145.000.000 EURO jährliche staatliche Förderung für Schalke 04 wären nur gerecht

28.1.2015 – von Stephan Ring.

Die Stadt Oberhausen liefert sich mit anderen kreisfreien Städten wie Pirmasens ein Kopf an Kopf Rennen um den Titel der am höchsten verschuldeten Kreisfreie Stadt Deutschlands, gerechnet in pro Kopf Verschuldung.

Als Kreisfreie Stadt entfallen laut ihres Haushaltsplans am Jahresende 2013 genau 8.796 Euro auf jeden Oberhausener.

Beim Überfliegen des Haushaltsplans der Stadt Oberhausen fällt einem der Haushaltsplan des örtlichen Theaters am Ebertplatz in die Hände.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Von den 9,23 Millionen Euro Aufwendungen konnten die Ticketerlöse offenbar nur 360.000 Euro oder knapp vier Prozent decken. Die gesamten Erlöse aus den Eintrittskarten wurden zu zwei Dritteln allein vom Kostenanstieg des Berichtsjahres aufgezehrt.

Warum Eintritt verlangt wird, bleibt unklar. Möglicherweise wäre bei Einsparung der Kräfte an der Kasse und Teile der Buchhaltung das Loch im Haushalt nur marginal größer und man könnte dann die leeren Plätze (im Schnitt ein Drittel) als Wärmehalle nutzen. Vielleicht würde ein kostenloses Kulturangebot auch mehr genutzt.

Immerhin fast 7,8 Millionen Euro zahlen die Stadt, 630.000 Euro das Land zu. Das Personal kostet 3,5 Prozent mehr als im Vorjahr, obwohl die Stadt unter Haushaltssicherung steht.

Was für Glanzlichter dem Publikum mit solchen Finanzmitteln geboten werden können, lässt eine Theaterkritik der Rheinischen Post zum Klassiker „Orestie“ von Aischylos ahnen, dem einzigen komplett aus der Antike überkommenen Theaterstück:

„Simon Stone lässt seine Darsteller flapsig und schnoddrig daherreden. Orest und Pylades planen Orests Rückkehr am Kickertisch und reflektieren die Strahlkraft der griechischen Tragödie so: „Hamlet oder Star Trek – das ist doch alles der gleiche Sch…“. Strophios, Vater des Pylades und Orests Ziehvater, zückt die Cashcard, als er seine Jungs ziehen lässt und faselt in einem langen Monolog von Smartphones und Skype, damit man auch miteinander in Kontakt bleibt. Von Agamemnons mysteriösem Tod erfährt der Zuschauer erst in einem Dialog zwischen Wachdienstler und Raumpflegerin, die sich über die Überwachungskamerabilder austauschen. Und wenn Stone die Geschichte schließlich weitest möglich von Aischylos weg manövriert hat, schnauzt Kriegsherr Agamemnon den Vegetarier-Freund seiner Tochter Iphigenie an: „Wir verteidigen dein Recht auf Tofu!“

Wenn das Geld auch bei leeren Plätzen fließt, kann man sich halt alles erlauben.

Aber nun zu Schalke. Wenn man bedenkt, dass jeder einzelne Zuschauer des Theaters pro Besuch von Stadt und Land mit 140 Euro bezuschusst wurde, dann kommt einem das nicht ganz billig vor.

Bei einem Zuschauerschnitt der Heimspiele von Schalke in der Veltins Arena von 61.293 Zuschauern (Quelle: Sport Bild) wäre ein staatlicher Zuschuss von 8,5 Millionen Euro pro Spiel oder 145.877.340 Euro pro Saison fällig. Damit wäre Schalke zumindest finanziell fast auf Augenhöhe zu Bayern München. Da würden sich die Schalke-Fans aber freuen.

Man fragt sich, woher der Staat das Recht nimmt, einen Fußballfan geringer zu achten, als einen Theaterbesucher? Und noch mehr fragt man sich, warum sich der Fußballfan das gefallen lässt.

Quellen:

Haushaltsplan 2013 von Oberhausen, Seite 65-66, 432 und 442, http://www.oberhausen.de/rathaus/eingebundene_dokumente/haushaltsplan_2013.pdf

„Orestie“ ohne Götter und Religion, rp-online, 3. Februar 2014 | 10.20 Uhr, http://www.rp-online.de/panorama/wissen/orestie-ohne-goetter-und-religion-aid-1.4006817

Beteiligungsbericht der Stadt Oberhausen, Seite 353, in der Spielzeit 2011/12: 348 Veranstaltungen mit 60.102 Besuchern, http://www.oberhausen.de/de/index/rathaus/verwaltung/verwaltungsfuehrung/gesellschaften-beteiligungen/beteiligungen_material/beteiligungsbericht-2012-endfassung.pdf

Foto-Startseite: © M. Schuppich – Fotolia.com

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Dr. Stephan Ring ist Jurist und Vorstand des Ludwig von Mises Institut Deutschland.

 

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