Versuchen Sie bloß nicht, das einem Volkswirt oder einem Politiker zu erklären

30.3.2012 – von Peter D. Schiff und Andrew J. Schiff.

Früher waren die Vereinigten Staaten als eine Nation von Sparern bekannt. Während eines großen Teils unserer Geschichte sparten die Bürger Amerikas üblicherweise zehn Prozent oder mehr von Ihrem jährlichen Einkommen. Diese Disziplin trug nicht nur zum Aufbau eines großen Bestands von Ersparnissen für die Finanzierung unserer zunehmenden industriellen Aktivitäten bei, sondern sie zog auch nach sich, dass Familien und Gemeinden unerwartete Notlagen überstehen konnten.

Allerdings haben die Volkswirte Ersparnisse in den letzten Jahren auf der volkswirtschaftlichen Wertschöpfungskette schwer degradiert. Die Keynesianer betrachten Ersparnisse als wachstumsschädigend, weil das Sparen Geld aus dem Umlauf nimmt und die Ausgaben reduziert (die sie für das entscheidende Element für die Erzeugung von Wirtschaftswachstum halten). Die Politiker haben unter dem Einfluss solcher Ideen Regeln aufgestellt, die Verschwender belohnen und Sparer bestrafen.

Das hatte zur Folge, dass die Amerikaner seit Jahren mehr Geld ausgeben als sie verdienen. In einer geschlossenen Wirtschaft, zu Beispiel auf einer Insel, wäre dies unmöglich. Aber in unseren modernen Welt haben der Geldfluss über Grenzen hinweg und die scheinbar magischen Eigenschaften der Notenpresse viele Amerikaner vorübergehen blind für die einfache Wahrheit gemacht, dass wir nicht mehr konsumieren können als wir produzieren, nicht mehr borgen als wir sparen…jedenfalls nicht sehr lange.

Als der wirtschaftliche Gegenwind im Jahr 2008 ernstlich auffrischte, suchten Politiker und Volkswirte reflexartig nach einer Möglichkeit, die Verbraucher dazu zu bringen, dass sie noch mehr Geld ausgaben und noch weniger sparten.

Sie zäumten das Pferd von hinten auf. Ausgeben um seiner selbst willen bedeutet gar nichts. Wenn man eine Million Dollar ausgeben, aber davon nichts als Luft kaufen würde? Wie würde das der Gesellschaft zugute kommen? Sicherlich würde es der Person zugute kommen, die einem die Luft verkauft hat. Sie würde die Million bekommen, die einem vorher gehört hat. Wenn man unsere moderne Methode der wirtschaftlichen Bilanzierung anwendet, zum Beispiel die Berechnung des Bruttoinlandsprodukts (BIP), dann würde diese Transaktion sicherlich wie eine echte Aktivität aussehen. Sie würde als Wachstum im Wert von einer Million Dollar gezählt werden.

Aber der Akt des Luftkaufs wirkt sich nicht positiv auf die Gesamtwirtschaft aus. Die Luft war ja immer schon da. Die Tatsache, dass jemand dafür Geld ausgegeben hat, ändert überhaupt nichts.

Die Ausgaben sind lediglich der Maßstab, mit dem wir die Produktion messen. Da alles, was produziert wird, irgendwann auch konsumiert wird, welche Rolle spielen dann überhaupt Ausgaben? Sogar Dinge, die eigentlich niemand will, werden konsumiert, wenn der Preis weit genug sinkt. Aber nichts kann konsumiert werden, bevor es produziert wird. Das, was Mehrwert schafft, ist die Produktion.

Sparen schöpft das Kapital, das die Ausweitung der Produktion ermöglicht. Deshalb hat ein gesparter Dollar mehr positive wirtschaftliche Wirkung als ein ausgegebener Dollar. Aber versuchen Sie bloß nicht, das einem Volkswirt oder einem Politiker zu erklären.

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Der Beitrag ist entnommen aus dem Buch „Wie eine Volkwirtschaft wächst…und warum sie abstürzt“ von Peter D. Schiff und Andrew J. Schiff.

Der Abdruck erfolgte mit freundlicher Genehmigung des Börsenbuchverlages.

 

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