Das Phantom der Chancengleichheit

23.4.2012 von Prof. Dr. Gerd Habermann.

Prof. Dr. Gerd Habermann

Nehmen wir dieses Wort ernst, nicht nur als selbstverständliche liberale Rechtsgleichheit, können wir nur über die Illusionen staunen, die viele mit dem Wort verbinden. Echte Chancengleichheit kann es aus dem schlichten Grunde nicht geben, weil kein Mensch wie der andere ist, weil jeder „individuell“ differenziert ist. Das beginnt mit dem Fingerabdruck und der Stimme oder mit der individuellen Ausprägung jedes Organs. Selbst eineiige Zwillinge sind bei der Geburt nicht gleich von Gewicht. Gravierend kommen hinzu: die Ungleichheit an Gestalt, Gesundheit, Intelligenz, Charme, Schönheit, Energie, Charakter, Temperament – all das differenziert die Chancen enorm, dann die Lebensumstände: die Familie, ihre Sitten und Einstellungen, ihr Lebensniveau, ihr Beziehungsgeflecht – das muss einen gewaltigen Einfluss auf die Chancen der in sie hineingeborenen Kinder haben (darum wollen die Sozialisten sie auflösen); dann die Nation, die Kultur, die geographischen Fakten (ob am Meer oder im Hochgebirge, in einer Metropole oder in einem Weiler lebend), ja auch der Zeitabschnitt, in den man hineingeboren wird, schafft krasse Chancenungleichheit (z. B. zwischen einer Kriegs- und  Inflationsgeneration und jenen, die in Zeiten des Friedens und Wohlstandes aufwachsen). Das Leben differenziert dann die Individuen je nach Erlebnissen und nach so oder so verarbeiteten Erfahrungen weiter. Das Leben selber „diskriminiert“ ständig: lässt einen Hallodri oder Gauner zu Macht und Reichtum kommen und einen Heiligen scheitern, vernichtet in Naturkatastrophen und Unfällen „Gerechte“ und „Ungerechte“. Schafft man, z. B. durch eine familienzerstörende nivellierende Bildungspolitik, eine brutale Steuerpolitik etc. eine gewisse materielle Startchancengleichheit, treten die verbleibenden Ungleichheiten umso krasser hervor und werden umso peinlicher empfunden (von anderen Negativfolgen zu schweigen). Und wie soll man die individuellen Vor- und Nachteile verrechnen, wenn z. B. bei einem Kind eine schwache Gesundheit sich zum Ausgleich mit wenigstens guten materiellen Bedingungen verbindet?

Um eine echte Chancengleichheit herzustellen, müsste der Staat alle Lebensumstände, ja selbst die genetische Ausstattung steuern- ein Albtraum von Totalitarismus, der alles Leben erstarren lassen würde- und doch würde echte Chancengleichheit damit doch nicht erreicht, denn es müsste zu diesem Experiment einer beherrschenden Behörde jede erdenkliche Macht über die Menschen gegeben werden, und somit eine enorme Ungleichheit in der Machtverteilung. In Schwarzutopien wie „Schöne Neue Welt“ von A. Huxley oder Orwells „1984“ werden diese Verhältnisse geschildert.

Aber warum überhaupt „mehr Gleichheit“ dieser Art? Wer und welche Motive stecken dahinter? Es sind jene, die in irgendeiner Hinsicht von Glück und Natur schlechter ausgestattet zu sein glauben und nun gegen die in ihren Augen „ungerecht“ Bevorzugten rebellieren (aus Neid, Missgunst oder Ressentiment). Wenn sie sich mit ihrem Los, für das sie ja nichts können („niemand kann sich selber machen“) verständlicherweise nicht bescheiden wollen, können sie sich durch Tüchtigkeit hocharbeiten (wie in einer offenen Gesellschaft leicht möglich). Stattdessen begehren sie mit politischem Zwang oder offener Gewalttat gegen die Glücklicheren auf. Dies sei den egalitären Bildungs-, Finanz- und Sozialpolitikern unserer Parteien ins Stammbuch geschrieben: an der Ungleichheit der geschilderten Art hängt die Vitalität, der Reichtum und die Vielfalt unserer Kultur. Und: Gleichmacherei zahlt sich nicht aus, auch nicht für die Schlechtergestellten. Oder soll es heißen: lieber alle gleich elend als alle relativ gutgestellt, aber einige besser als die anderen?

Lesetipp: Helmut Schoeck: Das Recht auf Ungleichheit, Ullstein-TB, 3.Aufl. 1990)

——————————————————————————————————————————————————————-

DIE FAMILIENUNTERNEHMER – ASU e.V.
Prof. Dr. Gerd Habermann
Charlottenstraße 24
10117 Berlin

Tel.: 030 300 65-0
Fax: 030 300 65-390
www.familienunternehmer.eu
E-Mail: kontakt@familienunternehmer.eu

 

Kontaktieren Sie uns

We're not around right now. But you can send us an email and we'll get back to you, asap.

Not readable? Change text. captcha txt

Start typing and press Enter to search