziert sind, die begleitenden und unterstützenden Funktionen des Geldes zu erfüllen.[2]

Professor Antal E. Fekete von der Memorial University in St. John`s Kanada, schrieb in seiner Einführung zur Wiederveröffentlichung von Carl Mengers The Origin of Money, 92 Jahre nachdem das Original verfasst worden war:

Regierungen spielten im historisch evolutionären Prozess der Erhebung des Goldes in den Rang des Geldes keine wesentliche Rolle. In Wirklichkeit kam dieser Werdegang nicht auf Anordnung zustande: er war eher das unbeabsichtigte gesellschaftliche Resultat kollektiver Weisheit, beschleunigt durch individuelle teleologische [3]Kräfte. Goldmünzen hatten andererseits einen großen Konkurrenten: das Versprechen von Regierungen, auf Verlangen Gold auszuzahlen. Mengers Origin of Money zwingt einen dazu, über die „Weisheit“ unserer Regierungen nachzudenken, die Privilegien des Marktes an sich zu reißen und durch Zwang zu versuchen, ihre Schulden dem Bürger als das liquideste Anlagegut der Welt als Konzept zu verkaufen.“[4]

Lord Rees-Mogg kleidete diese Thematik in The Times vom 12. Dezember 1979 in wunderschöne Worte:

Gold ist ein Besitz und nicht ein Versprechen. Eine Regierung, die eine Unze Gold besitzt, braucht weder die USA noch irgendjemand anderes um Erlaubnis zu fragen, es in Cash einzulösen. Das Goldangebot ist begrenzt, und genau darin liegt seine monetäre Bedeutung.“

Die Dollar-Krise, der Zusammenbruch des Gold-Pools, der Untergang des Bretton-Woods-Systems und der Krieg gegen das Gold fanden nicht statt, weil Gold versagte. Es geschah, weil diejenigen, die Geld aus dem Nichts schöpften, ihr Versprechen, auf Verlangen Schuldenscheine in Gold einzulösen, nicht einhalten konnten. Der verstorbene deutsche Ökonom und Sozialphilosoph Wilhelm Röpke, bis 1966 Professor am Institut Universitaire de Hautes Etudes Internationales in Genf, hatte das Gefühl, dass die britische und U.S.-amerikanische Entscheidung vom September 1931 bzw. März 1933, der Verpflichtung des Goldstandards nicht mehr nachzukommen, sich in der Zukunft noch als extrem verhängnisvoll erweisen sollte.

Nach Röpkes vorzeitigem Tod im Jahre 1966 schrieb Ludwig von Mises in der National Review folgendes:

In den späten 1930er Jahren hatte Röpke den Mut, seine eigenen Ideen zu veröffentlichen, obgleich er sehr wohl wusste, welche Konsequenzen dies für ihn haben würde. Er war einer der ersten Professoren, welchen die Nazis hinauswarfen. Er ging ins Exil, zunächst nach Istanbul und später in die Schweiz. (…) In einer Reihe brillant geschriebener Bücher, die allesamt in amerikanischen Ausgaben erhältlich sind, legte Röpke seine wirtschaftlichen und politischen Theorien dar. In diesen Publikationen wurden diejenigen Prinzipien entwickelt, die Ludwig Erhard und seine Mitarbeiter den Weg zeigten, eine neue deutsche Wirtschaft aus den Trümmern des Nazireichs aufzubauen. Fast alles, was in der gegenwärtigen deutschen Finanz- und Handelspolitik vernünftig und nützlich ist, lässt sich auf Röpkes Einfluss zurückführen. Er und der verstorbene Walter Eucken gelten zu Recht als die intellektuellen Urheber von Deutschlands wirtschaftlicher Wiederauferstehung.[5]

Röpkes Gedankengebäude sollte daher nicht auf die leichte Schulter genommen werden, denn es ist so topaktuell, dass die heutige Generation von Ökonomen und Politikern gut daran täte seine Werke zu lesen oder nochmals zu lesen. In seinem Buch Die Lehre von der Wirtschaft schrieb er:

Seit Großbritannien (1931) und die USA (1933) den verhängnisvollen Schritt unternahmen, ihre Währungen vom Gold zu lösen und das internationale Goldwährungssystem aus kurzsichtigem nationalen Egoismus seinem Schicksal zu überlassen, und weil alle Währungen anfingen zu schwanken und unter den Schatten des Misstrauens zu fallen, existiert kein Weltwährungssystem mehr, das diesen Namen verdient. Nun wissen wir mit schmerzlicher Gewissheit, wie die Weltwirtschaft ohne eine Goldwährung aussieht. Der ganze Mechanismus funktioniert auf einmal nicht mehr, weil eine seiner wichtigsten Vorbedingungen nicht mehr existiert – und das, was übrig geblieben ist, ein einziges Durcheinander manipulierter Währungen darstellt. Die Unbekümmertheit, mit der die führenden Nationen die Disziplin des Goldstandards über Bord geworfen haben – und dies gilt besonders für die USA, wo es absolut unverzeihlich war -, ist nur ein Detail im allgemeinen Desintegrationsprozess gesetzlicher und moralisch-ethischer Standards, die bisher der Ersatz für ein weltweites Rechtssystem waren. Alles wird aufgeweicht und ausgehöhlt, alles gerät aus dem Gleichgewicht. Die Welt droht sich allmählich daran zu gewöhnen, bestehende Verträge und Konventionen des internationalen Anstands leicht zu nehmen, an Währungen herumzuexperimentieren, Auslandsguthaben zu sperren, Dumping zu betreiben, sowie Ausfuhr und Einfuhr nach Laune und fast täglich wechselnden Freundschaften und Feindschaften hierhin oder dorthin zu dirigieren. Das Gefährliche dieses Auflösungsprozesses liegt vor allem darin, dass er aus eigener Kraft heraus immer weiter anschwillt.[6]

[1] Carl Menger, Grundsätze der Volkswirtschaft (Wien: Wilhelm Braunmüller, 1871), S.250 ff

[2] Carl Menger, „The Origin of Money“, Economic Journal, Band 2, 1892, S. 243

[3] Teleologisch, von Teleologie (griech.: Telos – das Geschoß): Auffassung, nach der Ereignisse oder Entwicklungen durch bestimmte Zwecke oder ideale Endzustände im voraus bestimmt sind und sich darauf zubewegen.

[4] Antal E. Fekete, Einführung zu „The Origin of Money“ (Greenwich, Connecticut: Committee for Monetary Research & Education, 1984) S. 17

[5] Ludwig von Mises, „Wilhelm Röpke, RIP“, National Review, Vol. XVIII, Nr. 10, 1966, S. 200.

[6] Wilhelm Röpke, Die Lehre von der Wirtschaft, 8. Auflage (Erlenbach, Schweiz: Eugen-Rentsch-Verlag, 1958), S. 77.

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Auszug aus „Die Goldverschwörung“ v. Ferdinand Lips – erschienen im Kopp-Verlag.

Der im Jahr 2005 verstorbene Ferdinand Lips hatte sich jahrzehntelang mit dem Studium des klassischen Liberalismus und damit verbunden mit der Geschichte des Geldes beschäftigt. Denn für ihn waren Geld beziehungsweise Gold und die Freiheit der Menschen untrennbar miteinander verbunden.

Beim Lips-Institut finden Sie weitere Informationen zu Ferdinand Lips.

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