Mack & Weise Marktkommentar Februar.

Dipl.-Kfm. Martin Mack - Dipl.-Kfm. Herwig Weise

 

8.3.2012 – „Im Sozialismus sind alle gleich, aber einige sind gleicher“, dürften sich die verbliebenen privaten
Investoren Griechenlands wohl gedacht haben, als die EZB ihr auf rund 55 Mrd. Euro geschätztes griechisches Anleihen-Portfolio durch eine nächtliche Umtauschaktion in eine neue Anleiheklasse (!) vor dem drohenden „Haircut“ bewahrte. Bei einer solchen Aktion hilft es einfach, dass EZB-Chef Draghi (früher Goldman Sachs) den griechischen Premier Papademos (bei Euro-Einführung griechischer Notenbankchef) aus alten griechischen-Schulden-verschwindet-Zeiten noch gut kennt.

Nach diesem Coup aber müssen nun alle heutigen und künftigen Besitzer von Staatsanleihen der restlichen Euro-Zone fürchten, dass sich nach dem IWF auch die EZB, die EIB (Europäische Investitionsbank) und wahrscheinlich dann auch noch der ESM per Federstrich Vorrang gegenüber ihren Forderungen einräumen werden. Diese willkürlichen Eingriffe in bestehende Verträge zulasten der privaten Investoren dürften aber mittelfristig allenfalls dazu taugen, dass die so übers Ohr gehauenen CDS-(un-)versicherten „Spekulanten“ die staatlichen Schuldscheine in Zukunft – wenn überhaupt – nur noch mit höheren, dann natürlich wieder um so mehr „gestörten“ Risikoprämien in ihre Portfolios aufnehmen werden. Damit ist der Weg in die planwirtschaftliche Staatsfinanzierung mit einem symbolischen Sozialismus-Zins fest vorgezeichnet.

Gleichwohl wird sich allerdings auch das auf 726 Seiten im feinsten Wirtschaftsenglisch ausformulierte 2. Griechenland-Rettungspaket, welches die deutschen VolksParteivertreter am Morgen ihrer „alternativlosen“ Zustimmung zur Verabschiedung weiterer 130 „Rettungs“milliarden zumindest einmal sehen durften, schon bald auch nur als ein weiterer, maximal kurze Zeit erkaufender, Pyrrhussieg erweisen. Denn obwohl sich Bundeskanzlerin Merkel weiter in ihrer Realitätsverweigerung verliert („Wir weigern uns, die Pleite Griechenlands anzuerkennen. Wir können das nicht akzeptieren.“ 11.02.12), bescheinigt die nur zwei Wochen zuvor bekannt gewordene „streng vertrauliche“ 14-seitige Schuldentragfähigkeitsanalyse der „Troika“ Hellas die … Pleite!

Ungeachtet dessen wird, wie es ifo-Chef Hans-Werner Sinn treffend formulierte, „die griechische Bevölkerung von den Banken und Finanzinstituten von der Wall Street, aus London und Paris als Geisel genommen, damit das Geld aus den Rettungspaketen weiter fließt – nicht nach Griechenland, sondern in ihre eigenen Taschen.“ Ob aber die organisierte Plünderung Griechenlands auf Dauer gelingt, bleibt abzuwarten, denn schließlich könnte die „marktkonforme“ griechische Vasallenregierung samt „Troika“ auch schon vor der (noch nicht als zu erfüllende „Hilfebedingung“ verbotenen) nächsten Wahl im April aus dem Land gejagt werden … alternativlos! Denn davon, dass die soziale Situation in dem sich in die Depression sparen müssenden Land zunehmend außer Kontrolle zu geraten droht, zeugen nicht nur die ca. 20.000 Obdachlosen allein in Athen, sondern auch eine Jugendarbeitslosigkeit von knapp 50 % sowie die zunehmende Zahl von sich selbst kaum noch ernähren könnenden Familien und Müttern, die ihre Kinder zum Wohle europäischen Banken gezwungenermaßen in S.O.S.-Kinderdörfern abgeben müssen!

An der faktischen Pleite-Situation der Banken und Staaten wird letztendlich auch der zweite Teil der „Operation Flutwelle“ der EZB, die den Banken nach 489,2 Mrd. Euro im Dezember nun im Februar weitere 529,5 Mrd. Euro zur exklusiven Staatsfinanzierung unter Eingehung unfassbarer Risiken für 3 Jahre überließ, genauso wenig ändern, wie an den untragbaren wirtschaftlichen Ungleichgewichten in der Eurozone. Zwar mag die Finanzierung der inzwischen „sparenden“ PIIGS-Staaten (Schuldenwachstum 3Q/2010 – 3Q/2011*: +211,6 Mrd. Euro), der „sparenden“ Euro-Zone (*: +620,8 Mrd. Euro) oder der noch mehr „sparenden“ EU-27 (*: +803,1 Mrd. Euro) noch einmal für einige Zeit sichergestellt sein, aber das sich munter weiter vergrößernde Überschuldungsproblem des „Schulden bremsenden“ Europas bleibt ungelöst.

Während die billionenschweren Maßnahmen der Regierungen und Notenbanken seit Ausbruch der Krise 2006 bislang nur darauf abzielen, Banken oder Staaten zu „retten“, erzeugen diese in der Realwirtschaft aber nur eines: Unsicherheit. Doch ohne Investitionen (siehe Grafik) entstehen keine Jobs, ohne Jobs entsteht keine Kaufkraft, ohne Kaufkraft entsteht keine Nachfrage, ohne Nachfrage gibt es wenig Investitionsbedarf!

„Durch Kunstgriffe der Bank- und Währungspolitik kann man nur eine vorübergehende Scheinbesserung erzielen“ wusste der Ökonom Ludwig von Mises bereits 1922 und wird nun von der Realität bestätigt. Das schuldenfinanzierte Konjunkturfeuerwerk von 2009 ist nach 3 Jahren Wirken endgültig abgebrannt, so dass sich heute am Ende der ca. 4 Billionen USD die gleichen Probleme von damals, teilweise sogar noch ausgeprägter zeigen: enorme globale Ungleichgewichte, dazu kein Arbeitsmarktboom (197 Mio. Arbeitslose weltweit; 27 Mio. mehr als zu Beginn der Krise) und auch kein Konsumrausch! Dafür, dass sich die nun in Europa sichtbaren rezessiven Tendenzen (ER17-BIP: -0,3 %, 3Q – 4Q/2011) weiter verfestigen könnten, spricht auch die Tatsache, dass die Konsumentenverschuldung, die den Wirtschaftsboom der vergangenen Jahrzehnte entscheidend mitgetragen hat, weiter abgebaut wird. Obendrein haben es aber auch die Unternehmen zunehmend schwerer an Kredite zu kommen, schließlich können die Banken im zentralgeplanten Staatsfinanzierungsspiel (leihe kurzfristig für 1 % bei der EZB und verleihe es für 2-12 % an Staaten) ihre Margen viel einfacher verdienen … garantiert!

Klar ist, dass die staatlichen Interventionen seit der Lehman-Pleite das Marktgeschehen immer stärker dominieren und dass die ungewollten und nicht planbaren Nebenwirkungen dieser Maßnahmen wiederum weitere Manipulationen in immer größeren Dimensionen nach sich ziehen werden. Entsprechend sind Kapitalmarktprognosen immer schwerer, wenn nicht gar nutzlos!

Mack & Weise GmbH, Vermögensverwaltung, Hamburg

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