Wie Notenbanken Einkommensungleichheit verursachen

21.2.2014 – von Frank Hollenbeck.

Frank Hollenbeck

Die Schere zwischen reich und arm öffnet sich immer weiter. Im Jahr 1975 hielt das reichste Prozent acht Prozent vom wirtschaftlichen Gesamtkuchen, aktuell sind es über 20 Prozent. Das ist eine markante Verschiebung seit den 50er und 60er Jahren, als deren Anteil am Gesamteinkommen nur wenig über 10 Prozent lag. Eine Studie von Emmanuel Saez fand heraus, dass das Realeinkommen des reichsten Prozents von 2009 bis 2012 um 31,4 Prozent anstieg. Die reichsten zehn Prozent verfügen nun über 50,5 % der Gesamteinkommen, der größte Anteil seit 1917, seitdem die Zahlen vorliegen. Die Reichsten werden überproportional immer reicher, und das mit zunehmendem Tempo.

Ein Großteil der Literatur über die Ungleichheit von Einkommen findet sich bei den Soziologen der Universitäten. Sie haben Faktoren identifiziert wie den technologischen Fortschritt, die abnehmende Bedeutung der Gewerkschaften, der Rückgang der realen Mindestlöhne und natürlich Jedermann’s Lieblings-Sündenbock, die wachsende Bedeutung von China.

In einer kapitalistischen Wirtschaft spielen Preise und Gewinn ein wichtige Rolle. So werden Ressourcen dahin gelenkt, wo sie am dringendsten benötigt werden und Güter und Dienstleistungen hergestellt, die die Bedürfnisse der Menschen am besten erfüllen. Als Apple das Risiko einging, das iPad herzustellen, erwarteten die meisten einen Flop. Der Erfolg des iPad’s jedoch bescherte Apple Gewinne und so bekamen die anderen Produzenten ein Signal, dass die Konsumenten mehr derartiger Produkte wünschen. Der Gewinn war die Belohnung für das eingegangene Risiko. Es ist das Gewinnmotiv, das uns zu einer Vielzahl neuer Produkte und zu einem immer höheren Lebensstandard verholfen hat. Gewinn und Ungleichheit bei den Einkommen gehen dabei Hand in Hand. Wir können nicht das eine ohne das andere haben. Und wenn wir versuchen, das eine zu eliminieren, werden wir das andere auch eliminieren, zumindest aber reduzieren. Unterschiede bei den Einkommen sind eine logische, aber unvermeidbare Auswirkung der Gewinn- und Verlust-Charakteristik des Kapitalismus.

Premierministerin Margaret Thatcher hatte diese Untrennbarkeit sehr wohl verstanden. Sie sagte einst, es sei besser, große Einkommensunterschiede zu haben und alle befinden sich auf der Leiter ganz oben, als kleine Einkommensunterschiede und alle befinden sich auf der Leiter weit unten.

Die Mittelschicht ist jedenfalls dabei, in Richtung ‚Armut‘ abzudriften und steigt nicht die Leiter hoch. Von 1979 bis 2007 stiegen die Einkommen der mittleren 60 Prozent um weniger als 40 Prozent, während die Teuerung 186 Prozent betrug. Laut Saez-Studie stieg das Realeinkommen der verbleibenden 99 Prozent von 2009 bis 2012 lediglich um 0,4 Prozent. Jedoch reicht das nicht annähernd aus, um die von 2007 bis 2009 erlittenen Einkommensverluste auszugleichen, den größten Zwei-Jahres-Verlust seit der Großen Depression. Inflationsbereinigt verdienen untere Einkommensgruppen heute weniger wie vor 50 Jahren.

Das bringt uns zur zweiten – unerwünschten und ungerechtfertigten – Quelle bei der Entstehung von Einkommensunterschieden, der Geldschöpfung aus dem Nichts, oder: der legalen Falschmünzerei durch die Notenbanken. Es sollte nicht überraschen, dass das Auseinanderdriften der Einkommen mit der weltweiten Einführung von Papiergeld zusammenfällt. Jeder von den Notenbanken geschaffene Dollar begünstigt die Erst-Empfänger – Regierungen und Banken-Sektor – zu Lasten der Letzt-Empfänger, nämlich Lohnempfängern, und Armen. Seit der Installierung eines reinen Papiergeldsystems im Jahr 1971, hat der Dollar 82 Prozent seines Wertes verloren, während der Anteil des Bankensektors am Wirtschaftsprodukt von vier auf über zehn Prozent angestiegen ist.

Eine Zentralbank stellt nichts Reales her; weder Rohstoffe, noch Güter, noch Dienstleistungen und wenn sie Geld herstellt, verursacht sie einen Anstieg des Preisniveaus. Die ursprüngliche Quantitätstheorie stellt einen klaren Zusammenhang her zwischen Geld und dem Preis jeden Gutes, das man damit kaufen kann, inklusive Vermögensanlagen. Die Geldproduktion der Notenbank erzeugt Volatilität und steigende Preise bei den Vermögensanlagen. Wertpapierhändler, Hedgefonds und Banken, die an vorderster Front stehen, profitieren davon. Außerdem waren Future-Kontrakte und andere Derivate auf Wechselkurse oder Zinsen vor 1971 unnötig, weil wiederum Sicherungsgeschäfte meist unnötig waren. Die Notenbank ist verantwortlich für zusätzliche Risiken und Volatilität, sowie für den aus fundamentaler Sicht ungerechtfertigten Anstieg der Vermögenspreise.

Der Bankensektor hat es geschafft, seine Profite bzw. seinen Anteil an der gesamtwirtschaftlichen Produktion von Gütern und Dienstleistungen signifikant zu steigern. Je mehr jedoch einem Sektor zufällt, der eigentlich nichts schafft, was realen Wert hat, um so weniger verbleibt allen anderen. Deshalb ist Geldschöpfung ungesetzlich. Eine Notenbank spielt die Rolle eines ‚Revers-Robin-Hoods‘, weil sie den Anteil der Reichen am Kuchen vergrößert und die Mittelschicht in die Armut schickt.

Janet Yellen sagte kürzlich „Ich bin zuversichtlich, dass … die Inflation sich in Richtung unseres langfristigen Zieles von 2 % hin bewegt“ und demonstriert so ihre Bekenntnis zu einer institutionalisierten Politik von Diebstahl und Umverteilung von Wohlstand. Die Europäische Zentralbank ist auch nicht besser. Ihr LTRO-Programm diente dazu, an Banken auf Basis zweifelhafter Sicherheiten längerfristige Kredite zu vergeben, um damit Staatsanleihen zu kaufen. Diese Staatsanleihen wurden sofort wieder bei der EZB verpfändet, um mit weiteren billigen Krediten weitere Staatsanleihen zu kaufen. Das hat nichts mit der Schaffung von Liquidität zu tun, sondern dient nur dazu, die Gewinne nach oben zu treiben. Im Gegenteil, jeder Euro, den die Notenbank schafft, ist eine Steuer für den, der die Währung nutzt – eine Steuer auf Cash-Bestände. Sie wird der arbeitenden Bevölkerung abgenommen und an die Europäischen Bankenindustrie weitergereicht. Es handelt es sich um eine Monetisierung von Schulden, bei der der Bankensektor Mittelsmann spielt und einen ordentlichen Schnitt dabei macht. Gleiches gilt für die Umverteilungswirkung, die durch das Zahlen von Zinsen auf die Reserven von US-Banken erzeugt wird.

Besorgt über die Ungleichheit bei den Einkommen, haben US-Präsident Obama und die Demokraten noch höhere Steuern für die Reichen und eine Anhebung  des Mindestlohnes vorgeschlagen. Sie richten ihren Blick irrtümlicherweise auf die Folgen, statt auf die Ursachen für die Einkommensunterschiede. Haben Sie Erfolg mit ihren Forderungen, werden Sie ‚das Kind mit dem Bade ausschütten‘. Wenn sie aber ernsthaft die Einkommensunterschiede reduzieren wollen, sollten sie sich auf den Hauptverursacher konzentrieren, die Notenbank.

1923 kehrte Deutschland zu seiner Vorkriegswährung und zum Goldstandard zurück, genau genommen fast ohne Gold. Dabei versprach man, niemals wieder „Geld zu drucken“. Wir sollten das Gleiche tun.

Aus dem Englischen übersetzt von Andreas Marquart. Der Originalbeitrag mit dem Titel How Central Banks Cause Income Inequality ist am 1.2.2014 auf der website des Mises-Institute, Auburn, US Alabama erschienen.

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Dr. Frank Hollenbeck lehrt Volkswirtschaft an der “International University” in Genf, Schweiz.

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