„Die Ideen der Freiheit leben.“

18.3.2012 – Wolf von Laer über die „European Students for Liberty“ und die „Österreichische Schule der Nationalökonomie“.

Das Gespräch mit Wolf von Laer führte Andreas Marquart, misesinfo.

Herr von Laer, Sie sind Mitglied des Executive Board der „European Students for Liberty“. Beschreiben Sie uns Ihre Organisation?

Wolf von Laer

Erst einmal vielen Dank für das Interview Herr Marquart. Als Student im Masterprogramm zu der Österreichischen Schule der Nationalökonomie in Madrid freue ich mich zu sehen, dass es deutschsprachige Angebote wie Ihre Seite über die Österreichische Schule gibt.

Die European Students For Liberty sind eine junge, nicht staatliche Organisation von Studenten für Studenten, mit dem Ziel die Ideen der Freiheit zu verbreiten. Wir sind nicht politisch tätig und nehmen auch keine Steuergelder an. Wir wollen die Freiheit in Europa voranbringen, indem wir ein Netzwerk von liberalen und libertären Studenten aufbauen, Gruppen in unserem Netzwerk zu führenden Persönlichkeiten ausbilden und kostenlosen Service, wie Bücher und Seminare im Internet anbieten.
Den größten Erfolg der European Students For Liberty, welche im Juni 2011 gegründet wurden, konnten wir mit unserer ersten Konferenz in Leuven, Belgien verbuchen. Wir haben es geschafft, 220 freiheitlich gesinnte Studenten aus 25 Ländern bei dieser dreitägigen Konferenz zu versammeln, um Vorträge vom z.B. dem Prinz Michael von Liechtenstein, Detlev Schlichter (Autor des Buches Paper Money Collapse), Prof. Pierre Garello und Lars Seier-Christensen (Mitbegründer Saxobank) sich anzuhören.
Ich habe während der Konferenz keine vier Stunden zusammen geschlafen und hatte dennoch soviel Energie, wie noch in meinem Leben zuvor. Die Ideen der Freiheit leben und wir haben fantastische junge Individuen auf unsere Seite, welche Rand, Rothbard, Mises, Hayek, Locke, Spooner, Nozick, Friedman etc. kennen und zu schätzen wissen. Wir sehen unsere Aufgabe darin, diese Studenten zusammenzubringen und mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Man kann Ihre Begeisterung und den spirit förmlich spüren. Welche Veränderungen glauben Sie, kann Ihre junge Generation langfristig herbeiführen?

Wir erachten Ideen als den Motor für gesellschaftliche Entwicklung. Politik, Interessengruppen und Medien werden erst in einem zweiten Schritt folgen. Wir, die Students For Liberty, haben daher eine Theorie des sozialen Wandels unserem Handeln zu Grunde liegen. Wir sprechen verschiedene Zielgruppen mit verschiedenen Strategien an: liberal geneigte Studenten, Alumni oder ideologische entgegenstehende Individuen. Das langfristige Ziel ist es, möglichst vielen Studenten und Interessierten zu ermöglichen, sich mit den Ideen der Freiheit zu beschäftigen und weiterhin möglichst viele zu fähigen Führungskräften auszubilden. Als Alumni, beeinflusst durch die Ideen der Freiheit, können diese Individuen dann als Multiplikatoren etwas von dieser Ausbildung zurückgeben und ihre Umgebung beeinflussen. Sei es als Think-Tank Leader, als Unternehmer, als Politiker oder auch als Akademiker.

Sie haben die Frage richtig gestellt. Dies ist ein langfristiger Prozess. Jedoch zeigt unser immenses Wachstum innerhalb von nur vier Jahren (die internationale Students For Liberty), dass wir mit unserem Organisationsmodell Erfolg haben. Vor vier Jahren war unsere erste Konferenz von 100 libertären und klassisch-liberalen Studenten besucht. Im Februar dieses Jahres waren es 1000 Anwesende. Mittlerweile haben wir über 700 Campusgruppen weltweit und konnten mehr als 100.000 Bücher kostenlos an Studenten weitergeben und vieles mehr. Wir sind in Afrika, Europa und den USA mit Dachorganisationen präsent und werden bald auf anderen Kontinenten verstärkt aktiv werden. Wir beeinflussen die Ideen, welche fundamental das Handeln von Menschen bestimmen. Wir sind davon überzeugt, dass dies langfristig zu einer freiheitlichen Gesellschaft führen wird.

Lassen Sie uns über „Wolf von Laer“ sprechen. Sie studieren „Austrian Economics“ an der Universidad Rey Juan Carlos in Madrid und sind Gewinner des renommierten „Vernon Smith Prize“ im Jahr 2011. Gratulation hierzu. Wann sind Sie erstmals auf  die „Österreichischen Schule“ aufmerksam geworden und was fasziniert Sie an ihr besonders?

Vielen Dank. Die Essays der Gewinner können hier heruntergeladen werden.
Die Suche nach der Antwort wie es zu der Finanzkrise von 2008 kam, hat mich zu der Österreichischen Schule geführt. Bei meinen Nachforschungen bin ich immer wieder über die Rolle der Zentralbanken gestolpert und über Namen wie Mises, Hayek und Rothbard. Nach der Lektüre eines einführenden Buches „Economics in One Lesson“ von Hazlitt, ist mir bewusst geworden, dass dieses Buch mir mehr über Ökonomie beigebracht hat, als die vier Semester an der Universität. Ich wollte mehr verstehen und habe dann meine Bachelorarbeit größer als nötig aufgelegt, um möglichst alle Argumente der Austrians gegen das etablierte Notenbankensystem zu sammeln. Diese wurde dann auch erfreulicherweise als Büchlein durch das Liberale Institut publiziert (Hier herunterladen). Schnell musste ich jedoch feststellen, dass mein Wissen nur auf die Konjunkturtheorie der Österreicher beschränkt ist und es noch viel mehr zu lernen gab. Die Wichtigkeit von epistemologischen Fragestellungen hat mich näher an die Philosophie gebracht und nun beschäftige ich mich auch mit anderen Wissenschaftsfeldern. Die Faszination ergibt sich genau daraus; Die Österreichische Schule der Nationalökonomie beschäftigt sich tiefgehend und auf verschiedenen Ebenen mit Problemstellungen – epistemologisch, ökonomisch, soziologisch, philosophisch – und lässt dabei nie das Individuum aus dem Auge. Die Herangehensweise, die Klarheit und ja, die Radikalität der Ideen sind unglaublich faszinierend. Das (Selbst-) Studium dieser Ideen gibt mir eine Methodologie an die Hand, menschliches Handeln und die Welt um mich herum zu analysieren und zu verstehen. Die Entdeckung dieser Ideen und Libertarismus an sich haben mein Leben sehr stark positiv verändert, aber es gibt keinen Tag an dem ich die Begehung dieses Weges bereue.

Wünschen wir uns, dass möglichst bald möglichst viele Menschen das gleiche „Aha-Erlebnis“ wie Sie haben. Wir danken für das Gespräch und wünschen Ihnen, Herr von Laer, und Ihrer Organisation weiterhin viel Erfolg.

Vielen Dank, Herr Marquart.

Sie können Herr von Laer unter folgender E-Mail Adresse: w.vonlaer@studentsforliberty.org erreichen.


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