Warum wir Inflation fürchten müssen (2. Teil).

15.3.2012 – Die (West-)Deutschen hatten nach dem Krieg aus ihren Inflationserfahrungen gelernt, wenigstens ihre „neoliberale“ Elite und der unvergleichliche Ludwig Erhard. Die Konzeption der „Sozialen Marktwirtschaft“ war die Konsequenz aus den Leiden von Hyper-Inflation und Arbeitslosigkeit. Jeder Bürger spürte für einige Jahre wieder, was gutes Geld für Lebenssicherheit, Beschäftigung und Freiheit bedeutet. „Monetäre Stabilität“ war für einige Jahre die primäre geldpolitische Parole. Es blieb zwar beim staatlichen Papiergeldmonopol, aber die Bundesbank genoss eine relative Unabhängigkeit. Gleichwohl musste sie von 1950 bis zum Euro eine durchschnittliche Geldentwertung von 3 Prozent (in den Siebzigern von 5 Prozent) zulassen – jene ständige „demokratisch-soziale Inflation“, die Wilhelm Röpke schon in den 50ern kritisiert hat.

Prof. Dr. Gerd Habermann

Mit der sozialliberalen Koalition (1969-1982) begann das alte Spiel von neuem: Staatsausgaben auf Pump, Politik des billigen Geldes etc. Die Inflationsrate stieg bis auf 7 Prozent. Damals geschah der Sprung aus der sozialen in die schuldenfinanzierte sozialistische Marktwirtschaft: und so ist es tendenziell bis auf den heutigen Tag. Selbst jetzt bei quasi kriegsmäßiger Verschuldung werden neue Sozialleistungen ausgereicht. Von echten Reformen ist nicht mehr die Rede. Mehr noch als Deutschland und verleitet durch die Schwäche der Euro-Konstruktion suchten wichtige Staaten der Währungs-Union ihr Heil im schuldenfinanzierten Umverteilungsstaat. Weil die Schuldenhaftung unter massivem Rechtsbruch europäisiert, d. h. auf die relativ soliden Länder abgewälzt wurde, wird das Inflationsdrama nunmehr auf gesamteuropäischer Bühne gespielt. Die deutsche Regierung hat währungspolitisch kapituliert, führt nur noch Rückzugsgefechte wie den harmlosen Fiskalpakt.

Mit dem (vorgezogenen) Einrichten der ESM-Megabank mit diktatorischen Vollmachten – eine geschickt aufgezogene Umgehung der verbotenen direkten Staatsfinanzierung durch die EZB – gibt es kaum mehr eine Grenze für ein weiteres Aufpumpen der Geldmenge, die vor allem den konkursbedrohten ehemaligen Weichwährungsländern zugute kommt, schließlich aber die finale Fallhöhe für alle vergrößern wird. Aus Angst vor Rezession und Krise oder aus politischer Rechthaberei (und unterschätzen wir nicht die geldpolitische Ahnungslosigkeit unserer Parlamentarier) wird anhaltend von der deutschen Regierung nicht die sachlich richtige, also „harte“, sondern die „weiche“ Option gewählt – so wie es auch der naive Reichsbankpräsident Havenstein seinerzeit tat. Leidtragender ist vor allem der „kleine Mann“, der das alles nicht so recht durchschaut und als Steuerzahler, als Inhaber von Versicherungspolicen, als Rentner und Pensionär, als Besitzer von Sparguthaben früher oder später die Zeche zahlen muss. Und: „Kinder haften für ihre Eltern“. Professor Bernholz hat ermittelt, dass es seit Abschaffung des Goldstandards (1914) etwa 30 Hyperinflationen gegeben hat, davon 29 durch von Zentralbanken finanzierte staatliche Defizite.

Vielleicht bekommen nun bald jene wieder eine Chance, die dem Übel an die Wurzel gehen und den Regierungen ihre Monopolherrschaft über das inflationierte Papiergeld entziehen wollen („Entnationalisierung des Geldes“, v. Hayek), oder die Freunde einer neuen Goldwährung wie z.B. Ludwig Mises oder heute Thorsten Polleit. Nur schwere Krisen machen echte Reformen möglich wie alle historischen Beispiele zeigen. Aber bis dahin werden wir uns auf Turbulenzen einstellen müssen. Mit der ESM-Bank beginnt das Finale. Das stolze und träge Deutschland bei dem Versuch, Europa geldpolitisch „deutsch sprechen“ zu lehren, wird nun gezwungen, zwingt sich selber, das griechische oder italienische Idiom zu erlernen – ob es dazu auf Dauer bereit ist?

Lesetipp: Michael von Prollius: Die Euro-Misere (Jena 2011); Taxpayers Association of Europe: Den ESM-Vertrag stoppen (über Internet)

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