Marktleugner, Gravitation und Wohnungsmarkt
6. November 2026 – von Rainer Fassnacht
Selten macht man sich bewusst, dass die Erdanziehungskraft eine spezifische Form der Gravitation ist, also jener Kraft, mit der sich Massen gegenseitig anziehen. Unabhängig davon macht sich ihr Wirken im Alltag bemerkbar. Auch „Schwerkraftleugner“, eine Demonstration gegen die Gravitation oder das Buch eines „Experten“, der die Schwerkraft für gescheitert erklärt, würde daran nichts ändern.
Ganz ähnlich verhält es sich mit dem Wirken von Angebot und Nachfrage. Doch obwohl sich deren Wirken ebenfalls tagtäglich bemerkbar macht, gibt es zahlreiche Menschen, welche das Wirken von Angebot und Nachfrage leugnen oder behaupten, es wäre irrelevant. Auch Demonstrationen für eine Welt ohne Markt und Bücher von „Experten“, die sich bemühen, in schillernden Farben politische Preisfestsetzung als positiv zu verkaufen, ändern nichts an den Fakten.
Es könnte sich also lohnen – neben diesen Gemeinsamkeiten zwischen dem physikalischen und dem ökonomischen Beispiel –, deren Unterschiede etwas genauer zu betrachten. Warum gibt es so viel mehr Menschen, die das Wirken von Angebot und Nachfrage ignorieren, nicht wahrhaben wollen oder für „umgehbar“ halten?
In Gesellschaften, die über den Naturaltausch hinausgekommen sind, kommen Preisen wichtige Funktionen zu. Nutzen wir Angebot und Nachfrage nach Wohnraum zur Verdeutlichung: Wird kaum oder gar kein neuer Wohnraum mehr geschaffen und die Nachfrage steigt, kommt es bei sonst gleichen Bedingungen zu steigenden Preisen.
Die steigenden Preise signalisieren potentiellen Investoren, dass Wohnraum knapper ist als zuvor. Politische Preise stören diesen Mechanismus und führen dazu, dass sich eine ohnehin schon angespannte Situation weiter verschlimmert.
Der offensichtlichste „politische Preis“ in diesem Beispiel wäre ein Mietendeckel, also ein Höchstpreis für Wohnraum. Weniger offensichtlich – aber ebenfalls eine politische Intervention mit Auswirkungen auf Preise, Angebot und Nachfrage – wären Auflagen, die das Bauen verteuern, erschweren oder verhindern.
Auch die Verstaatlichung von privatem Wohnraum, die Besteuerung von Mieterträgen oder Zwangshypotheken auf Immobilien verändern Preise, Angebot und Nachfrage. Tragen Politiker dazu bei, dass Investoren als „schlechte Menschen“ wahrgenommen werden oder verteufeln sie Gewinn als etwas Schlechtes, bleibt auch dies nicht ohne Auswirkungen, obwohl es weiche Faktoren sind.
Die genannten und weitere politische Interventionen bewirken, dass der Preis seine Funktion als Knappheitsindikator und Investitionsanreiz schlechter erfüllt als zuvor. Am Anfang sind es kleine Veränderungen, welche bemerkbar machen, dass der Preismechanismus gestört ist. Am Ende steht „Ruinen schaffen ohne Waffen“.
Blickt man auf die aktuelle Situation in der Bundeshauptstadt, wird erkennbar, dass nahezu alle genannten Interventionen bereits im Einsatz oder im Gespräch sind. Hier zeigt sich ein wesentlicher Grund, für die (für Mieter und Vermieter) unerfreuliche Entwicklung.
Beispielweise haben Bestandsmieter, deren Lebenssituation sich geändert hat, weil inzwischen die Kinder aus dem Haus sind, kaum Anreiz, in kleinere Wohnungen umzuziehen, wenn Neuvermietungen durch politisch verschärfte Knappheit zu teuer wurden. Vermieter verzichten auf Neubau, Erhalt oder Wohnraumaufwertung, wenn Milieuschutz und andere absurde Interventionen dies nahezu unmöglich machen.
Natürlich gibt es weitere Faktoren, die einen Einfluss auf die Preise für Wohnraum haben, die Zinsentwicklung und Inflationserwartungen gehören beispielsweise ebenso dazu. Doch es bleibt dabei, dass die Wirkung von Angebot und Nachfrage ebenso wenig umgangen werden kann wie die Gravitation.
Der wesentliche Unterschied liegt darin, dass sich politische Manipulationen der Preise und sonstige Interventionen zur Beeinflussung von Angebot und Nachfrage nicht direkt zum Zeitpunkt des Eingriffs bemerkbar machen. Sie machen sich ebenso unvermeidlich bemerkbar, aber mit zeitlichem Verzug.
Wer in einer Rakete der Erdanziehung zu entfliehen versucht, erlebt unmittelbar die Kräfte, die auf den eigenen Körper einwirken und sieht, welch großer (technischer) Aufwand nötig ist, diesen Versuch zu unternehmen. Politiker, die in den Preismechanismus eingreifen wollen, können dies ohne unmittelbares Feedback tun und scheinen außerstande, zu erkennen, welch fatale Auswirkungen dies hat.
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Wenn Menschen für politische Interventionen votieren, weil ihnen die Wohnungssituation unter den Nägeln brennt, zeigt dies, dass auch Wähler und andere Unterstützer solcher Politik dem Irrglauben anhängen, sozialistische Mittel könnten helfen, den Mietmarkt zu entspannen.
Doch das trifft nicht zu!
Der Mechanismus von Angebot und Nachfrage funktioniert ebenso zuverlässig wie die Gravitation – auch wenn man sich dies nicht bewusst macht oder wahrhaben möchte. Würde dies endlich zur Kenntnis genommen, wäre eine positive Veränderung auch im Wohnungsmarkt möglich. Wie beim Raketenstart scheint es anfangs – trotz Krach – kaum voranzugehen, aber ohne die „Launch Phase“ geht es nicht. Zeit für den Countdown!
Hinweis: Die Inhalte der Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Ludwig von Mises Instituts Deutschland wieder.
Rainer Fassnacht ist Ökonom und freier Journalist. Er schreibt für verschiedene Printmedien und Onlineplattformen im In- und Ausland. Hauptthema seiner Artikel über ökonomische Themen ist die Bewahrung der individuellen Freiheit.
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