Ungedecktes Papiergeld ist legales Falschgeld.

25.3.2012 – Das Mises´sche Regressionstheorem erklärt, wie echtes Geld Akzeptanz und Kaufkraft erhält. Gesetzlich-legales Falschgeld wird die aktuelle Vertrauenserosion nicht überleben.

Der Beitrag erschien erstmals im Smart-Investor 10/2009, hat aber an Aktualität nichts verloren.

von Peter Boehringer.

Peter Boehringer

Dank der Aufklärungsarbeit einiger weniger Finanzmagazine und Blogger spricht sich allmählich in breiten Bevölkerungsschichten herum, dass die Papiergeld-Währungen der Welt durch nichts gedeckt sind. Seit dem Beinahe-Kollaps des Systems im Zuge der Bankenkrise, die genau vor einem Jahr mit der Lehman-Pleite offen zutage getreten ist, verbreitet sich trotz hartnäckiger medialer, wissenschaftlicher und politischer Verweigerung echter Ursachenforschung die Erkenntnis, dass dem Geldvermögen der Welt nichts als Schulden gegenüberstehen. Wir leben seit August 1971 (Aufkündigung der Goldeinlösungsverpflichtung des Dollars) alle ungewollt in einem riesigen Papiergeldexperiment. Immer mehr Menschen stellen sich nun endlich die seit 38 Jahren überfällige Frage, warum dieses Papiergeld denn ohne Deckung überhaupt funktionieren kann – wenn doch Geld in den meisten Kulturen ursprünglich fast immer Warengeld mit intrinsischem Wert war (oft Gold oder Silber) oder es wenigstens als Hinterlegungsschein für diese Waren kursierte und einlösbar war. Interessanterweise hat der große Vertreter der Österreichischen Schule Ludwig von Mises schon lange vor 1971 (und sogar noch vor 1913/14, als der echte Goldstandard in den relevanten westlichen Ländern aufgegeben wurde) eben diese Frage beantwortet.

In seiner Habilitationsschrift „Theorie des Geldes“ ging er 1912 zunächst davon aus, dass echtem Geld von den Menschen nur deshalb „Geldwert“ beigemessen wird und es zum Tausch und ggf. zur Wertspeicherung akzeptiert wird, weil sie Vertrauen in die künftige Kaufkraft haben. Dieses Vertrauen erwächst aber aus der Erfahrung um die Kaufkraft des Geldes am Tag zuvor. Und diese Erfahrung wiederum ist am Vortag aufgrund der Kaufkraft dieses Tages entstanden – usw. Woher aber stammt in dieser „Regression“ dann die ursprüngliche Kaufkraft? Mises argumentiert in seinem berühmten Regressionstheorem, man müsse nur zu einem Zeitpunkt zurückgehen, zu dem das Geld –unabhängig von seiner noch gar nicht entstandenen monetären Funktion– allein aufgrund seiner „industriellen“ bzw. Gebrauchseigenschaften nachgefragt wurde. Im Falle von Gold schließt dies auch die Schmucknachfrage mit ein. Mises weist nach, dass nur Güter, die irgendwann einmal einen signifikanten intrinsischen oder Gebrauchswert hatten, überhaupt akzeptiertes, „natürliches“ Geld werden konnten.

Diese Argumentation führt aber zwingend zum Schluss, dass ungedecktes Papiergeld nur deshalb heute noch als Geld mit Wertspeicherungsfunktion akzeptiert wird, weil die Menschen –seit 1971 ungerechtfertigterweise– noch immer von der Golddeckung der Währungen ausgehen. Diese falsche Annahme ist ein „Nachhallen“ der Welt vor 1971 bzw. vor 1913 und sie ist noch immer kollektiv im Gedächtnis der meisten Menschen verankert.

Wie jedes Echo könnte auch dieses Nachhallen eines Tages ausklingen. Mittlerweile haben drei volle Generationen keine Geldscheine mehr mit der Aufschrift „payable in gold“ (=einlösbar in Gold) in Händen gehabt.

Auch die Schul- und Universitätslehrbücher unterschlagen dieses geschichtliche Wissen um eine andere Zeit konsequent. Der keynesianische Medien-Mainstream macht sich sogar seit Jahrzehnten über das „barbarische Relikt“ Gold lustig und propagiert die „Natürlichkeit“ ewiger Aufschuldung, die dank Zinseszinseffekt seit Beginn der keynesianisch-sozialistischen Papierverschuldungsorgien weltweit zu fast perfekten exponentiellen Verschuldungs­kurven geführt hat.

Ironischerweise führt aber diese uralte und permanente Gehirnwäsche der Massen heute dazu, dass sich seit den Schockerlebnissen von 2008 immer mehr Menschen fragen, welche Existenzberechtigung und welche „Dauerhaftigkeit“ das offenbar beliebig vermehrbare „Gut“ Papiergeld denn noch hat: Die offen erkennbare Bankenkrise war ein Weckruf der Sparbuchbesitzer, Pensionisten und Lebensversicherten. Mit jeder Bankenrettung, mit jeder schwer platzierbaren Staatsanleihen-Auktion und mit jeder Monetarisierung von Staatsschulden und wertlosen Kreditderivaten geht Vertrauen in die Finanzierungsfähigkeit unserer Schulddrogen-abhängigen Staaten verloren. Und Vertrauen in die allgemeine Akzeptanz ist seit 1971 eben das Einzige, was Papiergeld wirklich „deckt“.

Wäre es anders, hätte Kanzlerin Merkel nicht am Sonntag, 5. Oktober 2008 per Regierungsdekret die Sparguthaben aller Bürger „garantieren“ können! Hätte irgendjemand Substanz zu dieser Garantie verlangt – sie wäre nicht lieferbar gewesen. Die damals garantierten Spareinlagen überstiegen den Wert der offiziellen Staats-Goldmenge Deutschlands um das 8-fache! Das Dekret war erfolgreich: Man hat Merkel 2008 die Garantie geglaubt, obwohl die Bürger via Staat letztlich selbst für ihre eigenen Sparguthaben hätten „bürgen“ müssen. Dieser Taschenspieler-Trick war in Deutschland die entscheidende Maßnahme, um den –wie man mittlerweile weiß– bereits angelaufenen umfassenden Bankrun zu stoppen und den sonst wohl nur Stunden entfernten Systemkollaps abzuwenden. Vertrauen wurde noch einmal hergestellt – natürlich wie überall auf der Welt unterstützt durch praktisch unbegrenzt gedruckte Papiergeldmengen, die (s.o.) aber selbstredend keine „Substanz“ darstellen, sondern immer über eine analoge Neuverschuldung ohne Deckung in die Welt kommen, was genau das Gegenteil von Substanz ist.

Geld kann gemäß dem Mises´schen Regressionstheorem nur funktionieren, solange das Vertrauen an eine substanzielle Deckung und damit an dauerhafte Kaufkraft bei den Menschen im Gedächtnis ist. Diese Erinnerung ist unbewusst heute noch immer bei 80% der Menschen da. Der Prozentsatz ist aber seit 2008 am Schmelzen wie Gletscher in den Alpen. Immer mehr Menschen erkennen, dass ihre vermeintliche Erinnerung nur eine Illusion ist!

Darum ist es so fatal, wenn dieses Vertrauen durch immer mehr ungedeckte Papiergeld-Milliarden erodiert (wird). Ein erodierender Vertrauensprozess ist ein lawinenartiger Vorgang, der klein und langsam beginnt – aber an einem bestimmten Punkt nicht mehr zu stoppen ist und verheerende Folgen haben kann.

Sobald die Masse Zweifel bekommt, ob der Zahlenwert auf dem Schein wirklich in entsprechende Leistungen Dritter oder in Rohstoffe oder Gold umtauschbar ist, wird selbst die Annahmeverpflichtung des gesetzlichen Papiergeldmonopols die Währung nicht retten können! Dann verblasst sehr schnell und endgültig die Erinnerung an ehemalige Stabilität und Werthaltigkeit – selbst wenn die Erinnerung 40 Jahre lang unbewusst gelebt hat. Die Masse wird ggf. über Nacht ihr Vertrauen verlieren und aus bunt bedruckten Zetteln fliehen. Wohin? Na – zur Quelle des Vertrauens natürlich. Und die war und ist eben Gold. Nur totalitäre Maßnahmen können diese natürliche Reaktion der Masse dann noch verhindern. Je mehr legales Falschgeld heute über Billionen-schwere Bankenrettungen in den Kreislauf gebracht wird, desto schneller wird dieser Punkt erreicht.

——————————————————————————————————————————————————————-

Peter Boehringer ist Vorstand der Deutschen Edelmetall-Gesellschaft e.V. und Verfasser zahlreicher Fachaufsätze zu Edelmetallen und Rohstoffen sowie zu Makrothemen. Er ist Diplom-Kaufmann und Diplom-Informatiker (European Business School u.a.). pb@pbvv.de / www.goldseitenblog.com/peter_boehringer

 

 


 

Kontaktieren Sie uns

We're not around right now. But you can send us an email and we'll get back to you, asap.

Not readable? Change text. captcha txt

Start typing and press Enter to search